Taanit — Blatt 15a
1zu dem, der von jedermann verachtet, der von Leuten verabscheut wird zum Sklaven von Tyrannen: Könige sollen dich sehen und aufstehen. Fürsten durch Niederwerfen, denn es heißt:Fürsten sollen sich niederwerfen. R. Zera, nach anderen R. Šemuél b. Naḥmani wandte ein: Hieße es: Fürsten aber sollen sich niederwerfen, so würdest du recht haben, da es aber heißt: Fürsten sollen sich niederwerfen, so [heißt dies]: sie werden beides tun!?
2R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach: Auch ich will ähnliches sagen: Nicht jedem ist Licht beschieden und nicht jedem ist Freude beschieden. Den Frommen ist Licht beschieden und den Redlichen ist Freude beschieden. Den Frommen Licht, denn es heißt: Licht ist für den Frommen ausgesäet. Den Redlichen Freude, denn es heißt: Freude für die, die redlichen Herzens sind.
3WELCHES IST DIE ORDNUNG FÜR DIE FASTTAGE? MAN BRINGT DIE LADE AUF DEN STADTPLATZ HINAUS, TUT ASCHE AUF DIE LADE UND AUF DAS HAUPT DES FÜRSTEN UND AUF DAS HAUPT DES GERICHTSPRÄSIDENTEN, UND AUCH JEDER ANDERE [TUT ASCHE] AUF SEIN HAUPT.
4DER ÄLTESTE UNTER IHNEN TRÄGT EINDRINGLICHE WORTE VOR: BRÜDER, VON DEN EINWOHNERN NINVES HEISST ES NICHT, GOTT HABE IHR SACKZEUG UND IHR FASTEN GESEHEN, SONDERN: Gott sah ihre Handlungen, daß sie von ihrem schlechten Wandel zurückgekehrt waren. FERNER HEISST ES IN DEN PROPHETEN: zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider.
5STELLT MAN SICH ZUM BETEN HIN, SO LÄSST MAN EINEN GREIS UND GEÜBTEN ALS VORBETER VOR DIE LADE TRETEN, DER KINDER HAT UND SEIN HAUS LEER IST, DAMIT SEIN HERZ SICH GANZ DEM GEBETE HINGEBE.
6DIESER SPRICHT VOR IHNEN VIERUNDZWANZIG SEGENSSPRÜCHE, DIE ACHTZEHN ALLTÄGLICHEN, ZU DENEN ER NOCH SECHS HINZUFÜGT. FOLGENDE SIND ES: [DIE VERSE VON DEN] ERINNERUNGEN UND VON DER POSAUNE UND [DIE PSALMEN]: In meiner Not rief ich zum Herrn und er erhört mich. Ich erhebe meine Augen zu den Bergen &c. Aus der Tiefe rufe ich dich, o Herr. Gebet eines Armen, wenn er schmachtet.
7R. JEHUDA SAGT, ER BRAUCHE NICHT [DIE VERSE VON DEN] ERINNERUNGEN UND VON DER POSAUNE ZU SPRECHEN, AN DEREN STELLE SPRECHE ER VIELMEHR: Wenn Hungersnot im Lande sein sollte, wenn Pest sein sollte. Was als Wort des Herrn an Jirmejahu erging, inbetreff der Dürre. ZU DIESEN LESE ER DIE ENTSPRECHENDEN SCHLUSSFORMELN.
8ZUM ERSTEN SPRICHT ER: ‘DER ABRAHAM AM BERGE MORIJA ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCHREI. GEPRIESEN SEIST DU, O HERR, ERLÖSER JISRAÉLS’. ZUM ZWEITEN SPRICHT ER: ‘DER UNSERE VORFAHREN AM SCHILFMEERE ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCHREI. GEPRIESEN SEIST DU, O HERR, DER DU DES VERGESSENEN GEDENKEST’.
9ZUM DRITTEN SPRICHT ER: ‘DER JEHOŠUA͑ IN GILGAL ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCHREI. GEPRIESEN SEIST DU. O HERR, DER DU DAS LÄRMBLASEN HÖREST’. ZUM VIERTEN SPRICHT ER: ‘DER ŠEMUÉL IN MIZPA ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCHREI. GEPRIESEN SEIST DU, O HERR, DER DU DIE KLAGE ERHÖRST’. ZUM FÜNFTEN SPRICHT ER: ‘DER ELIJAHU AM BERGE KARMEL ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCIIREI. GEPRIESEN SEIST DU, O HERR, DER DU DAS GEBET ERHÖRST’.
10ZUM SECHSTEN SPRICHT ER: ‘DER JONA VOM LEIBE DES FISCHES AUS ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCHREI. GEPRIESEN SEIST DU, O HERR, DER DU ZUR ZEIT DER NOT ERHÖRST’. ZUM SIEBENTEN SPRICHT ER: ‘DER DAVID UND SEINEN SOHN ŠELOMO IN JERUŠALEM ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCHREI. GEPRIESEN SEIST DU, O HERR, DER DU DICH DES LANDES ERBARMST’.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.