Taanit — Blatt 15b

1IN DEN TAGEN DES R. ḤALAPHTA UND DES R. ḤANANJA B.TERADJON TRAT EINST JEMAND VOR DIE LADE UND BEENDETE DEN GANZEN SEGEN, UND MAN ANTWORTETE NICHT AMEN. [DER DIENER RIEF:] ‘BLASET, PRIESTER!’ UND SIE BLIESEN. ‘DER UNSEREN VATER ABRAHAM AM BERGE MORIJA ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCHREI’. [ER RIEF:] ‘LÄRMT, SÖHNE AHRONS’. UND SIE LÄRMTEN. ‘DER UNSERE VORFAHREN AM SCHILFMEERE ERHÖRT HAT, ERHÖRE EUCH UND HÖRE AM HEUTIGEN TAGE AUF EUREN KLAGESCHREI’.

2ALS DIES ZU DEN WEISEN GELANGTE, SAGTEN SIE: SO VERFUHREN WIR NUR AM OSTTORE AUF DEM TEMPELBERGE.

3AN DEN ERSTEN DREI FASTTAGEN FASTETEN DIE MÄNNER DER BETREFFENDEN PRIESTERWACHE UND BEENDETEN [DAS FASTEN] NICHT, WÄHREND DIE MÄNNER DER FAMILIENWACHE ÜBERHAUPT NICHT FASTETEN; AN DEN NACHSTEN DREI FASTTAGEN FASTETEN DIE MÄNNER DER PRIESTERWACHE UND BEENDETEN ES AUCH, WÄHREND DIE MÄNNER DER FAMILIENWACHE FASTETEN UND ES NICHT BEENDETEN; AN DEN LETZTEN SIEBEN FASTTAGEN FASTETEN ALLE UND BEENDETEN ES AUCH – SO R. JEHOŠUA͑.

4DIE WEISEN SAGEN: AN DEN ERSTEN DREI FASTTAGEN FASTETEN WEDER DIESE NOCH JENE; AN DEN NÄCHSTEN DREI FASTETEN DIE MÄNNER DER PRIESTERWACHE UND BEENDETEN ES NICHT, WÄHREND DIE MÄNNER DER FAMILIENWACHE ÜBERHAUPT NICHT FASTETEN; AN DEN LETZTEN SIEBEN FASTTAGEN FASTETEN DIE MÄNNER DER PRIESTERWACHE UND BEENDETEN ES AUCH, WÄHREND DIE MÄNNER DER FAMILIENWACHE FASTETEN UND ES NICHT BEENDETEN.

5DIE MÄNNER DER PRIESTERWACHE DURFTEN NACHTS WEIN TRINKEN, NICHT ABER AM TAGE, DIE MÄNNER DER FAMILIENWACHE DURFTEN ES WEDER AM TAGE NOCH NACHTS. DIE MÄNNER DER PRIESTERWACHE UND DES BEISTANDES DURFTEN SICH DAS HAAR NICHT SCHNEIDEN NOCH IHRE KLEIDER WASCHEN; AM DONNERSTAG WAR ES IHNEN ERLAUBT, ZUR EHRUNG DES ŠABBATHS.

6WENN ES IN DER FASTENROLLE HEISST, MAN DÜRFE AUCH [AN DIESEM TAGE] KEINE TRAUER VERANSTALTEN, SO IST ES [AM TAGE] VORHER VERBOTEN UND NACHHER ERLAUBT; R. JOSE SAGT, VORHER UND NACHHER VERBOTEN.

7[WENN ES ABER HEISST,] MAN DÜRFE [AN DIESEM TAGE] NICHT FASTEN, SO IST ES [AM TAGE] VORHER UND NACHHER ERLAUBT; R. JOSE SAGT, VORHER VERBOTEN UND NACHHER ERLAUBT.

8MAN VERFÜGE DIE GEMEINDEFASTEN NICHT MIT DEM DONNERSTAG BEGINNEND, UM NICHT DIE MARKTPREISE IN DIE HÖHE ZUTREIBEN; DIE ERSTEN DREI FASTTAGE SIND VIELMEHR MONTAG, DONNERSTAG, MONTAG, UND DIE NÄCHSTEN DREI FASTTAGE SIND DONNERSTAG, MONTAG UND DONNERSTAG; R. JOSE SAGT, WIE DIE ERSTEN FASTTAGE NICHT MIT EINEM DONNERSTAG BEGINNEN, EBENSO AUCH NICHT DIE NÄCHSTEN UND DIE LETZTEN.

9MAN VERFÜGE KEIN GEMEINDEFASTEN AUF NEUMONDE, AUF DAS ḤANUKAFEST UND AUF DAS PURIMFEST; HAT MAN [DIE FASTTAGE] BEREITS BEGONNEN, SO UNTERBRECHE MAN SIE NICHT – SO R. GAMLIÉL. R. MEÍR SPRACH: OBGLEICH R. GAMLIÉL GESAGT HAT, MAN UNTERBRECHE SIE NICHT, SO PFLICHTET ER DENNOCH BEI, DASS MAN [DAS FASTEN] NICHT BEENDE. DASSELBE GILT AUCH, WENN DER NEUNTE AB AUF EINEN VORABEND DES ŠABBATHS FÄLLT.

10GEMARA. WELCHES IST DIE ORDNUNG FÜR DIE FESTTAGE? MAN BRINGT DIE LADE &C. Auch an den ersten. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: An den ersten und nächsten drei Festtagen geht man ins Bethaus und betet, wie man das ganze Jahr betet,

11und an den letzten sieben bringt man die Lade nach dem Stadtplatz hinaus, tut Asche auf die Lade und auf das Haupt des Fürsten und auf das Haupt des Gerichtspräsidenten, und auch jeder andere tut Asche auf sein Haupt; R. Nathan sagte: Es muß Brandasche sein. R. Papa erwiderte: Unsere Mišna spricht eben von den letzten sieben.

12AUF DAS HAUPT DES FÜRSTEN. Und erst nachher, lehrt er, nimmt jeder andere [Asche] und tut auf sein Haupt. Dem ist ja aber nicht so!? Es wird nämlich gelehrt: Rabbi sagte: Bei einer Würde beginnt man mit dem Größten und bei einem Fluche beginnt man mit dem Kleinsten.

13Bei einer Würde beginnt man mit dem Größten, denn es heißt: und Moše sprach zu Ahron und zu Elea͑zar und Ithamar; bei einem Fluche beginnt man mit dem Kleinsten, denn (der Meister sagte,) zuerst wurde die Schlange verflucht, nachher wurde Ḥava verflucht und nachher wurde Adam verflucht. –

14Dies ist ebenfalls eine Würde für sie, denn man spricht zu ihnen: Ihr seid würdig, für uns alle zu flehen.

15UND AUCH JEDER ANDERE NIMMT [ASCHE] UND TUT AUF SEIN HAUPT. R. Ada sprach: Wie jeder andere [Asche] nimmt und auf sein Haupt tut, sollte doch auch der Fürst und der Gerichtspräsident selber [Asche] nehmen und aufs Haupt tun, weshalb muß ein anderer sie nehmen und ihnen aufs Haupt tun!? R. Abba aus Cäsarea erwiderte: Wer sich selbst beschämt, ist nicht mit dem zu vergleichen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.