Taanit — Blatt 16b
1«Der mit Anhang belastet ist und nichts besitzt.» Das ist ja dasselbe, wie ‘sein Haus leer ist’!? R. Ḥisda erwiderte: Einer dessen Haus leer von Sünden ist. «Von tadellosem Lebenswandel.» Abajje erklärte: Über den in seiner Jugend kein übles Gerücht ausging.
2Mein Eigentum ward für mich gleich einem Löwen im Walde; es erhob seine Stimme wider mich, deshalb hasse ich es. Was heißt: es erhob seine Stimme wider mich? Mar Zuṭra b.Ṭobija erwiderte im Namen Rabhs, und wie manche sagen, R. Ḥama im Namen R. Elea͑zars: Das ist ein unwürdiger Vorbeter, der vor die Lade tritt.
3DIESER SPRICHT VOR IHNEN VIERUNDZWANZIG SEGENSSPRÜCHE, DIE ACHTZEHN ALLTÄGLICHEN, ZU DENEN ER NOCH SECHS HINZUFÜGT. Wieso sechs, es sind ja sieben, wie wir gelernt haben: zum siebenten spricht er: ‘Gepriesen seist du, der du dich des Landes erbarmst’!? R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Unter ‘siebenten’ ist der siebente verlängerte [Segen] zu verstehen.
4Es wird nämlich gelehrt: [Der Segen] ‘Der Jisraél erlöst’ wird verlängert; am Schlusse spricht er: ‘Der Abraham am Berge Morija erhört hat, erhöre euch und höre am heutigen Tage auf euren Klageschrei. Gepriesen sei der Erlöser Jisraéls’. Darauf antwortet [die Gemeinde] Amen. Der Gemeindediener ruft: ‘Blaset, Söhne Ahrons!’ Und sie blasen.
5Sodann spricht jener weiter: ‘Der unsere Vorfahren am Schilfmeere erhört hat, erhöre euch, und höre am heutigen Tage auf euren Klageschrei. Gepriesen sei er, der der Vergessenen gedenkt’. Darauf antwortet das Volk Amen. Der Gemeindediener ruft: ‘Lärmt, Söhne Ahrons!’ Und sie lärmen. Und so weiter bei jedem Segensspruche [abwechselnd], bei einem ruft er ‘blaset!’ und beim anderen ruft er ‘lärmt!’.
6Dies gilt nur für die Provinz, nicht so aber im Tempel, weil man im Tempel nicht Amen antwortet. – Woher, daß man im Tempel nicht Amen antwortet? –
7Es heißt: siehet preiset den Herrn, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Sie sollen deinen herrlichen Namen preisen, der über allen Segen und alles Lob erhaben ist. Man könnte glauben, auf alle Segenssprüche zusammen nur ein Lob, so heißt es: der über allen Segen und alles Lob erhaben ist; zu jedem Segen gib ihm ein besonderes Lob. –
8Was spricht [der Vorbeter] im Tempel? – ‘Gepriesen sei Gott, der Herr, der Gott Jisraéls, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gepriesen sei der Erlöser Jisraéls’. Darauf antwortet [die Gemeinde]: ‘Gepriesen sei der Name seiner herrlichen Majestät für immer und ewig’. Sodann ruft der Gemeindediener: Blaset, ihr Priester, Söhne Ahrons!’ Und sie blasen.
9Wiederum spricht jener: ‘Der Abraham am Berge Morija erhört hat, erhöre euch und höre am heutigen Tage auf euren Klageschrei. Gepriesen sei der Herr, der Gott Jisraéls, der des Vergessenen gedenkt.’ Darauf antwortet [die Gemeinde]: ‘Gepriesen sei der Name seiner herrlichen Majestät für immer und ewig’. Sodann ruft der Gemeindediener: Lärmt, ihr Priester, Söhne Ahrons!’ Und so weiter bei jedem Segensspruche [abwechselnd], bei einem ruft er ‘blaset!’ und beim anderen ruft er ‘lärmt’, bis alle beendet sind.
10So führte es auch R. Ḥalaphta in Sepphoris ein, und R. Ḥananja b. Teradion in Sikhni. Als aber die Weisen davon hörten, sprachen sie: So verfuhr man nur am Osttore auf dem Tempelberge.
11Manche lesen: Wie gelehrt wird: [Der Vorbeter] spricht vor ihnen vierundzwanzig Segenssprüche, die achtzehn alltäglichen, zu denen er noch sechs hinzufügt. – Wo spricht er diese sechs? – Zwischen dem Segen von der Erlösung und dem Segen von der Heilung; und auch der Segen von der Erlösung wird verlängert. Auf jeden Segensspruch antwortet [die Gemeinde] Amen. So verfuhr man in der Provinz,
12im Tempel aber sagte man: ‘Gepriesen sei der Herr, der Gott Jisraéls, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gepriesen sei der Erlöser Jisraéls’. Amen antwortete man aber nicht. – Weshalb dies? – Weil man im Tempel nicht Amen antwortet. – Woher, daß man im Tempel nicht Amen antwortet? – Es heißt: steht auf, preiset den Herrn, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Sie sollen deinen herrlichen Namen preisen, der über allen Segen und alles Lob erhaben ist; zu jedem Segen gib ihm ein besonderes Lob.
13Die Rabbanan lehrten: Beim ersten Segen spricht [der Vorbeter]; ‘Gepriesen sei der Herr, der Gott Jisraéls, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gepriesen sei der Erlöser Jisraéls’. Darauf antwortet [die Gemeinde]: ‘Gepriesen sei der Name seiner herrlichen Majestät für immer und ewig’. Sodann ruft der Gemeindediener: ‘Blaset, ihr Priester!’ Und sie blasen. Wiederum spricht er: Der Abraham am Berge Morija erhört hat, erhöre euch und höre am heutigen Tage auf euren Klageschrei’. Beim zweiten Segen spricht er: ‘Gepriesen sei der Herr, der Gott Jisraéls, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gepriesen sei, der des Vergessenen gedenkt’. Darauf antwortet [die Gemeinde]: ‘Gepriesen sei der Name seiner herrlichen Majestät für immer und ewig’.
14Sodann ruft der Gemeindediener: ‘Lärmt, ihr Söhne Ahrons!’ Und sie lärmen. Wiederum spricht jener: ‘Der unsere Vorfahren am Schilfmeere erhört hat, erhöre euch und höre am heutigen Tage auf euren Klageschrei‘. Und sie lärmen, blasen und lärmen. Und so weiter bei jedem Segensspruche [abwechselnd], bei einem ruft er ‘blaset!’, beim anderen ruft er ‘lärmt!’, bis alle Segenssprüche beendet sind. So führte es auch R. Ḥalaphta in Sepphoris ein, und R. Ḥanina b.Teradjon in Sikhni. Als aber die Weisen davon hörten, sprachen sie: So verfuhr man nur am Osttore auf dem Tempelberge.
15R. JEHUDA SAGT, ER BRAUCHE NICHT [DIE VERSE] VON DEN ERINNERUNGEN UND YON DER POSAUNE ZU SPRECHEN &C. R. Ada aus Japho sagte: Folgendes ist der Grund R. Jehudas, weil man [die Verse] von den Erinnerungen und von der Posaune
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.