Taanit — Blatt 17a

1nur am Neujahrsfeste, am Jobelfeste und im Kriege lese.

2ZUM ERSTEN SPRICHT ER: ‘DER ABRAHAM ERHÖRT &C.’Es wird gelehrt: Manche vertauschen es und setzen [den Segen] ‘Der die Klage erhört’ bei Elijahu, und [den Segen] ‘Der das Gebet erhört’ bei Šemuél. – Allerdings wird bei Šemuél sowohl ‘Gebet’ als auch ‘Klage’ gebraucht,

3bei Elijahu aber wird ja nur ‘Gebet’ und ‘Klage’ nicht gebraucht. Auch [die Worte:] erhöre mich, o Herr, erhöre mich! haben den Begriff ‘Klage’.

4ZUM SECHSTEN SPRICHT ER: ‘DER JONA ERHÖRT &C.’ ZUM SIEBENTEN SPRICHT ER: ‘DER DAVID ERHÖRT &C.’ Merke, Jona war ja später als David und Šelomo, weshalb nun nennt er ihn früher!? – Weil er schließen will [mit dem Segen]: ‘Der sich des Landes erbarmt’. Es wird gelehrt: Im Namen Symmachos’ sagten sie, [man beende:] ‘Gepriesen sei, der die Stolzen demütigt.’

5AN DEN ERSTEN DREI FASTTAGEN FASTETEN DIE MÄNNER DER PRIESTERWACHE UND BEENDETEN [DAS FASTEN] NICHT &C. Die Rabbanan lehrten: Weshalb sagten sie, die Männer der Priesterwache dürfen nachts Wein trinken, am Tage aber nicht!? Weil möglicherweise den Männern der Familienwache der Tempeldienst schwer wird und diese ihnen helfen müssen.

6Und weshalb sagten sie, die Männer der Familienwache nicht am Tage und nicht nachts? Weil sie sich dauernd mit dem Dienste zu befassen haben.

7Hieraus folgerten sie, daß jeder Priester, der seine Priesterwache und seine Familienwache kennt, und auch weiß, daß seine Vorfahren da Dienst taten, am ganzen betreffenden Tage keinen Wein trinken dürfe. Kennt er weder seine Priesterwache noch seine Familienwache, weiß aber, daß seine Vorfahren da Dienst taten, so darf er das ganze Jahr keinen Wein trinken.

8Rabbi sagte: Ich sage, [ein Priester] sollte niemals Wein trinken dürfen, was aber ist zu machen, wenn ihm der Verderb zum Nutzen gereicht!? Abajje sagte: Nach wessen Ansicht trinken die Priester jetzt Wein? Nach Rabbi.

9DIE MÄNNER DER PRIESTERWACHE UND DES BEISTANDES DURFTEN SICH DAS HAAR NICHT SCHNEIDEN NOCH IHRE KLEIDER WASCHEN; AM DONNERSTAG WAR ES IHNEN ERLAUBT, ZUR EHRUNG DES ŠABBATHS. Aus welchem Grande? Rabba b.Bar Ḥana erwiderte im Namen R. Joḥanans: Damit sie nicht schmutzig ihren Dienst antreten.

10Die Rabbanan lehrten: Der König schere sich das Haar täglich, der Hochpriester an jedem Vorabend des Šabbaths und ein gemeiner Priester einmal in dreißig Tagen. – Aus welchem Grunde schere sich der König das Haar täglich? R. Abba b. Zabhda erwiderte: Die Schrift sagt: den König in seiner Pracht schauen deine Augen. – Aus welchem Grunde der Hochpriester von einem Vorabend des Šabbaths zum anderen? R. Šemuél b. Jiçḥaq erwiderte: Weil dann die Priesterwachen wechseln.

11Woher, daß ein gemeiner Priester einmal in dreißig Tagen? – Dies ist durch [das Wort] Haarwuchs vom Naziräer zu entnehmen. Hier heißt es: ihr Haupt sollen sie nicht scheren, aber auch ihren Haarwuchs nicht herabhängen lassen, und dort heißt es: geweiht soll er sein, seinen Haarwuchs soll er herabhängen lassen; wie dort dreißig [Tage], ebenso auch hier dreißig. –

12Woher dies vom Naziräer selbst? R. Mathna erwiderte: Das unbefristete Nazirat währt dreißig Tage. – Woher dies? – Die Schrift sagt: jihjeh [er soll sein], und dessen Zahlenwert beträgt dreißig. R. Papa sprach zu Abajje: Vielleicht sagt der Allbarmherzige, [die Priester] dürfen [das Haar] überhaupt nicht wachsen lassen!? Dieser erwiderte: Würde es geheißen haben: ‘sie sollen keinen Haarwuchs herabhängen lassen’, so könntest du recht haben, da es aber heißt: ‘ihren Haarwuchs nicht herabhängen lassen’, so dürfen sie einen Haarwuchs tragen, nur nicht herabhängen lassen. –

13Demnach sollte dies ja auch jetzt noch gelten!? – Gleich dem Wein trinken: wie das Weintrinken nur zur Zeit des Eintretens verboten ist, außerhalb der Zeit des Eintretens aber erlaubt ist, ebenso auch dies. –

14Es wird ja aber gelehrt: Rabbi sagte: Ich sage, Priester sollten niemals Wein trinken dürfen, was aber ist zu machen, wenn ihnen der Verderb zum Nutzen gereicht!? Und hierzu sagte Abajje: Nach wessen Ansicht trinken die Priester jetzt Wein?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.