Taanit — Blatt 28a

1Anders ist es da, wo man Spielraum hat.

2EIN GRÖSSERER ABSATZ IST VON ZWEIEN ZU LESEN. SO BEIM MORGENGEBETE UND BEIM ZUSATZGEBETE, UND BEIM VESPERGEBETE LASEN SIE AUSWENDIG &C. Man fragte: Wie meint er es: beim Morgengebete und beim Zusatzgebete lese man aus dem Buche, und beim Vespergebete lese man wie das Šema͑ auswendig, oder aber wie folgt: beim Morgengebete aus dem Buche, und beim Zusatzgebete und beim Vespergebete lese man wie das Šema͑ auswendig? –

3Komm und höre: Es wird gelehrt: Beim Morgengebete und beim Zusatzgebete versammle man sich im Bethause und lese wie man das ganze Jahr liest, beim Vespergebete aber kann sie jeder Einzelne auswendig lesen. R. Jose sprach: Darf denn ein Einzelner Worte der Tora auswendig lesen, wenn er sich in einer Gemeinde befindet!? Vielmehr, alle versammeln sich im Bethause und lesen auswendig, wie man das Šema͑ liest.

4AN EINEM TAGE, AN DEM DAS LOBLIED GELESEN WIRD, FÄLLT DER BEISTAND [MORGENS] AUS &C. Welchen Unterschied gibt es zwischen dem einen und dem anderen? – Das eine ist Gebot der Tora und das andere ist eine Anordnung der Schriftkundigen.

5WAR HOLZSPENDE FÜR PRIESTER UND VOLK &C. Die Rabbanan lehrten: Welches Bewenden hat es mit den Holzspenden für Priester und Volk? Man erzählt. Als die Exulanten zurückkehrten, fanden sie kein Holz in der Kammer vor; da kamen diese und spendeten von ihrem.

6Die Propheten, die unter ihnen waren, ordneten dann an: selbst wenn die Rammer voll Holz ist, müssen diese von ihrem spenden, denn es heißt: und wir, die Priester, die Leviten und das Volk warfen das Los wegen der Holzspenden, daß wir es jahraus jahrein familienweise zur festgesetzten Zeit für den Tempel unseres Gottes liefern wollten, damit es auf dem Altar des Herrn, unseres Gottes, brenne, wie es im Gesetze vorgeschrieben ist.

7MIT IHNEN AUCH PRIESTER UND LEVITEN, ALLE &C. Die Rabbanan lehrten: Welches Bewenden hat es mit den Keulenschmugglern und den Feigenpressern?

8Man erzählt. Einst verhängte die ruchlose Regierung Religionsverfolgung über Jisraél, kein Holz für das Altarfeuer zu liefern und keine Erstlinge nach Jerušalem zu bringen; sie setzten Wachen auf die Wege, wie einst Jerobea͑m, der Sohn Nebaṭs, solche gesetzt hatte, daß die Jisraéliten nicht zur Wallfahrt hinaufziehen.

9Was aber taten die Frommen und die Sündenscheuen jenes Zeitalters? Sie holten Körbe mit Erstlingsfrüchten und überdeckten sie mit getrockneten Feigen; diese und eine Keule nahmen sie auf die Schulter, und wenn sie an die Wache herankamen und gefragt wurden, wohin sie gehen, erwiderten sie: Wir gehen mit dem Mörser vor uns und der Keule auf unserer Schulter ein paar Feigenkuchen pressen. Waren sie an dieser vorüber, so bekränzten sie die Körbe und brachten sie nach Jerušalem.

10Es wird gelehrt: So machten es die Angehörigen der Familie Salmaj Netophati. Die Rabbanan lehrten: Welches Bewenden hat es mit den Angehörigen der Familie Salmaj Netophati? – Man erzählt. Einst verhängte die ruchlose Regierung Religionsverfolgung über Jisraél, kein Holz für das Altarfeuer zu bringen; sie setzten Wachen auf die Wege, wie einst Jerobea͑m, der Sohn Nebaṭs, solche gesetzt hatte, daß die Jisraéliten nicht zur Wallfahrt hinaufziehen.

11Was aber taten die Sündenscheuen jenes Zeitalters? Sie machten Leitern aus dem Holze und nahmen sie auf die Schulter, und wenn sie au die Wache herankamen und gefragt wurden, wohin sie gehen, erwiderten sie: Mit diesen Leitern, die auf unserer Schulter, gehen wir junge Tauben vom Taubenschlage holen. Waren sie an diesen vorüber, so nahmen sie sie auseinander und brachten sie nach Jerušalem.

12Über diese und ihresgleichen heißt es: das Gedächtnis des Gerechten bleibt zum Segen; über Jerobea͑m, den Sohn Nebaṭs, und über seine Genossen heißt es: der Gottlosen Name wird verwesen.

13AM ZWANZIGSTEN DESSELBEN FÜR DIE FAMILIE PAḤATH MOAB VOM STAMME JEHUDA. Es wird gelehrt: Die Familie Paḥath Moab vom Stamme Jehuda ist mit der Familie David vom Stamme Jehuda identisch – so R. Meír; R. Jose sagt, diese sei mit der Familie Joab, Sohn der Çeruja, identisch.

14AM ZWANZIGSTEN ELUL FÜR DIE FAMILIE A͑DIN VOM STAMME JEHUDA &C. Die Rabbanan lehrten: Die Familie A͑din vom Stamme Jehuda ist mit der Familie David vom Stamme Jehuda identisch – so R. Jehuda; R. Jose sagt, sie sei mit der Familie Joab, Sohn der Çeruja, identisch.

15AM ERSTEN ṬEBETH WIEDERUM FÜR DIE FAMILIE PARO͑Š &C. Unsere Mišna [lehrt] also weder nach R. Meír noch nach R. Jehuda noch nach R.Jose!? Nach R. Meír müßte es heißen: wiederum für die Familie David vom Stamme Jehuda,

16nach R. Jehuda müßte es ebenfalls heißen: wiederum für die Familie David vom Stamme Jehuda, und nach R. Jose müßte es heißen: wiederum für die Familie Joab, Sohn der Çeruja. –

17Tatsächlich nach R. Jose, nur streiten zwei Tannaím über die Ansicht R. Joses.

18AM ERSTEN ṬEBETH FIEL DER BEISTAND AUS &C. Mar Qašiša, Sohn des R. Ḥisda, sprach zu R. Aši:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.