Taanit — Blatt 30b
1zwischen Ofen und Herd, wo er es aß und darauf einen Krug Wasser trank; er sah so aus, als läge sein Toter vor ihm.
2Dort haben wir gelernt: Wo es üblich ist, am Neunten Ab Arbeit zu verrichten, verrichte man, und wo es üblich ist, keine Arbeit zu verrichten, verrichte man nicht. Überall aber feiern die Schriftgelehrten. R. Šimo͑n b.Gamliél sagte: Immer nur betrachte sich jeder als Schriftgelehrter. Ebenso wird auch gelehrt: R. Šimo͑n b.Gamliél sagte: Immer nur betrachte sich jeder als Schriftgelehrter, damit er faste.
3Ein Anderes lehrt: R. Šimo͑n b.Gamliél sagte: Wenn jemand am Neunten Ab ißt und trinkt, so ist es ebenso, als würde er am Versöhnungstage essen und trinken. R. A͑qiba sagte: Wer am Neunten Ab Arbeit verrichtet, wird nie ein Zeichen des Segens sehen.
4Die Weisen sagten: Wer am Neunten Ab Arbeit verrichtet und nicht über Jerušalem trauert, wird auch ihre Freude nicht sehen, denn es heißt: freut euch mit Jerušalem und jubelt mit ihr, ihr alle, die ihr sie lieh habt; frohlockt mit ihr, ihr alle, die über sie trauert. Hieraus folgerten sie: wer über Jerušalem trauert, dem ist es beschieden, auch ihre Freude zu sehen, und wer über Jerušalem nicht trauert, dem ist es auch nicht beschieden, ihre Freude zu sehen. Ebenso wird gelehrt: Wer am Neunten Ab Fleisch ißt und Wein trinkt, über den spricht die Schrift: und ihre Sünden lasten auf ihren Gebeinen.
5R. JEHUDA VERPFLICHTET AUCH ZUR UMLEGUNG DES BETTES; DIE WEISEN PFLICHTEN IHM ABER NICHT BEI. Es wird gelehrt: Sie sprachen zu R. Jehuda: Was sollen deiner Ansicht nach Schwangere und Säugende machen!? Dieser erwiderte: Ich sage es nur für den, der es kann.
6Ebenso wird auch gelehrt: R. Jehuda pflichtet den Weisen bei, wenn man es nicht kann, und die Weisen pflichten R. Jehuda bei, wenn man es kann. – Welchen Unterschied gibt es demnach zwischen ihnen!? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen bei den übrigen Betten.
7Es wird nämlich gelehrt: Die Pflicht, das Bett umzulegen, erstreckt sich nicht nur auf sein eigenes Bett, sondern auf alle Betten [im Hause], Raba sagte: Die Halakha ist wie unser Tanna, welcher sagt, die Weisen hätten ihm überhaupt nicht beigepflichtet.
8R. ŠIMO͑N B.GAMLIÉL SAGTE: JISRAÉL HATTE KEINE FRÖHLICHEREN FESTTAGE ALS DEN FÜNFZEHNTEN AB UND DEN VERSÖHNUNGSTAG. Allerdings am Versöhnungstage, weil dieser ein Tag der Vergebung und der Versöhnung ist, und an diesem auch die zweiten Gesetzestafeln gegeben wurden;
9welches Bewenden aber hat es mit dem fünfzehnten Ab? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Es ist der Tag, an dem [die Verbindung] der Stämme miteinander erlaubt wurde. –
10Wie eruierten sie dies? – [Es heißt:] das ist es, was der Herr im Betreff der Töchter Çelophḥads gesprochen hat &c. Dies gilt also nur für jenes Zeitalter.
11R. Joseph erklärte im Namen R. Naḥmans: An diesem Tage wurde erlaubt, den Stamm Binjamin in die Gemeinde aufzunehmen, denn es heißt: nun hatten die Jisraéliten in Miçpa den Schwur getan: Keiner von uns darf seine Tochter an einen Binjaminiten zur Frau geben. – Wie eruierten sie dies?
12Raba erwiderte: ‘Von uns’, nicht aber von unseren Nachkommen. Rabba b.Bar Ḥana erklärte im Namen R. Joḥanans: An diesem Tage hörte das Sterben der Wüsten[generation] auf. Der Meister sagte nämlich: Solange die Wüsten[generation] noch nicht ausgestorben war, hatte Moše keine [göttliche] Unterredung, denn es heißt: und als alle kriegstüchtigen Männer ausgestorben waren, da redete der Herr mit mir: die Unterredung galt mir.
13U͑la erklärte: An diesem Tage schaffte Hošea͑, der Sohn Elas, die Wachen ab, die Jerobea͑m, der Sohn Nebaṭs, auf die Wege gesetzt hatte, um die Jisraéliten von der Wallfahrt zurückzuhalten: er sagte,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.