Taanit — Blatt 3b

1er nämlich überhaupt nicht zurückgehalten wird. – Wieso schwor Elijahu, wenn er überhaupt nicht zurückgehalten wird!? – Er meinte es wie folgt: auch der Tau des Segens wird ausbleiben. – Sollte er den Tau des Segens zurückkehren lassen!? – Dies wäre nicht zu merken. –

2Woher, daß die Winde nicht zurückgehalten werden? R. Jehošua͑ b.Levi erwiderte: Die Schrift sagt: ich habe euch wie die vier Winde des Himmels zerstreut, Spruch des Herrn. Was meint der Prophet damit: wollte man sagen, der Heilige, gepriesen sei er, habe zu Jisraél wie folgt gesprochen: ich habe euch in die vier Windrichtungen der Welt zerstreut, so müßte es ja in die vier heißen, wieso wie die vier!? Vielmehr meint er es wie folgt: wie die Welt ohne Winde nicht bestehen kann, so kann sie auch ohne Jisraél nicht bestehen.

3R. Ḥanina sagte: Daher heiße man denjenigen, der im Sommer [im Gebete] ‘Er läßt den Wind wehen’ gesagt hat, es nicht wiederholen, wenn er aber ‘Und läßt den Regen niederfallen’ gesagt hat, lasse man ihn es wiederholen.

4Desgleichen heiße man ihn es nicht wiederholen, wenn er in der Regenzeit ‘Er läßt den Wind wehen’ nicht gesagt hat, wenn er aber ‘Und läßt den Regen niederfallen’ nicht gesagt hat, heiße man ihn, es wiederholen. Und noch mehr: selbst wenn jemand gesagt hatte: ‘Er läßt den Wind ausbleiben und den Tau schwinden’, heiße man ihn nicht [das Gebet] wiederholen.

5Es wird gelehrt: Die Weisen haben nicht verpflichtet, der Wolken und der Winde zu erwähnen, wenn man aber deren erwähnen will, so erwähne man. – Aus welchem Grunde? – Weil diese nicht zurückgehalten werden. –

6Werden sie etwa nicht zurückgehalten, R. Joseph lehrte ja: Und er wird den Himmel verschließen, Wolken und Winde [zurückhalten]. Du sagst, Wolken und Winde, vielleicht ist dem nicht so, sondern den Regen!? Wenn es heißt: daß kein Regen mehr komme, so wird ja der Regen ausdrücklich genannt, somit sind [die Worte] Er wird den Himmel verschließen auf Wolken und Winde zu beziehen.

7Es besteht also ein Widerspruch hinsichtlich der Winde, und es besteht ein Widerspruch hinsichtlich der Wolken!? – Hinsichtlich der Wolken besteht kein Widerspruch, denn das eine gilt von den Wolken vor [dem Regen] und das andere von den Wolken nachher;

8und hinsichtlich der Winde besteht ebenfalls kein Widerspruch, denn das eine gilt von gewöhnlichen Winden und das andere von außergewöhnlichen Winden. – Die außergewöhnlichen Winde sind ja für die Tenne dienlich!? – Man kann sich mit einem Siebe behelfen.

9Es wird gelehrt: Wolken und Winde sind ein zweiter Grad des Regens. – Welche sind es? U͑la, nach anderen R. Jehuda, sagte, die dem Regen folgen. – Demnach sind diese nützlich, dagegen heißt es ja: der Herr wird den Regen seines Landes in Staub und Sand verwandeln, und hierzu sagte U͑la, nach anderen R. Jehuda, das sei der dem Regen folgende Wind!? –

10Das ist kein Einwand; das eine gilt von einem leichten, und das andere gilt von einem stürmischen. Wenn du aber willst, sage ich: das eine, wenn er Staub aufwirbelt, das andere, wenn er keinen Staub aufwirbelt.

11Ferner sagte R. Jehuda: Der Wind nach dem Regen gleicht dem Regen; die Wolken nach dem Regen gleichen dem Regen; die Sonne nach dem Regen gleicht doppeltem Regen. – Was schließt dies aus? – Die Helligkeit der Nacht und den Sonnenschein zwischen den Wolken.

12Raba sagte: Der Schnee ist dienlich für die Berge so wie fünffacher Regen für die Erde, denn es heißt: denn zum Schnee spricht er: falle zur Erde, und so auch zum Regengusse und zu seinen gewaltigen Regengüssen.

13Ferner sagte Raba: Der Schnee für die Berge, der starke Regen für die Bäume, und der leichte Regen für die Feldfrüchte;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.