Taanit — Blatt 4a
1und der feine Regen [U͑rpila] ist sogar dem Saatkorn unter der Scholle nützlich. Was heißt U͑rpila? U͑ru pila [der die Spalten regt]. Ferner sagte Raba: Ein Gelehrtenjünger gleicht dem Saatkorn unter Scholle; wenn er nur zu wachsen beginnt, schießt er hervor.
2Ferner sagte Raba: Wenn ein Gelehrtenjünger in Zorn gerät, so ist es die Tora, die in ihm lodert, denn es heißt: ist denn nicht mein Wort wie Feuer? Spruch des Herrn. Desgleichen sagte R. Aši: Ein Schriftgelehrter, der nicht hart wie Eisen ist, ist kein Schriftgelehrter, denn es heißt: wie ein Hammer, der Felsen zertrümmert.
3R. Abba sprach zu R. Aši: Ihr entnehmt dies hieraus, wir aber entnehmen dies aus folgendem Schriftverse: ein Land, dessen Steine Eisen sind, lies nicht abaneha [Steine], sondern honeha [ihre Erbauer]. Rabina sprach: Dennoch gewöhne sich der Mensch, sanft zu sein, denn es heißt: und entferne Unmut von deinem Herzen &c.
4R. Šemuél b.Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Drei äußerten ihren Wunsch ungehörig; zweien ließ man es gelingen, einem aber ließ man es mißlingen. Folgende sind es: Elie͑zer, der Diener Abrahams, Šaúl, der Sohn des Qiš, und Jiphtaḥ, der Gilea͑dite.
5Elie͑zer, der Diener Abrahams, denn es heißt: so sei das Mädchen, zu dem ich sagen werde: neige doch deinen Krug &c. Es könnte doch ein lahmes oder ein blindes sein! Man ließ es ihm aber gelingen, denn er stieß auf Ribqa.
6Šaúl, der Sohn des Qiš, denn es heißt: und wer ihn erschlägt, den will der König sehr reich beschenken, und will ihm seine Tochter zur Frau geben. Es könnte doch eine Sklave oder ein Bastard sein! Man ließ es ihm aber gelingen, denn er stieß auf David.
7Jiphtaḥ der Gilea͑dite, denn es heißt: so soll, wer aus der Tür meines Hauses mir entgegen geht &c. Es könnte doch etwas Unreines sein. Und man ließ es ihm nicht gelingen, denn er stieß auf seine Tochter.
8Das ist es, was der Prophet zu Jisraél gesprochen hat: gibt es denn keinen Balsam mehr in Gilea͑d oder ist kein Arzt mehr da?
9Ferner heißt es: was ich weder geboten noch angeordnet habe, und was mir nie in den Sinn gekommen ist.
10Was ich weder geboten, das ist [die Opferung] des Sohnes des Miša͑, Königs von Moab, wie es heißt: da nahm er seinen erstgeborenen Sohn, der nach ihm herrschen sollte, und opferte ihn als Brandopfer. Noch angeordnet habe, das ist [die Opferung der Tochter des] Jiphtaḥ. Was mir nie in den Sinn gekommen ist, das ist [die Opferung] Jiçḥaqs, des Sohnes Abrahams.
11R. Berekhja sagte: Auch die Gemeinde Jisraél äußerte ihren Wunsch ungehörig, jedoch der Heilige, gepriesen sei er, antwortete ihr füglich. Es heißt: laßt uns trachten und verfolgen, den Herrn zu erkennen; er wird so sicher kommen wie die Morgenröte; damit er über uns komme wie ein Regenguß.
12Da sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihr: Meine Tochter, du bittest um [Regen], der zuweilen erwünscht und zuweilen unerwünscht ist, ich aber will dir wie etwas sein, das immer erwünscht ist. Denn es heißt: ich werde Jisraél wie der Tau sein.
13Ferner äußerte sie ihren Wunsch ungehörig und sprach vor ihm: Herr der Welt, lege mich wie einen Siegelring an dein Herz, wie einen Siegelring an deinen Arm. Da sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihr: Meine Tochter, du bittest um etwas, das zuweilen zu sehen ist und zuweilen nicht zu sehen ist, ich aber will dich wie etwas behandeln, das immer zu sehen ist. Denn es heißt: siehe, auf die Hände habe ich dich gezeichnet.
14MAN BITTE UM REGEN ERST &C. Sie waren der Meinung, ‘Bitte’ und ‘Erwähnung’ sei dasselbe; wer lehrt dies? Raba erwiderte: Es ist R. Jehošua͑, welcher sagt, von der Stunde an, wo man ihn fortlegt.
15Abajje sprach zu ihm: Du kannst auch sagen, daß es R. Elie͑zer ist, denn ‘Bitte’ und ‘Erwähnung’ sind voneinander verschieden.
16Manche lesen: Es wäre anzunehmen, daß es
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.