Taanit — Blatt 8b
1Vom Weibe heißt es verschließen, denn es heißt: denn der Herr hatte jeglichen Mutterschoß verschlossen, und vom Regen heißt es verschließen, denn es heißt: er wird den Himmel verschließen.
2Vom Weibe heißt es zeugen und vom Regen heißt es zeugen. Vom Weibe heißt es zeugen, denn es heißt: sie ward schwanger und zeugte einen Sohn, und vom Regen heißt es zeugen, denn es heißt: daß sie gezeugt und Sprossen hervorgebracht hat.
3Vom Weibe heißt es gedenken und vom Regen heißt es gedenken. Vom Weibe heißt es gedenken, denn es heißt: und der Herr gedachte der Sara, und vom Regen heißt es gedenken, denn es heißt: du hast der Erde gedacht und hast sie getränkt, hast sie gar reich gemacht mit einem Gottesbach voll Wasser. –
4Was heißt: mit einem Gottesbach voll Wasser? – Es wird gelehrt: Im Himmel befindet sich eine Art Kammer, aus der der Regen ausgeht.
5R. Šemuél b. Naḥmani sagte: Es heißt: bald als Geißel, wenn es seiner Erde dient, bald zum Segen läßt er ihn treffen: wenn als Geißel, so läßt er ihn auf Berge und Hügel fallen; wenn zum Segen, so läßt er ihn seine Erde treffen, auf Gefilde und Weinberge;
6wenn als Geißel, auf Bäume; für seine Erde, auf Saaten; wenn zum Segen, in Brunnen, Gruben und Höhlen.
7In den Tagen des R. Šemuél b.Naḥmani war Hunger und Pest eingetreten. Da sprachen sie: Was machen wir nun: wegen beider um Erbarmen zu flehen, geht nicht an, wir wollen lieber wegen der Pest flehen und den Hunger ertragen. Da sprach R. Šemuél b.Naḥmani zu ihnen: Wir wollen lieber wegen des Hungers um Erbarmen flehen, denn wenn der Allbarmherzige Sattheit gibt, so gibt er sie für Lebende, denn es heißt: du öffnest deine Hand und sättigst alles Lebende mit Wohlgefallen. –
8Woher, daß man nicht wegen zweier Dinge zugleich flehe? – Es heißt: und so fasteten wir und baten unseren Gott dieserhalb, demnach gab es noch etwas anderes. Im Westen entnehmen sie dies im Namen R. Haggajs hieraus: bei dem Gotte des Himmels in betreff dieses um Erbarmen zu flehen, demnach gab es noch etwas anderes.
9In den Tagen R. Zeras wurde Religionsverfolgung verhängt, und auch das Fasten wurde verboten. Da sprach R. Zera zu ihnen: Wir wollen uns ein Fasten auferlegen, und sobald die Religionsverfolgung vorüber sein wird, es abhalten.
10Da fragten sie ihn: Woher entnimmst du dies? Dieser erwiderte: Es heißt: sodann sprach er zu mir: Sei getrost, Daniél, denn gleich am ersten Tage, da du dir vorgenommen hast, Erkenntnis zu gewinnen und dich vor deinem Gotte zu kasteien, sind deine Worte erhört worden.
11R. Jiçḥaq sagte: Regen am Vorabend des Šabbaths, selbst in Jahren gleich den Jahren zur Zeit Elijahus, ist nur ein Zeichen des Fluches. Das ist es, was Rabba b.Šila gesagt hat: Ein Regentag ist so unangenehm wie ein Gerichtstag. Amemar sagte: Wäre er nicht für die Welt nötig, so sollte man um Erbarmen flehen, daß er abgeschafft werde.
12Ferner sagte R. Jiçḥaq: Die Sonne ist am Šabbath eine Wohltat für die Armen, denn es heißt: euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit und der Genesung scheinen. Ferner sagte R. Jiçḥaq: Bedeutend ist der Regentag, daß an einem solchen sogar die Peruṭa im Beutel gesegnet wird, denn es heißt: um deinem Lande den Regen zur geeigneten Zeit zu geben, und alles Tun deiner Hand zu segnen.
13Ferner sagte R. Jiçḥaq: Der Segen ist nur in einer Sache zu treffen, die dem Auge unsichtbar ist, denn es heißt: der Herr wird dir seinen Segen in deine Speicher entbieten. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Der Segen ist nur in einer Sache zu treffen, über die das Auge keine Gewalt hat, denn es heißt: der Herr wird dir seinen Segen in deine Speicher entbieten.
14Die Rabbanan lehrten: Wer seine Tenne messen geht, spreche: ‘Möge es dein Wille sein, o Herr, unser Gott, daß du Segen in das Werk unserer Hände sendest’. Hat er zu messen begonnen, so spreche er: ‘Gepriesen sei, der Segen in diesen Haufen sendet’. Wenn er bereits gemessen hat, und nachher den Segen spricht, so ist dies ein unnützes Gebet, denn der Segen ist weder in einer gewogenen, noch in einer gemessenen, noch in einer gezählten Sache zu treffen, sondern nur in dem, was dem Auge unsichtbar ist.
15R. Joḥanan sagte: Ein Regentag ist so bedeutend, wie der Tag der Befreiung aus der Gefangenschaft, denn es heißt: führe heim, o Herr, unsere Gefangenschaft, gleich Rinnsalen im Trocknen, und Rinnsal wird beim Regen gebraucht, denn es heißt: und die Rinnsale des Meeres kamen zum Vorschein.
16Ferner sagte R. Joḥanan: Ein Regentag ist so bedeutend, daß an einem solchen sogar die Kriegstruppen auf hören, denn es heißt: du tränkst ihre Furchen, läßt ihre Heere ruhen. Ferner sagte R. Joḥanan: Der Regen wird nur wegen derjenigen zurückgehalten, die öffentlich Almosen zusagen und nicht geben, denn es heißt: Gewölk und Wind und doch kein Regen, so ein Mann, der mit Geschenken prahlt.
17Ferner sagte R. Joḥanan: Es heißt :
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.