Tamid — Blatt 27a
1hier aber nennt er sie Jungpriester!? – Ich will dir sagen, freilich, jene, die zur Dienstverrichtung noch nicht herangewachsen waren, nennt er [Priester]knaben, die aber zur Dienstverrichtung herangewachsen waren, nennt er Jungpriester.
2Dort haben wir gelernt: An drei Stellen hielten die Priester im Tempel Wache: im Eutinosraume, im Funkenraume und im Brandraume;
3die Leviten an einundzwanzig Stellen: fünf an den fünf Toren des Tempelberges und vier an seinen vier Ecken drinnen, fünf an den fünf Toren des Tempelhofes und vier an seinen vier Ecken draußen, einer an der Opferkammer, einer an der Vorhangkammer und einer hinter dem Sühneraume. –
4Woher dies? – R. Jehuda aus Sura erwiderte, und manche sagen, es wurde in einer Barajtha gelehrt: Es heißt: nach Osten zu der Leviten sechs, nach Norden zu täglich vier, nach Süden zu täglich vier, am Vorratshause je zwei; am Anbau nach Westen zu vier an der Straße, zwei am Anbau. –
5Ich will dir sagen: es sind ja vierundzwanzig!? Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: am Vorratshause immer zwei. –
6Immerhin sind es ja zweiundzwanzig!? – Am Anbau war es nur einer, und nur weil er draußen allein war, kam noch jemand und setzte sich hin und wieder zu ihm zur Gesellschaft. –
7Was heißt Parbar? Rabba b. R. Šila erwiderte: Als würde man ‘nach außen’ sagen.
8Wenn du willst, sage ich, es waren tatsächlich vierundzwanzig, wie geschrieben steht, nämlich drei von ihnen Priester und einundzwanzig Leviten. –
9Hier heißt es ja aber Leviten!? – Nach R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: An vierundzwanzig Stellen werden die Priester Leviten genannt, und folgende ist eine von ihnen: und die priesterlichen Leviten, die Söhne Çadoqs.
10«Fünf an den fünf Toren des Tempelberges und vier an seinen vier Ecken drinnen, fünf an den fünf Toren des Tempelhofes und vier an seinen vier Ecken draußen.» Weshalb am Tempelberge drinnen und (weshalb) am Tempelhofe draußen? –
11Ich will dir sagen, wenn er am Tempelberge schwach wurde und sich hinsetzen wollte, durfte er dies, daher drinnen, wenn er aber im Tempelhofe schwach wurde und sich hinsetzen wollte, durfte er dies nicht, denn der Meister sagte, das Sitzen war im Tempelhofe nur Königen aus dem Davidischen Hause [erlaubt]; daher draußen.
12Der Meister sagte: Fünf an den fünf Toren des Tempelhofes. Hatte denn der Tempelhof fünf Tore, ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Der Tempelhof hatte sieben Tore, drei im Norden, drei im Süden und eines im Osten!?
13Abajje erwiderte: Zwei von ihnen brauchten keine Wache. Raba erwiderte: Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: Es dürfen nicht weniger als dreizehn Schatzmeister und sieben Tempelherren sein. R. Nathan sagte nämlich: Nicht weniger als dreizehn Schatzmeister, entsprechend den dreizehn Toren. Wenn man von diesen die fünf des Tempelberges abzieht, so bleiben für den Tempelhof acht zurück. Es gibt also einen Autor, welcher sagt, es waren acht, es gibt einen Autor, welcher sagt, es waren sieben, und es gibt einen Autor, welcher sagt, es waren fünf.
14SIE SCHLIEFEN NICHT IN DEN HEILIGEN KLEIDERN &C. Nur schlafen durften sie in diesen nicht, wohl aber umhergehen, somit ist hieraus zu entnehmen, daß die Priestergewänder zur Nutznießung erlaubt waren!? –
15Ich will dir sagen, auch umhergehen in ihnen war verboten, und er lehrt nur deshalb, daß sie nicht darin schliefen, weil er im Schlußsatze lehren will: sondern zogen sie aus und legten sie zusammengewickelt unter das Haupt; darum lehrt er im Anfangsatze: sie schliefen nicht darin. –
16Aber dies ist es ja, wogegen einzuwenden ist: ‘sie legten sie unter das Haupt’, somit ist hieraus zu entnehmen, daß die Priestergewänder zur Nutznießung erlaubt waren!? – Sage, neben das Haupt.
17R. Papa sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß man [beim Schlafengehen] die Tephillin neben sich legen darf und nicht befürchte, man könnte sich umdrehen und auf diesen liegen.
18Es ist auch einleuchtend, daß sie sie neben das Haupt legten, denn wenn man unter das Haupt sagen wollte, so sollte doch, selbst wenn sie zur Nutznießung erlaubt wären, das Verbot des Mischgewebes berücksichtigt werden!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.