Tamid — Blatt 27b
1Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, der Gürtel des Hochpriesters glich nicht dem des gemeinen Priesters, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, der Gürtel des Hochpriesters glich dem des gemeinen Priesters!?
2Wolltest du sagen, das Mischgewebe sei nur zum Anlegen und Tragen verboten, wohl aber dürfe man darauf schlafen, so wird ja gelehrt: Komme nicht auf deinen Leib, du darfst es dir aber unterlegen; jedoch sagten die Weisen, auch dies sei verboten, weil eine Faser an seinem Leibe haften bleiben könnte!?
3Wolltest du sagen, wenn etwas es [vom Körper] trennt, so sagte ja R. Šimo͑n im Namen des 11. Jehošua͑ b. Levi im Namen des R. Jose b. Šaúl im Namen der heiligen Gemeinde in Jerušalem, auch wenn zehn Polster übereinander liegen und Mischgewebe sich unter ihnen befindet, sei es verboten, darauf zu schlafen!? Vielmehr ist hieraus zu entnehmen, daß sie sie neben das Haupt legten.
4Wenn du aber willst, sage ich: die kein Mischgewebe enthielten. R. Aši erwiderte: Die Priestergewänder waren hart. R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, sagte nämlich, die harten Filzdecken aus Nereš seien erlaubt.
5HATTE JEMAND VON IHNEN SAMENERGUSS &C.
6Dies ist eine Stütze für R. Joḥanan, welcher sagt, die Höhlen seien nicht geheiligt worden, und der Samenergußbehaftete sei aus zwei Lagern hinauszuschicken.
7LAMPEN AN DER EINEN SEITE UND AN DER ANDEREN SEITE BRANNTEN &C. Einst saß R. Saphra im Aborte, und als R. Abba herankam und sich räusperte, rief er: Möge der Meister eintreten.
8Als er herauskam, sprach R. Abba zu ihm: Noch warst du nicht in Saír, und schon hast du die Sitten von Saír gelernt. Haben wir doch folgendes gelernt: fand man [den Abort] geschlossen, so wußte man, daß jemand darin sei. Demnach sollte er ihn nicht zum Eintreten [aufgefordert haben].
9R. Saphra aber glaubte, dies sei gefährlich. Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagte: Die zurückgehaltene Säule bringt den Menschen zur Wassersucht, der zurückgehaltene Strahl bringt den Menschen zur Gelbsucht.
10Rabh sagte zu seinem Sohne Ḥija, und ebenso sagte R. Hona zu seinem Sohne Raba: Verweile spät und verrichte deine Notdurft, stehe früh auf und verrichte deine Notdurft, damit du dich nicht zu entfernen brauchst. Setze dich hin und entblöße dich, bedecke dich und steh auf.
11Spüle [das Trinkgefäß] aus und trinke, spüle es aus und stelle es hin. Trinkst du Wasser, so gieße etwas davon ab, und nachher gib es deinem Schüler.
12Es wird nämlich gelehrt: Man darf nicht Wasser trinken und es seinem Schüler geben, es sei denn, man hat davon etwas abgegossen. Einst trank jemand Wasser und gab es seinem Schüler, ohne davon etwas abgegossen zu haben. Dieser Schüler war empfindlich und wollte nicht trinken, und er starb vor Durst. In jener Stunde sagten sie: Man darf nicht Wasser trinken und es seinem Schüler geben, es sei denn, man hat davon etwas abgegossen. R. Aši sagte: Daher ist, wenn ein Schüler es vor seinem Lehrer abgießt, dies nicht als Ungezogenheit anzusehen.
13Nichts spucke vor deinem Lehrer aus, außer Kürbis und Graupenbrei, weil sie einem [flüssigen] Bleistrahle gleichen.
14Dort haben wir gelernt: Der Vorsteher des Tempelberges machte die Runde bei allen Wachen, brennende Fackeln vor ihm, und wenn ein Wachtmann nicht aufstand und zu ihm sprach
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.