Temura — Blatt 16a

1R. Joseph erwiderte: Er spricht von einem Makel hinsichtlich des Stützens. –

2Aber Joseph b. Joe͑zer selber streitet ja über das Stützen!? – Er stritt am Ende seiner Lebensjahre, wenn das Verständnis nachläßt.

3Der Text. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Dreitausend Halakhoth sind in den Trauertagen über Moše vergessen worden. Sie sprachen zu Jehošua͑: Frage. Er erwiderte ihnen:Sie ist nicht im Himmel.

4Sie sprachen zu Šemuél: Frage. Er erwiderte ihnen:Dies sind die Gebote, der Prophet darf von nun ab nichts erneuern. R. Jiçḥaq der Schmied sagte: Auch [das Gesetz] über das Sündopfer, dessen Eigentümer gestorben ist, ist in den Trauertagen über Moše vergessen worden.

5Sie sprachen zu Pinḥas: Frage. Er erwiderte ihnen: Dies sind die Gebote, der Prophet darf von nun ab nichts erneuern.

6R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Als unser Meister Moše in den Edengarten schied, sprach er zu Jehošua͑: Frage mich über alle Zweifel, die du hast. Er erwiderte ihm: Meister, habe ich dich je auch nur eine Stunde verlassen und mich nach einem anderen Orte begeben? Du selbst hast ja von mir geschrieben:und sein Diener Jehošua͑, der Sohn Nuns, ein Jüngling, wich nicht aus dem Zelte. Da erschlaffte die Kraft Jehošua͑s, sodaß er dreihundert Halakhoth vergaß und siebenhundert Zweifel ihm entstanden. Als nun ganz Jisraél ihn zu erschlagensich aufmachte,

7sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihm: Sagen kannst du es ihnen nicht, geh und verwickle sie in einen Krieg. So heißt es:und es geschah nach dem Tode Mošes, des Knechtes des Herrn, da sprach der Herr &c.

8In einer Barajtha wurde gelehrt: Tausendsiebenhundert [Folgerungen durch Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere und durch Wortanalogie und Minutiösitäten der Schriftgelehrten sind in den Trauertagen über Moše vergessen worden.

9R. Abahu sagte: Trotzdem rekonstruierte sie O͑thniél, der Sohn des Qenaz, durch seine scharfsinnige Disputation, denn es heißt:und O͑thniél, der Sohn des Qenaz, der Bruder Kalebs, der jünger als er, eroberte sie. Und er gab ihm seine Tochter A͑khsa zur Frau; weshalb hieß sie A͑khsa? – Weil jeder, der sie sah, seiner Fraugrollte.

10Und als sie einzog, beredete sie ihn, von ihrem Vater das Feld zu erbitten, und sie glitt vom Esel herab. Was heißt sie glitt? Raba erwiderte im Namen R. Jiçḥaqs: Sie sprach zu ihm: Wie ein Esel, sobald er kein Futter in der Krippe hat, sofort schreit, ebenso schreit sofort ein Weib, sobald es kein Getreide im Hause hat.

11Und sie sprach: Gib mir einen Segen, denn dürres Land hast du mir gegeben; ein Haus, das gedörrt ist von allem Guten.So gib mir Wasserquellen; einen Menschen, der nichts anderes als die Tora besitzt.Und er gab ihr die oberen Quellen und die niederen Quellen. Er sprach zu ihr: Dem die Geheimnisse droben und hieniedeneigen, von dem sollte noch Nahrung verlangt werden!? –

12War denn Kaleb ein Sohn des Qenaz, er war ja ein Sohn des Jephunne!? – Jephunne bedeutet, er wandte [pana] sich vom Ratschlage der Kundschafterab.

13Aber immerhin war er ja nicht ein Sohn des Qenaz, er war ja ein Sohn des Ḥeçron, denn es heißt:und Kaleb, der Sohn Ḥeçrons, zeugte A͑zuba!? Raba erwiderte: Er war ein Stiefsohn des Qenaz.

14Es wird gelehrt: Er hieß O͑thniél, er hieß Ja͑beç, und sein wirklicher Name war Jehuda, Bruder Šimo͑ns. O͑thniél hieß er, weil Gott [él] ihn erhört [a͑neo] hat. Ja͑beç hieß er, weil er beraten [jie͑ç] und die Tora in Jisraél verbreitet [ribeç] hat. –

15Woher, daß Gott ihn erhört hat? – Es heißt:und Ja͑beç rief zum Gott Jisraéls und sprach: Wenn du mich doch segnetest und mein Gebiet vergrößertest, und deine Hand mit mir wäre, und du wirktest gegen das Übel, daß es mich nicht kränke. Und Gott brachte, was er erbeten hatte.

16Wenn du mich segnetest, mit der Gesetzeskunde; mein Gebiet vergrößertest, mit Schülern; und deine Hand mit mir wäre, daß meine Gesetzeskunde nicht aus meinem Herzen vergessen werde; und du wirktest gegen das Übel, daß sich mir Freunde meinesgleichen anschließen; daß es mich nicht kränke, daß nicht der böse Trieb sich meiner bemächtige und mich vom Studium zurückhalte. Tust du dies, so ist es recht, wenn aber nicht, so gelange ich in meinem Kummer in die Unterwelt. Hierauf: und Gott brachte, was er erbeten hatte.

17Desgleichen heißt es:begegnen Armer und Bedrücker einander, so erleuchtet der Herr beider Augen. Wenn der Jünger zu seinem Lehrer geht und zu ihm spricht: lehre mich das Gesetz, und er es ihn lehrt, so erleuchtet er die Augen beider, wenn aber nicht, dann:Reicher und Armer begegnen einander, aller Schöpfer ist der Herr; wer diesen weise gemacht hat, macht ihn töricht, und wer jenen töricht gemacht hat, macht ihn weise. Dies die Auslegung R. Nathans,

18R. Jehuda der Fürst erklärte: Wenn du mich segnetest, bei der Fortpflanzung; und mein Gebiet vergrößertest, mit Söhnen und Töchtern; und deine Hand mit mir wäre, beim Geschäftsverkehre; und du wirktest gegen das Übel, daß ich verschont bleibe von Kopfschmerzen, von Ohrenschmerzen und von Augenschmerzen; daß es mich nicht kränke, daß nicht der böse Trieb sich meiner bemächtige und mich vom Studium zurückhalte. Tust du dies, so ist es recht, wenn aber nicht, so gelange ich in meinem Kummer in die Unterwelt. Hierauf: und Gott brachte (ihm), was er erbeten hatte.

19Desgleichen heißt es: begegnen Armer und Bedrücker einander, so erleuchtet der Herr beider Augen. Wenn der Arme zum Hausherrn geht und zu ihm spricht: unterhalte mich, und er ihn unterhält, so ist es recht, wenn aber nicht, dann: Reicher und Armer begegnen einander, aller Schöpfer ist der Herr; wer diesen reich gemacht hat, macht ihn arm, und wer jenen arm gemacht hat, macht ihn reich.

20R. ŠIMO͑N SAGTE: WIE WIR FINDEN &C.

21Die Rabbanan lehrten: R. Šimo͑n sagte: Fünf Sündopfer sind verenden zu lassen: das Junge eines Sündopfers, das Eingetauschte eines Sündopfers, das Sündopfer, dessen Eigentümer gestorben ist, das Sündopfer, dessen Eigentümer Sühne erlangthat, und das Sündopfer, das das Jahr überschrittenhat.

22Das Junge eines Sündopfers kann bei einer Gemeinde nicht vorkommen, weil eine Gemeinde kein Weibchen als Sündopfer darbringt; das Umgetauschte eines Sündopfers kann bei einer Gemeinde nicht vorkommen, weil eine Gemeinde nicht umtauschen kann; ein Sündopfer, dessen Eigentümer gestorben ist, kann bei einer Gemeinde nicht vorkommen, weil eine Gemeinde nicht stirbt;

23aber über das, dessen Eigentümer Sühne erlangt hat, und über das, das das Jahr überschritten hat, finden wir nichts. Man könnte somit glauben, dies gelte sowohl von dem eines Privaten als auch von dem einer Gemeinde,

24so will ich erwidern: man folgere hinsichtlich dessen, von dem man es nicht weiß, von dem, von dem man es weiß; wie es bei dem, von dem man es weiß, nur von dem eines Privaten gilt und nicht von dem einer Gemeinde, ebenso gilt dies bei dem, dessen Eigentümer Sühne erlangt hat, und bei dem, das das Jahr überschritten hat, nur von dem eines Privaten und nicht von dem einer Gemeinde. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.