Temura — Blatt 21b
1und man folgere hinsichtlich des Zehnten vom Erstgeborenen. – Ist denn beim Heiligen von einander zu folgern, R. Joḥanan sagte ja, in der ganzen Tora kann vom Gefolgerten gefolgert werden, nur nicht beim Heiligen, wobei man nicht vom Gefolgerten folgern kann!? –
2Der Zehnt ist profan. – Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, man richte sich nach dem Gefolgerten, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, man richte sich nach dem, wovon gefolgert wird!? – Fleisch und Blut sind da selbe.
3R. A͑qiba sagte: Man könnte glauben, man bringe zu einer Zeit, wenn der Tempel besteht, das Erstgeborene aus dem Auslande ins Jisraélland und bringe es dar, so heißt es:du sollst essen vor dem Herrn, deinem Gott &c. den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öls, und die Erstgeborenen deiner Rinder und deiner Schafe;
4aus Orten, aus denen du den Zehnten des Getreides bringst, bringe auch die Erstgeborenen, und aus Orten, aus denen du den Zehnten des Getreides nicht bringst, bringe auch nicht die Erstgeborenen.
5Ben A͑zaj sagte: Man könnte glauben, man bringe den zweiten Zehnten herauf und verzehre ihn im ganzen Gesichtskreise. Dies wäre auch durch einen Schluß zu folgern: das Erstgeborene benötigt des Hinbringens nach der Stätte und der [zweite] Zehnt benötigt des Hinbringens nach der Stätte, wie nun das Erstgeborene nur innerhalb der Mauer gegessen werden darf, ebenso darf der Zehnt nur innerhalb der Mauer gegessen werden.
6Aber wohl gilt dies vom Erstgeborenen, das des Blutsprengens benötigt und [der Darbringung] der Opferteile auf dem Altar, was aber beim Zehnten nicht der Fall ist. Daher heißt es: du sollst essen vor dem Herrn, deinem Gott &c. den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öls, und die Erstgeborenen deiner Rinder und deiner Schafe; er vergleicht den Zehnten mit dem Erstgeborenen: wie das Erstgeborene nur innerhalb der Mauer gegessen werden darf, ebenso darf der Zehnt nur innerhalb der Mauer gegessen werden. –
7Was ist ihm da auffallend, daß er sagt: man könnte glauben? – Da gelehrt wird, Šilounterscheide sich von Jerušalem nur dadurch, daß man in Šilo Minderheiliges und den zweiten Zehnten im ganzen Gesichtskreise essen durfte, in Jerušalem aber nur innerhalb der Mauer,
8ebenso Hochheiliges nur innerhalb der Vorhänge, so könnte man glauben, den zweiten Zehntenauch in Jerušalem im ganzen Gesichtskreise, so lehrt er uns.
9Andere sagten: Man könnte glauben, das Erstgeborene, dessen Jahr vorüber ist, gleiche untauglich gewordenen Opfertieren und sei untauglich,
10so heißt es: den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öls; er vergleicht das Erstgeborene mit dem Zehnten: wie der Zehnt nicht untauglich wird von einem Jahrezum anderen, ebenso wird das Erstgeborene nicht untauglich von einem Jahre zum anderen. –
11Woher wissen die Rabbanan, die hieraus anderes folgern, es hinsichtlich des einen Jahres zum anderen zu entnehmen? – Sie folgern es aus [dem Verse:]vor dem Herrn, deinem Gott, sollst da es von Jahr zu Jahr essen; dies lehrt, daß das Erstgeborene von einem Jahre zum anderen nicht untauglich wird. –
12Wofür verwenden die anderen [den Vers:] vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du es von Jahr zu Jahr essen? – Für die folgende Lehre: Einen Tag von diesem Jahre und einen Tag vom folgenden Jahre. Dies lehrt, daß das Erstgeborene zwei Tage und eine Nacht gegessen werden darf. –
13Woher entnehmen jene Rabbanan, daß es zwei Tage und eine Nacht gegessen werden darf. – Die Schrift sagt: es soll dir wie die Brust der Schwingung sein.
14DAS JUNGE EINES SÜNDOPFERS, DAS EINGETAUSCHTE EINES SÜNDOPFERS, UND DAS SÜNDOPFER, DESSEN EIGENTÜMER GESTORBEN IST, SIND VERENDEN ZU LASSEN; DESSEN JAHRESALTER VORÜBER IST, DAS ABHANDEN GEKOMMEN WAR UND SICH FEHLERBEHAFTET EINGEFUNDEN HAT, IST, WENN DER EIGENTÜMER BEREITS SÜHNE ERLANGT HAT, VERENDEN ZU LASSEN, ES KANN NICHT UMGETAUSCHT WERDEN,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.