Temura — Blatt 28b

1R. Aši erwiderte: Weil dieser Schluß zu widerlegen ist: wohl gilt dies vom fehlerbehafteten, dessen Fehler kenntlich ist, während beim aktiv oder passiv zur Bestialität verwandten der Fehler nicht kenntlich ist.

2Man könnte nun glauben, da der Fehler nicht kenntlich ist, sei es für den Altar tauglich, so heißt es vom Vieh, und dies schließt das aktiv oder passiv zur Bestialität verwandte aus.

3Vom Rinde, dies schließt das angebetete aus. Dies ist ja durch einen Schluß zu folgern: wenn Hurengabe und Hundepreis, deren Überzugerlaubt ist, selber verboten sind, um wieviel mehr ist das angebetete verboten, dessen Überzug verboten ist.

4Oder umgekehrt: wenn von Hurengabe und Hundepreis, die verboten sind, der Überzug erlaubt ist, um wieviel mehr sollte vom angebeteten, das erlaubtist, der Überzug erlaubt sein. –

5Demnach hast du ja aufgehoben [den Schriftvers]:gelüste nicht das Gold und Silber daran, daß du es nähmest!? –

6Ich will aufrecht halten [der Schriftvers]: gelüste nicht das Gold und das Silber, bei Dingen, die keinen Lebensodem haben; man könnte aber glauben, von Dingen, die einen Lebensodem haben, die selber erlaubt sind, sei der Überzug erlaubt, so heißt es vom Rind, dies schließt das angebetete aus.

7R. Ḥananja wandte ein: Also nur aus dem Grunde, weil die Schrift es ausschließt, hätte die Schrift es aber nicht ausgeschlossen, könnte man glauben, der Überzug sei erlaubt, aber es heißt ja:ihr sollt ihren Namen vernichten, alles was auf ihren Namen gefertigt ist!? –

8Dies besagt, daß man ihnen kakophonische Namen beilege. Beth Galja nenne man Beth Karja, Königsgesicht[nenne man] Hundsgesicht, Aller-Auge nenne man Dornen-Auge. –

9Vielleicht umgekehrt: vom Vieh, dies schließt das angebetete aus, vom Rinde, dies schließt das aktiv oder passiv zur Bestialität verwandte aus!? –

10Man achte auf die Verbindung in der Schrift; in Verbindung mit Vieh heißt es:wer bei einem Vieh liegt, soll des Todes sterben, und in Verbindung mit Rind heißt es:und sie vertauschten ihre Herrlichkeit um das Bild eines grasfressenden Rindes.

11Vom Kleinvieh, dies schließt das [für den Götzendienst] abgesonderte aus; und vom Kleinvieh, dies schließt das stößigeaus. R. Šimo͑n sprach: Wozu wird, wenn dies schon vom zur Bestialität verwandten gesagt wird, dies vom stößigen, und wenn dies vom stößigen gesagt wird, dies vom zur Bestialitätverwandten gesagt?

12Weil manches beim zur Bestialität verwandten gilt, was nicht beim stößigen: beim zur Bestialität verwandten gleicht der Zwang dem freien Willen, was beim stößigen nicht der Fallist.

13Und manches gilt nur beim stößigen, denn für das stößige ist das Lösegeldzu zahlen, was beim zur Bestialität verwandten nicht der Fall ist. Daher muß dies vom zur Bestialität verwandten gesagt werden, und muß dies vom stößigen gesagt werden.

14Der folgende Autor aber entnimmt dies hieraus. Es wird gelehrt: Das aktiv oder passiv zur Bestialität verwandte &c. gleichen Opfertieren, die einen vorübergehenden Leibesfehler vor ihrer Heiligung hatten;

15sie benötigen eines bleibenden Leibesfehlers, um ausgelöst werden zu können, denn es heißt:denn ihre Verderbtheit an ihnen, ein Leibesfehler haftet ihnen an. –

16Wieso geht dies hieraus hervor? – Die Lehre ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: Woher, daß sie verboten sind? Es heißt: denn ihre Verderbtheit an ihnen, ein Leibesfehler haftet ihnen an, und in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Überall, wo es verderben heißt, seien Unzucht und Götzendienst zu verstehen.

17Unzucht, denn es heißt:denn alles Fleisch hatte seinen Wandel verderbt &c. Götzendienst, denn es heißt:daß ihr nicht verderbt handelt und euch ein Schnitzbild fertigt, irgend eines Standbildes Gestalt. Was ein Leibesfehler untauglich macht, machen auch Unzucht und Götzendienst untauglich. –

18Wofür verwendet der Autor der Schule R. Jišma͑éls [die Worte] vom Rinde und vom Kleinvieh? – Hieraus folgert er: ausgenommen das kranke, das alte und das ekelhafte. –

19Woher entnimmt es der erste Autor, der diese Schriftworte auf die Ausschließung des aktiv oder passiv zur Bestialität verwandten bezieht, hinsichtlich des kranken, alten und ekelhaften? –Er entnimmt dies aus [den Worten] vom Kleinvieh, von den Lämmern und von den Ziegen. – Und der erste Autor!? – Es ist die Art der Schrift sozu sprechen.

20WAS HEISST ‘ABGESONDERTES’? DAS FÜR DEN GÖTZENDIENST &C. Reš Laqiš sagte: Es ist nur für sieben Jahre abgesondertverboten,

21denn es heißt:und es geschah in jener Nacht, da sprach der Herr zu ihm: Nimm den jungen Farren, den deines Vaters, und den zweiten Farren von sieben Jahren. –

22War dieser denn nur abgesondert, er war ja auch angebetet worden!? R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte: Er war zur Anbetung abgesondert, jedoch nicht angebetet worden. Raba erwiderte: Tatsächlich war er angebetet worden, nur war es da ein Novum. Dies nach R. Abba b. Kahana, denn R. Abba b. Kahana sagte: Achterlei erlaubten sie in jener Nacht: [das Schlachten] außerhalb, nachts, durch Gemeine,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.