Temura — Blatt 4a
1Dies kannst du nicht sagen, denn es heißt:du sollst keinem Tauben fluchen. [Wenn du willst, sage ich:] allerdings ist, wenn du [jenen Schriftvers] auf das Fluchen (seines Nächsten) [beim Gottesnamen] beziehst, das Verbot hieraus zu entnehmen, denn es heißt: du sollst keinem Tauben fluchen, wo findet sich aber das Verbot, wenn du ihn auf das unnütze Aussprechen des Gottesnamens beziehst!? –
2Etwa nicht, es heißt ja:den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm sollst du dienen!? – Dies ist eine ein Gebot betreffende Verwarnung.
3«Im Namen des R. Jose b. R. Ḥanina sagten sie, auch wenn man die Hebe vor den Erstlingen entrichtet.» Was ist der Grund des R. Jose b. R. Ḥanina? – Die Schrift sagt:dein Getreide und deinen Most verspäte nicht; Getreide, das sind die Erstlinge, Most, das ist die Hebe, und [der Allbarmherzige] sagt: verspäte nicht.
4Es wurde gelehrt: [Über die Entrichtung] der Hebe vor den Erstlingen [streiten] R. Elea͑zar und R. Jose b. R. Ḥanina; einer sagt, dieserhalb sei zu geißeln, und einer sagt, dieserhalb sei nicht zu geißeln. Es ist zu beweisen, daß R. Jose b. R. Ḥanina es ist, welcher sagt, dieserhalb sei zu geißeln, denn R. Jose b. R. Ḥanina sagte, auch wenn man die Hebe vor den Erstlingen entrichtet. –
5Im Gegenteil, es ist zu beweisen, daß R. Elea͑zar es ist, welcher sagt, dieserhalb sei zu geißeln, denn wir haben gelernt: Wenn jemand zwei Körbe mit Unverzehntetem vor sich hat und sagt: die Zehnten von diesem seien in jenem, so ist der erste verzehntet;
6[sagt er:] die Zehnten von diesem in jenem und von jenem in diesem, so ist der erste verzehntet und der andere unverzehntet; [sagt er:] die Zehnten von einem Korbe im anderen, so hat er einen Namen genannt.
7Hierzu wurde gelehrt: R. Elea͑zar sagt, er sei zu geißeln, weil er den in dem einen enthaltenen zweiten Zehntenfrüher entrichtet hat als den ersten Zehnten des anderen. Dies ist zu beweisen. –
8Demnach ist es R. Jose b. R. Ḥanina, welcher sagt, er sei nicht zu geißeln, somit befindet sich ja R. Jose b. R. Ḥanina in einem Widerspruche mit sich selbst!? –
9Nein, R. Jose b. R. Ḥanina
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.