Temura — Blatt 7a

1Man könnte glauben: allerdings weiß man vorher nicht, ob nicht dieser für Gott bestimmt wird, hierbei aber, wo [der andere] bereits für Gott bestimmt ist, sei dieserhalb nicht zu geißeln, so lehrt er uns.

2Der Meister sagte: Im Namen des R. Jose b. R. Jehuda sagten sie, auch die Blutaufnahme. Was ist der Grund des R. Jose b. R. Jehuda? – Die Schrift sagt:und dem die Hoden zerquetscht, zermalmt, abgerissen oder ausgeschnitten &c., das istdie Blutaufnahme, von der R. Jose b. R. Jehuda spricht. –

3Wofür verwendet der erste Autor [die Worte:] sollt ihr nicht darbringen!? – Diese bezieht er auf das Blutsprengen. – Dies geht ja hervor aus [den Worten]auf den Altar!? – Es ist die gewöhnliche Redewendung der Schrift. –

4Auch nach R. Jose b. R. Jehuda ist dies ja die gewöhnliche Redewendung der Schrift!? – Dem ist auch so. – Woher entnimmt er es demnach hinsichtlich der Blutaufnahme!? – Er entnimmt es aus folgendem:Und von der Hand eines Ausländers sollt ihr nicht darbringen, das ist die Blutaufnahme, von der R. Jose b. R. Jehuda spricht. –

5Wofür verwendet der erste Autor dieses sollt ihr nicht darbringen? – Er verwendet es für folgendes. Da esden Noaḥiden geboten ist nur hinsichtlich solcher, denen Glieder fehlen, so könnte man glauben, einerlei ob für ihren Altar oder für unseren Altar, so lehrt er uns.

6Eine andere Lesart. R. Jose b. R. Jehuda sagte, auch die Blutaufnahme. Aus welchem Grund? – Es heißt: und dem die Hoden zerquetscht, zermalmt &c. sollt ihr nicht darbringen, das istdie Blutaufnahme, und hinsichtlich des Sprengens folgern wir es aus [den Worten] auf den Altar. –

7Sollten es auch die Rabbanan hinsichtlich des Sprengens aus [den Worten] auf den Altar folgern!? – Dem ist auch so. – Worauf deuten demnach [die Worte:] sollt ihr nicht darbringen, beim Zerquetschten? – Diese sind auf einen Privataltar zu beziehen. –

8Auch nach R. Jose b. R. Jehuda sind sie ja wegen eines Privataltars erforderlich!? – Dem ist auch so. – Woher weiß er dies demnach von der Darbringung bei der Blutaufnahme? – Aus [den Worten:] aus der Hand des Ausländers sollt ihr nicht darbringen, das ist die Blutaufnahme. –

9Und die Rabbanan!? – Diese sind nötig; da es den Noaḥiden für ihre Anhöhe gebotenist nur hinsichtlich solcher, denen Glieder fehlen, so könnte man glauben, auch wir dürfen von ihnen [gebrechenbehaftete] annehmen, so heißt es:von all diesen, daß wir solche nicht annehmen dürfen.

10Reš Laqiš wandte ein: Vielleicht haben wir diesgelernt nur hinsichtlich eines gebrechenfreien, das ein vorübergehendes Gebrechen bekommen hat, denn ein von vornherein gebrechenbehaftetes ist ja nichts mehr als eine Dattelpalme!?

11R. Ḥija b. Joseph sprach zu ihm: Im Abschnitte heißt es:gestreckt oder verkrüppelt, und solche sind Fehlerbehaftete von früher her.

12Jener erwiderte ihm: Vielleicht haben wir dies gelernt nur vom Umgetauschten, denn wir haben gelernt: Strenger ist es beim Umgetauschten als beim Schlachtopfer, denn auf jenes erstreckt sich die Heiligkeit, auch wenn es mit einem bleibenden Fehler behaftet ist!?

13R. Joḥanan erwiderte ihm: Du hast das nicht gehört, was R. Jannaj gesagt hat: Im Kollegium stimmten sie ab und setzten fest, daß, wenn jemand ein Fehlerbehaftetes für den Altar heiligt, er fünf Verboteübertrete. Beim Umgetauschten aber sind es sechs, denn es kommt ja noch das Verbot des Umtauschens hinzu. – Wieso ist er, wenn dies von einem ursprünglich Fehlerbehafteten gilt, zu geißeln, es ist ja nichts weiter als eine Dattelpalme!?

14Dieser erwiderte: Eine Dattelpalme ist nicht verächtlich, denn sie ist nichts weiter als Holz, ein ursprünglich Fehlerbehaftetes aber ist verächtlich, und da er Fehlerfreies gelassen und ein Fehlerbehaftetes geheiligt hat, ist er schuldig.

15Eine andere Lesart. Trotzdemist die Sache verächtlich; bei einer Dattelpalme gibt es nichts anderesin dieser Art, somit ist er nicht zu geißeln, bei einem Fehlerbehafteten aber gibt es solches, daher ist er zu geißeln.

16Raba sagte: Da du nun ausgeführt hast, wegen eines Fehlerbehafteten sei aus dem Grunde zu geißeln, weil es verächtlich ist, so ist auch der zu geißeln, der ein solches wegen seines Geldwertes für Gußopfer geheiligt hat.

17Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Raba.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.