Temura — Blatt 8b

1Abajje erwiderte: Nein, tatsächlich gilt dies von einem fehlerfreien, jedoch von einem Erstgeborenen außerhalbdes Landes, und zwar nach R. Šimo͑n, welcher sagt, daß, wenn sie fehlerfrei gebracht werden, sie darzubringen sind.

2Man wandte ein: R. Joḥanan b. Nuri entgegnete: Was soll dies: wenn er Sündopfer und Schuldopfer nicht umtauschen kann, die ihm lebend nicht zugeeignet sind, sollte dies auch von einem Erstgeborenen gelten, das ihm lebend zugeeignet ist!? Wovon gilt dies: wenn von einem fehlerbehafteten, so spricht er ja davon gleichlautend mit Sündopfer und Schuldopfer; doch wohl von einem fehlerfreien, und er lehrt, es sei ihm lebend zugeeignet!?

3Rabina erwiderte: Dies gilt ebenfalls von einem Erstgeborenen außerhalb des Landes, und zwar nach R. Šimo͑n, welcher sagt, daß, wenn sie fehlerfrei gebracht werden, sie darzubringen sind.

4Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten. Das Erstgeborene kann man im Hause des Eigentümers umtauschen und im Hause des Priesters nicht umtauschen. R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagt, sobald es in die Hand des Priesters gekommen ist, könne man es nicht mehr umtauschen.

5Da dies nun dasselbe ist, was der erste Autor sagt, so ist dies wohl wie folgt zu verstehen: im Hause des Priesters kann dieser es umtauschen, nicht aber kann der Eigentümer es umtauschen. Der Priester hat somit Anrecht darauf!? –

6Das ist kein Widerspruch; eines nach R. Joḥanan b. Nuri und eines nach R. A͑qiba.

7R. Ḥisda sagte : Diesgilt nur von einem Priester an einen Priester, ein Priester an einen Jisraéliten aber darf es nicht, denn der Jisraélit könnte ihm einen Fehler beibringen und es zu einem Weisen bringen und sagen, dieses Erstgeborene habe ihm der Priester fehlerbehaftet gegeben. –

8Darf denn der Gelehrte es in diesem Falle erlauben, Rabh sagte ja, man dürfe einem Jisraéliten das Erstgeborene nur dann besichtigen, wenn der Priesterdabei ist.

9R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, erwiderte: An einen Jisraéliten darf er es deshalb nicht, weil es den Anschein hat, als ob ein Priester auf der Tenne Hilfe leistet.

10Einst traf Mar Zuṭra bei R. Aši ein und man forderte ihn auf, etwas zu kosten. Hierauf setzte man ihm Fleisch vor und sprach zu ihm: Möge doch der Meister essen; es ist kräftig, denn es ist von einem Erstgeborenen. – Woher wißt ihr dies? Sie erwiderten ihm: Jener Priester hat es uns verkauft.

11Da sprach er zu ihnen: Haltet ihr nicht von dem, was R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, gesagt hat, es habe den Anschein, als wenn ein Priester auf der Tenne Hilfe leistet?

12Sie erwiderten ihm: Wir halten nichts davon, denn wir kaufenes. Da sprach er zu ihnen : Haltet ihr auch nicht von der folgenden Lehre? Wie lange muß der Jisraélit sich mit dem Erstgeborenen befassen? Beim Kleinvieh dreißig und beim Großvieh fünfzigTage. Auch wenn [der Priester] zu ihm sagt, daß er es ihm innerhalb dieser Zeit gebe, gebe er es ihm nicht. Hierzu sagte R. Šešeth: Weil es den Anschein hat, als wenn der Priester in der Tenne Hilfe leistet.

13Diese erwiderten: Da ist diesklar, wir aber haben es ja gekauft.

14Eine andere Lesart: Sie erwiderten ihm: Da zahlt er nichts, wir aber haben ja Geld gezahlt. Einzuwenden wäre, der Priester gebe es ihm billiger, weil er glaubt, dieser werde, wenn er [später] ein Erstgeborenes hat, es ihm geben, so rechnet er nicht damit;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.