Temura — Blatt 9a

1lieber eine Gurke [sofort als später] ein Kürbis.

2MAN KANN UMTAUSCHENKLEINVIEH AUF RINDER, RINDER AUF KLEINVIEH, SCHAFE AUF ZIEGEN, ZIEGEN AUF SCHAFE, MÄNNCHEN AUF WEIBCHEN, WEIBCHEN AUF MÄNNCHEN, FEHLERFREIE AUF FEHLERBEHAFTETE UND FEHLERBEHAFTETE AUF FEHLERFREIE,

3DENN ES HEISST:er soll es nicht auswechseln und nicht umtauschen, ein gutes auf ein schlechtes oder ein schlechtes auf ein gutes. WAS HEISST GUTES AUF SCHLECHTES? DEREN HEILIGUNG FRÜHER ERFOLGT IST ALS IHRE FEHLERHAFTIGKEIT.

4GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Ein Vieh auf ein Vieh, hieraus, daß man Kleinvieh auf Rinder, Rinder auf Kleinvieh, Schafe auf Ziegen, Ziegen auf Schafe, Männchen auf Weibchen, Weibchen auf Männchen, Fehlerbehaftete auf Fehlerfreie und Fehlerfreie auf Fehlerbehaftete umtauschen kann.

5Man könnte glauben, auch wenn ihre Fehlerhaftigkeit früher eingetreten ist als ihre Heiligung, so heißt es: er soll es nicht auswechseln und nicht umtauschen, ein gutes auf ein schlechtes oder ein schlechtes auf ein gutes. Was heißt gutes auf schlechtes? Fehlerbehaftete, deren Heiligung früher erfolgt ist als ihre Fehlerhaftigkeit.

6Wieso geht dies hieraus hervor? Abajje erwiderte: Der Schriftvers sollte ja lauten: er soll es nicht auswechseln und nicht umtauschen, ein gutes auf ein schlechtes oder ein schlechtes darauf, wozu heißt es nochmals: auf ein gutes? Schließe hieraus: war es vorher gut, so erfolgt ein Umtausch, war es vorher schlecht, so erfolgt kein Umtausch.

7Raba sagte: [Das Wort] gutes ist beide Male überflüssig; der Schriftvers sollte ja lauten: er soll es nicht auswechseln und nicht umtauschen auf ein schlechtes oder ein schlechtes darauf, wozu heißt es zweimal gutes? Ein gutes deutet darauf, daß auch wegen des Umtauschens auf ein gutes zu geißeln ist, und das andere deutet darauf, daß, wenn es vorher gut war, ein Umtausch erfolge, und wenn es vorher schlecht war, kein Umtausch erfolge. –

8Und Abajje!? – Er kann dir erwidern: es ist [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn wegen eines guten auf ein schlechtes, wobei man es bessert, zu geißeln ist, um wieviel mehr ist zu geißeln wegen eines guten auf ein gutes, die einander gleichen. –

9Und Raba!? – Man folgere keine Bestrafung durch einen Schluß. – Und Abajje!? – Er kann dir erwidern: dies ist keine Schlußfolgerung, denn ein gutes ist ja nicht geringer als ein schlechtes.

10Die Rabbanan lehrten: Er soll es nicht auswechseln, auf fremdes; und nicht umtauschen, auf eigenes. Sollte er doch nur geschrieben haben: er soll es nicht auswechseln, und nicht: und nicht umtauschend? –

11Würde er es so geschrieben haben, so könnte man glauben, nur wenn dieses ausscheidet und jenes eintritt, sei zu geißeln, nicht aber sei zu geißeln, wenn man umtauscht, sodaß beide heilig sind, so lehrt er uns. –

12Was heißt ‘auf fremdes’: wollte man sagen, sein geheiligtes Vieh auf ein fremdes profanes, so kann man es ja nicht heiligen, denn der Allbarmherzige sagt: wenn jemand sein Haus dem Herrn weiht, wie sein Haus ihm gehört, ebenso alles andere, was ihm gehört; und wenn etwa ein fremdes geheiligtes Vieh auf sein profanes, so kann er es ja nicht erfassen lassen durch das, was nicht ihm gehört!? –

13Tatsächlich ein fremdes geheiligtes Vieh auf sein profanes, wenn nämlich der Eigentümer des geheiligten Viehs gesagt hat: wer es auf sein Vieh umtauschen will, komme und tausche es um.

14MAN KANN UMTAUSCHEN EINES AUF ZWEI UND ZWEI AUF EINES, EINES AUF HUNDERT UND HUNDERT AUF EINES. R. ŠIMO͑N SAGT, MAN KÖNNE NUR EINES AUF EINES UMTAUSCHEN, DENN ES HEISST:so sei es und sein Eingetauschtes heilig, WIE ES SELBST EINES IST, EBENSO AUCH DIESES EINES.

15GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten: Ein Vieh auf ein Vieh, hieraus, daß man eines auf zwei und zwei auf eines, eines auf hundert und hundert auf eines umtauschen kann. R. Šimo͑n sagt, man könne nur eines auf eines umtauschen, denn es heißt: ein Vieh auf ein Vieh, nicht aber ein Vieh auf Viehe und nicht Viehe auf ein Vieh.

16Man erwiderte ihm: Wir finden, daß Viehe ‘Vieh’ genannt werden, denn es heißt:und viel Vieh. – Und R. Šimo͑n!? – Sie heißen wohl ‘viel Vieh’, nicht aber ‘Vieh’ schlechthin. –

17Ist denn der Grund R. Šimo͑ns, weil es ein Vieh heißt, der Grund R. Šimo͑ns ist ja, weil es es heißt, wie es selbst eines ist, ebenso auch das Eingetauschte, wenn es eines ist!? –

18Zuerst folgerte es R. Šimo͑n aus [den Worten:] so sei es und sein Eingetauschtes, als er aber sah, daß die Rabbanan es folgern aus [den Worten:] ein Vieh auf ein Vieh, sprach er zu ihnen: auch meine Begründung ist hierauszu entnehmen.

19Reš Laqiš sagte: R. Šimo͑n pflichtet bei, daß man umtauschen und wiederum umtauschenkönne, denn wo sollte die Heiligkeit des ersten hingekommensein? R. Johanan aber sagt, wie man nicht eines auf zwei umtauschen kann, ebenso kann man nicht umtauschen und wiederum umtauschen. Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joḥanan, und es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Reš Laqiš.

20Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joḥanan: Wie man nicht eines auf zwei umtauschen kann, ebenso kann man nicht umtauschen und wiederum umtauschen. Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit Reš Laqiš: Man könnte glauben, wie R. Šimo͑n sagt, man könne nicht eines auf zwei umtauschen, ebenso könne man nicht umtauschen und wiederum umtauschen, so heißt es: so sei es und sein Eingetauschtes heilig, auch hundert.

21R. Abin fragte: Wie ist es nach demjenigen, welcher sagt, man könne nicht umtauschen und wiederum umtauschen, wenn jemand sein Schuldopfer zur Sühne abgesondert und es umgetauscht hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.