Aller Ertrag der Werkstatt des Seins ist Nichts
1Aller Ertrag der Werkstatt des Seins ist Nichts.
Bringe mir Wein, die Güter der Welt sind Nichts.
2Seele, wie Leib, begehren Genuß und Lust,
Täten sie's nicht, so wären sie beide Nichts.
3Glück ist nur das, was blutigen Schweiß nicht braucht,
Denn mit Bemüh'n sind himmlische Fluren Nichts.
4Forsche nicht nach dem Tuba des Schattens, halb
Schauest du recht, o Zeder! er sinkt in Nichts.
5Wenn du verweilst fünf Tage, nur auf der Post,
Ruhe dich aus, denn dieser Termin ist Nichts.
6Schenke ich harr' am Rand des Verderbens, komm'
Nütze die Zeit, von Lippen zum Mund ist Nichts.
7Denk' nicht an Schimpf und sei wie die Rose, froh,
Kräfte der Welt, sie gehen vorbei, sind Nichts.
8Klausner! o furcht' den heiligen Eifergeist,
Zwischen dem Weg der Schenk' und der Zell' ist Nichts.
9Daß ich verbrannt mit Klagen und Wehgeschrei
Allen die Not bekenne, ist freilich Nichts.
10Löblichen Ruf zwar hat sich Hafis verdient,
Aber es nützet ihn bei Betrunk'nen Nichts.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.