Aus der Tafel meines Herzens wird

1Aus der Tafel meines Herzens wird
Dein Gemälde nie ausgehen,
Diese schwanke Zeder wird
Nie aus der Erinnrung gehen.

2Deiner Wangen Fantasie
Wird nach allem Himmelsleiden,
Wird nach aller Pein der Welt,
Nicht aus meinem Geiste gehen.

3Ewig her schon ward mein Herz
Deinen Locken angebunden,
Und in Ewigkeit wird's nie
Aus dem Bund der Treue gehen.

4Alles was in meiner Brust
Außer deinen Leiden liegt,
Alles, alles geht hinaus,
Dieses eine will nicht gehen.

5Deine Liebe hat sich fest
In mein Innres eingenistet,
Und verlier' ich auch den Kopf,
Wird die Liebe nicht ausgehen.

6Geht mein Herz den Schönen nach,
So ist es ihm zu verzeihen,
Es ist krank, wie soll es denn
Nicht nach Arzeneien gehen?

7Wer da wünscht, nicht wie Hafis,
Schwindlicht in dem Kopf zu werden,
Schenke Schönen nicht sein Herz,
Soll auf ihrem Pfad nicht gehen?

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.