Wollte wegen jeder Sünde

1Wollte wegen jeder Sünde
Gott der Herr den Sünder greifen,
O da würde Weh und Klagen
Eine ganze Welt ergreifen.

2Ihm sind Stroh und Berge Eines;
Manchesmal wird er den Bergen
Ihre Sündenlast verzeihen,
Manchesmal das Stroh ergreifen,

3Immer sündig'st du auf Erden,
Weißt du nicht, daß in dem Himmel
Sie den Mond, wenn er gesündig't,
Ob der Missetat ergreifen;

4Freilich schein'st du rein am Saume,
Aber deine Missetaten
Werden morgen sich erst zeigen,
Wenn zur Strafe sie dich greifen.

5Über meine Sünden will ich
Eine Nacht so bitter weinen,
Daß den Freund der Strom der Tränen
Aller Orten soll ergreifen.

6O Hafis, sobald der König
Einen will zum Tod hinrichten,
Sage, wer alsdann im Stand ist,
Seine Fassung zu ergreifen.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.