Brenne mein Herz, es wird der Brand
1Brenne mein Herz, es wird der Brand
Dir vieles Unheil sparen,
Bitten von einer halben Nacht,
Entfernen hundert Übel.
2Wenn du die Schönen tadeln willst,
So tu's mit süßen Worten,
Augengekos't derselben kann
Wohl hundertmal dich strafen.
3Wer sich dem Dienst des Glases weiht,
Worin die Welt sich spiegelt,
Hebet den Schleier sicher auf,
Der die Welten trennet.
4Siehe, der Arzt der Liebe ist
Ein Heiland süßen Odems,
Wenn er dich aber krank nicht sieht,
Wen soll er dann wohl heilen.
5Traue dem Herrn in deinem Tun,
Und sei dann frohen Herzens,
Wenn sich auch keiner dein erbarmt,
So wird sich Gott erbarmen.
6Über das umgestürzte Glück
Bin ich mit Rechten traurig,
Aber vielleicht gedenkt man mein,
In dem Morgensegen.
7Wehe! Hafis ist verbrannt, es kam
Kein Duft aus Freundes Locken,
Aber vielleicht verweis't der Ost
Mich zu diesem Glücke.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.