Da mich der Herr zum Trünke bestimmt hat
1Da mich der Herr zum Trünke bestimmt hat,
Sag', Frommer, habe ich hievon die Schuld?
2Wer feindet jenen an am Jüngsten Tage,
Der an dem Schöpfungstag ein Glas empfing?
3O sag' dem Mönche mit dem Schalksgesicht,
Die Ärmel trägst du kurz, doch lang die Hand.
4Du ziehst die Kutte an aus Gleisnerei,
Damit führst du die Diener Gottes irr'.
5Ich dien' den Trunknen ohne Kopf und Fuß,
Für beide Welten geben sie kein Stroh.
6Als in den Schenken mir mein Wille ward,
Da dünkte Schul' und Kloster mir gleich schwarz.
7Jetzt bettle nicht an jedem Tor, Hafis,
Denn du gelangest nur durch Gott zum Ziel.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.