Ins Kloster kam mein Freund, das volle Glas in…

1Ins Kloster kam mein Freund, das volle Glas in Händen,
Von Wein, die anderen von seinen Augen trunken.

2Der neue Mond erglänzt am Hufe seines Pferdes,
Die Pinien sind klein, verglichen seinem Wüchse.

3Mir nicht bewußt, wie kann ich sagen, daß ichs bin,
Und daß ich ihn nicht schau', wenn ich ihn stets anschaue?

4Des Kreises Licht erlöscht, so bald er geht von hinnen,
Und wenn er kommt, verstummen die Beschwörenden.

5Der Moschus riecht von der Berührung seines Haares,
Die Braunenschminke krümmt sich nach den schönen Augen.

6O komm' zurück, dann kommt Hausens Jugend wieder,
Wiewohl der Pfeil nicht wiederkehrt zum Bogen.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.