Der Phönix meines Herzens hat

1Der Phönix meines Herzens hat
Sein Nest im letzten Himmel,
Im Körperkäfig eingesperrt,
Ist er längst satt des Lebens.

2Der Seele Phönix fliegt er einst
Empor vom Aschenhaufen,
So nistet er sich wieder ein
In jenem hohen Neste.

3Fliegt er empor, so sitzt er auf
Am Baum des Paradieses,
Drum wiss', es ist mein Aufenthalt
Hoch auf des Himmels Zinnen.

4Und spreizet über diese Welt
Die Flügel aus mein Phönix,
So ruhet auf der ganzen Welt
Des guten Glückes Schatten.

5In beiden Welten wohnet er
Hoch über allen Himmeln,
Sein Körper ist von Ätherstoff,
Doch nirgends wohnt die Seele.

6Der Plan der höhern Welten ist
Der Spielort meines Phönix,
Des Paradieses Rosenbeet
Gewährt ihm Trank und Speise.

7Verlorener Halls, solang
Du Gottes Einheit predigst,
Schreib' Einheit hin auf jedes Blatt
Der Menschen und Genien.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.