Der Reiz der Schönheit deines Gesichts ergriff
1Der Reiz der Schönheit deines Gesichts ergriff
Die ganze Welt der Länge und Breite nach.
Des Himmels Sonne ist beschämt
Von dem Gesichte des Erdenmondes.
2Es ist mir nichts als billig, daß jedermann
Hienieden deine Schönheit beteuere,
Und deines Angesichtes Anschaun
Ist selbst von Engeln für Pflicht zu halten.
3Die Sonn' im vierten Himmel entlehnt
Dem Glanze deiner Wangen den Strahlenkreis,
Sie ist bedeckt mit Schulden gleich der
Siebenten Erde zurückgeblieben.
4Der Geist, der dir nicht opfert und huldig't,
Wird ohne Leben bleiben für immerhin.
Zerstreuet seien Körper, die sich
Dir nicht zum Sklaven geweihet haben.
5Es ist für dich nur eitles Bemüh'n Hafis,
Wenn du den Staub der Erde zu küssen wähnst,
Denn die Geschichte deiner Sehnsucht
Sagen die Winde von allen Seiten.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.