Ihr Moslimen, es war
1Ihr Moslimen, es war
Ein Herz mein eigen einst,
Dem ich immer geklagt,
Was Schwieriges mir war.
2Ein mitleidiges Herz
Und ein erfahrner Freund,
Welcher Schützer und Schirm
Von allen Herzen war,
3Der in jeglichem Fall,
Für mich verwirrten Mann,
Ein geschickter Gefährt,
Ein weiser Helfer war.
4Wenn in Wirbel ich fiel
Durch meines Auges Flut,
Wußt' ich, daß mir durch ihn
Noch Rettungshoffnung war.
5Diesen Retter verlor
Ich in der Liebe Land.
Welch' ein räuberisches Land,
O Herr! dasselbe war!
6Meinen Augen entfloß
Darum ein Tränenstrom,
Wenngleich zu dem Genuß
Die Möglichkeit nicht war.
7Mangel folget zwar oft
Der Tugend im Geleit,
Aber seht mich und sagt,
Ob einst ein Ärmrer war.
8Meiner Lieder erwähnt
Man nun in jedem Kreise,
Seit die Liebe für mich
Des Wortes Quelle war.
9O erbarmet, erbarmt
Euch dieses Trunknen hier,
Der ein stattlicher Mann
In seinen Tagen war.
10Sage fürder mir nicht,
Hafis ist tief gelehrt,
Denn ich hab' ihn geseh'n,
Unwissend, wie er war.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.