Verliere keine Zeit mit Gram

1Verliere keine Zeit mit Gram,
Im Ganzen ist die Welt nichts wert,
Verkauf das Ordenskleid um Wein,
Es ist ja sonsten zu nichts wert.

2Des Freundes Land sei mir geehrt,
Weil es die Männer schützt und schirmt,
Wenn nicht, was nützt mir Farsistan,
Es ist so vieler Müh' nicht wert.

3Man gibt nicht einen Becher Wein
Für meinen Teppich in der Schenke,
Was für ein Teppich! seh't, er ist
Nicht einen Becher Weines wert.

4Du wasche deine Ängstlichkeit
Vom Ordenskleide reinlich aus,
Denn alle Kuttenflecken sind
Kein Glas von rotem Weine wert.

5Wie leicht scheint anfangs nicht die Flut
Des Meeres, aus Hoffnung des Gewinnes!
Doch weit gefehlt! denn diese Flut
Ist nicht zehntausend Perlen wert.

6Die Königskron', die von der Höh'
Des Scheitels Seelen Furcht einflößt,
Ist zwar ein schöner Kopfschmuck', doch
Nicht den Verlust des Hauptes wert.

7Weit besser ist es, wenn du dein
Gesicht den Liebenden verbirgst,
Denn die Erobrung einer Welt
Ist nicht der Müh des Krieges wert.

8Sei, wie Hafis, genügsam, tu'
Wie er auf dieser Welt Verzicht,
Ein Gran von Niederträchtigkeit
Ist nicht zweihundert Tonnen wert.

Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.