Tausende Feinde mögen mir den Untergang drohen
1Tausende Feinde mögen mir den Untergang drohen,
Bist nur du mein Freund, furcht' ich der Feinde nicht.
2Mich erhält beim Leben, Hoffnung deines Genusses,
Hundertfachen Tod furcht' ich von deiner Flucht.
3Bringt der Wind von Hauch zu Hauche deinen Geruch nicht,
So zerspring' ich wie Rosen von Zeit zu Zeit.
4Läßt dein Bild wohl Schlaf in meine Augen? Beileibe!
Bin ich fern von dir ruhig? Bewahre Gott!
5Besser ist ein Schlag von dir als Pflaster von andern,
Und ich zieh' dein Gift anderer Theriak vor.
6Mord mit deinem Schwerte ist mir ewiges Leben,
Meine Seel' ist gut dir sie zu opfern,
7Lenk' nicht ab den Zügel, schlage mich mit dem Schwerte,
Denn ich zieh' die Hand nimmer vom Bügel ab.
8Wo sah' je das Auge eine Schönheit, wie du bist,
Jeder schaut nach Maß seines Vermögens dich.
9Damals wird Hafis von allem Volke geehret,
Wenn er sein Gesicht wälzet in deinem Staub.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.