Traurig ist mein Herz über die Welt und was darin…
1Traurig ist mein Herz über die Welt und was darin ist,
Denn in meinem Sinn wohnet mein Freund, und sonsten keiner,
2Wenn vom Rosenbeet' deines Genusses Duft mir wehet,
Kann mein Herz sich nicht halten vor Lust, wie Rosenknospen,
3Wenn ich armer Tor raten dir sollt', im Weg der Liebe,
Hieße dieses ja leeres Geschwätz mit Toren halten.
4Frommen sage du, sitzet allein, und schmäl't mitnichten,
Weil ich zum Altar habe gewählt des Freundes Brauen.
5Götzentempel und Kaaba ganz von gleichem Werte,
Gegen welchen Ort gewendet du bist, Er ist zugegen.
6Bart und Haar und Brau'n machen noch nicht den Kalender aus,
Denn des Kalenders Rechnung sei treu bei einem Haare.
7Leichtes Ding ist's, sich über ein Haar hinauszusetzen,
Doch Kalendere sind die, wie Hafis, den Kopf aussetzen.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.