Wer auf die Treuen achtgibt
1Wer auf die Treuen achtgibt,
Der sei versichert, daß der Herr
Auf seine Diener achtgibt,
2Wer Treue wünscht vom Liebchen,
Behalt' den Faden, weil sonst nicht
Das Liebchen auf ihn acht gibt.
3Des Freundes Sag' erzähl' ich
Dem Freund, weil aufs bekannte Wort
Nur der Bekannte acht gibt.
4Ich sprach zu ihm: Bewahre
Mein Herz; Er sprach: was nützt es wohl,
Wenn Gott auf Diener achtgibt.
5Ich opfre Herz und Seele,
Und Haupt und Gold dem Liebling auf,
Der auf die Worte achtgibt.
6Wenn du im Haare Ostwind,
Mein Herz erblick'st, sag' ihm mit Huld,
Daß auf den Platz es achtgeb'.
7So sollst du immer leben,
Daß, wenn du strauchelst, aufs Gebet
Dein Engel auf dich achtgibt.
8Ihr Tapfern, ehr't den Herren,
Daß auch er seinerseits auf Euch,
Wie auf die Seele achtgibt.
9Wo ist der Staub des Weges,
Daß d'rauf Hafis, wie auf ein Mal
Des Morgenwindes achtgibt.
Text: „Aus dem Diwan des Hafis", übertragen von Josef von Hammer-Purgstall († 1856) und Friedrich Rückert († 1866), gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE.