84. Sure: Der Auseinanderfall

1Wann der Himmel auseinander fällt,

2Seinem Herrn zu Gebot gestellt,

3Und wann die Erde wird geschwellt,

4Und auswirft was sie in sich hält,

5Ihrem Herrn zu Gebot gestellt;

6O Mensch, du strebtest gegen deinen Herrn, nun wirst du ihn finden.

7Wer nun sein Buch in seine rechte Hand erhält,

8Dem wird gerechnet eine Rechnung linde,

9Und zu den Seinen kommt er hin im Glücke;

10Doch wer sein Buch hält hinter seinem Rücken,

11Der wird Vernichtung rufen

12Und brennen in den Gluten.

13Denn bei den Seinen war er einst im Glücke,

14Nicht dacht' er daß man ihn entrücke;

15Doch ihn bemerkten seines Herren Blicke.

16Soll ich schwören beim Abendroth,

Anmerkung Rückerts: Vers 16 Soll ich schwören Das lā ist grammatisch nicht als wirkliche Negation zu fassen, weil es beim zweiten Gliede nicht wiederkehrt. Eben so 90,1; 81,15. Die angerufenen Gegenstände sind auch hier ein Bild des was betheuert werden soll: aus einem Zustand in den andern.

17Und bei der Nacht und was sie droht,

18Und bei des vollen Mondes Boot!

19Ihr werdet kommen aus Noth in Noth.

20Was wollen sie, daß sie nicht glauben?

21Wenn man den Koran ihnen liest, nicht beten an im Staube?

22Die Leugner sind es, die sich strauben.

23Doch Gott kennt, was sie sich erlauben.

24Verkündige ihnen Marterschrauben!

25Doch dem, der glaubt und Gutes thut, wird Lohn, der nicht zu rauben.

Text: Friedrich Rückert († 1866), Koran-Übertragung, gemeinfrei. Digitale Quelle: Projekt Gutenberg-DE. Hinweis: Auswahl, keine Vollübersetzung — der vollständige Text steht unter Der Koran.