Symbole & Astrologie

Türkisch-uigurischer Zwölftierkalender

Der zentralasiatische Zwölftier-Kalender zur Jahreszählung, den die türkisch-uigurischen und mongolischen Völker jahrtausendelang verwendeten; mit dem chinesischen System teilt er einen gemeinsamen Steppenhintergrund.

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Definition und Etymologie

Der türkisch-uigurische Zwölftierkalender ist das zyklische Kalendersystem, das die türkischen und mongolischen Völker Zentralasiens jahrtausendelang zur Jahreszählung, Datierung und Wahrsagung verwendeten. Im Alttürkischen heißt das Jahr yil oder bichgan, der Zyklus zwölf Monate/Jahre (on eki yil); jedes Jahr wird mit dem Namen eines Tieres benannt. Obwohl das System eine auffallende Parallele zum chinesischen Zwölftiersystem shēngxiào aufweist, entwickelte es sich als Teil einer eigenständigen zentralasiatischen Tradition und überdauerte mehr als ein Jahrtausend, indem es sowohl durch den Tengri-Glauben als auch durch die schamanische Tradition hindurchging. In der wissenschaftlichen Literatur wird es als „türkisch-mongolischer Zwölftierkreis" bezeichnet (englisch: Turko-Mongol twelve-animal cycle; deutsch: türkisch-mongolischer Zwölftierkreis; russisch: тюрко-монгольский двенадцатилетний животный цикл).

In Mahmud al-Kāschgharīs 1077 vollendetem Divânu Lugâti't-Türk wird das System ausführlich beschrieben: „Die Türken zählen über einen Zyklus von 12 Jahren; jedes Jahr wird durch ein Tier dargestellt." Dies ist eine der wichtigsten bis heute erhaltenen schriftlichen Quellen der vorislamischen astronomisch-kalendarischen Tradition der Türken. Mahmud al-Kāschgharī überliefert auch die Art, wie das System im Volk erlernt wird: Es gibt eine Kindern beigebrachte Mnemonik (Merktechnik), und Sprichwörter über die Eigenschaften jedes Tieres werden in den Familien mündlich von Generation zu Generation weitergegeben.

Das System bietet auf der Wortebene in jedem Winkel der türkischen Welt einen vertrauten Wortschatz: bars (Tiger/Panther), koy (Schaf), at (Pferd im Türkischen), takighu (Huhn), toŋuz (Schwein) — diese Wörter werden noch heute als ursprüngliche Wörter des Türkischen verwendet, und die Wurzel eines jeden ist eines der wichtigen Daten der 2000-jährigen türkischen Sprachwissenschaft. Philologen, die die Geschichte der türkischen Sprache verfolgen (Gerhard Doerfer, Talat Tekin), führen das Zwölftiersystem bis zu einer proto-türkischen Wurzel (zwischen 500 und 200 v. Chr.) zurück.

Historischer und doktrinärer Hintergrund

Ursprungsdebatte: gemeinsam, unabhängig oder entlehnt?

Der Ursprung des türkisch-uigurischen Zwölftierkalenders wurde von Historikern lange diskutiert und mit drei Haupthypothesen zu erklären versucht:

1. Entlehnungshypothese aus China: Viele Orientalisten des 19. Jahrhunderts (besonders Berthold Laufer, Verfasser von The Chinese Madonna in the Field Museum) vertraten die Ansicht, die Türken hätten das System von den Chinesen übernommen und mit kulturellen Veränderungen angenommen. Das Argument: Die Reihenfolge der 12 Tiere ist nahezu identisch; das chinesische System existiert bereits in den Aufzeichnungen der Han-Dynastie (1. Jahrhundert n. Chr.); die Türken lebten systematisch an der chinesischen Grenze; Parallelen wie der Übergang chinesischer Begriffe wie jiǎzǐ in die türkischen Sprachen. Diese Auffassung wurde auch von einem Teil der sowjetzeitlichen Turkologen geteilt.

2. Hypothese der eigenständigen türkischen Entwicklung: Türkische nationalistische Historiker (darunter Z. V. Togan, F. Köprülü, Osman Turan) gehen davon aus, das System sei Teil der gemeinsamen eurasischen Steppentradition oder selbst von den Türken nach China gelangt. Das Argument: Die 12 Tiere passen besser zum nomadischen Steppenleben als zum chinesischen Ackerbauleben; in manchen türkischen Varianten unterscheidet sich die Reihenfolge der Tiere; die uigurischen und tibetischen Versionen tragen eigene Motive; Aussagen in chinesischen Quellen, wonach die Xiongnu (Hunnen) bereits eine Zwölftierzählung verwendeten.

3. Hypothese eines gemeinsamen proto-eurasischen Ursprungs: Der moderne französische Turkologe Louis Bazin (1908–2011) behandelte diese Debatte in seinem Werk Les Calendriers Turcs Anciens et Médiévaux (1991) auf wissenschaftlicher Grundlage und legte einen Ursprung dar, der weder vollständig Entlehnung noch vollständig eigenständig ist: Er vertritt die Ansicht, die ostasiatischen Steppen (Hunnen, Xiongnu, Türken, Mongolen, chinesische Grenze) seien ein einziges kulturelles Becken gewesen, und das Zwölftierkalendersystem habe sich auf diesem geteilten kulturellen Boden — wahrscheinlich vor der Xiongnu-Zeit (3. Jahrhundert v. Chr.) — gemeinsam entwickelt. Bazins Argument stützt sich auf die Synthese archäologischer Belege (Kurgane von Pazyryk, Funde von Noin-Ula), der Sprachgeschichte und der vergleichenden Mythologie. Diese Auffassung ist heute die am weitesten anerkannte These.

Folglich lautet die Antwort auf die Frage „Wurde das chinesische System dem türkischen entlehnt oder umgekehrt?" wahrscheinlich: Beide stammen aus einem gemeinsamen eurasischen Steppenursprung; nur hat später die chinesische Zivilisation die mathematisch-kalendarischen Einzelheiten des Systems (10 himmlische Stämme, 5 Elemente, 60-jähriger Zyklus) sehr weit getrieben, während die Türken eine schlichtere, aber dem nomadischen Leben angemessenere Form bewahrten. Diese Auffassung versteht die türkisch-chinesischen Beziehungen nicht als „Geben und Nehmen", sondern als getrennte Verzweigung einer geteilten Ahnenkultur — was vom Standpunkt der modernen vergleichenden Kulturgeschichte weit realistischer ist.

Köktürkische und uigurische Aufzeichnungen (6.–9. Jh.)

Die köktürkischen Inschriften (im Becken von Orchon und Jenissei, 7.–8. Jahrhundert) enthalten die ältesten türkischen schriftlichen Aufzeichnungen des Zwölftiersystems. Die Tonyukuk-Inschrift (725) und die Bilge-Kagan-Inschrift (732) datieren ihre Ereignisse folgendermaßen: „Im Jahr des Schafes... führten wir Krieg." „Im Jahr des Schweines kam der Gesandte." Diese Aufzeichnungen zeigen, dass das System in der köktürkischen Staatsbürokratie verwendet wurde. Der Ausdruck „Jahr des Tigers" gleich zu Beginn der Köl-Tegin-Inschrift gehört zu den ältesten Datierungsbeispielen der türkischen Schrifttradition.

Dieselbe Praxis setzt sich auch in der Zeit des uigurischen Kaganats (744–840) fort; in uigurischen buddhistischen und manichäischen Handschriften (Turfan-Sammlung, heute in der Staatsbibliothek in Berlin) werden die Jahre mit dem Zwölftiersystem datiert. Das Besondere der uigurischen Texte ist, dass sie sowohl das Zwölftiersystem als auch indisch-vedische Einflüsse (27 Nakshatras, Planetenreferenzen) als auch den aus China stammenden 60er-Zyklus zugleich enthalten. Dies ist das Dokument des kosmopolitischen Kulturbeckens der Uiguren an der Kreuzung der Seidenstraße.

Karachaniden, Seldschuken, Mongolen

Die Karachaniden (840–1212) verwendeten das Zwölftiersystem auch nach Annahme des Islam weiter — dies wurde in Mahmud al-Kāschgharīs Werk festgehalten. Dass das Werk auf 1077 datiert, zeigt, dass die Türken keinerlei theologische Spannung dabei verspürten, ihre neue muslimische Identität mit ihren alten Kalendersystemen zu verbinden. Die Chroniken der Dynastien der Seldschuken (1037–1194) und der Ilchane (1256–1335) verwenden den islamischen (Hidschra-)Kalender und das Zwölftiersystem parallel; in monumentalen Werken wie Raschīd ad-Dīn Hamadānīs Câmiu't-Tevârîh (Dschāmiʿ at-Tawārīch, 1310) beginnt jeder Abschnitt mit „Im Jahr des Panthers" oder „Im Jahr des Tigers". Die Geburt Dschingis Khans wird in den mongolischen Aufzeichnungen als „Jahr des Schweines" (1162) angegeben; der Tod Dschingis Khans im Jahr 1227 wiederum als „Jahr des Schweines" (wiederum!) — was zeigt, dass der Anfangs-Ende-Zyklus seines 65-jährigen Lebens beinahe ein vollständiges Jiazi war.

Das größte Geschichtswerk der Epoche des Mongolischen Reiches (1206–1368), das Câmiu't-Tevârîh, verwendet sowohl den Hidschra- als auch das Zwölftiersystem parallel, und dies ist ein konkretes Beispiel der mongolisch-türkisch-persischen Synthese. Raschīd ad-Dīn, als iranisch-jüdisch-muslimischer Wesir, integrierte das türkisch-mongolische Kalendersystem in die persische Geschichtsschreibung.

Zur Zeit der Osmanen war das Zwölftiersystem geschwächt und wurde weitgehend vom Hidschra-Kalender und vom Rumi-Kalender abgelöst. Doch im Volk, besonders in Anatolien, ist der Jahreszyklus nach wie vor bekannt; Ausdrücke wie „Ich bin im Jahr des Schweines geboren" bei der Angabe von Geburtsdaten finden sich im 17.–18. Jahrhundert. Der osmanische Hofkalender Takvîm-i Hümâyûn enthielt das Hidschra-, das Zwölftier- und das Rumi-System nebeneinander.

Tibetische, mongolische und mandschurische Übertragungen

Mit der Ausdehnung des Mongolischen Reiches (1206–1368) gelangte das Zwölftiersystem nach Tibet und von dort in die buddhistische Astrologie. Die tibetische Astrologie verbindet zwei Zweige: kar-tsi (weiße Berechnung) = indisch-vedischen Ursprungs, nag-tsi (schwarze Berechnung) = chinesisch/türkisch-mongolischen Ursprungs. Diese Synthese ist die einzige Tradition, die das Zwölftiersystem neben das indische 27-Nakshatra-System stellt, und bildet die Grundlage der Vajrayana-buddhistischen Astrologie. Ein Sertse (tibetischer Astrologe) deutet die Geburt eines Klienten sowohl vedisch (mit dem indischen Kalender) als auch chinesisch-türkisch (mit dem Zwölftiersystem); er nimmt über die Übereinstimmungen oder Widersprüche der beiden Systeme eine tiefgehende Lesung vor.

Auch die Mandschuren und die mandschurische Dynastie (Qing, 1644–1912) verwendeten das Zwölftiersystem in den offiziellen Aufzeichnungen. Die Geburtsjahre der Qing-Kaiser wurden nicht nur im chinesischen gānzhī-System, sondern zugleich auch in der mandschurischen Tiertabelle festgehalten. Dies zeigt eine offizielle Kontinuität des türkisch-mongolischen Erbes über die mandschurisch-chinesische Synthese.

Konzeptuelle Struktur

Die türkischen Namen und die Reihenfolge der 12 Tiere

Die in Mahmud al-Kāschgharīs Divânu Lugâti't-Türk angegebene Reihenfolge:

  1. Sichgan (Maus/Ratte)
  2. Ud (Rind/Ochse)
  3. Bars (Panther/Tiger)
  4. Tavishgan (Hase)
  5. Lu/Nek (Drache/Fisch)
  6. Yilan (Schlange)
  7. Yund (Pferd)
  8. Koy (Schaf)
  9. Biçin/Picin (Affe)
  10. Takighu/Tahaqu (Huhn/Hahn)
  11. It (Hund)
  12. Toŋuz (Schwein)

Im Vergleich mit der chinesischen Reihenfolge ist sie nahezu identisch. Der auffälligste Unterschied ist, dass im chinesischen System an 5. Stelle der Drache (lóng) steht, während in manchen türkisch-uigurischen Versionen ein Fisch (nek) oder eine sagenhafte Wasserschlange verwendet wird; in anderen Versionen wird auch im Türkischen Lu (Drache) beibehalten. Diese kleine Abweichung wird als einer der sprachhistorischen Belege dafür angeführt, dass das System nicht ganz exakt aus China kopiert wurde. Die türkische Etymologie von Lu ist umstritten; manche Sprachwissenschaftler vertreten die Ansicht, es stamme vom chinesischen lóng, andere, es komme aus einer gemeinsamen proto-altaischen Wurzel.

Außerdem ist das Schaf (koy) im chinesischen System dasselbe wie yáng (羊, Schaf/Ziege), und dass dieses Tier eine zentrale Stelle einnimmt — weil es das Grundtier der türkischen Nomadenökonomie ist —, spiegelt die eigene kulturelle Neigung der türkischen Version wider. Ebenso ist das Pferd (yund) das symbolträchtigste Tier der türkischen Nomadenkultur; das Wort yund ist aus dem modernen Türkischen verschwunden, steht aber im Alttürkischen in Verbindung mit yilki (Pferdeherde).

In uigurischen manichäischen Texten kann die Reihenfolge bisweilen statt mit „Sichgan, Ud, Bars..." mit „Bars, Tavishgan, Lu..." mit dem Tiger beginnen; dies zeigt die Logik der Gleichsetzung des Jahresbeginns mit dem Beginn der Jahreszeit (Frühling). Dass im chinesischen System das Jahr mit der Ratte beginnt, während es in manchen Varianten des uigurischen Systems mit dem Tiger beginnt, gehört zu den Details, die die Unabhängigkeitsthese stützen.

Tiere und Richtung/Stunde

In der türkischen Tradition ist jedes Tier mit einer Richtung und einer bestimmten Stunde des Tages verknüpft. Eine systematische Korrelation:

Diese Richtungssymbolik spielt in der Kosmologie des türkischen Schamanentums eine wichtige Rolle: Der Nordosten (Ud-Richtung) bedeutet Fülle, der Osten (Tavishgan) Leben, der Süden (Yund) den höchsten Punkt der Sonne. In schamanischen Ritualen richten sich die Trommelschläge auf bestimmte Richtungen, und jede Richtung ist mit der Energie eines Tier-Stunden-Abschnitts verbunden.

Die Charakterwirkung des Jahrestieres

Der Tradition zufolge bestimmt das Tier im Geburtsjahr einer Person ihr grundlegendes Naturell. Einige regionale Volksglauben in Anatolien:

Diese Charakterlesung wird, anders als die Übersetzung des chinesischen Systems, nach den Maßstäben des türkischen nomadischen Steppenlebens bewertet: Sie sucht Antworten auf praktische Fragen wie „reitet er gut?", „wird er ein geduldiger Hirte?", „kommt er durch den Winter?".

Das Fehlen des Element-/Fünfersystems

In der türkischen Version fehlt der 60-jährige Zyklus, den China durch die Multiplikation der 5 Elemente (wǔxíng) und von Yin/Yang bildet, deutlich oder ist schwächer ausgeprägt. Stattdessen ist im türkischen System nur der zwölfjährige Grundzyklus maßgeblich. In manchen uigurischen manichäischen Texten wird ein „Farb"-System (Blau/Norden, Rot/Süden, Weiß/Westen, Schwarz/Osten, Gelb/Mitte) kreuzweise mit den 12 Tieren angewandt, und so wird ein 60-jähriger Zyklus gebildet, aber diese Anwendung ist nicht verbreitet. Im allgemeinen türkischen Leben sagt man „Bars-Jahr" und fertig, ohne zu fragen, welche Farbe-Element es ist. Diese Schlichtheit zeigt zum einen, dass das System einen anderen kulturellen Kontext als das chinesische System hat, und spiegelt zum anderen seine Anpassung an das türkische Nomadenleben wider.

Gleichwohl gibt es in der türkischen Welt Stammesnamen, die an ein Jahr-Farbe-System erinnern: gök türk (Blau-Türke), kara türk (Schwarz-Türke), kizil türk (Rot-Türke), ak türk (Weiß-Türke), sari türk (Gelb-Türke); diese fünf Farben stellen eine Parallele zum chinesischen Wǔxíng her, aber mit einer anderen Logik — jede Farbe verweist auf eine Richtung und einen türkischen Stamm. Dies ist ein konkretes Beispiel für eine ethnisch-geografische Lesung des kosmischen Systems.

Symbolisch-mystische Dimensionen

Die Verbindung zur Tengri-Kosmologie

Der türkische Zwölftierkalender lässt sich auch als Teil des Gök-Tengri-Glaubens (des Himmels-Tengri) lesen. Das Tengri-System stellt sich den Himmel als 9-, 17- oder 33-schichtig vor; die Unterwelt ebenso in parallelen Schichten. Die 12 Tiere repräsentieren den Himmelsrhythmus auf der irdischen Ebene; kün (Tag), ay (Monat) und yil (Jahr) sind die drei Haupteinheiten der türkischen Kalenderhierarchie, und die Tiere treten auf der Jahresebene in Erscheinung. Der Kam/Schamane (türkisch: kam, mongolisch: böö, in Sibirien: udagan) liest in der Praxis des Schamanismus diese Tiere aus den Zeichen seiner Trommel (tüngür) oder seines Zeremonialgewandes; nach dem Geburtsjahr bestimmt er das Schutztier einer Person.

Die klassische türkische Kosmologie schlägt ein dreischichtiges Universum vor: die Obere Welt (Himmel, 17 Schichten), die Mittlere Welt (Menschenwelt, horizontale Ebene), die Untere Welt (Unterwelt, 7 oder 9 Schichten). Die 12 Tiere repräsentieren den Jahresrhythmus der Mittleren Welt; der Schamane steigt auf der Geistreise (kamlik) in die Obere Welt auf, indem er sich Tiergeister zu Führern nimmt. Daher sind die 12 Tiere nicht nur ein Kalender, sondern Wegweiser der spirituellen Reise.

Der Erd-Wasser-Kult und das Tier

In der türkisch-mongolischen Kosmologie besitzt jede Gemeinschaft ihren eigenen yer-su-Geist (Erd-Wasser-Geist); das Schutztier eines Stammes (ongon) ist sein totem-haftes Tier. Der Ashina-Klan (der Stammbaum der köktürkischen Dynastie) trägt ein auf dem Wolf beruhendes Totemtier — obwohl der Wolf im Zwölftiersystem keinen offiziellen Platz hat, nimmt er im türkischen mythischen Bewusstsein eine zentrale Stelle ein. Die Legende vom Bozkurt (Grauwolf) ist das Hauptmotiv der türkischen Ursprungserzählung.

Bei den Mongolen ist der Begriff süld (Geist, Adel) an Wolf, Pferd und Hirsch geknüpft. Die Tiergeister (sünesün) sind die spirituellen Bewahrer der Stammesidentität. Der Zwölftierkalender lässt sich als die abstrahierte kosmische Version dieser Stammes-Totem-Welt lesen — jedes Tier hat eine tiefe Verbindung zum Ahnengeist bestimmter Stämme.

Hidrellez und die Jahreszeitenübergänge

Der türkische Volkskalender verbindet das Zwölftiersystem mit den Jahreszeitenfesten. Das Nouruz (21. März, Jahresbeginn) und das Hidrellez (6. Mai, Sommerbeginn) liegen auf den beiden großen Tagundnachtgleichen-/Wendepunkten des türkischen Kalenderlebens. Praktiken in der Hidrellez-Nacht wie das Wünschen, das Werfen von Blumen ins Wasser und das Springen über das Feuer sind an die Mythologie von Hizir-Ilyas gebunden, aber ihnen liegt die türkische vorislamische zyklische Zeitwahrnehmung zugrunde.

Das Nouruz fällt sowohl in der iranisch-persischen als auch in der türkischen Tradition auf den 21. März und gilt als Beginn des Kalenderjahres; dies ist ungefähr dasselbe Datum wie der vedische Jahresbeginn (vedisch, Caitra). Vom sumerisch-akkadischen Kalender bis hin zu den indischen, türkischen und iranischen Kalendern symbolisiert die Frühlings-Tagundnachtgleiche in vielen asiatischen Kulturen das neue Jahr.

Die Hidrellez-Nacht (Nacht vom 5. auf den 6. Mai) ist in der modernen Türkei nach wie vor ein großes Volksfest; Roma, Aleviten, Sunniten, Karäer — alle nehmen teil. Dieses Fest ist die konkrete Erscheinung des zugrunde liegenden Gefühls des kosmischen Zyklus, auch wenn der Zwölftierkalender nicht unmittelbar erwähnt wird.

Herden- und Richtungspraxis

Im nomadischen türkischen Leben ist das Jahrestier mit praktischen Entscheidungen verwoben, in welche Richtung man weiterziehen und in welchem Monat man die Herde auf welche Weide treiben soll. Es heißt, im Yund-Jahr (Pferd) werde besonders die Pferdezucht gefördert; im Koy-Jahr (Schaf) der Wollhandel gesteigert; im It-Jahr (Hund) der Hirtenhund gezüchtet. Das Toŋuz-Jahr (Schwein) — obwohl das Schwein im türkischen Nomadenleben nicht praktisch war — gilt als Jahr der Fülle und des Segens, weil das Schwein mythisch-symbolisch die Fruchtbarkeit verkörpert.

Dies ist eine, anders als die moderne Astrologie, produktionskalendarische Dimension und zeigt die praktische Anwendungstiefe der Tradition. Der jährliche Zyklus der türkischen Nomadenökonomie läuft synchron mit dem Zwölftierkalender: im Frühling die Geburten, im Sommer die Weide, im Herbst Ernte und Schlachtung, im Winter die sesshafte Unterkunft. Das Jahr jedes Tieres erhält nach seinem eigenen Jahreszeitenprofil eine besondere Betonung.

Vergleichende Perspektive

Türkisch vs. China

Über die im vorigen Abschnitt angesprochene Ursprungsdebatte hinaus die strukturellen Unterschiede:

Dimension Türkisch-uigurisch China
Grundzyklus 12 Jahre 60 Jahre (12 × 5 Elemente)
Elementsystem Meist nicht vorhanden, in manchen uigurischen Texten kaum merklich Sehr zentral: Wǔxíng
Individuelle Lesung Tier + Volksglaube Bazi (4 Säulen, 8 Zeichen)
Praktischer Ort Nomadisch-landwirtschaftlicher Kalender Landwirtschaftlich-bürokratischer Kalender
Soziokulturelle Entwicklung Schwächt sich nach dem Islam ab Erstarkt innerhalb der konfuzianischen Bürokratie beständig
Schriftlicher Kanon Mündliche Tradition + einige Inschriften + Divânu Lugâti't-Türk Wang Chong, Xu Ziping, umfangreiche Literatur
Geografische Verbreitung Eurasische Steppen, Anatolien, Turkestan Han-China, umliegende Kulturen
Intensität der Praxis Auf Volksebene, kein detailliertes Ausbildungssystem Es gibt eine professionelle Astrologenschicht

Beide Systeme verwenden auf gleiche Weise die 12 Tiere, aber das eine (China) entwickelt eine klassische mathematisch-bürokratische Astrologie; das andere (Türkisch) bleibt ein schlichter praktisch-totemischer Kalender. Der Kontext, in dem sich das chinesische System entwickelte, ist die sesshafte Ackerbaugesellschaft und die Staatsbürokratie; der Kontext, in dem sich das türkische System entwickelte, ist die nomadische Viehzucht und die klanbasierte Sozialstruktur. Dieser unterschiedliche sozioökonomische Kontext hat dasselbe zwölftierige Kernsystem in verschiedene Richtungen entwickelt.

Türkisch vs. vedisch

Der türkische Kalender unterscheidet sich radikal vom vedischen Jyotish. Das vedische System enthält überaus detaillierte Schichten wie 27 Nakshatras, 12 rāśi, 9 Grahas, Vimshottari-Dasha und die Karma-Theorie; der türkische Kalender bleibt auf der Ebene eines einzigen Tieres + mündlichen Volksglaubens. Historisch begegneten sich die beiden Systeme im tibetischen Vajrayana-Buddhismus und brachten eine hybride Astrologie (kar-tsi + nag-tsi) hervor. Die von den Türken verwendete buddhistische Astrologie (die vedischen Einflüsse der uigurischen Buddhisten) ist eines der konkreten Beispiele dieser Synthese.

In türkisch-uigurischen manichäischen Handschriften (in Turfan gefunden, Sammlung der Staatsbibliothek in Berlin) werden sowohl das Zwölftiersystem als auch die 27 xiù (chinesisch/indisches Nakshatra-Pendant) als auch Planetenreferenzen (Qī Yào, sieben Richtungen) nebeneinander verwendet. Dies zeigt die Fähigkeit der Türken, in ihrer kosmopolitischen Lage an der Seidenstraße astrologische Synthesen vorzunehmen.

Türkisch vs. babylonisch/hellenistisch

Der babylonische Zwölf-Zeichen-Tierkreis (das in die hellenistische Welt übergegangene System) und das türkische Zwölftiersystem unterscheiden sich grundlegend: Das babylonische System verfolgt die Ekliptik auf der Grundlage von Sternpositionen; das türkische System beruht ganz auf einer Tiersymbolik und besitzt keine astronomische Kartierung. Dies zeigt also, dass der türkische Kalender ein nicht astronomischer, sondern symbolischer Kalender ist — das heißt, ein volkskundlich-folkloristisches Werkzeug. Seine Abstimmung mit dem modernen astronomischen Kalender wurde nachträglich, unter dem Einfluss der islamischen Kalenderwissenschaft (Ilm al-Anwāʾ), vorgenommen.

Der Einfluss der islamischen Astronomietradition auf die Türken verdichtete sich im 11.–13. Jahrhundert. Ulugh Begs Sternwarte in Samarkand (15. Jahrhundert) repräsentiert den Höhepunkt der türkisch-islamischen Astronomie; aber diese Einrichtung bewahrt das Zwölftiersystem nicht als astronomisches Werkzeug, sondern als Volkskalender. Die wissenschaftliche Astronomie (Ulugh Begs Sternkatalog Zij-i Sultani) und die Volksastrologie (12 Tiere) leben als zwei getrennte Praktiken nebeneinander.

Türkisch vs. anatolische Volksastrologie

Innerhalb der anatolischen Volksastrologie ist das Zwölftiersystem weitgehend in Vergessenheit geraten; an seine Stelle ist eine Mischung getreten, die vorislamische türkische Kalenderelemente mit dem nachislamischen arabisch-persischen astrologischen Erbe verbindet. Falname-Bücher, zayirçe und Felekiyat-Bücher (Himmelskunde) tragen diese Synthese. In der seldschukisch-osmanischen Zeit enthielt der Hofkalender Takvîm-i Hümâyûn sowohl das Zwölftiersystem (als alte Form) als auch das Zwölf-Zeichen-System (arabisch-hellenistischen Ursprungs) nebeneinander.

Eine weitere wichtige Spur der anatolischen Volksastrologie ist das mit dem Ebced-System (einer auf den Zahlenwerten der Buchstaben des arabischen Alphabets beruhenden Wahrsagung) verbundene türkische Volkssternenwissen. Auf Dorfebene stellen alte Menschen noch immer eine Verbindung zwischen den Sternbewegungen und dem Landwirtschaftskalender her — aber das kommt weniger aus dem Zwölftiersystem als vielmehr aus der Tradition der Stern-Landwirtschafts-Beziehung.

Moderne Reflexionen

Im 20. Jahrhundert entdeckte die türkische nationalistische Geschichtsschreibung (Z. V. Togan, F. Köprülü, Osman Turan) den Zwölftierkalender wieder und betonte ihn als einen Beleg der türkischen vorislamischen Hochkultur. Osman Turans Türklerde Astroloji (Astrologie bei den Türken, 1941) ist das akademische Denkmal dieser Wiederentdeckung. Turan vertrat die Ansicht, das System solle als Beleg des alten türkischen Zivilisationsbeitrags dargestellt werden. Obwohl in der Republikzeit der offizielle gregorianische Kalender vorherrschend wurde, leben im Volk Ausdrücke wie Bars-Jahr, Koyun-Jahr in einigen ländlichen Gemeinschaften fort; besonders in der uigurischen, turkmenischen, tatarischen und baschkirischen Diaspora ist das System noch lebendig.

Die uigurischen und kasachischen Völker innerhalb der modernen Volksrepublik China verwenden noch immer ihren eigenen Zwölftierkalender; unter dem Assimilationsdruck des offiziellen chinesischen Systems schwächt sich dieses System jedoch ab. In den Diaspora-Gemeinschaften der Uiguren wiederum (Türkei, Deutschland, Kasachstan) wird der alte uigurische Kalender als symbolischer Teil der kulturellen Identität erneut hervorgehoben. Die in der Türkei lebende uigurische Diaspora gedenkt bei jährlichen kulturellen Veranstaltungen mit Stolz ihres Zwölftierkalenders.

In der Türkei haben die akademische Turkologie (die Untersuchung der Inschriften der Osttürken) und die Volkskunde (Pertev Naili Boratav, Shevket Aziz Kansu) eine reiche Literatur über den Zwölftierkalender hervorgebracht. Auf populärer Ebene zeigt das jährliche Aufkommen der Frage „welchem Tier entspricht dieses Jahr im türkischen Kalender?" in den türkischen Medien parallel zum chinesischen Neujahr, dass das System nach wie vor seine symbolische Lebendigkeit bewahrt.

Moderne Bewegungen, die die tengristisch-schamanischen Wurzeln wiederbeleben — wie in der Mongolei, in Kalmückien, in Tuwa, in Jakutien und in Burjatien —, verarbeiten den Zwölftierkalender erneut als Element einer neo-tengristischen Identität. Diese Bewegungen sind mit der modernen Wiederbelebung des Schamanismus verwoben. Bei der kulturellen Wiederbelebung der Mongolei nach der Unabhängigkeit (1990) spielte der Tengrismus eine große Rolle, und der Zwölftierkalender begann, in den offiziellen Aufzeichnungen einen Platz einzunehmen.

In Kasachstan und Kirgistan hielt der Zwölftierkalender im Zuge der postsowjetischen Wiederbelebung der kulturellen Identität (1991) Einzug in die Kindererziehung, in traditionelle Hochzeitsrituale und in die staatliche Flaggensymbolik. Dies zeigt, dass sich das türkisch-mongolische Erbe in einer mit dem Modernisierungsprozess vereinbaren Weise fortsetzt.

Auch in den neuheidnischen und New-Age-Strömungen findet der türkische Zwölftierkalender Interesse; manche türkischen Neo-Schamanen-Praktiker haben begonnen, das System wie ein eigenes türkisches Tarot zu deuten. Dies ist eines der Beispiele dafür, dass das System auf dem modernen spirituellen Markt ein neues Leben findet.

Kritik und Diskussionen

Die Diskussionen über den türkischen Zwölftierkalender verlaufen auf drei Ebenen. Auf der wissenschaftlich/historischen Ebene ist die Frage nach dem tatsächlichen Ursprung des Systems, seiner Beziehung zu China und danach, wie viel von der eigenständigen türkischen Entwicklung eine von uns später konstruierte nationalistische Erzählung ist, nach wie vor lebendig. Die Bemühungen türkischer nationalistischer Historiker (besonders der Periode 1920–50), in der türkisch-chinesischen Beziehung die Türken in eine überlegene Position zu rücken, sind von der modernen kritischen Geschichtsschreibung hinterfragt worden.

Auf der islamischen Ebene ist das System, da das klassische islamische Recht die astrologische Wahrsagung (ilm al-nujūm at-taʾthīrī) nicht für zulässig hält, von muslimischen Kreisen kritisiert worden, wenn es als astrologische Wahrsagung verwendet wird; seine Verwendung als Kalender gilt jedoch als legitim. Nach dieser Logik ist es für einen Muslim kein Problem zu sagen „Ich bin im Jahr des Tigers geboren"; aber zu sagen „Ich bin im Jahr des Tigers geboren, deshalb bin ich dazu bestimmt, aggressiv zu sein" wird nicht akzeptiert, weil dies dem Verständnis von qadar (Schicksal) im monotheistischen islamischen Glaubensbekenntnis zuwiderläuft.

Auf der modernistisch-türkischen Ebene wurde das Zwölftiersystem mit der Wahl des gregorianischen Kalenders durch die kemalistische Erneuerung gleichsam als Sinnbild der „Rückständigkeit" bewertet, ist aber im Zuge der kulturellen Wiederbelebung nach 1980 wieder zu einer positiven Stellung gelangt. Während heute eine türkisch-nationalistische Sicht das Zwölftiersystem als einen Beleg der erhabenen türkischen Zivilisation hervorhebt, betrachtet es eine global-modernistische Sicht als folkloristische Kuriosität. Die Spannung zwischen diesen beiden Sichtweisen ist die Widerspiegelung einer der grundlegenden Auseinandersetzungen der türkischen kulturellen Identität im Modernisierungsprozess.

Außerdem die innere Kritik der wissenschaftlichen Astrologie: Da das Zwölftiersystem nicht die mathematische Tiefe des chinesischen Bazi besitzt, belassen die modernen türkischen Astrologen (sofern es welche gibt) das System entweder in seiner schlichten folkloristischen Form oder nehmen, indem sie chinesische/vedische Techniken entlehnen, eine hybride Lesung vor. Dieser Umstand zeigt, dass das System als praktische Astrologie nicht autonom bleiben konnte, sondern als Volkskalender überlebte.

Praktische Implikationen

Für diejenigen, die den türkischen Zwölftierkalender als praktisches Werkzeug in ihr eigenes Leben integrieren möchten, einige Schritte, die wir empfehlen können:

  1. Lernen Sie das Tier Ihres eigenen Geburtsjahres (2026 = Jahr des Pferdes; 1989 = Schlange; 1976 = Drache; wird aus der Tabelle berechnet — verwenden Sie eine Tabelle in der Logik des Teilens durch 12; teilt man das Jahr durch 4 und ist der Rest 0, so ist es nicht die Maus, sondern der Tiger).
  2. Vergleichen Sie die Charaktereigenschaften jenes Tieres in den anatolischen Volksglauben mit Ihrer eigenen Persönlichkeit — diese sind keine wissenschaftlichen Persönlichkeitstests, aber als kulturelle Archetypen lehrreich. Vielleicht finden Sie sich im Charakter des Bars wieder, vielleicht im Tavishgan.
  3. Kehren Sie zum ländlichen anatolischen Volkswissen zurück und erfahren Sie, mit welchem Jahreszeitenrhythmus jenes Jahr in Verbindung gebracht wird; traditionelle Wettervorhersage-Sprichwörter (zum Beispiel „im Yund-Jahr ist der Niederschlag reichlich") sind von den Alten der Gegend zu hören. Dieses mündliche Wissen bietet eine, von der modernen Meteorologie verschiedene, Intuition für den kosmischen Rhythmus.
  4. Treten Sie über die Feiern von Nouruz und Hidrellez erneut mit dem türkischen Kalenderrhythmus in Kontakt; dies ist auf symbolischer Ebene der Weg, sich wieder mit dem Zwölftiersystem zu verbinden. Unter Praktiken wie dem Wünschen und dem Springen über das Feuer in der Hidrellez-Nacht liegen Spuren der jahrtausendealten türkisch-tengristischen Kosmologie.
  5. Für ein vergleichendes Interesse bringt das Lesen zusammen mit der chinesischen Astrologie, der vedischen Astrologie und der tibetischen Astrologie den weiten eurasischen Kontext des Systems zum Vorschein. Dieser dreifache Vergleich entwickelt ein tiefgründiges Bewusstsein für das eigene kulturelle Erbe.
  6. Ein modernes Tagebuch führen: Wenn Sie die Ereignisse Ihres eigenen Lebens im Zwölftiersystem datiert führen, ändert sich Ihre Art des zeitlichen Denkens; anstelle des gregorianischen linearen Kalenders entwickeln Sie eine zyklisch-symbolische Zeitwahrnehmung. Dies kann eine Art meditative Alternative zum modernen, von Stress geprägten Leben bieten.

Letztlich ist der türkisch-uigurische Zwölftierkalender nicht nur ein Überrest, sondern ein lebendiger Ausdruck der Steppenkosmologie. Für den modernen türkischen Menschen bietet dieses System eine Brücke sowohl zum Tengri-Verständnis als auch zur schamanischen Tradition als auch zur nach dem Islam entwickelten anatolischen Volksspiritualität. Der Wert des Systems liegt nicht in der Überprüfbarkeit der Jahr-Tier-Zuordnung, sondern in der Gewohnheit, die Zeit zyklisch zu lesen, und in der tiefen historischen Kontinuität der türkischen Kultur.

Heute, in einer postmodernen Welt, in einer Epoche, in der feste Identitätskategorien hinterfragt werden, finden traditionelle kosmologische Systeme wie der Zwölftierkalender erneut Interesse — als ethnisches Erbe, als spirituelle Praxis und als vergleichende Kulturstudie zugleich. Die Zukunft der türkischen Identität liegt vielleicht gerade darin, diese alten zyklischen Systeme mit der modernen Psychologie, der Umweltethik und der vergleichenden Religionswissenschaft neu zu deuten — weder vollständige Ablehnung noch vollständige Annahme, sondern eine kritische und schöpferische Wiederaneignung.