Bodhi: Das Erwachen und die Natur der Erleuchtung im Buddhismus
Der umfassendste Erwachensbegriff des Buddhismus; die Erleuchtung Buddhas, die drei Wissen (tevijjā), das Erfassen der Vier Edlen Wahrheiten, sein Verhältnis zum Nirvāṇa und die Arten śrāvaka/pratyekabuddha/samyaksaṃbodhi im Mahāyāna.
Definition und Etymologie
Bodhi (बोधि, im Sanskrit und im Pāli bodhi) ist einer der grundlegendsten und umfassendsten Begriffe des Buddhismus; im wörtlichen Sinne bedeutet er „Erwachen" oder „Erleuchtung". Das Wort leitet sich von der Sanskrit-Wurzel budh- ab; diese Wurzel trägt die Bedeutungen „erwachen, bemerken, erfassen, wissen". Von derselben Wurzel entstehen die Wörter Buddha (बुद्ध, „der Erwachte") und bodhi (das Erwachen selbst). Ein Buddha ist demnach eine Person, die das Bodhi verwirklicht hat, das heißt aus einem tiefen Schlaf – aus dem Betäubungsmittel der Unwissenheit und der Leidenschaften – erwacht ist. Auch wenn das Wort gewöhnlich mit „Erleuchtung" übersetzt wird, ist das Wort „Erwachen" der ursprünglichen Bedeutung des Wortes treuer; denn Bodhi ist weniger ein Erleuchtetwerden durch ein von außen kommendes Licht als vielmehr das Fallen des Schleiers einer bereits vorhandenen Wahrheit, ein Erwachen.
Bodhi fasst die Erlösungsvorstellung im Herzen des Buddhismus zusammen. In der traditionellen Formulierung ist Bodhi das Erwachen aus dem Schlaf oder der Benommenheit, die dem Geist von den Befleckungen (kleśa – Gier, Hass und Unwissenheit) gewaltsam aufgezwungen wird. Mit diesem Erwachen erfasst die Person die wahre Natur der Existenz – besonders die Vier Edlen Wahrheiten – unmittelbar, und so lösen sich die Ketten, die an den Kreislauf von Geburt und Tod (saṃsāra) binden. In dieser Hinsicht ist Bodhi sowohl der Gipfel der Weisheit als auch das Tor zur Befreiung; Erfassen und Erlösung vereinen sich im Bodhi als die zwei Antlitze eines einzigen Ereignisses.
Die zentrale Stellung des Bodhi im Buddhismus zeigt sich darin, dass der Name der Tradition selbst von diesem Begriff abgeleitet ist: „Buddhismus" bedeutet der Weg Buddhas – das heißt dessen, der das Bodhi verwirklicht hat. Der Ort, an dem Buddha dieses Erwachen erlebte, ist unter einem Feigenbaum (Ficus religiosa) in der von der Tradition als Bodh Gayā bezeichneten Gegend; dieser Baum wird seit jenem Tag als Bodhi-Baum (बोधि वृक्ष, bodhi vṛkṣa) bezeichnet und ist eines der stärksten Sinnbilder des Bodhi.
In den frühen buddhistischen Texten wird das Wort Bodhi in einem weiten Bedeutungsspektrum verwendet. Bisweilen verweist es auf das vollständige Erwachen Buddhas (das vollkommene Bodhi), bisweilen allgemeiner auf irgendeine erlösende Einsicht. Das Wort kommt häufig in zusammengesetzten Formen wie sambodhi („vollständiges Erwachen") und anuttarā samyaksaṃbodhi („das höchste, vollständige und vollkommene Erwachen") vor; dieser letzte Ausdruck kennzeichnet das Gipfelerfassen, das ein Buddha erlangt, und tritt in den Mahāyāna-Texten als das letzte Ziel des Bodhisattva-Gelübdes hervor. Dieser begriffliche Reichtum zeigt, dass Bodhi weniger ein einzelner technischer Terminus als vielmehr ein Kernbegriff ist, der alle Dimensionen des buddhistischen Erlösungsdenkens umfasst. Die Grundbedeutung „erwachen" der Wurzel budh- bildet den gemeinsamen Boden all dieser Verwendungen: In jedem Fall geht es darum, aus dem Schlaf der Unwissenheit zur Klarheit der Wahrheit zu erwachen.
Die Erleuchtung Buddhas: Der historisch-spirituelle Rahmen
Der Erzählung der buddhistischen Tradition zufolge setzt sich Siddhārtha Gautama, der später den Titel Buddha (der Erwachte) erhalten wird, nach langjährigen asketischen Suchen unter einem Feigenbaum in Bodh Gayā zur tiefen Meditation nieder und fasst den Entschluss „ich werde von diesem Ort nicht aufstehen, ohne erwacht zu sein". In einer eine Nacht lang andauernden intensiven Versenkung durchschreitet er stufenweise die Zustände tiefer meditativer Sammlung (jhāna / dhyāna) und erlangt während der drei Nachtwachen die drei großen Wissen (das im Folgenden auszuführende tevijjā). Beim Anbruch der Morgendämmerung verwirklicht er das Bodhi, das vollständige und vollkommene Erwachen; nun ist er ein Buddha.
Diese Erzählung ist nicht ein bloß biographisches Ereignis, sondern das archetypische Modell des gesamten buddhistischen Weges. Die Erleuchtung Buddhas bietet die Karte eines Pfades, dem jeder Praktizierende folgen kann: ein Erwachen, das sich auf dem Gipfel der Dreiheit von sittlicher Disziplin (śīla), meditativer Sammlung (samādhi) und Weisheit (prajñā) ereignet. Die Vertiefung der Zustände des Samādhi trägt den Geist zu einer solchen Klarheit und Ruhe, dass die Natur der Wirklichkeit unverhüllt geschaut werden kann. Die Erfahrung Buddhas wird deshalb sowohl als einzigartig (weil er den Weg auf sich allein gestellt, ohne einen Lehrer, entdeckt hat) als auch als universal (weil der von ihm gewiesene Weg allen offensteht) begriffen.
Die erste Frage, vor die sich Buddha nach seiner Erleuchtung gestellt sah, ist, ob er diese tiefe und feine Wahrheit anderen vermitteln könne oder nicht. Die Tradition erzählt, dass er anfangs zögerte, sich aber am Ende aus Mitgefühl (karuṇā) zum Lehren entschloss. Dieser Entschluss hat die Entstehung des Buddhismus als einer Tradition ermöglicht und zeigt, dass Bodhi nicht nur eine individuelle Erlösung, sondern eine teilbare und lehrbare Wahrheit ist. Mit seiner ersten Predigt in Sārnāth vor seinen fünf asketischen Gefährten setzte er das „Rad des Dharma" (dharmacakra) in Bewegung und öffnete so die Lehre des Dharma der Welt.
Die drei Wissen (Tevijjā): Der Inhalt des Erwachens
Das Wissen, das Buddha in der Nacht seiner Erleuchtung erlangte, wird traditionell als die drei Wissen (Pāli tevijjā, Sanskrit trividyā, तेविज्जा / त्रिविद्या) formuliert. Diese Dreiheit zeigt den konkreten kognitiven Inhalt des Bodhi und betont, dass das Erwachen keine leere Ekstase, sondern ein höchst bestimmtes Erfassen ist.
Das erste Wissen ist die Erinnerung an die früheren Leben (pubbenivāsānussati-ñāṇa). Mit diesem Wissen erinnert sich Buddha mit Einzelheiten an seine zahllosen früheren Existenzen; so schaut er unmittelbar die zyklische Natur der individuellen Existenz. Das zweite Wissen ist das Schauen des Sterbens und Wiedergeborenwerdens der Wesen (cutūpapāta-ñāṇa oder „göttliches Auge", dibbacakkhu). Buddha schaut, wie die Wesen gemäß ihren eigenen Handlungen (karma) in verschiedenen Existenzebenen wiedergeboren werden; dies ist die unmittelbare Anschauung der sittlichen Kausalität (des Karma-Gesetzes). Das dritte und wichtigste Wissen ist das Wissen von der Vernichtung der Befleckungen (āsavakkhaya-ñāṇa): Buddha beseitigt gänzlich die tiefen Strömungen (āsava – das sinnliche Begehren, das Daseinsbegehren und die Unwissenheit), die den Geist an den saṃsāra binden. Eben dieses dritte Wissen ist das im eigentlichen Sinne Erlösende; denn mit ihm werden alle Wurzeln durchschnitten, die zur Wiedergeburt führen.
Auf dem Gipfel dieser drei Wissen erfasst Buddha die Vier Edlen Wahrheiten in vollständiger Klarheit. Das dritte Wissen (die Vernichtung der Befleckungen) ist in Wahrheit mit der unmittelbaren Bestätigung der Vier Edlen Wahrheiten verschränkt: die Wirklichkeit des Leidens (duḥkha), dass der Ursprung des Leidens in Begehren und Unwissenheit liegt, dass das Leiden enden kann und dass der zu ihm führende Weg (der Edle Achtfache Pfad) existiert – all dies wird nicht als eine begriffliche Theorie, sondern als ein intuitives und erlösendes Erfassen bestätigt. Bodhi ist in dieser Hinsicht nicht die intellektuelle Annahme der Vier Edlen Wahrheiten, sondern ihre existentielle Verwirklichung.
Das Ende der Unwissenheit: Avidyā und Erwachen
Um die Natur des Bodhi zu verstehen, muss man erkennen, das Ende wovon es ist. In der buddhistischen Analyse ist die grundlegende Wurzel, die die Wesen an den saṃsāra bindet und das Leiden (duḥkha) beständig neu erzeugt, die avidyā (अविद्या, Pāli avijjā), das heißt die „Unwissenheit" oder „Unkenntnis". Diese Unwissenheit ist kein gewöhnlicher Wissensmangel, sondern eine tiefe und strukturelle Blindheit, die die Natur der Wirklichkeit falsch erfasst: das Nicht-Beständige (anitya) für beständig, das Leidvolle für lustbringend, das Substanzlose (anātman) für ein festes Selbst zu halten. Dieses falsche Erfassen bildet das erste Glied in der zwölfgliedrigen Kette des bedingten Entstehens (pratītyasamutpāda), und von dort fließt die Kette von Begehren, Anhaften und Wiedergeburt.
Bodhi ist gerade das Verschwinden eben dieser avidyā mit der Wurzel. Das Erwachen ist es, dass die vidyā (Wissen, Einsicht) und die prajñā (Weisheit) den Platz der Unwissenheit einnehmen; dass die Wirklichkeit so, wie sie ist (yathābhūtam), geschaut wird. In dieser Hinsicht bewirkt Bodhi, indem es das erste Glied der Kette des bedingten Entstehens zerbricht, die Auflösung der ganzen Kette; sobald die Unwissenheit erlischt, erlischt auch die gesamte auf ihr beruhende Struktur des Leidens. Hier tritt eine auffallende begriffliche Parallele zum Advaita-Vedānta zutage: Wie in der Notiz Jīvanmukti ersichtlich, wird auch im Advaita die Erlösung (mokṣa) als das Ende der avidyā auf dem Weg des Wissens (jñāna) definiert. Beide Traditionen halten die Unwissenheit für das grundlegende Hindernis vor der Erlösung; doch sprechen sie aus verschiedenen metaphysischen Karten, indem der Buddhismus sagt, die Unwissenheit verhülle die „Substanzlosigkeit", der Advaita hingegen, sie verhülle die „Einheit von Selbst und Brahman". Dieser Unterschied erhebt keine der beiden über die andere; sie drücken nur dieselbe funktionale Logik des Erwachens (das Ende der Unwissenheit) auf verschiedenen ontologischen Böden aus.
Der Bodhi-Baum und die Sinnbilder des Erwachens
Der Begriff Bodhi ist in der buddhistischen Tradition von einer reichen Sinnbildwelt umgeben; das stärkste davon ist der Bodhi-Baum (bodhi vṛkṣa). Dieser Feigenbaum (Ficus religiosa, der „Pippala"-Baum), unter dem Buddha erwachte, repräsentiert seit jenem Tag die kosmische Achse des Erwachens. In den traditionellen Darstellungen wird der Bodhi-Baum als eine Weltachse (axis mundi) gezeichnet, die Himmel und Erde verbindet; während seine Wurzeln in die Tiefen des saṃsāra reichen, erheben sich seine Äste in die Offenheit des Nirvāṇa. Aus dem Baum in Bodh Gayā genommene Setzlinge wurden in alle vier Himmelsrichtungen der buddhistischen Welt getragen, und jeder von ihnen wurde zum Zentrum lokaler Kulturen des Erwachens. Dieses Sinnbild veranschaulicht das Begreifen des Bodhi sowohl als individuelle Erfahrung als auch als kosmische Wirklichkeit.
Ein weiteres wichtiges Sinnbild des Erwachens ist das Rad des Dharma (dharmacakra, धर्मचक्र). Dieses von Buddha mit seiner ersten Predigt „in Bewegung gesetzte" Rad repräsentiert die lehrbare und vermittelbare Natur des Bodhi, das Sich-in-Bewegung-Setzen der Wahrheit in der Welt. Das achtspeichige Rad versinnbildlicht den Edlen Achtfachen Pfad (rechte Anschauung, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebenserwerb, rechtes Bemühen, rechte Achtsamkeit und rechte Sammlung); dieser Weg ist der praktische Pfad, der zum Bodhi führt. Diese Sinnbildwelt zeigt, wie die Lehre des Dharma sowohl als eine innere Erfahrung als auch als eine kulturell-kosmische Wirklichkeit gelebt wird. Die Sinnbilder verwandeln einen abstrakten Begriff in einen erlebbaren und vermittelbaren spirituellen Weg.
Die sieben Erwachensfaktoren (Bojjhaṅga)
Eine klassische Formel, die zeigt, wie der zum Bodhi führende geistige Prozess reift, sind die sieben Erwachensfaktoren (Pāli satta bojjhaṅgā, Sanskrit sapta bodhyaṅga, सप्त बोध्यङ्ग). Das Wort selbst bedeutet „die Glieder/Bestandteile des Bodhi", und diese Siebenheit beschreibt die Entwicklung der geistigen Eigenschaften, die das Erwachen ermöglichen. Der erste ist die Achtsamkeit (sati / smṛti): das Wach- und Gegenwärtig-Sein des Geistes, das klare Beobachten der Erfahrung. Der zweite ist die Untersuchung der Phänomene (dhammavicaya): das genaue Erforschen der Natur der Wirklichkeit, das Unterscheiden dessen, was heilsam und was unheilsam ist. Der dritte ist die Energie/Anstrengung (viriya): die Kraft, beharrlich auf dem Weg voranzuschreiten.
Der vierte Faktor ist die Freude (pīti): die innere Begeisterung, die aus der Vertiefung der Übung entsteht. Der fünfte ist die Gestilltheit (passaddhi): die Beruhigung von Leib und Geist, die Auflösung der Anspannung. Der sechste ist die Sammlung (samādhi): das Sammeln des Geistes auf einen einzigen Punkt, ohne Zerstreuung; wie in der Notiz Samādhi ausgeführt, gewährt dies den ruhigen Boden, auf dem die Einsicht entstehen kann. Der siebte und Gipfel ist der Gleichmut/die Stille (upekkhā): ein unerschütterlicher, anhaftungs- und abstoßungsloser Zustand des Gleichgewichts gegenüber allen Erfahrungen. Wenn diese sieben Faktoren, einander nährend, reifen, wird der Geist bereit für das Bodhi, das heißt für das vollständige Erwachen. Diese Formel zeigt, dass Bodhi kein willkürliches oder zufälliges Ereignis ist, sondern die natürliche Frucht der systematischen Entwicklung bestimmter geistiger Eigenschaften. Bemerkenswert ist, dass diese Siebenheit ein ausgewogenes Ganzes bildet: Übermäßige Energie kann zur Unruhe, übermäßige Gestilltheit hingegen zur Trägheit führen; deshalb fungiert die Achtsamkeit als der zentrale Faktor, der alle wahrt und ausbalanciert. Das Erwachen ist so weder eine bloße Begeisterung noch eine bloße Reglosigkeit; es ist die Frucht eines lebendigen Gleichgewichts, einer wachen Klarheit.
Das Verhältnis von Bodhi und Nirvāṇa
Bodhi und Nirvāṇa (निर्वाण, „Erlöschen, Ausblasen") werden häufig austauschbar verwendet; doch besteht zwischen beiden ein feiner Unterschied. Nirvāṇa verweist in seinem passiven Aspekt auf das „Erlöschen" des Leidens und der es erzeugenden Befleckungen, auf das Auslöschen des saṃsāra-Feuers; gerade so wie eine Flamme erlischt, deren Brennstoff zu Ende geht, erlöschen die Feuer von Gier, Hass und Unwissenheit. Bodhi hingegen ist in seinem aktiven Aspekt der Akt des Erwachens und Erfassens, der dieses Erlöschen vollzieht. Mit anderen Worten verweist Bodhi auf die kognitiv-erfahrungsmäßige Dimension des Erwachens, Nirvāṇa hingegen auf den Zustand der Freiheit und Ruhe, den dieses Erwachen mit sich bringt. Wie in der Notiz Nirvāṇa/Mokṣa ausgeführt, wird das Nirvāṇa sowohl im Zusammenhang dieses Lebens (mit dem Erlöschen der Befleckungen, sopādhiśeṣa-nirvāṇa) als auch nach dem Tod des Leibes (das Erlöschen ohne Rest, nirupādhiśeṣa-nirvāṇa) gedacht.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie das Missverständnis verhindert, das Bodhi sei ein bloßes „Vergehen". Bodhi ist keine negative Entleerung, sondern die positive Verwirklichung der tiefsten Weisheit (prajñā) und Freiheit. Buddha greift bei der Beschreibung des Nirvāṇa häufig zur Sprache der Verneinung („ungeboren, ungeworden, ungemacht, unbedingt"); doch bedeutet dies nicht, dass das Nirvāṇa ein Nichts sei, sondern es verweist im Gegenteil auf seine durch begriffliche Kategorien nicht zu umfassende Transzendenz. Bodhi ist das Erwachen zu dieser transzendenten Wirklichkeit. Hier tritt eine nachdenklich stimmende Parallele zur Fanāʾ (dem Vergehen) im Tasawwuf zutage: In beiden Traditionen wird das „Erlöschen" oder „Vergehen" nicht als ein nihilistisches Nichts, sondern als die Überschreitung des begrenzten Selbst und die Öffnung zu einer tieferen Wahrheit verstanden; dennoch sind die metaphysischen Rahmen verschieden, denn der Buddhismus spricht nicht vom Zerschmelzen in einem persönlichen Gott, sondern vom Erlöschen der bedingten Existenz.
Die Arten des Bodhi im Mahāyāna: Drei Wege des Erwachens
In der historischen Entwicklung des Buddhismus, besonders in der Mahāyāna-Tradition (महायान, „das große Fahrzeug"), hörte das Bodhi auf, ein einzelner Typus zu sein, und wurde in drei Grundarten gegliedert. Diese Dreiteilung entspricht verschiedenen spirituellen Zielen und Fähigkeiten; doch gilt keine als „falsch", jede ist in ihrem eigenen Kontext ein gültiger Weg des Erwachens.
Der erste ist das śrāvaka-bodhi (श्रावक, „Hörer/Zuhörer"). Dies ist das Erwachen jener Person (die traditionell den Titel arhat erhält), die durch das Hören und Befolgen der Lehre eines Buddha zur Erleuchtung gelangt. Der Arhat verwirklicht seine eigene Erlösung, vernichtet seine Befleckungen gänzlich und befreit sich aus dem saṃsāra. Der zweite ist das pratyekabuddha-bodhi (प्रत्येकबुद्ध, „der für sich allein Erwachende"). Dies ist das Erwachen jener Person, die ohne die Führung eines Lehrers, aus eigener Anstrengung erwacht, ihr erlangtes Erfassen aber nicht systematisch lehrt. Der dritte und von der Mahāyāna erhobene Weg ist das samyaksaṃbodhi (सम्यक्सम्बोधि, „das vollständige und vollkommene Erwachen"): Ein samyaksaṃbuddha – wie der Buddha Śākyamuni – entdeckt nicht nur die Wahrheit für sich allein, sondern führt zugleich, indem er sie lehrt, zahllose Wesen zur Erlösung. Dies gilt als das umfassendste und höchste Erwachen; denn es vereint die Weisheit mit dem Mitgefühl (karuṇā) und mit der Entschlossenheit zur universalen Erlösung.
In der Mahāyāna-Perspektive wird das Bodhi mit der prajñā (der transzendenten Weisheit) identifiziert; diese Weisheit ist die Einsicht in die Buddha-Natur, in die Śūnyatā (Leerheit) und in die tathatā (die Soheit, die So-wie-sie-ist-seiende Natur der Dinge). Diese Einsicht wird als die Überschreitung der Dualität zwischen dem Absoluten und dem Relativen, zwischen Nirvāṇa und saṃsāra begriffen. Wie in der Notiz Der Mahāyāna-Bodhisattva-Weg ersichtlich, wird der Bodhisattva, der ideale Mahāyāna-Praktizierende, im Wesen als jene Person definiert, die „auf das Bodhi ausgerichtet" ist, das heißt, die sich der Verwirklichung des Erwachens nicht nur für sich selbst, sondern besonders für alle Wesen weiht.
Die Auffassungen des Bodhi im Theravāda und im Mahāyāna
Der Begriff Bodhi ist in den beiden großen traditionellen Strömungen des Buddhismus – dem Theravāda und dem Mahāyāna – mit verschiedenen Betonungen behandelt worden; doch ist es fruchtbarer, diese Unterschiede nicht als einen Wettstreit um Überlegenheit, sondern als einander ergänzende Aspekte desselben Reichtums zu lesen. Die Theravāda-Tradition („die Lehre der Älteren") betont das Bodhi vornehmlich im Zusammenhang der individuellen Erlösung, als das vom arhat erlangte Erwachen. In diesem Rahmen ist das Ideal jene Person, die, indem sie dem von Buddha gewiesenen Weg folgt, ihre eigenen Befleckungen vernichtet und zum Nirvāṇa gelangt. Die Arhatschaft ist kein unvollständiges oder niederes Ziel; sie ist die vollständige und endgültige Befreiung aus dem saṃsāra. Der Theravāda bewahrt das Bodhi als eine höchst konkrete und praktische Erlösung, indem er der historischen Lehre Buddhas und den frühen Texten (dem Pāli-Kanon) treu verbunden bleibt.
Die Mahāyāna-Tradition wiederum erweitert das Bodhi, indem sie es in den Mittelpunkt des Bodhisattva-Ideals stellt. Hier liegt die Betonung weniger auf der individuellen Erlösung als auf der Entschlossenheit, zum samyaksaṃbodhi (zur vollständigen Buddhaschaft) zu gelangen, um aller Wesen willen. Der Mahāyāna begreift das Bodhi als die Einheit von prajñā (Einsicht in Leerheit und Soheit) und karuṇā (universalem Mitgefühl) und verwandelt es in ein kosmisches Erlösungsprojekt. Die Spannung zwischen diesen beiden Ansätzen ist ein fruchtbarer Pol in der buddhistischen Geschichte: Während der Theravāda die konkrete und individuelle Verwirklichung des Erwachens bewahrt, trägt der Mahāyāna es zu einem universalen und relationalen Horizont. Dennoch nähren sich beide aus derselben Quelle – aus dem Erwachen Buddhas in Bodh Gayā – und erheben das Bodhi als die höchste Möglichkeit der menschlichen Existenz. Der Mahāyāna-Bodhisattva-Weg und das Arhat-Ideal des Theravāda lassen sich so als die zwei großen historischen Entfaltungen einer einzigen Wahrheit des Erwachens ansehen.
Der tibetische Buddhismus (Vajrayāna) entwickelt diese Mahāyāna-Grundlage durch tantrische Methoden weiter und verdichtet den zum Bodhi führenden Weg bis zur Möglichkeit eines „Erwachens in einem einzigen Leben". Diese Vielfalt zeigt, wie reich und vielschichtig der Buddhismus den Begriff Bodhi behandelt: Seine plötzlichen und allmählichen, individuellen und universalen, konkreten und kosmischen Dimensionen treten in verschiedenen Traditionen mit verschiedenen Gewichtungen zusammen. Diese Pluralität veranschaulicht, hinsichtlich des Erleuchtungsvergleichs, wie vielgesichtig das Erwachen selbst innerhalb einer einzigen Tradition erfasst werden kann.
Bodhicitta: Der Erwachensgeist
Im Herzen der Bodhi-Auffassung des Mahāyāna liegt das Bodhicitta (बोधिचित्त, „Erwachensgeist" oder „Erleuchtungsherz"). Bodhicitta ist das innige und unerschütterliche Verlangen, zum vollständigen Erwachen (samyaksaṃbodhi) zu gelangen, um aller Wesen willen. Dies ist der Ausgangspunkt und die treibende Kraft des Bodhisattva-Weges: Das Individuum weigert sich, sich mit seiner eigenen individuellen Erlösung zu begnügen, und gelobt, zur Buddhaschaft zu gelangen, damit alle Lebewesen vom Leiden befreit werden. Wie in der Notiz Bodhicitta ausgeführt, werden traditionell zwei Aspekte unterschieden: das „verlangende Bodhicitta" (bodhipraṇidhicitta), das heißt die Absicht, zum Erwachen zu gelangen; und das „ausübende Bodhicitta" (bodhiprasthānacitta), das heißt die tatsächliche Verwirklichung dieser Absicht durch die Bodhisattva-Übungen (die sechs pāramitā – Großzügigkeit, Sittlichkeit, Geduld, Anstrengung, Versenkung und Weisheit).
Bodhicitta verleiht dem Begriff Bodhi eine ethische und relationale Tiefe. Das Erwachen ist hier nicht der Erfolg eines isolierten Individuums, sondern ein mit dem universalen Mitgefühl verschränktes Ziel. Weisheit (prajñā) und Mitgefühl (karuṇā) ermöglichen, wie die zwei Flügel eines Vogels, gemeinsam das Erwachen. In dieser Hinsicht verwandelt das Mahāyāna-Bodhi den Begriff Bodhi in ein kosmisches Erlösungsprojekt, indem es ihn über die individuelle Erlösung hinausträgt. Diese Betonung steht in tiefem Einklang mit dem Ideal des Zen, nach der Kenshō-Erfahrung „in den Markt mit offenen Händen zurückzukehren", und mit der Auffassung der Verwurzelung des Erwachens im Dienst.
Vergleichender Horizont: Bodhi, Kenshō, Fanāʾ und Mokṣa
Das Bodhi neben die anderen Erwachensbegriffe der Welttraditionen zu stellen, lässt uns, ohne eine über die andere zu erheben, die Pluralität in der Erlösungssuche des menschlichen Geistes erkennen. Im Vergleich mit Satori und Kenshō: Diese sind die dem Zen eigenen, auf dem plötzlichen und unmittelbaren Schauen beruhenden Erscheinungen des Bodhi. Das Zen verdichtet den weiten Horizont des Bodhi auf den scharfen und unmittelbaren Augenblick des „Schauens der Eigennatur"; Bodhi hingegen ist der umfassendste Begriff, der auch diese Augenblicke einschließt und auf das vollständige Erwachen Buddhas verweist.
Im Vergleich mit der Mokṣa des Vedānta (मोक्ष) und der Jīvanmukti (der Befreiung zu Lebzeiten): Mokṣa beruht auf dem Erfassen der Identität des ātman mit dem Brahman und bejaht ein beständiges Selbst; Bodhi hingegen betont innerhalb der Lehre vom anātman (der Substanzlosigkeit des Selbst), dass es kein festes Selbst gibt und dass die Erlösung durch das Erlöschen der bedingten Existenz kommt. Die beiden Traditionen unterscheiden sich durch einen grundlegenden metaphysischen Unterschied; dennoch treffen sich beide am Punkt der Überschreitung der begrenzten Selbstvorstellung und des Endes der Unwissenheit (avidyā). Die Spannung zwischen der bejahenden Sprache des als Sat-cit-ānanda begriffenen Brahman und der auf die Sprache des „Erlöschens" gegründeten apophatischen Betonung des Bodhi ist hinsichtlich der vergleichenden Metaphysik ein reiches Diskussionsfeld.
Im Vergleich mit der Fanāʾ-Baqāʾ im Tasawwuf: Zwischen dem Vergehen des Selbst im Wahren in der Fanāʾ und dem Erlöschen der Befleckungen im Bodhi besteht eine erfahrungsmäßige Parallele; doch während die Fanāʾ im Zusammenhang des Zerschmelzens in einem persönlichen Gott und des Baqāʾ mit Ihm gedacht wird, beruht das Bodhi nicht auf einem persönlichen Gott, sondern auf dem Erfassen der Vier Edlen Wahrheiten und auf der Überschreitung der bedingten Existenz. Die Notiz Erleuchtungsvergleich erstellt die Karte dieser verschiedenen Erlösungsgrammatiken.
Die Einheit von Versenkung und Weisheit: Der methodische Boden des Bodhi
Um zu verstehen, wie das Bodhi sich vollzieht, muss man die zwei grundlegenden Flügel des buddhistischen Weges erkennen – die meditative Ruhe und die Einsichtsweisheit. In der traditionellen Formulierung wird dies als die Zweiheit von śamatha (Beruhigung, Stillung des Geistes) und vipaśyanā (Einsicht, Durchdringung der Natur der Wirklichkeit) ausgedrückt. Śamatha trägt den zerstreuten und unruhigen Geist, indem es ihn auf einen einzigen Punkt sammelt, zu den Zuständen des Samādhi; vipaśyanā wiederum schaut auf diesem ruhigen und klaren Boden unmittelbar die drei Grundeigenschaften der Existenz (Unbeständigkeit anitya, Leiden duḥkha, Substanzlosigkeit anātman). Bodhi ist der Gipfel des gemeinsamen Reifens dieser beiden Flügel: Ein bloß ruhiger Geist (samādhi) bringt kein Erwachen; er wird erst dann erlösend, wenn er sich mit der Einsicht (prajñā) vereint.
Dieser methodische Boden zeigt sich auch in der Struktur der Erleuchtungsnacht Buddhas selbst: Zuerst durchschreitet er die Zustände der tiefen Versenkung (jhāna), dann erfasst er auf diesem klaren Boden die drei Wissen (tevijjā) und die Vier Edlen Wahrheiten. Die Versenkung bereitet also die Bedingungen, unter denen die Einsicht hervortreten kann; die Einsicht wiederum schaut in der von der Versenkung gewährten Klarheit die Wahrheit. Deshalb meidet die buddhistische Tradition es, bloß meditative Ekstasezustände (wie erhaben sie auch sein mögen) mit dem Bodhi zu identifizieren; denn diese sind vorübergehend und beseitigen die Unwissenheit (avidyā) nicht von sich aus mit der Wurzel. Das im eigentlichen Sinne Erlösende ist die mit der Ruhe vereinte Weisheit. Diese Betonung steht auch im Einklang mit der Kenshō-Auffassung des Zen: Auch dort entsteht kein wahres Erwachen, solange nicht die Ruhe des Samādhi und die Schärfe des Schauens der Eigennatur (der Einsicht) zusammentreten.
Dieser Rahmen gewährt auch beim Vergleich des Bodhi mit den Gipfelerfahrungen anderer mystischer Traditionen eine wichtige Unterscheidung. In vielen Traditionen werden Zustände tiefer Versenkung, Einheit oder Ekstase beschrieben; doch der Buddhismus bringt eine eigenständige Betonung ein, indem er das Wesen des Erwachens nicht als einen emotionalen Zustand, sondern als ein Erfassen (das rechte Schauen der Wirklichkeit) definiert. Im Vergleich mit der „ānanda"-Dimension (der Glückseligkeit) der Sat-cit-ānanda-Erfahrung hebt das Bodhi eher die „prajñā"-Dimension (die Weisheit) hervor; dennoch ist dies keine Überlegenheit der Traditionen übereinander, sondern eine Annäherung an dieselbe tiefe Wirklichkeit mit verschiedenen Betonungen.
Die Stufen des Bodhi und die Bodhisattva-Stufen
Die Mahāyāna-Tradition behandelt den zum Bodhi führenden Weg auch als ein ausführliches Stufensystem. Das Voranschreiten des Bodhisattva zum Erwachen hin wird klassisch über zehn „Böden" oder „Stufen" (bhūmi, भूमि) geschildert. Jede dieser Stufen repräsentiert die Vertiefung der Weisheit und des Mitgefühls, die Überwindung bestimmter Hindernisse (āvaraṇa) und eine zunehmende Freiheit und Vollkommenheit. Dieser Weg, der von der ersten Stufe, dem „freudigen" Boden (pramuditā), bis zur zehnten Stufe, dem Boden der „Dharma-Wolke" (dharmameghā), reicht, spiegelt das Begreifen des Bodhi weniger als einen plötzlichen Sprung denn als einen Reifeprozess in kosmischem Maßstab wider.
Diese gestufte Vorstellung scheint der Betonung des plötzlichen Erwachens im Zen dem Anschein nach zu widersprechen; doch lassen sich die beiden Ansätze als einander ergänzende Perspektiven lesen, die verschiedene Aspekte des Bodhi erhellen. Während das plötzliche Erwachen (Kenshō/Satori) das Schauen der Eigennatur in einem Augenblick betont, beschreibt das Stufensystem die zunehmende Vertiefung und Vervollkommnung dieses Schauens, sein Durchdringen der gesamten Existenz. In der Tat führt auch das Zen selbst die plötzlichen und allmählichen Dimensionen zusammen, indem es nach dem ersten Durchbruch die „Übung nach der Erleuchtung" (悟後の修行) für unverzichtbar hält. Bodhi ist in dieser Hinsicht eine zweischichtige Wirklichkeit, sowohl ein augenblickliches Erwachen als auch ein Reifen ohne Ende.
Bodhi: Sowohl Augenblick als auch Prozess
Einer der reichsten Aspekte des Begriffs Bodhi ist, dass er sowohl als ein plötzliches Ereignis als auch als ein langer Prozess begriffen werden kann. Einerseits ist das Erwachen Buddhas in Bodh Gayā ein bestimmter Augenblick, der sich in einer bestimmten Nacht, beim Anbruch der Morgendämmerung, ereignet; auch die Betonung des Kenshō und Satori im Zen hebt diese Dimension des plötzlichen Erwachens hervor. Andererseits zeichnen das Reifen des Bodhisattva über zehn Stufen (bhūmi) und die Entschlossenheit, das Erwachen für alle Wesen zu verwirklichen, das Bodhi als einen Prozess in kosmischem Maßstab. Diese beiden Dimensionen widersprechen sich nicht; im Gegenteil, sie bilden die zwei Antlitze der Natur des Erwachens.
Diese Zweischichtigkeit nimmt dem Bodhi den Charakter eines statischen „Erwerbs". Das Erwachen ist kein Besitz, der einmal erlangt und beiseitegelegt wird; es ist eine lebendige Wirklichkeit, die sich beständig vertieft, ausweitet und in die Welt eindringt. Dass Buddha nach der Erleuchtung fünfundvierzig Jahre lang weiterlehrte, zeigt, dass Bodhi keine Ankunft, sondern der Quell eines mitfühlenden Handelns ist. In dieser Hinsicht trägt das Bodhi eine tiefe Parallele zum Begriff der Jīvanmukti (der Befreiung zu Lebzeiten): In beiden ist das Erwachen/die Erlösung keine Flucht aus dem Leib und aus der Welt, sondern der Zustand des freien und weisen Daseins in der Welt. Der erwachte Mensch verlässt die Welt nicht; er erlebt sie mit einem verwandelten Blick, mit Weisheit und Mitgefühl, aufs Neue.
Schluss: Der universale Ruf des Erwachens
Bodhi ist jener einzigartige Erwachensbegriff im Herzen des Buddhismus; es ist das unmittelbare Erfassen der wahren Natur der Existenz – der Vier Edlen Wahrheiten, der Leerheit, der Soheit der Dinge –, indem man aus dem Schlaf der Unwissenheit und der Leidenschaften erwacht. Dieses Erwachen, das Buddha in Bodh Gayā verwirklichte, wird durch die drei Wissen (das Wissen von den früheren Leben, vom Wirken des Karma und von der Vernichtung der Befleckungen) konkret und öffnet das Tor zum Nirvāṇa, das heißt zum Erlöschen des saṃsāra-Feuers. In der Mahāyāna-Tradition gliedert sich das Bodhi in śrāvaka, pratyekabuddha und samyaksaṃbodhi; das vollständige Erwachen als das höchste vereint die Weisheit mit dem universalen Mitgefühl und mit dem Bodhicitta.
Das Bodhi zusammen mit den Erwachens- und Befreiungsbegriffen anderer Traditionen wie Kenshō, Jīvanmukti und Sat-cit-ānanda zu lesen, lässt uns die tiefe Pluralität in der Suche der Menschheit nach den Bewusstseinsdimensionen und der Erleuchtung erkennen. Jede Tradition verweist in ihrer eigenen Sprache und mit ihrer eigenen metaphysischen Karte auf jene grenzenlose Offenheit jenseits des begrifflichen Selbst und der Unwissenheit. Der eigenständige Beitrag des Bodhi liegt darin, dass es dieses Erwachen sowohl als ein höchst bestimmtes Erfassen (die Vier Edlen Wahrheiten) als auch als einen universalen Ruf des Mitgefühls begreift; und auf der Bewusstseinskarte nimmt das Bodhi als ein umfassender Begriff, der sowohl die individuelle als auch die kosmische Dimension des Erwachens umschließt, einen besonderen Platz ein. Letztlich richtet das Bodhi an die Menschheit jenen schlichten, aber tiefen Ruf: Wir müssen nicht schlafen; aus dem Schlaf der Unwissenheit und der Leidenschaften zu erwachen ist eine Möglichkeit, die jedem bewussten Wesen offen vor Augen steht.