Westliche Esoterik

Die moderne Wicca

Eine moderne heidnische Hexenreligion, die Gerald Gardner 1954 der Öffentlichkeit vorstellte; auf die Göttin und den Gehörnten Gott ausgerichtet, die Jahreszeitenzyklen feiernd, der Hauptstrom der großen zeitgenössischen heidnischen Wiederbelebung.

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Definition und historische Verortung

Die moderne Wicca ist eine moderne heidnische spirituelle Tradition, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich von dem pensionierten englischen Zollbeamten Gerald Brosseau Gardner (1884–1964) der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, ihre Wurzeln aber sowohl in antiken heidnischen Praktiken als auch in der Hexen- und Okkultliteratur der romantischen Epoche des 19. Jahrhunderts hat. Das Wort „Wicca" stammt aus den altenglischen Wörtern wicca (Hexer) und wicce (Hexe); etymologisch wird es an die urgermanische Wurzel wikkjaz (Zauberer, Wissender, Scheidender) angebunden. Gardner und seine Anhänger wählten dieses Wort ab den 1950er Jahren, um ihre eigenen Praktiken zu bezeichnen; zuvor wurden dieselben Praktiken „witchcraft" (Hexerei) genannt.

Die moderne Wicca ist, wie der akademische Historiker Ronald Hutton (Triumph of the Moon, 1999) nachgewiesen hat, keine unmittelbare Nachfahrin einer ununterbrochenen antiken heidnischen Tradition; sie ist vielmehr eine synthetische Schöpfung besonders Gardners und seines Umkreises in den 1940er und 1950er Jahren. Diese Synthese besteht aus folgenden Elementen: dem Einfluss der mittelalterlich-hexerischen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts (Charles Godfrey Lelands Aradia, 1899); der These der Anthropologin Margaret Murray von der „Hexerei als gefangener heidnischer Religion" (The Witch-Cult in Western Europe, 1921); dem Motiv des sterbenden und auferstehenden Gottes aus Sir James Frazers The Golden Bough (1890–1915); The White Goddess (1948) des romantischen Dichters Robert Graves; der Folklore (besonders der cornischen, walisischen und irischen Überlieferungen); und schließlich aus den Ritualformen, die von Aleister Crowley, dem Hermetischen Orden der Goldenen Dämmerung und den Co-Masonry-Traditionen übernommen wurden.

Dieser synthetische Charakter bedeutet nicht, dass die Wicca nicht „echt" wäre — im Gegenteil, die Wicca ist ein in der Praxis gelebter, erfahrener, verwandelnder spiritueller Weg. Doch aus Gründen akademischer Redlichkeit ist anzuerkennen, dass die Wicca nicht das Ergebnis einer „ununterbrochenen antiken Tradition" ist, sondern einer modernen schöpferischen Synthese. Margot Adler erörtert diesen Umstand in Drawing Down the Moon (1979), während sie die Ethnographie der Wicca- und neopaganen Bewegung in den USA bietet, ausdrücklich.

Gerald Gardner und die Bekanntmachung der Wicca

Gerald Gardner war ein englischer Kolonialbeamter mit einer überaus farbigen Biographie. Er arbeitete als Plantagenverwalter und Zollinspektor auf Ceylon (dem heutigen Sri Lanka), auf Borneo und in Malaya. 1936 kehrte er als Pensionär nach England zurück. Er vereinte verschiedene Interessen wie örtliche Folklore, Anthropologie, Okkultismus und Naturismus. 1939 behauptete Gardner, er sei einer Gruppe namens Rosicrucian Order Crotona Fellowship in der Region New Forest beigetreten und in dieser Gruppe von einer Frau namens „Dorothy Clutterbuck" in einen geheimen Hexenzirkel (Coven) initiiert worden.

Der 1736 in England erlassene Witchcraft Act, der den Witchcraft Act von 1735 ablöste, machte jede Behauptung von Hexerei gesetzlich strafbar; dieses Gesetz wurde 1951 durch den Fraudulent Mediums Act ersetzt. Mit dem Wegfall des Gesetzes veröffentlichte Gardner sein Buch Witchcraft Today (1954) — der offizielle Beginn der öffentlichen Existenz der Wicca erfolgte mit diesem Buch. Das Buch erschien mit einem Vorwort von Margaret Murray (kurz bevor Murray starb); auch wenn die moderne Geschichtsschreibung später viele von Murrays Thesen widerlegt hat, ist die Wirkung des Buches groß.

Gardner entwickelte durch seine Zusammenarbeit mit einer begabten Frau namens Doreen Valiente (1922–1999) die liturgischen Texte der Wicca erheblich weiter. Valientes Gedicht Charge of the Goddess (Anrufung der Göttin) wird bis heute als zentraler Text der Wicca-Riten verwendet. Dieser Text enthält Elemente aus Aleister Crowleys Liber AL vel Legis und aus Charles Lelands Aradia, ist aber gänzlich Valientes schöpferische Synthese. Valiente leitete später die Bemühungen, einige von Gardners Ritualen von ihren Crowleyanischen Schwergewichten zu befreien, und trug dazu bei, dass die Wicca ihre „eigene Stimme" fand.

Doktrinäre Grundlagen

Die Wicca ist keine dogmatische Religion — sie ist praxiszentriert, experimentell und eklektisch. Dennoch gibt es einige grundlegende doktrinäre Elemente, die allen Wicca-Strömungen gemeinsam sind:

1. Die Polarität von Göttin und Gehörntem Gott (Goddess and Horned God): Die Wicca sieht die kosmische Wirklichkeit als zwei einander ergänzende Pole: die Göttin (häufig als Dreifache Göttin: Jungfrau-Mutter-Greisin, Maiden-Mother-Crone), die das weibliche/empfangende/dunkle/mondhafte/Geburt-Tod-Wiedergeburt-Prinzip darstellt, und den Gehörnten Gott (häufig als sterbender und auferstehender Gott, mit den Motiven Frazers), der das männliche/aktive/sonnenhafte/Jagd/wilde-Natur-Prinzip darstellt. Dieses Paar gewährleistet das kosmische Gleichgewicht; beide sind Erscheinungsformen ein und desselben Ganzen.

2. „An it harm none, do what ye will" (Wiccan Rede): Die grundlegende sittliche Regel der Wicca. Es ist eine deutliche Neufassung von Crowleys Formel „Do what thou wilt", doch wird die Bedingung „niemandem schaden" hinzugefügt. Diese Bedingung trennt die Wicca moralisch von Thelema und festigt die Wicca auf der Grundlage kollektiver Verantwortung.

3. Das Gesetz der dreifachen Rückkehr (Threefold Law): Die Energie, die ein Mensch aussendet (gut oder böse), kehrt dreifach zu ihm zurück. Es lässt sich als die Wicca-Version des Karma-Gesetzes lesen. Dieses Gesetz bildet den ethischen Rahmen der Magick-Praxis.

4. Immanente Göttlichkeit: In der Wicca ist die Göttlichkeit nicht transzendent (Gott außerhalb des Menschen), sondern immanent (Gott ist in der Natur, im Menschen, in allem). Dies trennt die Wicca von den klassischen monotheistischen Religionen und verortet sie eher in einer heidnischen, pantheistischen oder panentheistischen (alles in Gott) Position.

5. Reincarnation (Wiedergeburt): Die meisten Wiccaner glauben an die Wiedergeburt — die Seele sammelt Erfahrung, indem sie verschiedene Leben durchläuft. Dieser Glaube ist ein Beispiel für den Einfluss der Theosophie und der östlichen Religionen auf die Wicca. Die Lehre der Reinkarnation ist nicht kanonisch — die einzelnen Praktizierenden können sie annehmen oder auch nicht.

Praktiken und Rituale

Die Wicca ist eine überaus praxiszentrierte Tradition. Grundlegende praktische Elemente:

Sabbate (Jahresfeste, Wheel of the Year): Die Wicca feiert acht Feste, die auf dem natürlichen Jahreszyklus der Nordhalbkugel beruhen:

Diese acht Feste werden Rad des Jahres genannt und geben den Grundrhythmus der Wicca-Praxis. Die Feste werden sowohl persönlich als auch auf Coven-(Gruppen-)Ebene gefeiert.

Esbate (Mondfeste): Die Wicca-Praktizierenden feiern bei jedem Vollmond — manche bei jedem Neumond — ein Esbat (Mondfest). Die Esbate sind auf die Göttin ausgerichtet und sind Zusammenkünfte, bei denen die mystischen Praktiken (drawing down the moon, Visionssuche, Magick) vollzogen werden.

Drawing Down the Moon (Das Herabziehen des Mondes): Das „Herabziehen" der Göttin in sich selbst durch eine Hohepriesterin — eine vorübergehende göttliche Interaktion im Trancezustand. Diese Praxis trägt Parallelen zu den Techniken der göttlichen Personifikation des Schamanismus, zu den Besessenheitspraktiken des Vodun und zur Orakeltradition (Seherin) der Antike.

Magick (Zauber): In der Wicca wird Magick (in Crowleyanischer Schreibweise) anerkannt und praktiziert. Heil-Magick, Schutz, Arbeit mit der Naturenergie, die Lenkung des Willens durch symbolische Gegenstände. Magick wird stets innerhalb der Grenzen der Wiccan Rede („ohne Schaden zu verursachen") und des Threefold Law ausgeübt.

Coven-Struktur: Die traditionelle gardnerianische Wicca ist in Coven von bis zu 13 Mitgliedern organisiert; sie wird von einer Hohepriesterin (High Priestess) und einem Hohepriester (High Priest) geleitet. Es gibt ein Dreigradsystem: First Degree (Initiation), Second Degree (Gehilfe der Hohepriesterin/des Hohepriesters), Third Degree (vollwertige Hohepriesterin/vollwertiger Hohepriester, mit der Befugnis, einen eigenen Coven zu gründen).

Solitary Practice (Einzelpraxis): Ab den 1980er Jahren verbreiteten sich Wiccaner, die ohne Coven allein praktizieren — besonders mit Scott Cunninghams Buch Wicca: A Guide for the Solitary Practitioner (1988). Dies ist ein wichtiger Schritt der Demokratisierung der Wicca.

Wicca-Strömungen

Die moderne Wicca ist keine monolithische Bewegung; sie umfasst zahlreiche Strömungen/Traditionen (traditions):

Gardnerianische Wicca: Gardners ursprüngliches System; coven-basiert, dreigradig, mit ritueller Nacktheit (skyclad), recht hierarchisch. Sie besteht bis heute fort, doch ihr Wachstum ist langsam.

Alexandrianische Wicca: Von Alex Sanders (1926–1988) in den 1960er Jahren gegründet; sie bietet eine etwas stärker „Crowley-lastige" Version der gardnerianischen Rituale. Da Sanders Crowley unmittelbarer verwendete, grenzte er sich teilweise von den Gardnerianern ab.

Dianische Wicca: Eine radikal-feministische Strömung, von Z Budapest in den 1970er Jahren gegründet; Coven nur aus Frauen, auf die Göttin ausgerichtet (der Gehörnte Gott wird ausgeschlossen oder zweitrangig gemacht). Eng mit der lesbisch-feministischen Bewegung verbunden. Umstritten (besonders wegen ihrer trans-ausschließenden Praktiken hat sie in den letzten Jahren ernste Kritik erfahren).

Reclaiming: Eine von Starhawk (Miriam Simos) in den 1980er Jahren in San Francisco gegründete Strömung. Spiral Dance (1979) ist das Manifest dieser Strömung. Eine Wicca-Form, in der politischer Aktivismus (anti-nuklear, ökologisch, feministisch) und Spiritualität ineinander verflochten sind. Sie ist nicht um eine Kerndoktrin, sondern um geteilte Praktiken organisiert. Eklektisch, demokratisch, offen.

Eklektische Wicca: Von den 1980er Jahren bis heute praktizieren die meisten amerikanischen Wiccaner eine eklektische Wicca, die ihre eigene Synthese schafft, ohne sich an einen traditionellen Coven zu binden. Cunninghams Bücher spielten in der Entwicklung dieser Strömung eine entscheidende Rolle. Einzelne Wiccaner können sich an hinduistische Götter, Yoruba-Geister, ägyptische Götter und andere Pantheons wenden; sie passen ihre Praktiken ihren eigenen spirituellen Reisen an.

Traditionalist Witchcraft: Robert Cochrane (1931–1966) und andere englische Strömungen, die sich als Vertreter einer nicht-gardnerianischen „echten traditionellen Hexerei" positionieren. Cochranes Clan of Tubal Cain erhebt höhere „heidnisch/folkloristische" Ansprüche; doch die akademische Geschichtsforschung bestätigt viele dieser Ansprüche nicht.

Vergleichende Perspektive

Mit dem Schamanismus: Die Praxis Drawing Down the Moon der Wicca ist den Praktiken göttlicher Besessenheit/Verwandlung in den weltweiten Schamanentraditionen parallel. Die zyklische Struktur des Wicca-Rituals (Ziehen des Kreises, Anrufen, Hauptritual, Abschluss) ist der klassischen Struktur der schamanischen Sitzung ähnlich. Margot Adler analysiert diese Parallele innerhalb der neopaganen Bewegung der USA systematisch.

Mit dem Hinduismus und dem Tantra: Die Positionierung des Paares Göttin–Gott als kosmische Polarität trägt eine deutliche Parallele zum Paar Schakti–Schiwa des Tantra. Die Dreifache Göttin (Jungfrau-Mutter-Greisin) ist den hinduistischen Mahavidyas (besonders der Trias Parvati-Durga-Kali) strukturell ähnlich. Das Ziel der Wicca, dass der einzelne Praktizierende einen unmittelbaren inneren Kontakt mit Gott/Göttin hat, trägt eine Ähnlichkeit zum Bhakti-Weg in seiner indischen (hinduistischen) Version.

Mit dem Sufismus: Das Lesen der natürlichen Zyklen (Jahreszeiten, Mond) als Weg zur Ausrichtung auf die kosmische Wirklichkeit zeigt eine strukturelle Verwandtschaft zur Zeit-Raum-Sensibilität des Sufismus innerhalb bestimmter Gottesgedenkzeiten (Morgen, Abend, Nacht, Fastenmonat Ramadân). Doch die polytheistische Struktur der Wicca steht der monotheistischen Struktur des Sufismus (es gibt keine Gottheit außer Allah) unmittelbar entgegen.

Mit dem Buddhismus: Das Gesetz der dreifachen Rückkehr lässt sich als die Wicca-Version der Karma-Lehre bewerten — doch das buddhistische Karma ist eine weit komplexere Struktur (intentionale Handlungen, mehrfache Leben, der Kontext der Nicht-Selbstheit – Anatta). Der Wiedergeburtsglaube (Reinkarnation) in der Wicca stammt aus hinduistisch-buddhistischem Ursprung, doch die Wicca hat ihn in ihren eigenen Begriffen neu formuliert.

Mit dem Christentum: Die Wicca öffnet jenen heidnischen Praktiken, die das Christentum historisch unterdrückt und als „Hexerei" angeklagt hat, einen legitimen spirituellen Ort. Die positive Aneignung des Wortes „Hexe" durch die Wicca ist eine sprachlich-politische Wiederaneignung (reclamation). Margot Adlers Arbeit analysiert die feministischen und psychologischen Dimensionen dieser reclamation.

Mit der Theosophie: Helena Petrovna Blavatskys Theosophical Society (1875) ist keine unmittelbare Vorläuferin der Wicca, doch sie hat dem begrifflichen Schatz der Wicca Themen wie die mehrfachen Leben, die kosmische Evolution, die geheimen Meister und die Ost-West-Synthese vererbt. Viele frühe Wiccaner oder der Wicca nahestehende Okkultisten (Crowley eingeschlossen) waren durch die Theosophie hindurchgegangen.

Moderner Einfluss

In den etwa 70 Jahren seit 1954 hat sich der Einfluss der Wicca auf erstaunliche Weise ausgeweitet:

Kritik

Die Kritik an der Wicca kommt aus zwei Hauptrichtungen: sowohl aus der traditionellen (besonders christlichen) konservativen Perspektive als auch aus der akademisch/kritischen spirituellen Perspektive.

Historische Kritik: Der Anspruch der Wicca auf eine „antike Tradition" ist von der akademischen Geschichtsforschung widerlegt worden. Ronald Huttons Buch Triumph of the Moon beweist eindeutig, dass die Wicca die schöpferische Synthese der Mitte des 20. Jahrhunderts ist. Dies macht die Wicca nicht ungültig, lässt aber ihre Ansprüche auf „uralte Wahrheit" fragwürdig erscheinen.

Kritik am Eklektizismus: Dass die Wicca besonders in ihren eklektischen Varianten Götter und Praktiken aus verschiedenen Kulturen (hinduistisch, Yoruba, Native American, ägyptisch, nordisch) frei entlehnt, ist Gegenstand der Kritik der kulturellen Aneignung (cultural appropriation) geworden. Besonders die Kritik von Seiten der Native-American-Völker ist stark.

Kritik an der inneren Kohärenz: Die doktrinäre Lockerheit der Wicca — ihre Offenheit, die in der Praxis fast allem Raum gibt — ist für die einen eine theologische Schwäche, für die anderen eine Stärke. Kritiker hinterfragen, ob die Wicca „wirklich eine Religion oder ein Spiritualitäts-Supermarkt" sei.

Crowleyanisches Erbe: Das Vorhandensein von Material, das in den Ritualen der Wicca von Aleister Crowley entlehnt ist, wirft einen Schatten auf die Ansprüche, die Wicca sei eher traditionell/folkloristischen Ursprungs. Doreen Valientes spätere Bemühungen, die Rituale vom Crowley-Inhalt zu reinigen, lassen sich als Reaktion auf diese Spannung lesen.

Die trans-ausschließenden Praktiken der dianischen Wicca: Die dianische Wicca von Z Budapest hat wegen ihrer auf der Geburtsbiologie beruhenden Definition (nur „in einem weiblichen Körper Geborene" werden zum dianischen Ritual zugelassen) Transfrauen ausgeschlossen und ist Gegenstand erheblicher Kritik geworden. Diese Frage wird in der Wicca-Gemeinschaft bis heute diskutiert.

Praktische Implikationen

Wegweiser für jene, die die Wicca erkunden möchten:

  1. Geschichte und akademischer Rahmen: Ronald Huttons The Triumph of the Moon und Margot Adlers Drawing Down the Moon fundieren die Wicca historisch und ethnographisch. Ohne diese Lektüren fallen Urteile über die „Echtheit" oder „Unechtheit" der Wicca leicht.

  2. Die Werke Doreen Valientes: Werke wie Witchcraft for Tomorrow (1978) und An ABC of Witchcraft Past and Present (1973) bieten den lebendigen liturgischen Schatz der Wicca. Valientes Text Charge of the Goddess sollte ein Handbuch sein.

  3. Starhawks Spiral Dance: Als Manifest der Reclaiming-Strömung eine grundlegende Lektüre, um die politisch-aktivistischen und feministischen Erscheinungsformen der Wicca kennenzulernen.

  4. Scott Cunninghams praktische Leitfäden: Praktische Handbücher für jene, die als Solitary Practitioner beginnen möchten.

  5. Verbindung mit den Jahreszeitenzyklen: Selbst ohne doktrinäre Annahme der Wicca öffnet das Beobachten der Wheel-of-the-Year-Feste (zumindest das bewusste Wahrnehmen) eine Tür zur Praxis des naturzentrierten Ansatzes der Wicca.

  6. Coven- oder Gemeinschaftsverbindung: Falls sich ein ernsthaftes langfristiges Interesse entwickelt, ist es möglich, mit einem örtlichen gardnerianischen, alexandrianischen, Reclaiming- oder eklektischen Coven in Kontakt zu treten. Die moderne Wicca ist eine flexible spirituelle Struktur und bietet Möglichkeiten der Bindung auf verschiedenen Ebenen.

Die moderne Wicca ist gemeinsam mit dem Aleister Crowley zugeschriebenen Thelema eine der beiden wichtigsten Schöpfungen der modernen westlichen Esoterik im 20. Jahrhundert. Beide sind als Reaktion auf die Unzulänglichkeit der traditionellen westlichen Religion (des Christentums) entstanden und haben durch die Synthese der Bilder der antiken Welt mit den zeitgenössischen Bedürfnissen der spirituellen Suche des modernen Menschen neue Formen vorgeschlagen. Doch während Thelema auf der individualistisch-voluntaristischen Achse voranschreitet, hat sich die Wicca auf einer gemeinschaftszentrierten, jahreszyklischen und ökologischen Achse entwickelt. Beide Systeme verdienen als wichtige Bestandteile des modernen spirituellen Denkens akademische und praktische Aufmerksamkeit.