Meditation & innere Praxis

Centering Prayer (Zentrierendes Gebet)

Eine in den 1970er Jahren von Thomas Keating, William Meninger und Basil Pennington aus der apophatischen Tradition von The Cloud of Unknowing abgeleitete Disziplin der stillen Kontemplation, die sich auf ein heiliges Wort gründet.

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Definition und allgemeiner Rahmen

Centering Prayer (Zentrierendes Gebet) ist eine Disziplin des stillen Gebets, die in den 1970er Jahren von drei Trappisten- (Zisterzienser-)Mönchen der St. Joseph's Abbey in Spencer im Bundesstaat MassachusettsThomas Keating (1923–2018), William Meninger (1932–2021) und Basil Pennington (1931–2005) — der zeitgenössischen christlichen Welt vorgestellt wurde und auf der klassischen apophatischen (negativ-theologischen) kontemplativen Tradition beruht. Die Methode wird in vier knappen Regeln zusammengefasst: (i) Wähle ein „heiliges Wort" (sacred word) als Symbol der inneren Zustimmung zur Gegenwart und zum Wirken Gottes; (ii) sitze mit geschlossenen Augen in entspannter, aber aufrechter Haltung und rufe das heilige Wort sanft im Inneren in Erinnerung; (iii) wenn du dich an Gedanken verlierst, kehre, ohne gegen sie zu kämpfen, behutsam zum heiligen Wort zurück; (iv) verweile am Ende der Sitzung einige Minuten in Stille in der Gegenwart Gottes.

Centering Prayer ist, mit den Worten Thomas Keatings, „die Disziplin, aus jeglichem begrifflichen und emotionalen Inhalt herauszutreten und in der reinen Gegenwart Gottes zu verweilen". In der Gestalt, in der sie unter den Beiträgen Cynthia Bourgeaults entwickelt wurde, verfolgt diese Praxis das Ziel, die klassische christliche Kontemplation wiederzubeleben und sie zugleich dem postmodernen Suchenden — insbesondere dem säkularen, städtischen, vielbeschäftigten Menschen — zugänglich zu machen.

Historischer Ursprung: Vatikan II und das Kloster Spencer

Die Entstehung des Centering Prayer ist von der Atmosphäre, die das Zweite Vatikanische Konzil (Vatikanum II) von 1962–65 eröffnete, nicht zu trennen. Das Konzil hatte in der katholischen Welt die erneute Öffnung der ins Kloster zurückgezogenen mystischen Tradition für die weltlichen Massen gefördert. In denselben Jahren lenkten die in den Westen strömenden östlichen Meditationsbewegungen — insbesondere die Transzendentale Meditation (Maharishi Mahesh Yogi), das Zen (Suzuki Roshi, Philip Kapleau) und Vipassana — viele junge Katholiken zu fremden Traditionen. Thomas Keating, der Abt der St. Joseph's Abbey, fasste seinen Entschluss angesichts der Grundfrage, die ihm die jungen Menschen bei ihren Besuchen stellten: „Gibt es nicht auch in der christlichen Tradition einen Weg der Meditation?"

Als Father William Meninger 1974 in der Klosterbibliothek den englischen mystischen Text des 14. Jahrhunderts The Cloud of Unknowing studierte, bemerkte er, dass er die von dem Werk dargebotene Praxis in die zeitgenössische Sprache übertragen konnte. Der anonyme Verfasser der Cloud schrieb: „Ergreife Gott nicht mit deinem Denken, sondern mit deiner Liebe. Gott ist jenseits aller Gedanken." Meninger vereinfachte die praktische Lehre des Werks und begann, sie unter dem Namen „Prayer of the Cloud" (Gebet der Wolke) im Gästehaus des Klosters zu lehren. Die Methode erzielte bei den sich rasch ausbreitenden Retreats — insbesondere in den Priester- und Ordensgemeinschaften von Boston und New York — Wirkung.

Basil Pennington lebte ebenfalls als Zisterzienser in der St. Joseph's Abbey; auch er begann, dieselbe Methode in verschiedenen Retreats zu lehren. Bei einem Retreat brachte ein Teilnehmer den Vorschlag ein: Der Name der Methode solle „Centering Prayer" lauten, denn Thomas Merton (1915–1968) — der letzte große Vertreter der Trappisten-Mystik — hatte in seinem Werk Contemplative Prayer (1969) die Kontemplation als „die Hinlenkung des ganzen Selbst zum Zentrum der Gegenwart Gottes" definiert. Mit Mertons Worten: „Kontemplation ist das ganz auf die Gegenwart Gottes, seinen Willen, seine Liebe und auf den durch ihn erkannten Glauben zentrierte Gebet." Dieser Vorschlag wurde angenommen, und die Methode verbreitete sich nach 1976 offiziell unter dem Namen Centering Prayer.

1984 wurde diese Kernbewegung als Contemplative Outreach Program gegründet; 1986 wurde sie offiziell unter dem Namen „Contemplative Outreach, Ltd." zu einer zivilgesellschaftlichen Organisation, und der erste Vorstand wurde gewählt. Heute sind weltweit in mehr als 40 Ländern lokale Centering-Prayer-Gruppen aktiv.

Thomas Keating: Der Architekt der Methode

Thomas Keating (1923–2018) wurde als Sohn eines New Yorker Anwalts geboren; er studierte an der Yale University und trat 1944 in das Trappistenkloster in Valley Falls im Bundesstaat Rhode Island ein. Zwischen 1958 und 1981 wirkte er als Abt der St. Joseph's Abbey. 1981 siedelte er in das St. Benedict's Monastery in Colorado über und machte hier die Bewegung Contemplative Outreach zu einem systematischen Lehr- und Ausbildungsprogramm.

Keatings grundlegender theoretischer Beitrag ist der Begriff der „divine therapy" (göttliche Therapie). Nach diesem Begriff ist Centering Prayer ein gottzentrierter psychotherapeutischer Weg, die im tiefen Unbewussten angesammelten „emotional programs for happiness" (emotionalen Programme für das Glück) und das „false self system" (das System des falschen Selbst) aufzulösen. Was die klassische kontemplative Tradition mit dem Begriff „nuit obscure" (dunkle Nacht) ausdrückt, übersetzt Keating in die Sprache der modernen Psychologie: Die während des Gebets an die Bewusstseinsoberfläche steigenden beunruhigenden Gedanken, Erinnerungen und Gefühle sind der Prozess des „unloading of the unconscious" (Entladung des Unbewussten). Der Praktizierende lässt dieses Material auf urteilsfreie Weise passieren; jede Rückkehr zum heiligen Wort bewirkt die Auflösung einer weiteren Schicht im Unbewussten.

Zu Keatings bekanntesten Werken zählen Open Mind, Open Heart (1986), The Mystery of Christ (1987), Invitation to Love (1992), Intimacy with God (1994), The Human Condition (1999) sowie seine Spätwerke Divine Therapy and Addiction (2009) und The Heart of the World (2008). Open Mind, Open Heart, das 1986 als das klassische Handbuch veröffentlicht wurde, das die Methode in einem einzigen Band darstellt, ist seither in Hunderttausenden von Exemplaren gedruckt worden.

Cynthia Bourgeault: Die zeitgenössische Systematisiererin

Cynthia Bourgeault (geb. 1947) ist als episkopale Priesterin, Mystikerin, Retreat-Leiterin und Autorin zur zeitgenössischen Systematisiererin des Centering Prayer geworden. Über 30 Jahre lang arbeitete sie als Schülerin und Kollegin Keatings; sie stellte seine theologische Vision in den weiteren Kontext einer „Christian Wisdom Tradition" (christliche Weisheitstradition).

Bourgeaults zwei Hauptwerke — Centering Prayer and Inner Awakening (2004) und The Heart of Centering Prayer: Nondual Christianity in Theory and Practice (2016) — verorten die Praxis als eine zeitgenössische Wendung der christlichen apophatischen Tradition. Bourgeaults unterscheidender Beitrag besteht darin, dass sie Centering Prayer nicht nur als Kontemplation, sondern als Weg eines „non-dual Christianity" (die Dualität überschreitenden Christentums) auslegt. Ihr Begriff des „the Mind of Christ" (Geist Christi) wird als eine zeitgenössische Lesart des paulinischen Aufrufs aus Philipper 2,5 — „Diese Gesinnung sei in euch" — dargeboten.

Bourgeault hat zugleich ein Ausbildungsprogramm der „Wisdom Schools" entwickelt, das andere Praktiken der Christian Wisdom Tradition — insbesondere das ostorthodoxe Herzensgebet, das sufische Dhikr und die Fourth-Way-Lehre Gurdjieffs — mit dem Centering Prayer synthetisiert. Bourgeault, die in ihrer Einsiedelei in Maine lebt, führt in globalem Maßstab Retreats und Online-Programme durch.

Die doktrinären Ursprünge der Methode

The Cloud of Unknowing (14. Jahrhundert)

Die Cloud of Unknowing ist ein anonymes mystisches Handbuch, das im späten Englisch des 14. Jahrhunderts verfasst wurde; man nimmt an, dass der Verfasser ein Kartäuser oder ein klösterlicher Lehrmeister im ländlichen England war. Das Werk beruht auf den Werken (Mystical Theology, Divine Names) des Pseudo-Dionysius Areopagita aus dem 5. und 6. Jahrhundert, der selbst der westliche Träger der ostchristlichen apophatischen Tradition war. Pseudo-Dionysius' Grundthese lautete: Gott ist mit keinem Begriff, Namen oder Bild zu fassen; er ist ein Geheimnis über (hyperousios) allen Bestimmungen.

Der Verfasser der Cloud wandelt diese apophatische Lehre in eine praktische Disziplin um. Der Praktizierende entfernt mit der „cloud of forgetting" (Wolke des Vergessens) alle geistigen Inhalte, während er sich mit der „cloud of unknowing" (Wolke des Nichtwissens) Gott in einer einzigen „naked intent of love" (nackten Absicht der Liebe) zuwendet. Diese Hinwendung wird mit einem einzigen kurzen Wort — wie „GOD" oder „LOVE" — aufrechterhalten. Der Verfasser sagt: „Kurz sei dein Wort, nur eine Silbe lang; denn je kürzer es ist, desto besser entspricht es dem Wirken Gottes."

Die Methode des Centering Prayer ist die unmittelbar vereinfachte und modernisierte Gestalt dieser Lehre. Das „heilige Wort" (sacred word) ist die moderne Entsprechung des „kurzen Wortes" des Verfassers der Cloud; dieses Wort wird nicht verwendet, um an Gott zu „denken", sondern um die Absicht des Praktizierenden zu symbolisieren.

Die karmelitische Tradition: der heilige Johannes vom Kreuz und Teresa von Ávila

Die zweite große Quelle, die den theologischen Hintergrund des Centering Prayer bildet, ist die karmelitische Tradition. Die spanischen Karmeliter-Mystiker des 16. Jahrhunderts der heilige Johannes vom Kreuz (San Juan de la Cruz, 1542–1591) und die heilige Teresa von Ávila (Teresa de Jesús, 1515–1582) haben systematische Karten des kontemplativen Gebets gezeichnet.

San Juans Werke Die dunkle Nacht (Noche Oscura del Alma) und Der Aufstieg zum Berg Karmel (Subida del Monte Carmelo) erläutern die Stufen der „Reinigung der Sinne" (purgación de los sentidos) und der „Reinigung des Geistes" (purgación del espíritu), die der Kontemplierende durchläuft. Keatings Begriff der „emotional programs for happiness" ist unmittelbar eine psychologische Neulesung von San Juans Beschreibung der „Nacht der Sinne".

Das Werk der heiligen Teresa, Die innere Burg (Castillo Interior, 1577), beschreibt die Reise der Seele zu Gott über sieben moradas (Wohnungen). Ihre Begriffe der oración de quietud (Gebet der Ruhe) und der oración de unión (Gebet der Vereinigung) sind frühe Benennungen der kontemplativen Zustände, die Centering Prayer anstrebt.

Die Wüstenväter und die frühe Klostertradition

Die tieferen Wurzeln des Centering Prayer reichen in die ägyptischen und syrischen Wüstenklöster des 4. und 5. Jahrhunderts zurück. Insbesondere das Werk Conferences (Unterredungen) des Johannes Cassianus (ca. 360–435) gehört auch zu den Hauptquellen des Verfassers der Cloud. In der 10. Unterredung legt Cassian die Lehre von der „kurzen Formel" dar, die er von Abbas Isaak überliefert: „Deus in adiutorium meum intende; Domine ad adiuvandum me festina" (Psalm 70,1, „Gott, komm mir zu Hilfe; Herr, eile, mir zu helfen"). Die beständige Wiederholung dieser Formel beruhigt nach Cassian alle geistige Zerstreuung und öffnet sich dem „reinen Gebet" (pura oratio).

Diese Lehre bildet eine ununterbrochene Tradition, die über die Linie Pseudo-Dionysius → Maximus Confessor → Johannes Scotus Eriugena in den lateinischen Westen, von dort in die Cloud und von dort in den Centering Prayer reicht.

Praktische Anwendung: Die vier Regeln und ihre Einzelheiten

Erste Regel: Das heilige Wort (Sacred Word)

Der Praktizierende wählt ein Wort als „Symbol der inneren Zustimmung zur Gegenwart und zum Wirken Gottes". Dies ist die moderne Entsprechung des „kurzen Wortes" der Cloud of Unknowing. Empfohlene Wörter: „Jesus", „Abba", „Father", „Spirit", „Love", „Peace", „Open", „Trust", „Yes", „Amen", „Maranatha" (1. Korinther 16,22, aramäisch „Unser Herr, komm").

Für türkischsprachige Praktizierende: kurze, ein- oder zweisilbige, rhythmisch sprechbare Wörter wie „Allah", „Yâ Rab", „Sen" (Du), „Ashk" (Liebe), „Rahmet" (Barmherzigkeit), „Var" (Ist), „Evet" (Ja). Ist das Wort einmal gewählt, sollte es während der gesamten Praxis nicht gewechselt werden; dies gewährleistet die Beständigkeit der Aufmerksamkeit.

Eine wichtige Unterscheidung: Das heilige Wort ist kein Mantra. In der Transzendentalen Meditation bringt das Mantra den Geist mittels der Klangschwingung auf eine bestimmte Frequenz; dort ist das Ziel die Klangtechnik. Im Centering Prayer ist das heilige Wort ein „Symbol der Absicht"; es wird nicht einmal gesprochen — es wird nur angerufen, wenn man sich im Gedankenstrom verliert. Keating drückt dies so aus: „Lass das heilige Wort so leicht wie ein Hauch, fast leichter als ein Flüstern, nur als ein Sich-Erinnern in deine Innenwelt fallen."

Zweite Regel: Haltung und Vorbereitung

Beim Sitzen nimmt man einige tiefe Atemzüge und flüstert ein Absichtsgebet wie „Mein Gott, ich öffne mich deiner Liebe und deinem Wirken" (diesen Schritt empfiehlt Bourgeault).

Dritte Regel: Die Beziehung zu den Gedanken

Das kritischste Element der Praxis ist die Art, wie man eine Beziehung zu den Gedanken herstellt. Der Centering-Prayer-Praktizierende erlernt die folgende geordnete Haltung:

  1. Gedanken sind unausweichlich: Der Geist ist ein Organ, das kreisende Gedanken erzeugt. Nicht zu denken ist nicht das Ziel.
  2. Kein Urteil: Es wird kein Kommentar darüber abgegeben, ob ein Gedanke „gut" oder „böse" ist. Auch der Gedanke „Ich habe gedacht, ich bin ein schlechter Praktizierender" ist — selbst ein Gedanke.
  3. Bei Begegnung: Kehre zum heiligen Wort zurück: Sobald der Praktizierende bemerkt, dass er in einen „Dialog" mit irgendeinem Gedanken getreten ist, ruft er sanft das heilige Wort in Erinnerung und kehrt zu seiner Absicht zurück.
  4. Die Rückkehr ist keine Leistung: Der Praktizierende belohnt sich nicht für die Rückkehren. Jede Rückkehr ist die „Arbeit" selbst, die geleistet wird.

Keatings Metapher: „Gedanken sind wie Blätter, die im Flusslauf vorbeitreiben. Du sitzt am Ufer. Kümmerst du dich nicht um das Blatt, treibt es mit der Strömung davon. Beginnst du, dich um es zu kümmern, wirst du von der Strömung mitgerissen."

Vierte Regel: Der Abschluss

Wenn der Zeitgeber ertönt, steht der Praktizierende nicht sofort auf. Er sitzt noch 2 bis 3 Minuten mit geschlossenen Augen; in dieser Zeit wird das Vaterunser (Pater Noster) oder ein persönliches Abschlussgebet still gesprochen. Dies gewährleistet einen sanften Übergang vom „Raum der Kontemplation" in den „Raum des Alltagslebens".

Geistliche Wirkungen

Zu den klassischen Wirkungen des Centering Prayer werden gezählt:

Vergleichende Perspektive

Centering Prayer und Hesychasmus

Der Hesychasmus (das ostorthodoxe Herzensgebet) und Centering Prayer sind christliche kontemplative Wege, die sich strukturell in verschiedene Richtungen entwickelt haben:

Merkmal Hesychasmus (Herzensgebet) Centering Prayer
Verbaler Inhalt Vollständige Gebetsformel: „Herr Jesus Christus …" Ein-/zweisilbiges „heiliges Wort"
Methode Kataphatisch (mit dem Namen Christi gefüllt) Apophatisch (vom Inhalt entleert)
Körper Aktive Technik (Atem, Hinabsteigen ins Herz) Passive Entspannung
Zählung Mit der Gebetsschnur (Tschotki) gezählt Keine Zählung, die Dauer ist maßgeblich
Dauer Täglich Tausende von Wiederholungen 20–30 Minuten × 2
Ziel Vereinigung mit dem Namen, theōsis Verweilen in der reinen Gegenwart

Beide Traditionen speisen sich aus derselben wüstenväterlichen Wurzel — insbesondere Cassian und Evagrios. Der Verfasser der Cloud of Unknowing wusste wahrscheinlich unmittelbar von der hesychastischen Auseinandersetzung des 14. Jahrhunderts; zumindest bildet er die lateinisch-englische Erweiterung der aus dem athonitischen Milieu ererbten apophatischen Logik.

Centering Prayer und Transzendentale Meditation

Die Transzendentale Meditation (TM) ist eine auf dem hinduistischen Vedanta gründende Mantra-Meditation, die von Maharishi Mahesh Yogi in den 1960er Jahren in den Westen eingeführt wurde. Die oberflächlichen Ähnlichkeiten mit dem Centering Prayer — Sitzen, die Verwendung eines Wortes, zweimal täglich 20 Minuten — haben viele Beobachter zu dem trügerischen Vergleich verleitet, „Centering Prayer ist eine christianisierte TM". Doch Keating weist diese Behauptung zurück und betont die folgenden Unterschiede:

  1. Das Ziel der Methode: In der TM verändert das Mantra mittels der Klangschwingung die Bewusstseinsfrequenz; im Centering Prayer ist das heilige Wort nur ein Symbol der Absicht.
  2. Der theologische Rahmen: Der TM liegt die Identität von Brahman und Atman zugrunde (Tat Tvam Asi); im Centering Prayer wird die Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf bewahrt, und die „Vereinigung" wird panentheistisch (alles in Gott) verstanden, nicht pantheistisch (alles = Gott).
  3. Die praktische Haltung: Die TM verheißt körperliche Entspannung und Leistungssteigerung; der Centering Prayer strebt geistliche Wandlung und das Sich-Auflösen des falschen Selbst an.

Centering Prayer und Zen-Shikantaza

Die Praxis des shikantaza („nur Sitzen") im Zen — insbesondere in der von Eihei Dōgen (1200–1253) in der Sōtō-Schule entwickelten Gestalt — steht dem Centering Prayer in einer apophatischen Schlichtheit recht nahe. Beide lassen sich mit der Formel „es gibt nichts zu tun, nur Sitzen" zusammenfassen. Der Hauptunterschied: Im Shikantaza gibt es kein Stützbild (auch kein Wort); im Centering Prayer versieht das heilige Wort eine Stützfunktion. Die zeitgenössischen Bewegungen des Zen-christlichen Dialogs (insbesondere die Arbeiten von Hugo Enomiya-Lassalle und Robert Kennedy Roshi) betonen die Brücken zwischen diesen beiden Praktiken.

Centering Prayer und das sufische Murâqaba

Das sufische murâqaba (Beobachtung) ist eines der islamischen strukturellen Gegenstücke des Centering Prayer. Beide teilen die Grundgebärden — das urteilsfreie Verfolgen der Gedanken, das Festhalten der inneren Absicht in einem Symbol, das stille Verweilen in der Gegenwart Gottes. Das murâqaba hat sich insbesondere in der Tradition der Naqschbandiyya als eine systematische Disziplin entwickelt; es schließt Unter-Techniken ein wie râbita-i scherîfe (die innere Bindung an den geistlichen Lehrer), vukûf-i kalbî (Herzensgewahrsamkeit) und vukûf-i adedî (Zahlengewahrsamkeit). Die vier Regeln des Centering Prayer lassen sich als die vereinfachte, einem weltlichen Schüler zugängliche Fassung der komplexeren Disziplin des murâqaba lesen.

Kritiken und Grenzen

Centering Prayer ist insbesondere aus konservativen katholischen und evangelikalen Kreisen auf einige Kritiken gestoßen:

  1. Östliche Meditation?: Einige Kritiker (Connie Rossini, John Caryl) behaupten, Centering Prayer sei eine christlich aussehende, aber im Kern „new age"-geprägte östliche Praxis. Keatings Antwort: Alle praktischen Elemente der Methode sind in der Cloud des 14. Jahrhunderts, davor bei Cassian, davor bei den Wüstenvätern vorhanden; die Behauptung eines „östlichen Einflusses" ist historisch falsch.

  2. Apophatische Überspitzung: Einige Theologen (Thomas Dubay, Ralph Martin) sagen, dass die übertrieben apophatische Betonung des Centering Prayer die konkrete Personhaftigkeit Jesu und die Disziplin der Bibellektüre vernachlässige. Die Centering-Prayer-Praktizierenden antworten auf diese Kritik meist, indem sie Lectio Divina und Centering Prayer gemeinsam üben.

  3. Mangel an geistlicher Führung: Die klassischen kontemplativen Traditionen (Hesychasmus, Karmel, sufische Orden) sehen die Führung durch einen erfahrenen geistlichen Vater als unerlässlich an. Der Anspruch des Centering Prayer, „er lasse sich selbständig erlernen", kann sich bei der Bewältigung der Krisen fortgeschrittener Stufen (Erfahrungen der dunklen Nacht) als unzureichend erweisen; Keating und Bourgeault sind sich dessen bewusst und sprechen die Empfehlung eines „spiritual companion" (geistlichen Weggefährten) aus.

Im türkischen Kontext

Obwohl der Centering Prayer in der Türkei noch nicht in großem Umfang institutionalisiert ist, sind grundlegende Werke Thomas Keatings wie Açik Zihin, Açik Kalp (Open Mind, Open Heart) und Ilâhî Terapi (Divine Therapy) in türkische Übersetzungen gelangt (Açik Tefekkür Dernegi, 2010er Jahre). Bourgeaults Werke wiederum werden in den akademischen vergleichenden Arbeiten zwischen Sufismus und christlicher Mystik zunehmend häufiger herangezogen.

Die für türkische Praktizierende dem Centering Prayer am nächsten vergleichbare einheimische Praxis ist die Disziplin des râbita + vukûf-i kalbî der Naqschbandiyya. Die türkische akademische Literatur, die einen unmittelbaren Dialog zwischen beiden herstellen würde, steckt noch in den Anfängen; doch die vergleichenden Sufismus-Studien von Forschern wie Hasan Kâmil Yilmaz, Mahmud Erol Kiliç und Hatice Toksöz bereiten den notwendigen Boden dafür, dass diese Brücke künftig systematisch errichtet werden kann.

Divine Therapy: Die Entladung des Unbewussten

Keatings Modell der „divine therapy" (göttlichen Therapie) ist ein theoretischer Rahmen, den er zur Erklärung des psychologischen Mechanismus des Centering Prayer entwickelte und der als einer seiner eigenständigen Beiträge angesehen wird, der ihn von der klassischen kontemplativen Tradition unterscheidet. Das Modell lässt sich so zusammenfassen:

Das System des falschen Selbst: In der Kindheit bilden sich, je nachdem, wie die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse (Sicherheit, Liebe-Anerkennung, Kontrolle) durch den Körper/die Umwelt erfüllt werden, drei grundlegende „emotional programs for happiness" (emotionale Programme für das Glück):

Diese drei Programme bilden die Grundlagen des Systems des „falschen Selbst". Unser Erwachsenenleben dreht sich weitgehend um diese Programme; ihre Durchkreuzung führt zu heftigen emotionalen Reaktionen (Zorn, Angst, Neid, Trauer).

Die Entladung des Unbewussten: Je mehr sich der Praktizierende im Centering Prayer aus den begrifflichen/emotionalen Inhalten zurückzieht, desto mehr beginnt das in den „inneren Schichten" gespeicherte emotionale Material an die Oberfläche zu steigen. Der Praktizierende begegnet diesem nicht mit Widerstand, sondern mit „passiver Annahme". Jede Rückkehr zum heiligen Wort ist die Auflösung eines weiteren Fetzens des Unbewussten. Keating verortet dies als ein theologisches Gegenstück des freudschen Behandlungsmodells; doch an die Stelle des Therapeuten tritt der Heilige Geist als das heilende Subjekt.

Dieses Modell Keatings bildet einen theoretischen Rahmen, der parallel zur zeitgenössischen kontemplativen Therapie wirkt (insbesondere zu Jon Kabat-Zinns MBSR-Programm und Tara Brachs Ansatz der „Radical Acceptance"). Seine Praxis des „Welcoming Prayer" (eine kurze, im Lauf des Tages geübte Form des Centering Prayer) ist Gegenstand der Forschungen geworden, die Tom Riggs und Wayne Teasdale in der Zeitschrift Body-Mind veröffentlicht haben.

Die Debatte über das falsche Selbst und das „leere Bewusstsein"

Die philosophische Haltung des Centering Prayer setzt ein kenotisches (sich selbst entäußerndes) Selbstverständnis voraus. Der Praktizierende verbleibt während der Sitzung nicht in der Position des „Handelnden", sondern des „Empfangenden". Bourgeault definiert dies als „surrender practice" (Praxis der Hingabe); es wird nicht versucht, etwas zu tun, sondern etwas wird losgelassen.

Dies zeitigt in der Ich-Psychologie bedeutende Folgen. Die zeitgenössischen Psychologen/Theologen James Finley (ein ehemaliger Schüler Mertons) und Beverly Lanzetta (bekannt für ihre vergleichenden christlich-sufischen Arbeiten) vertreten die Ansicht, dass Centering Prayer, in die klassische theologische Sprache übersetzt, eine tiefe Überschneidung mit der „nondual realization" (Erkenntnis der Überschreitung der Dualität) zeigt. Die Grundthese der Cloud of Unknowing — „wende dich Gott nicht mit deinem Denken, sondern mit deiner Liebe zu" — ähnelt strukturell der Erkenntnis „aham brahmāsmi" (Ich bin Brahman) des hinduistischen Advaita; doch im ontologischen Gehalt unterscheidet sie sich (das Christentum bewahrt die Unterscheidung von Schöpfer und Geschöpf).

Die Krise der „Dark Night" und die geistliche Begleitung

Die schwierigste Phase in der erfahrungshaften Dimension des Centering Prayer ist die als the dark night of the soul (die dunkle Nacht der Seele) bezeichnete Krise — die zeitgenössische Spiegelung der Beschreibung des San Juan de la Cruz aus dem 16. Jahrhundert. Die Stufen:

1. Die Nacht der Sinne (Noche del Sentido): der typische Zustand des frühen Praktizierenden — nachdem er eine Zeitlang schöne „Geschmäcker" empfangen hat, erscheint das Gebet plötzlich dürr, sinnlos, ja sogar langweilig. Die traditionelle Spiritualität beschreibt diese Stufe als den Übergang des Praktizierenden von der „geistlichen Milch" zur „geistlichen festen Speise".

2. Die Nacht des Geistes (Noche del Espíritu): bei fortgeschritteneren Praktizierenden eine existentiell-theologische Intensität: „Gibt es Gott nicht? Vielleicht ist alles Gebet vergeudete Zeit?" Diese Krise ist das An-die-Oberfläche-Treten der tiefsten Schichten des Unbewussten.

3. Die Nacht vor der Vereinigung: die seltenste, die intensivste. Alle bisherigen „Gottesbilder" des Praktizierenden lösen sich auf; dies ist die Vorbedingung einer neuen und wirklicheren Gottesbeziehung.

Für die Centering-Prayer-Praktizierenden ist in diesen Krisen die Rolle des geistlichen Weggefährten (spiritual companion) entscheidend. Contemplative Outreach bietet Schulungen zur „Centering Prayer Spiritual Direction" an; geschulte Weggefährten bieten den in eine Krise geratenen Praktizierenden die Sprache und die Karte der klassischen kontemplativen Tradition dar. Mit Bourgeaults Worten: „Es ist nicht möglich, die dunkle Nacht allein zu durchschreiten; doch mit der richtigen Hand ist sie das, was durchschritten werden muss."

Die Pädagogik des Centering Prayer: Retreats und Ausbildung

Das von Contemplative Outreach standardisierte Ausbildungsprogramm trägt eine geordnete Gestalt:

Diese Struktur hat der christlichen kontemplativen Tradition eine Institutionalität verliehen, die der Disziplin der akademischen Formation nahekommt. Die Snowmass Conferences in Snowmass sind seit den 1990er Jahren der heilige Ort der zeitgenössischen ökumenischen Begegnungen, die christliche Kontemplative, buddhistische Roshis, sufische Scheichs und hinduistische Swamis zusammenbringen.

Zeitgenössische Antworten auf die Kritiken

Die Debatten rund um den Centering Prayer dauern fort. 2003 veröffentlichte ein Unterausschuss der US-amerikanischen Bischofskonferenz ein Dokument mit dem Titel A Catholic Perspective on Centering Prayer; dieses Dokument erkannte Centering Prayer als einen legitimen Teil der katholischen Tradition an, empfahl jedoch, „anstelle des strengen Rahmens der Methode die klassische Lectio Divina zusammen mit dem Centering Prayer zu üben".

Bourgeaults jüngstes Werk Eye of the Heart (2020) verortet den Centering Prayer in einem weiteren Rahmen der „Christian Wisdom" (christlichen Weisheit); insbesondere verbindet sie ihn mit der aus den Traditionen von Boris Mouravieff und George Gurdjieff entnommenen „Chakra-Schau" und mit einer christlichen herzzentrierten Anthropologie. Dieser synthetisierende Ansatz integriert den Centering Prayer in die postkonventionelle Spiritualität des 21. Jahrhunderts.