Peri und Div: Die lichten und finsteren Geister Persiens
Peri (persisch parī, türkisch peri) und Div (persisch dīv, türkisch div) sind das lichte und das finstere Geistervolk der persisch-türkischen Überlieferung: die Peri eine schöne, geflügelte, anfangs ambivalente, später gütige Lichtgestalt der Dichtung; der Div ein riesiger, finsterer Dämon. Die Notiz erzählt ihre Mythen — den Weißen Div, den Rostam in Ferdausīs Schahname bezwingt, Salomons Herrschaft über Peri und Div, die Peri der türkischen Volksmärchen — und stellt sie vergleichend neben Feen und Engel, die hinduistischen Asura und Rakshasa, die zoroastrischen Daēvas und die islamischen Dschinn.
Definition
Als Peri (persisch parī, پری; türkisch peri; älter pairikā; eingedeutscht auch Peri, Plural Peris) und Div (persisch dīv, دیو; türkisch div; mittelpersisch dēw; eingedeutscht auch Deev, Diw) bezeichnet die persisch-türkische Überlieferung die beiden großen, einander entgegengesetzten Klassen übermenschlicher Geistwesen: das lichte und das finstere Volk, das die Welt neben den Menschen bewohnt. Die Peri ist die schöne, zarte, geflügelte Gestalt — ein Wesen aus Licht, Duft und Anmut, dem die persische und türkische Dichtung ihre vollkommenste Schönheit lieh; noch heute heißt im Türkischen ein außergewöhnlich schöner Mensch peri gibi, „wie eine Peri". Der Div dagegen ist der Riese und Dämon: gewaltig, gehörnt, behaart, von übermenschlicher Kraft und finsterem Sinn, der Bewohner der Berge, Höhlen und entlegenen Länder, der Menschenfresser und Zauberer der Heldenepen.
So sauber, wie diese Gegenüberstellung klingt, ist die Sache freilich nicht — und gerade darin liegt ihr Reiz. Denn beide Begriffe haben eine bewegte Bedeutungsgeschichte, in der sich Licht und Finsternis mehrfach verschoben haben. Die Peri war in ihren ältesten Spuren keineswegs nur gütig, sondern eine verführerische, den Glauben gefährdende Macht; erst die spätere, vor allem islamisch-poetische Überlieferung machte aus ihr das gütige, beinahe engelhafte Wesen. Der Div wiederum trägt in seinem Namen das Erbe eines gestürzten Gottes: Das Wort ist mit dem Sanskrit deva („Gott") urverwandt, und die zoroastrische Reform hat eben diese alten „leuchtenden" Götter zu Dämonen herabgesetzt (siehe Zoroastrismus und Angra Mainyu). In Peri und Div begegnen sich also nicht zwei feste Wesen, sondern zwei jahrtausendealte Stränge, an denen sich ablesen lässt, wie eine Kultur das Schöne und das Schreckliche, das Anziehende und das Bedrohliche am Rande der Menschenwelt benannt und immer wieder umgedeutet hat.
Diese Notiz erzählt zuerst die Herkunft beider Begriffe und dann ihre großen Geschichten — den Weißen Div, den der Held Rostam in Ferdausīs Schahname erschlägt; Salomon, dem Peri und Div gleichermaßen dienstbar gemacht wurden; die Peri der türkischen Volksmärchen mit ihrem Federgewand und ihrem Schwanenjungfrauen-Motiv — und stellt sie schließlich vergleichend neben verwandte Wesen anderer Traditionen: die europäischen Feen und Engel, die hinduistischen Asura und Rakshasa, die zoroastrischen Daēvas und die islamischen Dschinn. Sie dokumentiert, sie wertet nicht; ob es Peri und Div „gibt", ist nicht ihre Frage, sondern wie die persisch-türkische Welt die Erfahrung des Schönen und des Schrecklichen im Unsichtbaren gedeutet hat.
Herkunft und Quellen: Vom Avesta über Ferdausī zur anatolischen Dämmerung
Die Wurzeln beider Wesen reichen tief ins vorislamische Iran und letztlich in die gemeinsame indo-iranische Vorzeit zurück. Ihre Geschichte ist eine Geschichte der Umwertung — und sie verläuft für Peri und Div spiegelbildlich: Das eine Wesen steigt im Lauf der Jahrhunderte vom Bösen zum Guten auf, das andere stürzt vom Göttlichen ins Dämonische ab.
Die Peri: von der Verführerin zur Lichtgestalt
Das Wort parī geht über das mittelpersische parīg auf ein altiranisches parikā- und das avestische pairikā zurück. Schon hier zeigt die Sprachforschung eine doppelte Deutung. Die einen leiten den Namen von der Wurzel für „Flügel" (persisch par) ab — die Peri wäre dann von Anfang an „die Geflügelte". Die anderen verstehen die avestische pairikā als „Frau, die den Gläubigen durch Verführung in die Irre führt". Beide Deutungen treffen den ältesten Befund: In den zoroastrischen Texten sind die Pairikās bösartige weibliche Geister, oft mit Sternschnuppen, Dürre, Unfruchtbarkeit und Verführung verbunden — Mächte im Dienste des bösen Geistes, gegen die fromme Heldengestalten kämpfen. Die Peri begann also als Dämonin, als eine schädliche, glaubensgefährdende Verführerin im selben Lager wie die Div.
Im Lauf der nachzoroastrischen und besonders der islamischen Zeit jedoch wandelte sich ihr Bild grundlegend. Aus der gefürchteten Pairikā wurde die schöne, anmutige, im Kern wohlwollende Peri der persischen Dichtung — ein Wesen von solcher Schönheit, dass es zum stehenden Vergleichsbild für menschliche Vollkommenheit wurde. Eine verbreitete, von der englischen Romantik aufgegriffene Überlieferung deutet die Peri als Nachkommen gefallener Engel, die aus dem Paradies ausgeschlossen sind, bis ihre Buße vollendet ist — weshalb sie reuig und sehnsüchtig zwischen den Welten schweben. Diese Vorstellung verbindet die Peri eng mit der Engelwelt (siehe Engel im Vergleich) und unterscheidet sie scharf von den eindeutig bösen Div.
Der Div: vom „leuchtenden Gott" zum Dämon
Beim Div liegt die Sache umgekehrt. Das Wort führt auf das avestische daēva und letztlich auf die indogermanische Wurzel deiwos, „leuchtender Himmelsgott", zurück — dieselbe Wurzel, aus der das lateinische deus und das Sanskrit deva („Gott") stammen. Während die deva in der vedischen Tradition verehrte Götter sind, hat die zoroastrische Reform den Wert des Wortes ins Gegenteil verkehrt: Sie machte die daēva zu „falschen Göttern", zu abzulehnenden Scheingöttern und schließlich zu Dämonen im Dienste Ahrimans (siehe Angra Mainyu und Ahriman sowie Asha und Druj). Diese sprachliche Verkehrung ist die Spur einer religiösen Revolution: Der alte polytheistische Kult wurde verworfen, und seine Götter wurden zu bösartigen Wesen herabgesetzt. Aus dem mittelpersischen dēw wurde im Neupersischen der div — und damit jene riesenhafte, finstere Dämonengestalt, die das persische Heldenepos bevölkert.
Die großen Quellen
Die wichtigste Quelle für die mythische Welt von Peri und Div ist das persische Nationalepos, das Schahname (Šāhnāme, „Buch der Könige") des Dichters Ferdausī (Abū l-Qāsim Firdausī, um 940–1020), das er über rund drei Jahrzehnte hinweg vollendete. In seinen rund sechzigtausend Doppelversen sammelt es die mythische, heroische und historische Überlieferung Irans — und in seinem mythisch-heroischen Teil sind die Div unentbehrliche Gegenspieler der Helden, allen voran das finstere Land Māzandarān, das als Wohnstatt gewaltiger Div gilt, „so furchtbar, dass kein Schah Irans es zu erobern wagte". Daneben speist sich das Bild aus dem Avesta und der mittelpersischen (Pahlavi-)Literatur für die ältere Schicht; aus der persischen Lyrik und Romanzendichtung (Nizāmī, Hāfiz und viele andere) für die Peri als Schönheitsbild; aus der islamischen Salomo-Überlieferung; und schließlich aus einem reichen Strom türkischer und anatolischer Volksmärchen und Heldenepen, in denen Peri und Div bis heute lebendig sind.
Mythen, Legenden und Geschichten
Das Wesen von Peri und Div erschließt sich, wie bei allen Geistwesen, weniger über Definitionen als über die Geschichten, die man sich erzählt. Vier Erzählkreise ragen heraus: die Div-Kämpfe der Helden im Schahname, die Salomo-Legende, die Peri als Lichtgestalt der Dichtung und die Peri und Div des türkisch-anatolischen Volksmärchens.
Der Weiße Div und Rostams sieben Abenteuer
Die berühmteste aller Div-Geschichten steht im Herzen des Schahname: der Kampf des größten iranischen Helden Rostam gegen den Weißen Div (Dīv-e Sefīd, auch Div-e Sepid), den Häuptling der Dämonen von Māzandarān.
Sie beginnt mit einem Unglück des törichten Königs Kai Kāwūs (Kay Kāvus). Verführt von einem als Sänger verkleideten Div, lässt sich der König zu einem Feldzug in das verbotene Land Māzandarān verlocken, das Reich der Div. Dort aber wartet der Weiße Div: Mit seiner Zauberkunst beschwört er ein finsteres Unwetter aus Hagel, Felsbrocken und entwurzelten Bäumen herauf, das das iranische Heer zerschmettert. Den König, seine Feldherren und seine Paladine schlägt der Div mit Blindheit und wirft sie in einen tiefen Kerker. Iran ist ohne Führung, der König gefangen und erblindet — und nur einer kann ihn retten: Rostam.
Um nach Māzandarān zu gelangen, muss Rostam sieben tödliche Prüfungen bestehen, die berühmten Haft Khān („sieben Stationen" oder „sieben Abenteuer"). Auf seinem treuen Pferd Rachsch durchquert er Wüste und Wildnis und besteht eine Reihe von Gefahren: Er erschlägt einen Löwen, durchquert eine wasserlose Einöde, tötet einen ungeheuren Drachen, durchschaut und vernichtet eine Zauberin, die sich ihm in Gestalt einer schönen Frau naht, und überwindet weitere Widersacher — darunter den Div-Hauptmann Arzhang, dessen Gebrüll die Erde erzittern lässt und den Rostam an Kopf und Ohren packt und niederstreckt.
Die siebte und letzte Station ist die größte: der Zweikampf mit dem Weißen Div selbst. Rostam dringt in eine ungeheure, finstere Höhle ein, in deren Dunkel der Dämon schläft — ein Wesen von der Größe eines Berges, weiß wie Schnee, das Haar wie eine Löwenmähne. Rostam zögert, einen Schlafenden zu erschlagen, weckt ihn und stellt sich dem Kampf. Es ist ein Ringen von furchtbarer Wucht; beide reißen einander ganze Stücke aus dem Leib, bis Rostam endlich den Div niederwirft, ihm den Dolch ins Herz stößt und ihm die Leber herausschneidet. Denn ein Wissen hat ihn geleitet: Nur das Blut aus der Leber des Weißen Div, in die Augen der Erblindeten geträufelt, vermag deren Augenlicht wiederherzustellen. Rostam kehrt zurück, heilt mit dem Dämonenblut den König und seine Paladine — und das Licht kehrt in Irans Augen zurück.
Die Geschichte ist von beispielhafter Klarheit: Der Div verkörpert die rohe, finstere, lichtfeindliche Macht — er bringt buchstäblich Blindheit und Dunkelheit —, und der Held überwindet sie nicht nur durch Kraft, sondern durch Mut, Klugheit und die Bereitschaft, in die finsterste Höhle hinabzusteigen. Dass ausgerechnet das Innerste des Dämons, sein Herzblut, das Augenlicht heilt, gibt der Erzählung eine fast alchemistische Tiefe: Im Überwinden des Finstersten liegt das Heilmittel.
Akwan, der Div, der einen Berg in die Luft hebt
Rostam begegnet den Div noch ein zweites Mal in einer der seltsamsten Episoden des Schahname — im Kampf gegen den Akwan Div (Akvān, von mittelpersisch Akōman, „böser Sinn", letztlich aus dem zoroastrischen Dämon Aka Manah, dem „bösen Denken", einem Widersacher der Amesha Spentas). Ferdausī beschreibt Akwan als Ungeheuer mit langem Haar, blauen Augen und einem Kopf wie der eines Elefanten, dem statt der Zähne Hauer aus dem Maul ragen.
Als ein wilder Onager (Wildesel) die königlichen Herden zerstreut, schickt man Rostam aus, ihn zu fangen — doch der Onager ist der verwandelte Akwan Div. Der Dämon ergreift den schlafenden Rostam mitsamt einem ganzen Stück Erde, hebt ihn hoch in die Luft und stellt ihn höhnisch vor die Wahl: ob er ihn auf die Berge schmettern oder ins Meer werfen solle. Rostam, der die verkehrte Natur der Div durchschaut, antwortet listig: Die Weisen lehrten, wer ins Meer geworfen werde, gelange nicht ins Paradies — und reizt den Div damit, das Gegenteil zu tun und ihn ins Meer zu schleudern. So rettet er sich, schwimmt ans Ufer, findet sein Pferd wieder und erschlägt den Dämon. In dieser Geschichte triumphiert nicht die Kraft, sondern die Klugheit, die sich die widerspenstige, verkehrte Natur des Div zunutze macht — ein Motiv, das in den Geistergeschichten vieler Kulturen wiederkehrt.
Salomon, der Herr über Peri und Div
Wie in der Dschinn-Überlieferung ist auch in der persisch-islamischen Welt Salomon (persisch Sulaimān, türkisch Süleyman) die große Gestalt, der die Geisterwelt unterworfen ist — und zwar in ihrer ganzen Spannweite: die Div als Arbeitssklaven und die Peri als dienstbare Lichtgeister. Gott, so erzählt die Überlieferung, verlieh Salomon Macht über Wind, Tiere und die unsichtbaren Wesen; mit seinem berühmten Siegelring, in den der höchste Gottesname eingraviert war, gebot er über sie. Die widerspenstigen Div zwang er zu schweren Bauwerken, ließ sie Edelsteine fördern und gewaltige Paläste errichten; die aufsässigsten unter ihnen kerkerte er zur Strafe in Gefäße und Flaschen ein und versiegelte sie.
In der persisch-türkischen Volkskosmologie wurde diese Vorstellung weiter ausgemalt: Salomon herrschte über ein ganzes Reich der Peri, deren Land man sich als verborgenes Wunderreich dachte — das Land der Peri (Parīstān), ein Paradies jenseits der Berge, in das kein Mensch ohne Weiteres gelangt. Aus dieser Verbindung von Salomo, Peri und Div erklärt sich auch, warum in den Märchen die Peri oft als hilfreiche, dem Helden zugewandte Macht erscheint, während die Div die Rolle der zu überwindenden Wächter und Kerkermeister spielen. Die Salomo-Legende lieferte den theologischen Rahmen, der die alten iranischen Geister in die islamische Schöpfungsordnung einband — ganz ähnlich, wie es der Koran mit den Dschinn tat.
Die Peri als Lichtgestalt der Dichtung
In der persischen und türkischen Dichtung entfaltet die Peri ihr schönstes Gesicht. Hier ist sie das Bild vollkommener, überirdischer Schönheit — so sehr, dass parī-rū („peri-gesichtig") und parī-paikar („peri-gestaltig") zu festen Beiwörtern der geliebten Person wurden. Die Peri schwebt zwischen den Welten: zu schön für die Erde, zu sehnsüchtig für den Himmel. In der Liebesdichtung verkörpert sie das Unerreichbare, das den Liebenden in eine süße Verzweiflung stürzt; in der mystischen Lesart wird ihre überirdische Schönheit zum Sinnbild der göttlichen Schönheit, nach der die Seele sich verzehrt.
Eine besonders schöne Ausgestaltung fand die Peri in der europäischen Romantik. Der irische Dichter Thomas Moore machte sie in seinem vielgelesenen Versepos „Paradise and the Peri" (Teil von Lalla Rookh, 1817) zur Heldin: Eine Peri, als gefallenes Engelwesen vom Paradies ausgeschlossen, sucht Einlass in den Himmel und erfährt, dass ihr das Tor sich öffnen werde, wenn sie „die Gabe bringt, die dem Himmel am liebsten ist". Sie bringt zunächst den letzten Blutstropfen eines für die Freiheit gefallenen Helden und dann den letzten Atemzug eines für die Liebe sterbenden Mädchens — vergebens. Erst die Träne eines reuigen Sünders öffnet ihr das Paradies. Robert Schumann vertonte den Stoff 1843 in seinem Oratorium Das Paradies und die Peri. So wanderte die persische Peri über die Dichtung bis in die europäische Konzertsaal-Kultur — und überall behielt sie ihren Kern: das sehnsüchtige, schöne, halb gefallene, halb himmlische Wesen zwischen den Welten.
Die Peri des türkischen Volksmärchens und das Federkleid
Im türkisch-anatolischen Volksmärchen (masal) ist die Peri allgegenwärtig — meist als wunderschöne junge Frau, oft eine Königstochter der Peri, die einem sterblichen Helden begegnet und sein Schicksal wendet. Ein verbreitetes Motiv ist das der Schwanenjungfrau in persisch-türkischer Färbung: Drei (oder sieben) Peri-Schwestern kommen in Gestalt von Tauben oder Vögeln an eine verborgene Quelle geflogen, legen ihre Federgewänder ab und baden als Mädchen im Wasser. Ein junger Mann, der sie heimlich belauscht, raubt das Federkleid der Schönsten — denn ohne ihr Gewand kann sie nicht zurückfliegen und muss bei ihm bleiben. Sie wird seine Frau und gebiert ihm Kinder; doch eines Tages findet sie ihr verstecktes Federkleid wieder, streift es über und entschwindet in die Lüfte, zurück ins Land der Peri, wohin der Mann ihr unter größten Mühen nachreisen muss. Dieses Märchen — über die ganze alte Welt verbreitet — trägt im persisch-türkischen Raum stets das Gesicht der geflügelten Peri.
Daneben lebt die Peri auch in einer gefährlicheren Gestalt fort, die ihre alte ambivalente Natur bewahrt. In manchem anatolischen Volksglauben sind die periler leicht zu kränkende Wesen, die an Schwellenorten — Quellen, Bäumen, Ruinen, der Dämmerung — wohnen und einen Menschen, der sie unbedacht stört, mit Lähmung, Krankheit oder Wahn „schlagen" können (peri çarpması); wer von ihnen „ergriffen" ist, heißt perili („von Peri besessen"). Hier berührt sich die Peri-Vorstellung eng mit dem Cin-Glauben und der Furcht vor dem bösen Blick. Mancherorts heißt es, ein Mensch könne sich in eine Peri verlieben und ihr verfallen, sodass er den Menschen entfremdet wird — eine Vorstellung, die genau jener von der verführerischen pairikā der ältesten Schicht entspricht. So bewahrt das Volksmärchen beide Gesichter der Peri zugleich: das gütige der Helferin und das gefährliche der Verführerin.
Auch der Div lebt im türkischen Märchen fort — als der riesenhafte, oft dumme, menschenfressende Unhold, der in einem fernen Schloss eine geraubte Prinzessin bewacht und vom Helden mit List und Mut überwunden wird; verwandt ist die anatolische Schreckgestalt des Gulyabani, des haarigen Wegelagerer-Dämons der Einöde. In dieser Rollenverteilung — die Peri als schöne Helferin oder verführerische Gefahr, der Div als plumpe finstere Macht — spiegelt das Märchen bis heute die uralte persische Zweiteilung des Geistervolks in Licht und Finsternis.
Eigenschaften und Stellung in der Geisterwelt
Fasst man die Überlieferung zusammen, treten Peri und Div als ein Gegensatzpaar hervor, das fast die gesamte Bandbreite des Übermenschlichen abdeckt — vom Schönsten bis zum Schrecklichsten.
Gestalt und Stofflichkeit. Die Peri ist von Natur aus schön, zart, lichthaft und vor allem geflügelt — sie kann fliegen, sich unsichtbar machen und Gestalt wandeln, besonders die von Vögeln (Taube, Schwan). Der Div ist ihr leibliches Gegenbild: riesenhaft, oft gehörnt, behaart, mit Hauern, manchmal mehrköpfig oder mit Tiermerkmalen (Elefantenkopf), von ungeheurer körperlicher Kraft, aber meist schwerfällig und durch List überwindbar.
Moralische Verfassung. Hier liegt die Grundachse: Die Peri ist im reifen Bild wohlwollend (wenn auch leicht kränkbar und in ihrer ältesten Schicht verführerisch-ambivalent), der Div durchweg böse — finster, zauberkundig, lichtfeindlich, der natürliche Gegner der Helden und der Ordnung. Wo die Dschinn moralisch frei und gemischt sind, sind Peri und Div eher die beiden Pole des Spektrums selbst: das Lichte und das Finstere als Gestalt.
Macht und Zauber. Beide verfügen über übermenschliche Kräfte. Der Div ist vor allem Zauberer und Necromant — er beschwört Stürme, blendet, verwandelt sich und andere, kerkert ein. Die Peri wirkt durch Schönheit, Flug und Verzauberung, hilft dem Helden, schenkt Wunderbares oder zieht den Liebenden in ihren Bann.
Wohnorte. Die Div hausen in Bergen, Höhlen und entlegenen, gottverlassenen Ländern (Māzandarān, Dāmāwand), den Rändern der bewohnten Welt. Die Peri bewohnen das verborgene Wunderreich Parīstān und nahen den Menschen an Schwellenorten — Quellen, Bäumen, in der Dämmerung —, jenen Übergangszonen, an denen sich die Welten berühren.
Die großen Vergleiche
Stellt man Peri und Div neben die Geistwesen anderer Traditionen, so zeigt sich ein vertrautes Muster: Fast jede Kultur kennt lichte und finstere Mächte zwischen Gott und Mensch — schöne Helfer und schreckliche Widersacher. Die Gemeinsamkeiten sind real; ebenso real sind die Unterschiede, die meist an drei Bruchlinien liegen: am ontologischen Status (göttlich, geschaffen oder gestürzt?), an der moralischen Wertung (eindeutig oder ambivalent?) und am religiösen Rahmen, der das Wesen einordnet.
Persien — Peri und Div
Peri und Div bilden, wie dargestellt, das lichte und das finstere Pol-Paar der persisch-türkischen Geisterwelt — die schöne, geflügelte, im reifen Bild gütige Peri gegen den riesenhaften, zauberkundigen, durchweg bösen Div. Beide tragen das Erbe einer Umwertung: die Peri vom bösen pairikā-Geist zur Lichtgestalt aufgestiegen, der Div vom „leuchtenden Gott" daēva zum Dämon herabgesunken. Genau diese Polarität von Licht und Finsternis — und ihre geschichtliche Beweglichkeit — ist die Eigenart, an der sich die folgenden Vergleiche messen lassen.
Zoroastrismus — die Daēvas und die Pairikās
Der nächste Verwandte ist die eigene Vorstufe. Im Zoroastrismus sind die Daēvas (im Dienste Angra Mainyus) die personifizierten Mächte des Bösen — abgewertete alte Götter, die als Heer der Lüge (druj) gegen die Wahrheit (asha) kämpfen; aus dem mittelpersischen dēw wird unmittelbar der Div des Epos. Die Pairikās sind ihre weiblichen, verführerischen Gefährtinnen — aus denen die Peri hervorging.
Der entscheidende Unterschied liegt im Wandel: Im Zoroastrismus stehen Daēva und Pairikā gemeinsam und unzweideutig auf der Seite des Bösen — beide gehören zum Lager Ahrimans. Erst die spätere, nachzoroastrische und islamische Überlieferung hat die Pairikā/Peri aus diesem finsteren Lager herausgelöst und ins Lichte erhoben, während der Daēva/Div im Dunkel blieb. Wo der Zoroastrismus also eine klare, dualistische Front kennt (Wahrheit gegen Lüge, mit Daēva und Pairikā auf einer Seite), zerlegt die spätere persische Mythologie dieses Lager in ein Gegensatzpaar — die böse Macht spaltet sich auf in den weiterhin bösen Div und die nun gütige Peri.
Islam — die Dschinn
Die islamische Welt brachte ihre eigene Geisterlehre mit: die Dschinn, aus rauchlosem Feuer geschaffene, moralisch freie Vernunftwesen zwischen Engeln und Menschen. In der persisch-türkischen Volkskultur verschmolzen Peri und Div vielfach mit der Dschinn-Vorstellung: Der Div wurde mit dem bösen Dschinn und dem ʿifrīt gleichgesetzt (der Koran nennt selbst einen „Ifrit von den Dschinn" im Dienst Salomons), die Peri mit den schönen, gütigen unter den Dschinn.
Der strukturelle Unterschied bleibt jedoch lehrreich. Die Dschinn sind eine einzige Gattung, die in sich das ganze moralische Spektrum von fromm bis teuflisch enthält — gut und böse sind unter ihnen eine Wahl. Peri und Div dagegen sind eher die personifizierten Pole selbst: nicht eine Gattung mit guten und bösen Vertretern, sondern das Lichte (Peri) und das Finstere (Div) als getrennte Wesensklassen. Wo der Islam die moralische Offenheit in eine Gattung legt, verteilt die persische Mythologie sie auf zwei entgegengesetzte Völker. Die Salomo-Legende und der Glaube an Besessenheit (cin/peri çarpması) und an Schutzmittel sind beiden Welten gemeinsam und haben sie im Volksglauben eng verflochten.
Hinduismus — Asura und Rakshasa, und das Spiegelbild der Devas
Der Vergleich mit Indien ist besonders aufschlussreich, weil hier dieselbe indo-iranische Wurzel ein umgekehrtes Schicksal nahm. Die Asura sind die mächtigen Widersacher der Devas (Götter) — in den ältesten Schichten noch hohe Wesen, später zu „Dämonen" abgewertet. Den Div funktional näher stehen die Rakshasa: bösartige, gestaltwandelnde, oft menschenfressende Nachtgeister, die Reisende bedrohen und die Helden des Rāmāyaṇa bekämpfen — eine fast vollständige Entsprechung zum Div des Schahname (man denke an den Rakshasa-König Rāvaṇa, der eine Prinzessin raubt, gegen den der Held Rāma auszieht).
Das Faszinierende liegt in der sprachlichen Symmetrie: Während der iranische Zweig die daēva („Götter") zu Dämonen (Div) herabsetzte und die ahura (Herren) zum höchsten Gott Ahura Mazda erhob, tat der indische Zweig das genaue Gegenteil — er behielt die deva als Götter und setzte die asura zu Dämonen herab. Dasselbe Wortpaar, zwei entgegengesetzte Bewertungen: ein Lehrstück darüber, wie eng „Gott" und „Dämon" sprachgeschichtlich beieinanderliegen. Hinzu kommt der Rahmen: Asura und Rakshasa sind eingebettet in Karma und Wiedergeburt — die Dämonennatur ist eine Daseinsstufe im Kreislauf, in die man hineingeboren wird und aus der man aufsteigen kann —, während der Div eine feste, eigene Wesensklasse ist. Eine eigentliche Entsprechung zur lichten, gütigen Peri fehlt im Asura/Rakshasa-Komplex; ihr nähere sich am ehesten die schönen, kunstreichen Yakshas und himmlischen Wesen.
Europa — Feen, Elfen und die Anderswelt
Schon die englische Romantik übersetzte „Peri" kurzerhand mit „fairy" — und tatsächlich ist die Verwandtschaft mit den europäischen Feen und Elfen die augenfälligste. Wie die Peri sind die Feen schön, geflügelt (in der späteren Vorstellung), unsichtbar oder nur zeitweise sichtbar, bewohnen ein verborgenes Wunderreich (die Anderswelt, Parīstān), nahen an Schwellenorten, sind leicht zu kränken und können einen Menschen in ihren Bann ziehen oder „entrücken". Das Schwanenjungfrauen-Märchen mit dem geraubten Federkleid verbindet beide Welten unmittelbar. Auch der Div hat europäische Verwandte: die Riesen (germanische Thursen und Trolle, siehe germanische Wesen) und die finsteren Unholde des Märchens, die der Held überlistet — ähnlich der wilden, entrückenden Geisterschar der Wilden Jagd oder den ambivalenten Gestalten um Frau Holle.
Der Unterschied liegt im religiösen Rahmen. Die keltisch-germanischen Feen stehen weithin außerhalb jeder Heils- und Schöpfungstheologie — sie sind eine amoralische, vorzeitliche „Andersmenschheit", mit der man durch Höflichkeit und Tabu-Achtung ein Nachbarschaftsverhältnis pflegt, weder gut noch böse. Die Peri dagegen ist durch ihre Geschichte (gefallene Engel, Buße, Parīstān, Salomos Herrschaft) viel stärker in einen moralisch-religiösen Horizont eingebunden: Sie sehnt sich nach dem Paradies, sie ist halb gefallen und halb himmlisch. Wo die Fee einfach da ist, hat die Peri eine Heilsgeschichte.
Christentum — Engel und Dämonen
Die schärfste Parallele zur moralischen Polarität von Peri und Div bietet das christliche Paar Engel und Dämon (siehe Engel im Vergleich und Dämonen und Exorzismus). Die lichten Engel entsprechen der gütigen Peri, die finsteren Dämonen (gefallene Engel) dem bösen Div; und die Vorstellung von der Peri als „gefallenem, auf Buße wartendem Engelwesen" rückt sie sogar noch enger an die christliche Engellehre heran.
Doch der Bauplan ist verschieden. Im Christentum sind Engel und Dämon ein einziger Stand in zwei Zuständen: Die Dämonen sind gefallene Engel, ursprünglich gut, durch den Sturz unwiderruflich böse geworden — der Fall ist endgültig, eine Rückkehr ausgeschlossen. Peri und Div dagegen sind zwei getrennte Wesensklassen unterschiedlicher Herkunft (die eine aus der pairikā, die andere aus der daēva), und gerade die Peri trägt eine Hoffnung auf Rückkehr in sich, die dem gefallenen christlichen Engel verwehrt ist. Wo das Christentum den Fall als unumkehrbares Drama denkt, denkt die Peri-Legende ihn als vorübergehenden, durch Buße heilbaren Zustand — ein feiner, aber tiefer Unterschied in der Theologie des Falls.
Bilanz der Vergleiche
Quer durch die Traditionen kehrt dieselbe Grundfigur wieder: ein lichtes und ein finsteres Geistervolk zwischen Gott und Mensch — schöne, geflügelte Helfer auf der einen, riesenhafte, dämonische Widersacher auf der anderen Seite — und überall ähnliche Erzählmotive: der Held, der den Dämon in seiner Höhle überwindet, das geraubte Federkleid, die Entrückung in das verborgene Wunderreich, die Verführung durch übermenschliche Schönheit. Ebenso beständig kehren die Unterschiede wieder. Erstens der ontologische Status: Der Div ist ein herabgesunkener Gott (daēva), die Asura ein Daseinsstufe im Karma-Kreislauf, der christliche Dämon ein gefallener Engel. Zweitens die moralische Logik: Bei Peri und Div sind Licht und Finsternis als Wesensklassen getrennt; bei den Dschinn ist Moral eine Wahl in einer Gattung; bei Engel und Dämon ein unumkehrbarer Fall. Drittens der Rahmen: Wo die Fee amoralisch draußen steht, trägt die Peri eine Heilsgeschichte der Buße und Rückkehr in sich. In diesem letzten Zug — der reuigen, ans Paradies grenzenden Peri — zeigt sich am schärfsten, wie sehr nicht das Wesen der Geister, sondern die religiöse Ordnung, in die eine Kultur sie stellt, über ihre Bedeutung entscheidet.
Moderne Rezeption
Wie wenige andere Geistwesen haben Peri und Div den Sprung in die moderne Kultur in entgegengesetzte Richtungen geschafft. Die Peri wurde, vor allem über die persische Lyrik und die europäische Romantik, zum Inbegriff des Schönen und Sehnsuchtsvollen: Thomas Moores „Paradise and the Peri" und Robert Schumanns Oratorium Das Paradies und die Peri (1843) trugen sie in die abendländische Hochkultur; im türkischen und persischen Sprachraum lebt sie als Schönheitsbild (peri gibi, parī-rū), als Frauenname und als Märchengestalt unvermindert fort. In der heutigen Fantasy-, Spiele- und Comickultur erscheint die Peri oft schlicht als die orientalische Variante der Fee.
Der Div dagegen wurde zur Verkörperung des monströsen Bösen. Im Iran ist der Weiße Div ein nationales Kulturbild: Die berühmten Schahname-Miniaturen zeigen Rostams Kampf mit dem Weißen Div seit Jahrhunderten, und die Episode gehört zum festen Bestand von Schulwissen, Theater (naqqālī, die epische Erzählkunst) und moderner Illustration. In der globalen Fantasy- und Spielewelt taucht der „Deev" oder „Div" als gehörnter Riesendämon auf. Beide haben damit, jedes auf seine Weise, ihre mythische Wucht bewahrt: die Peri als Bild des unerreichbar Schönen, der Div als Bild der finsteren Macht, die der Held überwinden muss.
Auch die vergleichende und psychologische Deutung hat sich beider angenommen. Wo eine ältere Forschung in Peri und Div das Fortleben vorzoroastrischer Naturmächte und gestürzter Götter sah, lesen tiefenpsychologisch geprägte Deutungen sie — wie verwandte Geistgestalten — als Bilder innerer Mächte: die Peri als Bild der Anima, der sehnsüchtig gesuchten Seelenschönheit, der Div als Bild des Schattens, der finsteren, lichtfeindlichen Triebkraft, die in der „Höhle" des Unbewussten lauert und überwunden — und deren Kraft „geerntet" — werden will. Ob man Peri und Div als reale unsichtbare Wesen, als Personifikationen seelischer Kräfte oder als poetisches Erbe Irans versteht — sie bleiben eines der schönsten Beispiele dafür, wie eine Kultur das Licht und die Finsternis am Rande der Menschenwelt in Gestalten gefasst hat.
Fazit
Peri und Div sind Persiens Antwort auf eine Frage, die jede Kultur stellt: Welche schönen und welche schrecklichen Mächte bewohnen die Welt neben dem Menschen? Aus dem gemeinsamen indo-iranischen Erbe gingen sie als ein Gegensatzpaar hervor, dessen beide Glieder eine bewegte Geschichte der Umwertung durchliefen: der Div vom „leuchtenden Gott" daēva zum finsteren Dämon des Epos herabgesunken, die Peri von der bösen, verführerischen pairikā zur gütigen, geflügelten Lichtgestalt der Dichtung aufgestiegen. In ihren Geschichten — dem Weißen Div, den Rostam in der finstersten Höhle erschlägt, um mit seinem Herzblut das Augenlicht Irans zu heilen; dem listig überwundenen Akwan; Salomon, dem Peri und Div gleichermaßen dienen; der Peri mit dem geraubten Federkleid und der reuigen Peri vor dem Tor des Paradieses — verdichtet sich eine ganze Poetik von Schönheit und Schrecken, Sehnsucht und Heldentum.
Im Vergleich treten sie als eine eigene Lösung unter vielen hervor: polarer als die in einer Gattung gemischten Dschinn, heilsgeschichtlicher als die amoralischen Feen, hoffnungsvoller (in der Peri) als der unwiderruflich gefallene christliche Dämon, und im Div ein fast vollständiges Gegenbild zu den hinduistischen Rakshasa. Sie nebeneinanderzustellen heißt nicht, sie gleichzusetzen, sondern zu sehen, worin die Traditionen einander berühren — im Bild des lichten Helfers und des finsteren Widersachers — und worin sie unwiderruflich verschieden bleiben: in der Ordnung, die jede von ihnen über das Schöne und das Schreckliche im Unsichtbaren legt.