Glossar & Vergleich

Zwischenwesen: Die Mittler zwischen Göttern und Menschen im Vergleich

Die universale Kategorie der Wesen „weder Gott noch Mensch": eine vergleichende Synthese der Mittlerwesen über die Traditionen hinweg — Engel und Dämonen, Dschinn, Devas und Asuras, das Feenvolk, die germanischen Álfar und Dísir, die griechischen Daimones und Nymphen, die Elementargeister des Paracelsus, die jüdischen Schedim und die aufgestiegenen Meister. Herausgearbeitet wird das wiederkehrende Strukturmuster: die ontologische Zwischenstellung, die tiefe Ambivalenz und die menschlichen Techniken von Bann und Bündnis — jeweils mit einem lebendigen, illustrativen Beispiel.

39 Verbindungen Schwer Glossar & Vergleich Auf der Karte zeigen → ⌛ Sonstige

Definition

Als Zwischenwesen (oder Mittlerwesen, Geistwesen) bezeichnen wir in vergleichender Absicht jene überaus breite, in nahezu allen Kulturen bezeugte Klasse von Wesenheiten, die „weder Gott noch Mensch" sind — die in der Stufenleiter des Seins zwischen der höchsten, transzendenten Wirklichkeit (Gott, dem Absoluten, dem gestaltlosen Grund) und der irdischen Menschenwelt eingeschoben sind und eben dadurch zu Vermittlern zwischen beiden Sphären werden. Sie sind nicht durch eine gemeinsame Substanz definiert — die einen bestehen aus Licht, die anderen aus Feuer, wieder andere aus „feinem Stoff" oder gar aus reiner Form ohne Materie —, sondern durch eine gemeinsame Stellung und eine gemeinsame Funktion: Sie überbrücken den Abstand, den eine transzendente Ordnung sonst unüberwindlich ließe, und tragen, in den Worten der platonischen Priesterin Diotima über die Daimones, „das Menschliche zu den Göttern und das Göttliche zu den Menschen empor — von unten die Bitten und Opfer, von oben die Gebote und Vergeltungen".

Damit ist diese Notiz keine Beschreibung einer einzelnen Wesensart, sondern der Versuch, ein strukturelles Phänomen sichtbar zu machen, das quer durch die Traditionen wiederkehrt. Die Einzelklassen — die Engel und Dämonen der abrahamitischen Welt, die Dschinn des Islam, die Devas und Asuras Indiens, das Feenvolk der Kelten, die Álfar und Dísir der Germanen, die Daimones und Nymphen der Griechen, die Elementargeister der westlichen Esoterik, die Schedim des Judentums und die „aufgestiegenen Meister" der modernen Theosophie — sind anderswo je für sich ausführlich dargestellt. Hier sollen sie nebeneinandergestellt und auf ihr gemeinsames Muster hin befragt werden. Das geschieht dokumentierend, nicht wertend: Es wird nicht behauptet, alle diese Wesen seien „im Grunde dasselbe", noch dass eines „wirklicher" sei als ein anderes. Gefragt wird allein, worin die Traditionen einander berühren und worin sie unwiderruflich verschieden bleiben.

Diese Notiz erläutert zuerst das gemeinsame Phänomen — die Logik der Zwischenstellung selbst —, stellt dann in einem ausführlichen Vergleichsteil die einzelnen Klassen nebeneinander, jede mit einem lebendigen illustrativen Beispiel, und arbeitet schließlich das wiederkehrende Strukturmuster heraus: die Hierarchie zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen, die durchgängige Ambivalenz dieser Wesen und die menschlichen Techniken von Bann und Bündnis, mit denen man ihnen begegnet.

Das gemeinsame Phänomen: die Logik der Zwischenstellung

Warum kennt fast jede entwickelte religiöse Kultur solche Mittlerwesen? Die vergleichende Religionswissenschaft sieht darin kein zufälliges Beieinander, sondern eine strukturelle Notwendigkeit, die sich aus einem einzigen Problem ergibt: Je transzendenter, je erhabener, je „ganz anderer" eine Gottheit gedacht wird, desto größer wird der Abgrund zwischen ihr und dem Menschen — und desto dringender verlangt dieser Abgrund nach Überbrückung. Ein Gott, der zu hoch steht, um unmittelbar zu wirken, braucht Boten, Vollstrecker, Statthalter; eine Welt, die zu niedrig liegt, um den reinen Glanz zu ertragen, braucht abgestufte Vermittler, die das Licht filtern und weiterreichen. So füllt sich der Zwischenraum zwischen Himmel und Erde mit einer ganzen Bevölkerung geistiger Wesen, und je strenger der Monotheismus oder je abstrakter das Absolute, desto reicher gegliedert fällt — paradoxerweise — diese Zwischenwelt aus. Der zarathustrische, der jüdische und der islamische Monotheismus haben einige der dichtesten Engel- und Geisterwelten überhaupt hervorgebracht; das advaitische Brahman, das gestaltloseste aller Absoluta, lässt unter sich ein ganzes Pantheon von Devas und Halbgöttern bestehen.

Vier Grundfunktionen kehren bei diesen Wesen mit auffälliger Beständigkeit wieder, und sie umreißen zugleich die innere Spannung der ganzen Kategorie:

Die erste ist die Vermittlung im engeren Sinn — das Botenamt. Das griechische ángelos, das hebräische malʾāḵ, das arabische malak bedeuten alle schlicht „Bote"; der Zwischenwesen-Charakter ist hier sprachlich in den Namen eingegraben. Sie tragen das Wort von oben nach unten (Offenbarung, Verkündigung, Traum, Orakel) und das Gebet von unten nach oben.

Die zweite ist die Versuchung — die dunkle Kehrseite der Nähe. Wer dem Menschen nahe genug steht, um ihn zu leiten, steht ihm auch nahe genug, um ihn zu verführen, einzuflüstern, in die Irre zu locken. Der Versucher ist fast immer ein Zwischenwesen: der gefallene Engel, der einflüsternde Dschinn, der dämonische Asura, der den Sterblichen ins Verderben lockende Naturgeist.

Die dritte ist der Schutz — die hütende, bergende, geleitende Funktion. Vom persönlichen Schutzengel über die zarathustrische Fravashi bis zum hausschützenden Hofgeist tritt überall ein dem Menschen persönlich zugewandtes Mittlerwesen auf.

Die vierte schließlich ist der Grenzgang selbst — das Wohnen an der Schwelle. Diese Wesen bevölkern die liminalen Orte und Zeiten: die Dämmerung und die Mitternacht, die Wegkreuzung und die Türschwelle, den Friedhof, die Ruine, die Quelle, den Hügel, die Wüste, die Zwischenzustände von Geburt und Tod. Sie sind die Bewohner des „Dazwischen" auch im räumlichen und zeitlichen Sinn — Hüter und Lauerer an allen Übergängen.

Eben weil dieselben Wesen vermitteln und versuchen, schützen und bedrohen, ist die ganze Kategorie von einer unaufhebbaren Ambivalenz durchzogen. Sie sind, wie sich zeigen wird, das Strukturmerkmal schlechthin der Zwischenwelt.

Die großen Vergleiche

Im Folgenden werden die einzelnen Klassen nebeneinandergestellt. Die Familienähnlichkeiten sind groß — überall Wesen zwischen dem Höchsten und dem Menschen. Doch die Unterschiede sind ebenso real, und sie verlaufen meist an einer bestimmten Bruchlinie: Sind diese Wesen gehorsame Diener eines persönlichen Gottes, ambivalente Eigenmächte mit freiem Willen, personifizierte Eigenschaften des Göttlichen oder selbst anbetungswürdige Mächte? Jede der folgenden Klassen beantwortet diese Frage anders.

Tradition Christentum/Islam — Die Engel: der reine Bote und sein Sturz

Der Engel ist die klassische, gleichsam reinste Verkörperung des Zwischenwesens: das geschaffene, geistige Mittlerwesen, das zwischen einem transzendenten Gott und der Welt steht und in dessen Auftrag handelt — Verkünder, Vollstrecker, Lobpreiser, Wächter, Seelengeleiter. In den abrahamitischen Religionen ist er nicht durch seine Substanz, sondern durch seine Funktion definiert: Er ist, wie es die ausführliche Vergleichsnotiz engel-im-vergleich entfaltet, „Beziehung in Person", der ausgestreckte Arm und die hörbare Stimme eines Himmels, der sich sonst dem Zugriff entzöge.

Wie lebendig diese Mittlerstellung erzählt werden kann, zeigt die Szene der Verkündigung. Im Lukasevangelium tritt der Engel Gabriel in das Haus einer jungen Frau in Nazaret, grüßt sie — „Sei gegrüßt, du Begnadete" —, und Maria, so heißt es eigens, „erschrak über das Wort und überlegte, was dieser Gruß bedeute". Diese kleine, zutiefst menschliche Geste der Verstörung ist es, die der Szene ihre Tiefe gibt: Der Himmel ist in einen Wohnraum eingetreten, und ein Mensch steht ihm gegenüber, fragend, erschrocken, schließlich zustimmend. Der Engel beruhigt sie mit der uralten Formel „Fürchte dich nicht", überbringt sein Wort — und tritt, sobald es gesprochen und angenommen ist, lautlos wieder zurück: „und der Engel schied von ihr." Genau hierin liegt das Wesen des reinen Boten: Er bringt nicht sich selbst, sondern eine Botschaft, und ist nichts als der Durchgang, durch den eine andere Ordnung die menschliche berührt.

Doch schon in die Engelwelt selbst trägt das Christentum die dunkle Kehrseite hinein — den Sturz. Aus apokalyptischem Bild (dem „Krieg im Himmel" der Offenbarung), prophetischem Spottlied (dem gefallenen „Morgenstern" Jesajas, von der Vulgata Lucifer genannt) und patristischer Auslegung formte sich die große Erzählung vom höchsten Engel, der aus Hochmut gegen Gott rebellierte und in die Tiefe stürzte. Damit erhält der reine Bote einen Schatten: Dasselbe Wesen, das vermitteln soll, kann auch abfallen und versuchen. Bezeichnend ist der feine, aber folgenreiche Unterschied zum Islam: Während das Christentum den sündigen Abfall in die Engelwelt selbst hineinträgt, schließt die islamische Theologie ihn für die aus Licht geschaffenen, sündlosen Engel kategorisch aus — und verlegt die Rebellion auf ein Wesen aus rauchlosem Feuer (siehe den folgenden Abschnitt).

Tradition Christentum/Judentum — Die Dämonen: der gefallene Mittler

Wo der Engel das nach oben offene Zwischenwesen ist, da ist der Dämon dessen nach unten gekehrtes Spiegelbild — der Mittler, der seine Vermittlung in Versuchung und Zerstörung verkehrt hat. Bemerkenswert ist die Wortgeschichte: Das griechische daimōn war ursprünglich gerade kein böses Wesen, sondern eine neutrale, oft sogar gütige göttliche Mittelmacht (siehe weiter unten den Abschnitt zu den Daimones). Erst die jüdisch-christliche Übersetzungs- und Deutungsarbeit verengte den schillernden „Mittelgeist" zum bösen Dämon — ein lehrreiches Beispiel dafür, wie eine Tradition die Ambivalenz der Zwischenwelt aufspaltet und das Dunkle in einer eigenen Klasse ausgliedert. Die vergleichende Notiz daemonen-exorzismus-vergleich verfolgt diese Linie über fünf Traditionen hinweg.

Die illustrative Urszene steht im Markusevangelium: die Heilung des Besessenen von Gerasa. Jesus trifft am See auf einen Mann, der „bei den Gräbern" haust — also am liminalen Ort schlechthin, in der Behausung der Toten —, den niemand mehr bändigen kann, der nachts in den Grüften und auf den Bergen schreit und sich mit Steinen schlägt. Auf die Frage nach seinem Namen antwortet der unreine Geist mit dem berühmten Wort: „Legion heiße ich; denn wir sind viele." Die Dämonen erbitten, in eine Herde Schweine fahren zu dürfen, und stürzen mit ihr den Abhang hinab in den See. An dieser Erzählung ist alles charakteristisch für das gefallene Zwischenwesen: der Schwellenort (die Gräber), die Vielheit und Namenlosigkeit (anders als die einzeln benannten Engel), die Selbstzerstörung statt des Aufbaus. Der Dämon ist der Mittler, der den Menschen nicht mehr emporträgt, sondern an sich reißt und in den Abgrund zieht — die Vermittlung als Besessenheit. Psychologisch wurde diese Gestalt vielfach mit dem Schatten und mit der gebietenden Seele in Verbindung gebracht; metaphysisch gehört sie in die größere Frage nach dem Ursprung des Bösen (Das Böse im Vergleich).

Tradition Islam — Die Dschinn: das Wesen mit freiem Willen

Der Islam kennt mit den Dschinn (arabisch ǧinn, türkisch cin) ein Zwischenwesen von ganz eigener begrifflicher Schärfe — und gerade an ihm lässt sich die Logik der Zwischenstellung am genauesten studieren. Die Dschinn sind, wie die ausführliche Notiz zeigt, aus rauchlosem Feuer (mâridsch min nâr) geschaffene, verborgene Vernunftwesen, die in der Schöpfungsordnung exakt zwischen den Engeln (aus Licht) und den Menschen (aus Lehm) stehen. Ihr entscheidendes Merkmal: Anders als die gehorsamen Engel besitzen sie — wie die Menschen — einen freien Willen. Es gibt unter ihnen, so der Koran ausdrücklich, Gläubige und Ungläubige, Gute und Böse; sie können geleitet werden und in die Irre gehen, gerettet werden und verdammt. Damit sind die Dschinn das Zwischenwesen, das die ganze Ambivalenz der Kategorie nicht durch Aufspaltung in zwei Klassen (Engel/Dämon), sondern in einem einzigen Wesenstyp trägt.

Die theologisch wuchtigste Geschichte ist der Fall des Iblîs. Als Gott den Engeln befiehlt, sich vor dem neu erschaffenen Adam niederzuwerfen, gehorchen alle — außer Iblîs. Auf Gottes Frage antwortet er mit den berühmten Worten: „Ich bin besser als er. Mich hast du aus Feuer erschaffen, ihn aber aus Lehm." Und nun stellt der Koran eigens klar: Iblîs war kein Engel, sondern ein Dschinn — eben deshalb konnte er überhaupt ungehorsam sein. Seine Sünde ist nicht Schwäche, sondern Hochmut und ein falscher Analogieschluss: Er hält das Feurige für edler als das Irdene und maßt sich an, Gottes Befehl mit eigener Vernunft zu überstimmen. Hier zeigt sich die islamische Lösung des Ambivalenz-Problems in aller Klarheit: Die Rebellion wird nicht der Lichtwelt der Engel zugeschrieben, sondern dem Wesen, das von Natur aus die Freiheit zum Nein besitzt. Im volkstümlichen Islam Anatoliens wandert diese gelehrte Lehre dann in die Welt der „Drei-Buchstabigen", der unter Schwellen und an Brunnen lauernden Geister, denen man mit Schutzformeln und Amuletten begegnet — verwandt der anatolischen Peri und Div und dem Gulyabani der einsamen Wege.

Tradition Hinduismus — Devas und Asuras: die feindlichen Brüder

Indien gliedert die Zwischenwelt nicht in „gut gegen böse", sondern in zwei rivalisierende Geschlechter ein und der nämlichen kosmischen Familie. Die Devas (von der Wurzel div-, „leuchten", die „Glänzenden") sind die lichten Mächte der Ordnung — Indra, Agni, Varuna, Sûrya —, die Asuras ihre mächtigen, ehrgeizigen Gegenspieler, oft mit „Titanen" oder „Antigöttern" übersetzt. Entscheidend für das Verständnis der indischen Zwischenwelt ist, dass beide demselben Absoluten, dem einen Brahman, nachgeordnet und selbst dem Kreislauf von Werden und Vergehen unterworfen sind: Sie sind nicht Schöpfer, sondern erhabene, aber bedingte Mächte — und damit, im Rahmen des Vedānta, ihrerseits Zwischenwesen zwischen dem gestaltlosen Grund und der Menschenwelt.

Die schönste Illustration ihres Verhältnisses ist die Quirlung des Milchozeans (Samudra Manthana). Devas und Asuras sind hier, der Mythologie nach, Halbbrüder — Söhne desselben Urvaters Kashyapa von verschiedenen Müttern —, und um den Amrita, den Trank der Unsterblichkeit, aus dem Urmeer zu gewinnen, müssen sie sich verbünden. Sie nehmen den Berg Mandara als Quirlstab und die Schlange Vâsuki (einen Nâga) als Quirlseil, die Asuras fassen das Kopfende, die Devas das Schwanzende, und gemeinsam quirlen sie das Meer, bis aus ihm nacheinander die Schätze der Welt aufsteigen — und zuletzt der Unsterblichkeitstrank, um den sie sich dann sogleich wieder entzweien. In diesem einen Bild ist die ganze indische Auffassung der Zwischenwelt verdichtet: keine starre Front zwischen Licht und Finsternis, sondern ein bewegliches, verwandtschaftliches, von Kooperation und Konflikt zugleich bestimmtes Kräftespiel. Bezeichnend ist auch die religionsgeschichtliche Umkehrung an der iranisch-indischen Sprachgrenze: Während Indien die devas erhöhte und die asuras zu Dämonen abwertete, tat der Iran das genaue Gegenteil — er erhob die ahuras (Ahura Mazda) und verdammte die daēvas. Dieselben Wörter, entgegengesetzte Wertung — ein eindrückliches Zeugnis dafür, wie die Bewertung der Zwischenwesen kulturell umschlagen kann.

Tradition Keltisch — Das Feenvolk: weder gut genug noch böse genug

Kaum irgendwo wird die Zwischenstellung so wörtlich und so volkstümlich erzählt wie im keltischen Feenvolk (englisch the Fair Folk, irisch Aos Sí). Wie die Notiz ausführt, sind die Feen die schwer fassbaren Bewohner des „Anderlands", der parallelen Welt unter den Hügeln, in den Quellen und jenseits der Dämmerung. Die christianisierte Volksüberlieferung hat ihre Zwischenstellung in eine eigene, hochaufschlussreiche Ätiologie gefasst: Als die abtrünnigen Engel stürzten und Gott die Tore schloss, blieben die einen im Himmel (Engel) und fielen die anderen in die Hölle (Teufel) — diejenigen aber, die dazwischen in der Luft hingen, wurden zu Feen. Eine verwandte Fassung sagt: Sie waren „nicht gut genug für den Himmel und nicht böse genug für die Hölle". Reiner kann das Strukturprinzip des Zwischenwesens nicht ausgesprochen werden.

Diese prekäre Lage hat in der schottischen Tradition ein berühmtes, düsteres Motiv hervorgebracht: den Zehnten an die Hölle (teind to hell). Weil die Feen außerhalb von Himmel und Hölle als gleichsam geduldete „Pächter" leben, müssen sie — so die Überlieferung — alle sieben Jahre dem Teufel einen Tribut entrichten, ein lebendiges Opfer. Um nicht eines der ihren hergeben zu müssen, rauben sie Menschen. Genau hier setzt die Ballade von Tam Lin ein: Der junge Tam Lin ist von der Feenkönigin gefangen genommen und zum Zehnten an die Hölle bestimmt, der zu Mitternacht in der Halloween-Nacht fällig wird. Seine Geliebte Janet aber stellt sich an die Wegkreuzung, zieht ihn vom weißen Ross der Feenschar und hält ihn fest, während die Königin ihn vor ihren Augen in Schlange, Bär, Löwen und glühendes Eisen verwandelt — bis er, durchgehalten, als nackter Mensch in ihren Armen zurückgewonnen ist. Die ganze Logik der Zwischenwelt steckt in dieser Ballade: der liminale Ort (die Wegkreuzung) und die liminale Zeit (Mitternacht zu Samhain), der Menschenraub als Tribut einer selbst bedrängten Mittelmacht, die Verwandlungsprobe als Schwellenritual. Dieselbe Angst vor dem Raub durch die Mittelwelt kehrt im Motiv des Wechselbalgs (changeling) wieder — und strukturell sogar in modernen Erzählungen von Entführungen durch nichtmenschliche Wesen.

Tradition Germanisch — Álfar und Dísir: die abgestufte Geisterwelt des Nordens

Die germanisch-nordische Welt kennt keine scharfe Zweiteilung in Engel und Dämonen, sondern ein fein abgestuftes Kontinuum geistiger Wesen, das vom Göttlichen bis zum Toten reicht und in dem die Zwischenwesen mehrere Ränge zugleich besetzen. Snorri Sturluson unterscheidet in seiner Edda die Ljósálfar (Lichtelfen), „schöner als die Sonne", die in Álfheim wohnen, von den Dökkálfar (Dunkelelfen), „schwärzer als Pech", die unter der Erde hausen — eine nordische Spiegelung der lichten und dunklen Mittelmächte. Daneben stehen die Dísir, weibliche Schutzgeister, die — so die Forschung — „den Raum zwischen Gottheiten, Ahnengeistern und schützenden Hütern" einnehmen: bald göttinnenhaft, bald als Geister der weiblichen Ahnen, bald als Schicksalsfrauen, die über Geburt und Tod eines Geschlechts walten. Und die Landvættir, die Geister des Landes, sind „weder göttergleiche Gestalten, die Verehrung fordern, noch lauernde Ungeheuer, sondern etwas dazwischen — Geister des Ortes, in die Landschaft verwoben wie Wurzeln unter dem Gras".

Wie ernst man diese Mittelmächte nahm, zeigt eine berühmte Bestimmung der isländischen Landnámabók: Wer sich der Insel mit dem Schiff nähere, solle die drachenförmigen Galionsfiguren abnehmen, damit die aufgerissenen Mäuler nicht die Landvættir erschreckten und vertrieben; denn vergrätzte man die Geister des Landes, so versage das Land seine Fruchtbarkeit. Hier ist das Zwischenwesen kein Bote eines fernen Gottes mehr, sondern der unmittelbare Vertragspartner der menschlichen Gemeinschaft: Man schuldet ihm Rücksicht, Gabe und Respekt, und das Gedeihen von Feld, Herde und Fischfang hängt von diesem ungeschriebenen Bündnis ab. Damit tritt eine Funktion in den Vordergrund, die in den hochmonotheistischen Engelwelten zurücktritt — die Zwischenwesen als die eigentlichen Mächte des konkreten Ortes, mit denen der Mensch in einem beständigen Geben und Nehmen lebt.

Tradition Griechische Antike — Daimones und Nymphen: das neutrale „Dazwischen"

Die griechische Antike hat den Begriff geprägt, der dieser ganzen Kategorie ihren klarsten theoretischen Ausdruck gibt. Im Symposion lässt Platon die Priesterin Diotima den Eros als „großen Daimon" bestimmen und fügt die schlüsselhafte Definition hinzu: „Alles Daimonische ist zwischen (metaxy) Gott und Sterblichem." Der Daimon ist hier ausdrücklich kein Gott (denn die Götter verkehren nicht unmittelbar mit den Menschen) und kein Mensch, sondern das vermittelnde Wesen, das den Verkehr zwischen beiden Welten überhaupt erst ermöglicht — er trägt, wie eingangs zitiert, die Gebete nach oben und die Weisungen nach unten. Bei Hesiod sind die Daimones die zu Schutzgeistern erhöhten Seelen des Goldenen Geschlechts; bei Sokrates ist sein daimónion die warnende innere Stimme. Wie die Notiz zeigt, bezeichnet daimōn zunächst eine weltanschaulich neutrale göttliche Mittelmacht — weshalb es eben kein Widerspruch war, von einem eudaímon, einem „mit gutem Daimon Begabten", als einem Glücklichen zu sprechen.

Diese neutrale Mittelstellung verkörpern die Nymphen am anschaulichsten — die weiblichen Naturgeister der Quellen, Bäume, Berge und Haine. Die Geschichte des Hylas, des schönen Gefährten des Herakles, führt ihre zwiespältige Macht vor: Als die Argonauten an der mysischen Küste landen, geht Hylas mit einem Krug zu einer Quelle, um Wasser zu schöpfen. Die Nymphen der Quelle aber, von seiner Schönheit ergriffen, ziehen ihn zu sich in die Tiefe hinab — er verschwindet spurlos, und nur sein ferner, dreimal verhallender Ruf dringt noch zu den Suchenden. Hier ist nichts von Sünde oder Bosheit; die Nymphe handelt aus Liebe, und doch bedeutet ihre Liebe für den Menschen den Tod, oder genauer: das Entrücktwerden in die andere Welt. Das ist das Wesen des neutralen Zwischenwesens — es ist nicht böse, aber es gehört einer anderen Ordnung an, und die bloße Berührung mit ihm ist für den Sterblichen gefährlich. (Erst die spätere jüdisch-christliche Deutung machte aus dem schillernden daimōn den eindeutig bösen Dämon — siehe oben.)

Tradition Westliche Esoterik — Die Elementargeister: die Wesen ohne Seele

Aus der Renaissance-Naturphilosophie stammt eine besonders systematische Fassung des Zwischenwesens: die Elementargeister des Paracelsus. In seinem posthum (1566) gedruckten Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris ordnet Paracelsus den vier Elementen je eine Geisterart zu: die Undinen dem Wasser, die Sylphen der Luft, die Gnomen (Pygmäen) der Erde, die Salamander dem Feuer. Wie die Notiz darlegt, bestimmt Paracelsus diese Wesen ausdrücklich als etwas „zwischen Geschöpfen und Geistern" — sie haben, anders als die reinen Engel, leibhafte Körper, essen, schlafen und tragen Kleider wie die Menschen, sind aber meist unsichtbar und bewegen sich mühelos durch ihr Element.

Das theologisch faszinierendste Detail ist die Frage der Seele. Der Mensch besteht für Paracelsus aus drei Teilen — einem elementaren Leib, einem siderischen Geist und einer unsterblichen, göttlichen Seele. Eben diese letzte fehlt den Elementargeistern: Sie sind, anders als der Mensch, ohne unsterbliche Seele und müssten daher mit dem Tod gänzlich vergehen. Doch — und hier liegt die rührende Pointe — dieser Mangel ist nicht endgültig: Durch die Ehe mit einem Menschen können ein Elementargeist und seine Nachkommen eine Seele gewinnen. Diese Lehre hat eine ganze literarische Tradition genährt, am berühmtesten in Friedrich de la Motte Fouqués Erzählung Undine (1811), in der die Wasserfrau Undine durch die Liebe und Ehe mit dem Ritter Huldbrand eine Seele erlangt — und an seiner Untreue zerbricht. Das Zwischenwesen erscheint hier in einer ganz neuen Tönung: nicht als Versucher und nicht als Bote, sondern als ein dem Menschen nahes, sehnsüchtiges Wesen, das gerade das ersehnt, was den Menschen ausmacht — die Unsterblichkeit der Seele. Die Grenze zwischen den Welten wird hier nicht durch Bann, sondern durch Liebe überschritten.

Tradition Judentum — Die Schedim: die domestizierte Zwischenwelt

Das Judentum verhält sich zur Zwischenwelt mit einer charakteristischen, vom strengen Monotheismus diktierten Zurückhaltung — und gerade darin liegt sein eigener Beitrag zum Vergleich. Die Schedim (hebräisch šēdîm, Singular šēd) sind, wie Schedim in der Notiz gezeigt wird, die dämonischen Wesen der hebräischen Bibel und vor allem des Talmud — ursprünglich wohl von den mesopotamischen Schutzgenien (šēdu) hergeleitet, in der Bibel dann zu den „Nicht-Göttern" abgewertet, denen die Abtrünnigen opfern. Im rabbinischen Schrifttum aber entfaltet sich eine erstaunlich detaillierte Dämonologie: Die Schedim, so der Talmud, stehen in dreierlei zwischen den Engeln und den Menschen — in dreierlei gleichen sie den Engeln (sie haben Flügel, fliegen von einem Weltende zum andern, kennen die Zukunft) und in dreierlei den Menschen (sie essen und trinken, sie pflanzen sich fort, sie sterben). Eine vollkommenere Definition des Zwischenwesens als „teils oben, teils unten" lässt sich kaum denken.

Wie der jüdische Umgang mit dieser Zwischenwelt aussieht, zeigt exemplarisch die Gestalt des Aschmedai (Asmodäus), des „Königs der Schedim". Eine berühmte talmudische Legende erzählt, wie König Salomo den Aschmedai listig fängt und bindet, um mit seiner Hilfe den Tempel zu errichten — denn man darf beim Tempelbau kein Eisen verwenden, und nur der Dämonenkönig kennt den Schamir, jenen wunderbaren Wurm, der Steine lautlos spaltet. Salomo überlistet ihn mit Wein, fesselt ihn mit einer Kette, in die der Gottesname eingraviert ist, und zwingt ihn in seinen Dienst — bis Aschmedai am Ende die Gelegenheit findet, den König selbst für eine Zeit vom Thron zu stoßen. Diese Erzählung führt das jüdische Verhältnis zur Zwischenwelt vor: Der Dämon ist nicht zu vernichten, aber zu bändigen, zu binden, in Dienst zu zwingen — durch das Wissen um den heiligen Namen. Und zugleich bleibt er gefährlich und nie ganz beherrschbar. Verwandt sind im jüdischen Spektrum die nächtliche Lilith, der besessen machende Dybbuk und, als künstlich geschaffenes Mittelwesen eigener Art, der Golem — Lehmwesen zwischen toter Materie und beseeltem Leben.

Tradition Moderne Theosophie — Die aufgestiegenen Meister: der vermenschlichte Mittler

Einen aufschlussreichen modernen Nachklang findet die uralte Kategorie in den aufgestiegenen Meistern der Theosophie und ihrer Nachfolgeströmungen. Wie die Notiz darstellt, handelt es sich um Wesen, die — anders als alle bisher genannten — nicht eigens als Zwischenwesen geschaffen wurden, sondern vollendete Menschen sind, die den Kreislauf der Wiedergeburten durchlaufen, „Meisterschaft" erlangt und einen höheren Daseinszustand „aufgestiegen" sind, von dem aus sie nun die Menschheit geistig leiten und führen. Sie bilden, in der Sprache der Theosophie, die „Große Weiße Bruderschaft" oder „Hierarchie" — schon das Wort verrät die Verwandtschaft mit der abgestuften Engelwelt des Pseudo-Dionysius.

Die illustrative Schlüsselszene ist die Gründungslegende der modernen theosophischen Bewegung selbst: Helena Blavatsky berichtete, sie stehe in Verbindung mit den „Mahatmas" — den Meistern Morya und Koot Hoomi —, die in Tibet und im Himalaya verborgen lebten und ihr ihre Weisheit teils durch innere Eingebung, teils durch geheimnisvoll „präzipitierte" Briefe übermittelten. Ob man diese „Mahatma-Briefe" für echte Mitteilungen einer verborgenen Bruderschaft oder für eine Konstruktion hält, ist für den vergleichenden Blick zweitrangig; entscheidend ist die Struktur, die sich hier zeigt: Auch die säkular-moderne, antidogmatische Esoterik des 19. Jahrhunderts konnte offenbar nicht ohne vermittelnde Wesen zwischen dem Höchsten und dem Menschen auskommen — sie verlegte sie nur aus dem Himmel in den Himalaya und machte aus dem geschaffenen Engel den aufgestiegenen Menschen. Damit schließt sich ein Bogen: Was bei Paracelsus das Zwischenwesen war, das eine Seele gewinnen will, ist hier der Mensch, der durch vollendete geistige Entwicklung selbst zum Zwischenwesen geworden ist.

Das wiederkehrende Strukturmuster

Stellt man diese zehn Klassen nebeneinander, so treten drei Strukturmerkmale hervor, die mit so großer Beständigkeit wiederkehren, dass man sie als die Tiefengrammatik der Zwischenwelt bezeichnen darf.

Erstens: die Hierarchie zwischen Göttlichem und Menschlichem

Das durchgängigste Merkmal ist die Stufung. Zwischenwesen treten fast nie als ungeordnete Menge auf, sondern als ein abgestuftes Reich zwischen dem Höchsten und dem Menschen — und die Forschung beobachtet hier ein bemerkenswertes Paradox: Je transzendenter das Absolute gedacht wird, desto reicher gegliedert wird die vermittelnde Zwischenwelt. Der Pseudo-Dionysius ordnet die christlichen Engel in neun Chöre und drei Triaden, durch die das göttliche Licht stufenweise von oben nach unten strömt; die jüdische Merkaba-Mystik kennt eigene Engelklassen (Chajot, Ofanim, Serafim) und der Maimonides zehn Rangstufen; der Zoroastrismus staffelt die Amesha Spentas, die Yazatas und die Fravashis; der Hinduismus stuft die Devas über die Halbgötter, Gandharvas, Yakshas und Nâgas bis zu den niederen Geistern und den Pretas hinab; die nordische Welt reiht Lichtelfen, Dunkelelfen, Dísir und Landvættir. Diese Hierarchie ist nicht bloß ein Rangsystem, sondern, wie der Pseudo-Dionysius betont, ein Kanal: Sie überbrückt den Abstand nicht in einem Sprung, sondern in einer Treppe von Vermittlungen, in der jede Stufe von der höheren empfängt und an die niedere weitergibt. Die Zwischenwelt ist die Architektur, die den Abgrund zwischen Himmel und Erde gangbar macht.

Zweitens: die Ambivalenz

Das psychologisch und theologisch tiefste Merkmal ist die Doppelnatur. Weil dasselbe Wesen, das nahe genug steht, um zu leiten, auch nahe genug steht, um zu verführen, ist die Zwischenwelt unaufhebbar zweideutig — und die Traditionen gehen mit dieser Zweideutigkeit auf verschiedene, aber vergleichbare Weisen um. Manche spalten die Ambivalenz in zwei Klassen auf: Das Christentum scheidet die guten Engel von den gefallenen Dämonen, der Zoroastrismus die lichten Yazatas von den dunklen Daēvas, die nordische Welt die Ljósálfar von den Dökkálfar. Andere tragen die Ambivalenz in einem einzigen Wesenstyp: Der islamische Dschinn kann gläubig oder ungläubig sein, der griechische Daimōn ist ursprünglich weltanschaulich neutral, das keltische Feenvolk ist „weder gut genug noch böse genug", die griechische Nymphe tötet aus Liebe. Wieder andere fassen die Ambivalenz als Rivalität innerhalb einer Familie (die indischen Deva-Brüder und Asura-Brüder). Doch wie immer eine Kultur sie ordnet — die Grundtatsache bleibt: Das Zwischenwesen ist gefährlich, gerade weil es nahe ist. Es ist die Berührungsfläche zwischen den Welten, und jede Berührungsfläche schützt und verwundet zugleich. Eben diese Ambivalenz hat die Tiefenpsychologie veranlasst, in den Zwischenwesen Bilder der Seele selbst zu erkennen — Boten des Unbewussten, Gestalten des Schattens und des Selbst —, und Henry Corbin hat sie, im Anschluss an Suhrawardî und Ibn ʿArabî, in einer realen imaginalen Zwischenwelt (mundus imaginalis) zwischen reinem Geist und Materie verortet — strukturell verwandt dem Berzah, der islamischen Zwischenwelt der Seelen.

Drittens: Bann und Bündnis

Das praktischste Merkmal betrifft nicht die Wesen selbst, sondern den Umgang des Menschen mit ihnen. Weil die Zwischenwesen mächtig, ambivalent und nahe sind, hat jede Kultur Techniken entwickelt, mit ihnen umzugehen — und diese Techniken bewegen sich durchweg zwischen zwei Polen: Bann und Bündnis. Der Bann zwingt, bindet, vertreibt das gefährliche Wesen: der christliche Exorzismus, die islamische Ruqya gegen Dschinn-Besessenheit, der jüdische Dybbuk-Bann und die Fesselung des Aschmedai durch den Gottesnamen, das Schutzamulett gegen die anatolischen Geister, die abgenommene Galionsfigur, die die Landvættir nicht erschrecken soll. Das Bündnis dagegen sucht das Wesen zu gewinnen: das Opfer und die Gabe an die Geister des Landes, die Anrufung des Schutzengels und der Fravashi, der Pakt mit der hütenden Mittelmacht — und in seiner zartesten Form die Ehe, durch die der Elementargeist eine Seele erlangt und die Feenkönigin überlistet wird. Auffällig ist, dass fast überall ein Drittes den Ausschlag gibt: das Wort — der heilige Name, die rechte Formel, die Hymne, das Siegel. Wer den Namen kennt (wie der Besessene von Gerasa gezwungen wird, ihn zu nennen, oder wie Salomo den Namen in Aschmedais Kette graviert), hat Macht über das Wesen. Die Zwischenwelt ist eine Welt, in der Sprache wirkt — in der das rechte Wort Schutz, Bann oder Bündnis stiftet.

Über diesen drei Merkmalen aber steht eine letzte, übergreifende Beobachtung. Die einzige Bruchlinie, an der die Traditionen wirklich und unwiderruflich auseinandertreten, ist der ontologische Status der Zwischenwesen: Sind sie geschaffene Diener eines persönlichen Gottes (so im jüdisch-christlich-islamischen Strang), ambivalente Eigenmächte mit freiem Willen (so die Dschinn und das Feenvolk), personifizierte Eigenschaften des Göttlichen (so die Amesha Spentas) oder selbst anbetungswürdige, wenn auch nachgeordnete Mächte (so die Devas)? An dieser Frage entscheidet sich alles Weitere — und an ihr zeigt der Vergleich beides zugleich: eine erstaunliche Konvergenz in der bloßen Existenz der Zwischenwelt und eine ebenso klare Divergenz in ihrer metaphysischen Verfassung.

Fazit

Das Zwischenwesen ist vielleicht die universalste Figur der gesamten Religionsgeschichte — universaler noch als der Hochgott, denn wo immer ein Höchstes über dem Menschen aufragt, da füllt sich der Raum darunter mit Vermittlern. Stellt man die Traditionen nebeneinander, so zeigt sich jene doppelte Wahrheit, die festzuhalten der eigentliche Ertrag des Vergleichs ist. Auf der einen Seite eine tiefe Konvergenz: Überall gibt es Wesen, die weder Gott noch Mensch sind und die eben dadurch vermitteln, versuchen, schützen und an den Schwellen wohnen; überall sind sie abgestuft, ambivalent und nur durch Bann oder Bündnis zu handhaben; überall berührt sich in ihnen eine höhere Ordnung mit der menschlichen Welt. Der reine Engel an Marias Tür, der gefallene Dämon in den Gräbern von Gerasa, der hochmütige Iblîs aus rauchlosem Feuer, die quirlenden Deva- und Asura-Brüder, der zum Höllenzehnten bestimmte Tam Lin, die geehrten Landvættir der isländischen Küste, die liebende und tötende Quellnymphe des Hylas, die seelensehnsüchtige Undine, der gebundene Dämonenkönig Salomos und die im Himalaya verborgenen Meister — sie alle sprechen, bei aller Verschiedenheit, dieselbe Grammatik des Dazwischen.

Auf der anderen Seite eine ebenso klare Divergenz im metaphysischen Bau: vom gehorsamen Diener über die freie Eigenmacht und die personifizierte Eigenschaft bis zum eigenständigen Gott; von der lückenlosen Erleuchtungshierarchie bis zum verwandtschaftlichen Kräftespiel; von der Ambivalenz, die in zwei Klassen aufgespalten, bis zu jener, die in einem einzigen Wesen ausgehalten wird. Wer den stürzenden Luzifer neben den hochmütigen Iblîs hält, die seelenlose Undine neben die anbetungswürdige Devi, den gebannten Aschmedai neben den umworbenen Landvætt, der übt jene nebeneinanderstellende Schau ein, die nicht behauptet, alles sei dasselbe, sondern fragt, worin die Traditionen einander berühren und worin sie unwiderruflich verschieden bleiben — und gerade darin die Mittler zwischen Göttern und Menschen am genauesten zu Wort kommen lässt. Denn die Zwischenwelt ist, recht besehen, der Ort, an dem jede Kultur ihre tiefste Frage beantwortet: wie das Höchste und das Geringste einander überhaupt erreichen können.