Dimensionen des Bewusstseins

Entheogene und mystische Erfahrung: Religionsgeschichte und moderne Forschung

Heilige Pflanzen-/Substanztraditionen (Soma, das eleusinische Kykeon, Peyote, Ayahuasca, Psilocybin) und die moderne Forschung (Huxley, Pahnke, Johns Hopkins). Die Debatte um Dauerhaftigkeit/Authentizität (Zaehner) sowie Risiken und Rechtslage werden neutral behandelt.

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Entheogene und mystische Erfahrung: Religionsgeschichte und moderne Forschung

Entheogene (englisch: entheogens) ist die Bezeichnung für psychoaktive Pflanzen und Substanzen, die in religiösen, rituellen oder mystischen Kontexten zu dem Zweck verwendet werden, den Bewusstseinszustand zu verändern. Der Terminus wurde 1979 von einer Gruppe von Religionshistorikern und Ethnobotanikern (Carl Ruck, Gordon Wasson und Kollegen) vorgeschlagen; abgeleitet von den griechischen Wurzeln entheos (ἔνθεος, „in dem ein Gott ist", „von göttlicher Eingebung erfüllt") und genesthai („hervorbringen", „entstehen lassen") trägt er die Bedeutung „das im Inneren das Göttliche gebiert". Dieser Terminus wurde gewählt, um die mit Wörtern wie „Halluzinogen" oder „Psychedelikum" verbundenen medizinischen oder populär-kulturellen Konnotationen zu vermeiden und die historische Verwendung dieser Substanzen in heiligen Kontexten zu betonen. Diese Notiz behandelt das Thema ausschließlich in einem akademisch-religionswissenschaftlichen und klinischen Rahmen; sie enthält keinerlei Empfehlung, Ermutigung oder Hinleitung zum Gebrauch und benennt die rechtlich-gesundheitlichen Risiken auf neutrale Weise.

Heilige Pflanzen- und Substanztraditionen in der Religionsgeschichte

Im Verlauf der Menschheitsgeschichte gibt es in verschiedenen Kulturen einen umfangreichen historischen und anthropologischen Befund darüber, dass bewusstseinsverändernde Pflanzen und Substanzen zu religiös-rituellen Zwecken verwendet wurden. Dies ist ein wichtiges Forschungsfeld der vergleichenden Religionswissenschaft (Religionswissenschaft).

Soma und Haoma: Eines der ältesten Beispiele ist das in den indo-arischen heiligen Texten, dem Rigveda, gepriesene Soma. Soma wird in den vedischen Hymnen sowohl als Pflanze/Getränk als auch als ein vergöttlichtes Wesen gepriesen; die Hymnen schildern die Begeisterung, das Gefühl der Unsterblichkeit und die göttliche Verzückung, die das Trinken von Soma mit sich bringt. Die botanische Identität des Soma ist heute umstritten (es gibt verschiedene Hypothesen, ob es ein Pilz, Ephedra oder eine andere Pflanze sei). Im iranischen Zweig derselben Tradition ist das Haoma im Zoroastrismus ein ähnliches heiliges Getränk.

Die eleusinischen Mysterien und das Kykeon: Im antiken Griechenland tranken die Teilnehmer der jahrhundertelang in Eleusis nahe Athen begangenen Mysterienreligion (Eleusinian Mysteries) auf dem Höhepunkt des Rituals ein Getränk namens Kykeon. Gordon Wasson, Albert Hofmann und Carl Ruck haben in ihrer umstrittenen Arbeit The Road to Eleusis (1978) vorgebracht, dass das Kykeon psychoaktive Verbindungen enthalten haben könnte, die aus dem auf Gerste wachsenden Mutterkornpilz (ergot) stammen. Obwohl diese Hypothese akademisch umstritten ist, hat sie eine wichtige Debatte über die Rolle außergewöhnlicher Bewusstseinszustände in den antiken Mysterienreligionen ausgelöst.

Peyote und die Native American Church: Unter den indigenen Völkern Nord- und Mittelamerikas wird der Peyote-Kaktus, der Meskalin enthält, seit Jahrhunderten zu rituellen Zwecken verwendet. In der modernen Epoche hat sich diese Tradition unter dem Dach der Native American Church (Indianische Kirche) institutionalisiert und einen begrenzten rechtlichen Schutz erlangt; hier gilt der Peyote als ein Sakrament (heiliges liturgisches Element). Dieses Beispiel ist insofern wichtig, als es zeigt, wie der Entheogen-Gebrauch innerhalb eines institutionellen religiösen Rahmens strukturiert wird.

Ayahuasca: Unter den indigenen Völkern und schamanischen Traditionen des Amazonasbeckens wird eine Pflanzenmischung namens Ayahuasca (meist eine Kombination der Liane Banisteriopsis caapi mit DMT-haltigen Pflanzen) in Heil- und Visionsritualen verwendet. In der modernen Epoche haben synkretistische religiöse Bewegungen wie Santo Daime und União do Vegetal die Ayahuasca als ein Sakrament übernommen. Die Ayahuasca-Tradition ist auch im Hinblick auf die Studien zum Schamanismus ein zentrales Thema.

Psilocybin-Pilze: Pilze, die Psilocybin enthalten, sind besonders in Mittelamerika (unter dem Volk der Mazateken in Mexiko) als „heilige Pilze" (teonanácatl, „Fleisch der Götter") zu rituellen Zwecken verwendet worden. Dass Gordon Wasson in den 1950er Jahren seine Erlebnisse mit der mazatekischen Heilerin María Sabina veröffentlichte, führte dazu, dass diese Tradition im Westen bekannt wurde.

Weitere Beispiele: Diese Liste ließe sich noch erweitern. Das Haoma im Zoroastrismus, die Substanzen, von denen behauptet wird, sie seien in einigen Ritualen des alten Ägypten und Mesopotamiens verwendet worden, der in den sibirischen und zentralasiatischen schamanischen Traditionen verwendete Amanita muscaria (Fliegenpilz), der Wein des Dionysoskultes im antiken Griechenland und die Iboga-Wurzel der Bwiti-Tradition in Afrika sind weitere Teile dieses umfangreichen historischen Befunds. Es gibt auch ethnografische Aufzeichnungen darüber, dass im türkisch-mongolischen Schamanismus unter den Methoden, in Trance zu geraten, einige Pflanzen vorkamen; doch wird angemerkt, dass die Trance in der türkischen schamanischen Tradition eher durch Trommel, Tanz und rhythmische Wiederholung herbeigeführt wurde und die substanzbasierten Methoden zweitrangig blieben.

Die vergleichende Untersuchung dieser Beispiele zeigt, dass „die als heilig geltenden Bewusstseinszustände und die Substanzen, von denen man glaubt, dass sie diese auslösen, im Verlauf der Menschheitsgeschichte erstaunlich weit verbreitet sind". Doch bedeutet diese Verbreitung keine Überlegenheit irgendeiner Tradition über eine andere und keine Billigung des Gebrauchs dieser Substanzen; sie ist nur die Feststellung eines historisch-anthropologischen Faktums. Überdies geschieht in den meisten dieser Traditionen der Gebrauch der Substanz innerhalb eines strengen rituellen Rahmens, mit Vorbereitung, Diät und in Begleitung eines erfahrenen Führers (Schamane, Seher, Heiler); das heißt, die Substanz wirkt niemals „für sich allein", sondern innerhalb eines ganzheitlichen heiligen Kontexts. Diese Kontextgebundenheit ist ein kritisches Merkmal, das den traditionellen Entheogen-Gebrauch vom modernen, kontextlosen und individuellen Gebrauch unterscheidet.

Der schamanische Kontext und der ganzheitliche Rahmen

Um den traditionellen Gebrauch der Entheogene zu verstehen, ist es erhellend, sie im Rahmen des Schamanismus zu betrachten. In vielen indigenen Traditionen ist die bewusstseinsverändernde Substanz ein Mittel der Reise des Schamanen in die „anderen Welten" (Geistreise), der Diagnose und Behandlung von Krankheiten, der Vermittlung zwischen der Gemeinschaft und der Welt der Ahnen/Geister. Hier ist die Erfahrung kein individueller „Genuss" oder eine „Selbstentdeckung", sondern ein Dienst, der sich auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft (Heilung, Segen, Führung) richtet. Der Schamane durchläuft eine jahrelange Ausbildung, um diese Substanzen zu gebrauchen; er lernt, die Erfahrung zu steuern, „schlechte" Reisen zu verwandeln und das Geschaute für die Gemeinschaft zu deuten.

Dieser ganzheitliche Rahmen ist die traditionelle Entsprechung der modernen Begriffe „set und setting" (geistige Vorbereitung sowie physisch-soziale Umgebung) der entheogenen Erfahrung: Die Qualität und das Ergebnis der Erfahrung hängen nicht nur von der Chemie der Substanz ab, sondern auch von der Absicht des Menschen, seiner Erwartung und dem rituell-sozialen Kontext, in dem er sich befindet. Diese Einsicht zeigt, sowohl im traditionellen als auch im modernen Kontext, dass die entheogene Erfahrung keine „reine" chemische Wirkung ist, sondern stets ein gedeutetes und kontextualisiertes Phänomen. Dieser Punkt ist auch für die spätere Debatte um die mystische Erfahrung und das Authentizitätsproblem bestimmend.

Moderne Forschung: Huxley, Pahnke und Johns Hopkins

Im zwanzigsten Jahrhundert ist das Verhältnis zwischen den Entheogenen und der mystischen Erfahrung auch zum Gegenstand der wissenschaftlichen und philosophischen Forschung geworden.

Aldous Huxley und die „Pforten der Wahrnehmung": Der englische Schriftsteller Aldous Huxley (1894–1963) hat mit seinem Essay The Doors of Perception (Die Pforten der Wahrnehmung, 1954), in dem er 1953 sein Meskalin-Erlebnis niederschrieb, die moderne Epoche dieser Debatte eingeleitet. Huxley schildert sein Erlebnis mit einer von William Blake entlehnten Metapher: Gehirn und Nervensystem wirken wie ein „reduzierendes Ventil", das das Bewusstsein begrenzt; Substanzen wie Meskalin lockern dieses Ventil und lassen den „Großen Geist" (Mind at Large) in die Wahrnehmung einströmen. Huxley hat sein Erlebnis mit mystischen und religiösen Begriffen gedeutet (besonders mit aus dem Vedānta und dem Mahayana-Buddhismus entlehnten Termini). Dieses Buch Huxleys ist überaus einflussreich gewesen, hat aber zugleich auch zu ernster Kritik geführt (siehe unten).

Huxleys Ansatz hängt mit dem „Perennialismus" zusammen, den er zuvor in seinem Werk The Perennial Philosophy (Die ewige Philosophie, 1945) vertreten hatte (der Ansicht, dass im Kern aller großen Traditionen eine gemeinsame mystische Wahrheit liegt). Huxley neigte dazu, die entheogene Erfahrung als ein Fenster zu diesem gemeinsamen mystischen Kern zu sehen. Doch ist eben diese perennialistische Voraussetzung — dass die Erfahrungen im Kern dieselben seien — einer der am meisten umstrittenen Punkte; die Kritiker bringen vor, dass die Erfahrungen verschiedener Traditionen nicht von der Deutung und vom Kontext zu trennen sind und dass daher die Voraussetzung des „gleichen Kerns" problematisch ist. Diese Debatte liegt im Herzen der grundlegenden Unterscheidung zwischen den unter der Rubrik Arten der mystischen Erfahrung behandelten „perennialistischen" (gemeinsamer Kern) und „konstruktivistischen" (die Erfahrung ist kulturell konstruiert) Ansätzen und berührt die Entheogen-Debatte unmittelbar: Wenn die Erfahrungen kulturell-deutend konstruiert werden, schwächt sich die Behauptung, eine Substanz biete eine „universale mystische Wahrheit", ab.

Pahnke und das Karfreitags-Experiment (Good Friday): 1962 hat Walter Pahnke, damals Doktorand in Harvard, unter der Aufsicht seines Betreuers Timothy Leary versucht, das Verhältnis von Entheogen und mystischer Erfahrung in einem kontrollierten Experiment zu prüfen. In dieser als „Good Friday Experiment" (Karfreitags-Experiment) bekannten Studie wurde Theologiestudenten während eines Karfreitagsgottesdienstes in einem Doppelblind-Versuchsaufbau (double-blind) entweder Psilocybin oder eine wirkstofflose Vergleichssubstanz gegeben. Die Ergebnisse zeigten, dass die Gruppe, die Psilocybin erhielt, im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich mehr Erlebnisse mystischen Typs berichtete. Dieses Experiment hat eine Debatte darüber ausgelöst, dass zwischen „substanzinduzierten" Erfahrungen und spontan auftretenden mystischen Erfahrungen phänomenologische Ähnlichkeiten bestehen. Jahre später hat Rick Doblin eine langfristige Nachuntersuchung und eine methodologische Kritik des Experiments veröffentlicht; während er einige positive langfristige Wirkungen des Experiments bestätigte, machte er auch auf seine methodischen Grenzen aufmerksam (etwa darauf, dass die von einigen Teilnehmern erlebten negativen/belastenden Reaktionen nicht hinreichend berichtet worden waren).

Johns Hopkins und die Griffiths-Studien: Nach einer jahrzehntelangen Forschungspause hat in den 2000er Jahren das Team der Johns-Hopkins-Universität unter der Führung von Roland Griffiths (1946–2023) sorgfältige, kontrollierte Studien über Psilocybin und mystische Erfahrung durchgeführt. Die 2006 veröffentlichte, einen Wendepunkt markierende Studie — „Psilocybin Can Occasion Mystical-Type Experiences Having Substantial and Sustained Personal Meaning and Spiritual Significance" — legte dar, dass, wenn geistlich interessierten Erwachsenen unter kontrollierten Bedingungen Psilocybin gegeben wurde, ein erheblicher Teil der Teilnehmer Erlebnisse berichtete, die die Kriterien einer „vollständigen mystischen Erfahrung" erfüllten. In der Studie wurden Instrumente wie Hoods Mystik-Skala (Mysticism Scale) verwendet. In den Nachuntersuchungen zählte ein erheblicher Teil der Teilnehmer dieses Erlebnis zu den geistlich bedeutsamsten Erfahrungen ihres Lebens. Diese Studien haben dazu beigetragen, dass der Begriff der „Erfahrung mystischen Typs" zu einem messbaren Forschungsgegenstand wurde. Gleichwohl muss sorgfältig betont werden, dass diese Studien unter kontrollierten klinischen Bedingungen, mit ausgewählten und vorbereiteten Teilnehmern durchgeführt wurden und dass ihre Ergebnisse keine Rechtfertigung für einen unkontrollierten Gebrauch darstellen.

Der vom Griffiths-Team verwendete „Fragebogen zur mystischen Erfahrung" (Mystical Experience Questionnaire) gründet weitgehend auf den Kriterien, die der Religionspsychologe Walter Stace für die mystische Erfahrung vorgeschlagen hat: das Gefühl der Einheit (nach innen und nach außen gewandt), die Überschreitung von Zeit und Raum, das Gefühl der Heiligkeit, eine tiefe positive Gemütsstimmung, die Paradoxalität und die Unaussprechlichkeit. Es ist bemerkenswert, dass sich diese Kriterien mit den klassischen mystischen Merkmalen decken, die William James in Die Vielfalt religiöser Erfahrung beschrieben hat (Unaussprechlichkeit, noetische Qualität, Flüchtigkeit, Passivität). So hat die moderne Psilocybin-Forschung den begrifflichen Rahmen der ein Jahrhundert zuvor entstandenen Religionspsychologie in ein messbares Forschungsinstrument verwandelt. Der Psychologe William A. Richards hat in seinem Werk Sacred Knowledge die Phänomenologie dieser Erfahrungen ausführlich dokumentiert. Im Bereich der klinischen Forschung wird ferner untersucht, ob diese Substanzen unter kontrollierten Bedingungen ein therapeutisches Potenzial bei Zuständen wie Depression, Angst (besonders existenzieller Angst infolge einer tödlichen Krankheit) und Sucht tragen; doch ist dies ein eigenes klinisches Forschungsfeld und liegt außerhalb des Rahmens dieser Notiz. Hier ist zu betonen, dass diese Forschungen in keiner Weise eine Empfehlung oder Rechtfertigung für einen unkontrollierten, individuellen Gebrauch darstellen.

Neurowissenschaft und die „Filter"-Hypothese

Die Entsprechung der entheogenen Erfahrung im Gehirn ist ein Forschungsgegenstand der zeitgenössischen Neurowissenschaft. Es ist bekannt, dass Psilocybin, LSD und ähnliche Substanzen über die Serotonin-Rezeptoren (besonders 5-HT2A) im Gehirn wirken. Ein interessanter Befund ist, dass diese Substanzen die Aktivität eines neuronalen Netzwerks namens „Ruhezustandsnetzwerk" (default mode network, DMN), das mit dem Selbstgefühl und dem selbstreferenziellen Denken in Verbindung gebracht wird, vorübergehend verringern können. Einige Forscher haben eine Verbindung zwischen der Lockerung dieses „Selbst-Netzwerks" und den von den Menschen berichteten Erfahrungen der „Auflösung der Selbst-Grenzen" und der „Einheit" hergestellt.

Dieser Befund hat die von Huxley in Anlehnung an Bergson und William Blake vorgebrachte „Filter"- oder „reduzierendes Ventil"-Hypothese — den Gedanken, dass das Gehirn das Bewusstsein begrenzt und einige Substanzen diese Begrenzung lockern — in zeitgenössischer Sprache erneut zur Sprache gebracht. Doch ist hier eine große philosophische Vorsicht geboten: Die neurologischen Korrelate einer Erfahrung zu bestimmen (mit welchen Hirnprozessen sie verbunden ist), ergibt keinen Schluss über die metaphysische Bedeutung oder „Echtheit" dieser Erfahrung. Der Befund der „Lockerung des Selbst-Netzwerks" kann sowohl reduktionistisch als „bloße Hirnchemie" als auch expansiv als „Öffnung des Gehirns zu einer wirklichen transzendenten Dimension" gedeutet werden; zwischen diesen Deutungen zu wählen, fällt nicht in den Bereich der Neurowissenschaft, sondern in den der Philosophie und liegt innerhalb des ungelösten „Bewusstsein-Gehirn"-Problems (des Leib-Seele-Problems). Eine gesunde Skepsis begegnet beiden extremen Deutungen mit einer kritischen Distanz.

Vergleichende Mystik und die Typologie der Authentizität

Die Frage, ob entheogene Erfahrungen als „mystisch" gelten können oder nicht, ist unmittelbar mit den Typologie-Debatten der vergleichenden Mystik verbunden. Walter Stace teilt die mystische Erfahrung in „nach innen gewandte" (introvertive — das reine Einheitsbewusstsein, in dem der sinnliche Inhalt gänzlich überschritten ist) und „nach außen gewandte" (extrovertive — die Einheit, in der die Vielheit der Welt als das „Eine" gesehen wird). In entheogenen Erfahrungen sind beide Typen berichtet worden. Doch bringt hier der Einwand R. C. Zaehners eine kritische Unterscheidung: Zaehner unterscheidet zwischen der „monistischen" Einheit (der Identifikation mit dem unpersönlichen Absoluten), der „Naturmystik" (der Einheit mit der Natur) und der „theistischen" Mystik (der auf Liebe beruhenden Einheit mit einem persönlichen Gott) und vertritt, dass die Substanzen — ihm zufolge — nur die ersten beiden auslösen können, die theistische Einheit aber nicht zu bewirken vermögen.

Diese typologische Debatte klärt sich noch mehr auf, wenn man sie mit den letzten Zielen der Traditionen vergleicht. Während theistische Ziele wie die christliche Theosis und Kenōsis, das jüdische Devekut auf der Grundlage von Liebe und sittlicher Verwandlung mit einem persönlichen Gott gegründet sind, sind die Henosis (neuplatonische Einung) und die buddhistische śūnyatā (Leerheit) eher unpersönliche/nonduale Rahmen. Der Begriff Kosmisches Bewusstsein von R. M. Bucke und das Thema des Ego-Todes stehen den Zuständen der Einheit und der Selbst-Auflösung nahe, die häufig mit entheogenen Erfahrungen in Verbindung gebracht werden. Doch löst diese phänomenologische Nähe nicht die Frage, mit „dem letzten Ziel welcher Tradition" die Erfahrung „identisch" ist. Ist eine entheogene Einheitserfahrung dasselbe wie das Satori im Zen, wie die Theosis, oder wie nichts von beidem? Diese Frage lässt sich weniger durch eine bloße Ähnlichkeitsbeobachtung als durch die Untersuchung des Kontexts, der Deutung und der bleibenden Wirkung der Erfahrung im Leben des Menschen behandeln. Die neutrale Haltung der vergleichenden Mystik erfordert, diese Frage offen zu halten und keine Tradition zum Maßstab zu nehmen, um die anderen zu beurteilen.

Kritische und ethische Würdigung

Das Verhältnis zwischen den Entheogenen und der mystischen Erfahrung ist Gegenstand ernster philosophischer, religiöser und ethischer Debatten. Dieser Abschnitt behandelt das Thema, ohne es zu romantisieren und ohne dazu zu ermutigen, in einem kritischen Gleichgewicht.

Die Authentizitäts-Debatte — die Kritik Zaehners: Der wichtigste philosophische Einwand ist von dem Oxforder Religionswissenschaftler R. C. Zaehner (1913–1974) gekommen. Zaehner hat in seinem unmittelbar als Antwort auf Huxleys Pforten der Wahrnehmung geschriebenen Werk Mysticism Sacred and Profane (Mystik, sakral und profan, 1957) vertreten, dass substanzinduzierte Erfahrungen nicht mit der echten religiös-theistischen Mystik gleichgesetzt werden können. Zaehner unterscheidet die mystische Erfahrung typologisch: Ihm zufolge ist das von den Substanzen ausgelöste Erleben allenfalls eine „Naturmystik" (nature mysticism) oder ein monistisches Einheitsgefühl; die theistische Mystik hingegen umfasst eine auf Liebe beruhende, sittliche Einheit mit einem persönlichen Gott, und diese ist mit Substanzen nicht zu erlangen. Zaehner hat interessanterweise selbst ein Meskalin-Experiment durchlebt und dies im letzten Teil seines Buches geschildert; doch hat er sein Erlebnis weniger als ein „göttliches" denn als einen leichten und „profanen" Zustand der Heiterkeit bewertet. Die Grundthese Zaehners ist diese: Die oberflächliche phänomenologische Ähnlichkeit der Erfahrungen bedeutet nicht, dass sie dasselbe sind; bestimmend sind Kontext, Deutung, sittliche Verwandlung und Dauerhaftigkeit.

Das Problem der Dauerhaftigkeit und der Verwandlungskraft: Eine weitere kritische Frage ist, ob substanzinduzierte Erfahrungen eine bleibende Persönlichkeitsverwandlung bewirken oder nicht. Die traditionellen mystischen Wege (Sufismus, Hesychasmus, Yoga) sehen eine jahrelange Disziplin, sittliche Reinigung und eine allmähliche Reifung in Begleitung eines Führers vor. Die Kritiker hinterfragen, ob eine wenige Stunden dauernde substanzielle Erfahrung den Platz einer solchen allmählichen Verwandlung einnehmen kann oder nicht. In der Debatte um die Arten der mystischen Erfahrung hängt dies mit der Unterscheidung zwischen „vorübergehendem Zustand" (state) und „bleibender Stufe/Verwandlung" (stage/trait) zusammen: Ein Erlebnis zu durchleben und ein Mensch zu sein, den dieses Erlebnis verwandelt hat, sind verschiedene Dinge. Huston Smith hat in seinem Werk Cleansing the Doors of Perception auf diese Unterscheidung aufmerksam gemacht, indem er betonte, dass die Entheogene eine „religiöse Erfahrung" verschaffen, aber nicht den Platz eines „religiösen Lebens" einnehmen können.

Dieses Problem klärt sich mit den Grundbegriffen der vergleichenden Mystik noch mehr. Die letzten Ziele der Traditionen — die christliche Theosis (Vergöttlichung), die Kenōsis (Selbstentäußerung), das fenâ-bekâ im Sufismus, das jüdische Devekut (Anhangen an Gott) und die neuplatonische Henosis — sehen allesamt weniger eine vorübergehende „Gipfelerfahrung" als eine tiefgreifende Verwandlung des Selbst in einem langen Prozess, eine sittliche und geistliche Reifung vor. In diesen Traditionen ist die Unterscheidung zwischen „hâl" (vorübergehendem Aufleuchten) und „makâm" (durch Anstrengung erworbener bleibender Stufe) zentral; das letzte Ziel ist keine augenblickliche Verzückung, sondern eine verwandelte Existenz. Genau das ist die kritische Frage: Wenn eine substanzinduzierte Erfahrung höchstens einen „hâl" bieten kann, ist es eine offene Frage, wie und unter welchen Bedingungen dieser hâl sich in ein „makâm" — eine bleibende Verwandlung von Bewusstsein und Charakter — verwandeln kann. Dies bedeutet nicht, den Wert der Erfahrung zu leugnen, sondern sie in den richtigen Rahmen zu stellen.

Set, Setting und die Kontextgebundenheit des Risikos: Auch die moderne Forschung hat gezeigt, dass die Qualität der Erfahrung nicht nur von der Substanz, sondern stark vom „set" (dem geistigen Zustand des Menschen, seiner Absicht, seiner Erwartung) und vom „setting" (der physischen und sozialen Umgebung) abhängt. Dieselbe Substanz kann in einem unterstützenden und vorbereiteten Kontext zu einer tiefen und positiven Erfahrung führen, in einem unvorbereiteten, angstvollen oder ungeeigneten Kontext hingegen zu einer erschütternden, ja schädigenden „schlechten Reise". Dies erklärt, warum der von dem traditionellen schamanischen Kontext gebotene rituelle Rahmen so wichtig ist, und verweist auf einen der grundlegenden Faktoren, die die Risiken eines unkontrollierten Gebrauchs erhöhen.

Religiös-theologische Vorbehalte: Viele religiöse Traditionen begegnen dem Gedanken, heilige Zustände auf einem „Abkürzungs"-Weg zu erreichen, theologisch mit Zurückhaltung. Diesen Traditionen zufolge erfordert die geistliche Verwandlung eine Verbindung von Gnade, Anstrengung, sittlicher Reinigung und Disziplin; ein von einer Substanz ausgelöstes Erleben kann nicht den Platz dieses ganzheitlichen Prozesses einnehmen. Im Sufismus ist das Kriterium dafür, ob die geistlichen Zustände (ahwâl) echt sind oder nicht, meist die ihnen folgende sittliche Frucht und die bleibende Verwandlung; bestimmend ist nicht eine vorübergehende Verzückung, sondern die „schöne Sittlichkeit" (Adab). Auf ähnliche Weise betont auch in der christlichen mystischen Tradition die Lehre von der „Unterscheidung der Geister" (discernment of spirits), dass nicht jedes außergewöhnliche Erleben als göttlichen Ursprungs gelten kann und dass man auf seine Früchte schauen muss. Andererseits bringen die Verteidiger der entheogenen Traditionen vor, dass diese Substanzen, wenn sie im angemessenen rituellen Kontext und mit Vorbereitung verwendet werden, eine echte geistliche Funktion erfüllen können. Diese Debatte dauert in der vergleichenden Religionswissenschaft als eine offene Frage an, und diese Notiz erklärt keine der Seiten für „richtig".

Moderne religiöse Bewegungen und rechtliche Anerkennung: In der zeitgenössischen Welt haben einige religiöse Gemeinschaften, die Entheogene als Sakrament verwenden (Native American Church, Santo Daime, União do Vegetal), einen begrenzten rechtlichen Schutz erlangt; dies ist eine rechtliche Erscheinungsform der Spannung zwischen der Religionsfreiheit und dem öffentlichen Gesundheits-/Drogenschutz. Diese Anerkennung ist meist an sehr strenge Bedingungen geknüpft (Mitgliedschaft in einer bestimmten Gemeinschaft, ritueller Kontext, Aufsicht) und zeigt von Land zu Land große Unterschiede. Dieser Umstand zeigt, dass die Entheogen-Frage nicht nur eine philosophisch-religiöse, sondern zugleich eine rechtliche, medizinische und gesellschaftliche Frage ist; sie ist zu komplex, um auf eine einfache Dichotomie von „erlaubt/verboten" reduziert zu werden.

Risiko und Rechtslage (neutrale Mitteilung): Hier gibt es Punkte, die objektiv zu benennen sind. Der Gebrauch psychoaktiver Substanzen kann ernste psychologische und physiologische Risiken tragen: Intensive Angst-/Panikreaktionen („schlechte Reise"), die Möglichkeit, bei dafür prädisponierten Personen psychotische Prozesse auszulösen, gefährliche Wechselwirkungen bestimmter Substanzen mit einigen Medikamenten (etwa MAO-Hemmern) und bleibende perzeptive Störungen gehören dazu. Bei einigen Personen sind auch schwierige Prozesse berichtet worden, die im Anschluss an eine intensive Erfahrung nicht integriert werden können, den Menschen überwältigen und sogar zu einer einem spirituellen Notfall ähnlichen Krise führen; dies zeigt, dass niemals garantiert ist, dass die Erfahrung „positiv" sein wird. Überdies ist die große Mehrheit dieser Substanzen weltweit in den meisten Ländern rechtlich reguliert oder verboten; ihr Besitz und Gebrauch kann rechtlichen Sanktionen unterliegen. Der Zweck dieser Notiz ist allein ein akademisch-informierender; sie enthält in keiner Weise eine Empfehlung, Ermutigung oder Hinleitung zum Gebrauch; in diesen Fragen sind die rechtlichen Regelungen und die ärztliche/fachliche Auffassung maßgeblich. Eine verantwortungsvolle akademische Haltung erfordert, den Unterschied zwischen der Untersuchung der historischen Rolle dieser Substanzen in den „heiligen" Traditionen und der Empfehlung ihres gegenwärtigen Gebrauchs klar zu wahren.

Vergleichender und begrifflicher Rahmen

Die Debatte um Entheogen und mystische Erfahrung ist mit den weiteren Fragen der vergleichenden Mystik und des Bewusstseins verbunden. Die in entheogenen Erfahrungen häufig berichteten Themen — die Auflösung der Selbst-Grenzen, das Gefühl der Einheit, die Überschreitung von Zeit und Raum, die Begegnung mit dem „Heiligen" — tragen Parallelen zum Begriff des Ego-Todes und zur Phänomenologie spontaner mystischer Erfahrungen. Einige Forscher haben darauf aufmerksam gemacht, dass es auch strukturelle Ähnlichkeiten mit Nahtoderfahrungen (Nahtoderfahrung-ähnlichen Erlebnissen) gibt. Doch ergeben diese phänomenologischen Ähnlichkeiten, wie Zaehner warnte, keinen automatischen Schluss über den metaphysischen Wert oder die „Echtheit" der Erfahrungen.

Die von dem Bild William Blakes von der „Reinigung der Pforten der Wahrnehmung" inspirierte „Filter/reduzierendes Ventil"-Hypothese (Huxley, später einige Neurowissenschaftler) bringt den Gedanken vor, dass das Gehirn das Bewusstsein begrenzt und einige Substanzen diese Begrenzung lockern. So interessant diese Hypothese ist, liegt sie doch innerhalb der weiteren und ungelösten philosophischen Debatten über das Verhältnis von Bewusstsein und Gehirn (des „schweren Problems" des Bewusstseins) und ist keine erwiesene Theorie. Eine gesunde Skepsis erfordert, die Behauptungen in diesem Bereich — sowohl die reduktionistische Behauptung der „bloßen Hirnchemie" als auch die übertriebene Behauptung vom „Schlüssel, der die Pforte öffnet" — mit einer kritischen Distanz zu würdigen.

Im Hinblick auf die moderne vergleichende Spiritualitätsforschung bringen die Entheogene Grundfragen zur Sprache wie „Was ist das Wesen der mystischen Erfahrung?", „Was ist das Verhältnis zwischen Erfahrung und Verwandlung?" und „Wie bestimmen Kontext und Deutung die Bedeutung der Erfahrung?". Für jeden, der über die Typologien der mystischen Erfahrung nachdenkt, erinnert diese Debatte über die bloße Phänomenologie der Erfahrung (wie sie sich anfühlt) hinaus an die Bedeutung ihres sittlich-geistlichen Kontexts und ihrer bleibenden Wirkung.

Fazit

Entheogene sind psychoaktive Pflanzen und Substanzen, die im Verlauf der Menschheitsgeschichte in verschiedenen Kulturen zu religiös-rituellen Zwecken verwendet wurden; ein umfangreicher historischer Befund, der sich von Soma über das eleusinische Kykeon, vom Peyote über die Ayahuasca bis zu den heiligen Pilzen erstreckt, zeigt die Verbreitung dieses Phänomens. In der modernen Epoche haben Huxleys Pforten der Wahrnehmung, Pahnkes Karfreitags-Experiment und die Griffiths-Studien in Johns Hopkins das Verhältnis von Entheogen und mystischer Erfahrung zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung gemacht.

Doch bringt dieses Feld auch ernste kritische und ethische Fragen mit sich. Die Authentizitätskritik R. C. Zaehners vertritt, dass substanzinduzierte Erlebnisse nicht mit der echten theistischen Mystik gleichgesetzt werden können; dass die oberflächliche Ähnlichkeit der Erfahrungen sie nicht zu denselben macht. Die Debatte um Dauerhaftigkeit und Verwandlungskraft erinnert an den Unterschied zwischen „eine vorübergehende Erfahrung zu durchleben" und „ein verwandelter Mensch zu sein". Viele religiöse Traditionen betonen, dass die geistliche Verwandlung die Ganzheit von Gnade, Anstrengung und sittlicher Reinigung erfordert. Überdies trägt der Gebrauch dieser Substanzen ernste psychologische und physiologische Risiken und ist in den meisten Ländern rechtlich reguliert oder verboten.

Diese Notiz hat das Thema ausschließlich im Rahmen der vergleichenden Religionswissenschaft und der modernen Forschung behandelt, ohne irgendeine Tradition zu bevorzugen und in keiner Weise einen Gebrauch zu empfehlen. Zusammenfassend sind in der Debatte um Entheogen und mystische Erfahrung drei Schichten voneinander zu unterscheiden. Erstens die historisch-anthropologische Schicht: Die Verbreitung der heiligen Substanztraditionen in der Menschheitsgeschichte ist ein objektives Faktum und der Untersuchung wert. Zweitens die wissenschaftlich-phänomenologische Schicht: Die moderne Forschung hat gezeigt, dass diese Substanzen unter kontrollierten Bedingungen Erfahrungen mystischen Typs auslösen können; doch ergibt dies kein Urteil über die metaphysische Bedeutung der Erfahrungen. Drittens die philosophisch-kritische Schicht: Die „Echtheit", die Dauerhaftigkeit und das Verhältnis dieser Erfahrungen zur traditionellen mystischen Verwandlung sind seit Zaehner eine offene Frage und haben keine leichte Antwort.

Diese drei Schichten nicht miteinander zu verwechseln — ein historisches Faktum nicht für eine Billigung, einen wissenschaftlichen Befund nicht für einen metaphysischen Beweis, eine phänomenologische Ähnlichkeit nicht für eine Identität zu halten — ist der Schlüssel zu einer gesunden Annäherung an das Thema. Die Entheogen-Debatte steht letztlich als ein offenes und heikles Feld da, das die grundlegendsten Fragen nach dem Wesen des Bewusstseins, der mystischen Erfahrung und der menschlichen Verwandlung lebendig hält — dass eine respektvolle Offenheit und eine gesunde Skepsis, die wissenschaftliche Neugier und die ethische Verantwortung, das historische Interesse und die rechtlich-gesundheitliche Besonnenheit zusammen einhergehen müssen. Der Zweck dieser Notiz ist nicht, dieses Feld zu beurteilen oder zu lenken, sondern es in einem neutralen, informierenden und kritischen Rahmen darzustellen.