Seele, Selbst & Anthropologie

Die Lehre von den drei Leibern im Tasawwuf

Die dreischichtige Struktur des Menschen in der Tasawwuf-Anthropologie: Dschasad-i unsurî (physischer Leib), Dschasad-i mithâlî (feinstofflicher/Herzensleib), Dschasad-i rûhânî (Geistleib). Eine vergleichende Analyse mit der Vajrayāna-Trias Nirmāṇakāya–Saṃbhogakāya–Dharmakāya.

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Definition und allgemeiner Rahmen

Die Lehre von den drei Leibern (arabisch: al-adschsâd ath-thalâtha; türkisch: drei Leiber, drei Körper) ist eine umfassende Lehre der klassischen Tasawwuf-Anthropologie, die lehrt, dass der Mensch auf drei verschiedenen Schichten existiert. Fassen wir das System in seiner schlichtesten Form zusammen, so ist der Mensch mit folgenden drei Leibern ausgestattet:

  1. Dschasad-i unsurî (arabisch: al-dschasad al-ʿunṣurī) — Der aus den vier Elementen (Erde, Wasser, Feuer, Luft) gewobene physische Leib; er bildet sich mit der Geburt und zerfällt mit dem Tod.
  2. Dschasad-i mithâlî (arabisch: al-dschasad al-mithālī) — Der feinstoffliche (verfeinerte), an das Herz und die Vorstellungskraft gebundene mittlere Leib; das Feld der Träume, Visionen und des Lebens im Barzach.
  3. Dschasad-i rûhânî (arabisch: al-dschasad ar-rūḥānī) — Der absolut feinstoffliche, innerste Leib, der der Geist selbst ist oder ihm am nächsten steht; er gehört zur ʿÂlam-i amr (Welt des Befehls), ist unsterblich.

Diese Trias ist nicht bloß eine theoretische Anthropologie des Tasawwuf; sie ist auch der theoretische Unterbau einer praktischen Disziplin. Die von Nadschmuddîn al-Kubrâ (gest. 1221) und seinen Schülern entwickelte Visionsphänomenologie, das System der Latâʾif (feinstoffliche Zentren) und die Barzach-Eschatologie-Lehre sind allesamt auf dieser dreigliedrigen leiblichen Struktur errichtet. Sachiko Murata zeigt in ihrer Arbeit The Tao of Islam (1992), dass die Lehre von den drei Leibern der Gipfel des eigentümlichen anthropologischen Erbes der islamischen Welt ist, zugleich aber eine tiefe strukturelle Verwandtschaft mit den anderen großen Traditionen trägt — besonders mit dem indischen trikāya, der „Drei-Leiber"-Lehre der Vedanta (sthūla-sūkṣma-kāraṇa) und dem chinesischen „Drei-Schätze"-System (jing-qi-shen).

Henry Corbins Werk Spiritual Body and Celestial Earth (1977) untersucht diese Lehre besonders, indem es sie mit den mazdäisch-iranischen Quellen verbindet: Es verficht, dass die Begriffe xvarnah (göttlicher Glanz) und kāy (spirituelle Struktur) des persisch-zoroastrischen Erbes sich später im iranisch-schiitischen und iranisch-sufischen Denken zur Lehre vom Dschasad-i mithâlî entwickelt haben. Für Corbin ist der dreifache Leib keine bloße Lehre; er ist eine Topographie der imaginatio creatrix (schöpferischen Einbildungskraft) — eine innere Geographie, in der sich die spirituellen Reisen vollziehen.

Historische Entwicklung

Frühzeit (9.–11. Jh.): at-Tirmidhî, Dschunaid, as-Sulamî

Die embryonale Form des Drei-Leiber-Systems zeigt sich im 9. Jahrhundert auf der Achse Bagdad–Chorasan in der Herzens- und Seelenanthropologie der klassischen Sufis. al-Hakîm at-Tirmidhî (gest. um 905) bestimmt in seinem Werk Bayân al-Farq bayna s-Sadr waʾl-Qalb waʾl-Fuʾâd waʾl-Lubb, wo er die vierschichtige Struktur des Herzens beschreibt, ausdrücklich, dass der physische Leib (Badan), das feinstoffliche Herz (Qalb) und das innerste geistige Zentrum (Lubb) verschiedene Kategorien sind. Diese Systematisierung ist die Grundlage der klassischen Drei-Leiber-Lehre.

Dschunaid al-Baghdâdî (gest. 910) sagt, indem er seine eigene mystische Reise beschreibt, dass der „Badan-i ʿunsurî" (elementare Leib) sterben, der „Badan-i rūḥī" (geistige Leib) hingegen geschult werden müsse. Dies sind die ersten Anzeichen einer Struktur, die die häufig als Leib-Geist-Dualität auftretende traditionelle islamische Anthropologie überschreitet und eine dreigliedrige Struktur einführt.

Abû ʿAbdarrahmân as-Sulamî (gest. 1021) spricht in seinem Werk Tabaqât as-Sûfiyya vom Wissen der Sufis um das „dreitafelige Buch" (kitâb ath-thalâtha) — von drei für Leib, Herz und Geist je gesondert angelegten Ebenen. Diese Metapher des „dreitafeligen Buches" ist ein früher poetischer Ausdruck der Drei-Leiber-Lehre.

Klassische Synthese: al-Ghazâlî, as-Suhrawardî, Nadschmuddîn al-Kubrâ

Im 11.–13. Jahrhundert gewinnt die Drei-Leiber-Lehre eine systematische Form. Imam al-Ghazâlî (gest. 1111) sagt im 31. Buch des Ihyâʾ ʿUlûm ad-Dîn (ʿAdschâʾib al-Qalb), wo er die Begriffe Herz, Nafs, Geist und Verstand analysiert, dass die innere Welt des Menschen aus verschiedenen Schichten besteht und jede dieser Schichten ihre eigenen Latâʾif hat. Al-Ghazâlî gebraucht noch nicht im strengen Sinne die Formulierung „drei Leiber", doch sein System bildet einen Unterbau für die folgenden Generationen.

Der kritische Sprung kommt mit Schihâbuddîn as-Suhrawardî (Hinrichtung 1191), dem ischrâqischen Philosophen. In as-Suhrawardîs Werk Hikmat al-Ischrâq (Philosophie der Erleuchtung) wird die ʿÂlam-i mithâl (imaginal-bildhafte Welt) als eigenständige ontologische Kategorie begründet. Diese Welt ist eine Zwischenwelt zwischen der reinen Materie und dem reinen Abstrakten; ein barzachischer (Barzach-)Raum, in dem körperlose Geister und geistlose Formen beieinander sind. Der Dschasad-i mithâlî des Menschen gehört eben zu dieser Welt; im Traum, in der Offenbarung, in der mystischen Vision reist der Sâlik mit diesem Leib.

Henry Corbin betont in seinem Werk Creative Imagination in the Sufism of Ibn 'Arabi (1969) beharrlich die Bedeutung dieser Entdeckung as-Suhrawardîs: Ohne die imaginale Welt lässt sich die Wirklichkeit der mystischen Visionen theologisch nicht begründen. Wenn alles entweder „Materie" oder „Verstand/Geist" ist, fallen die vom Sufi geschauten göttlichen Formen in die Kategorien entweder der Einbildung oder des Wahnsinns. As-Suhrawardîs Begriff der ʿÂlam-i mithâl gibt der mystischen Phänomenologie eine ontologische Behausung.

Nadschmuddîn al-Kubrâ (gest. 1221) führt as-Suhrawardîs theoretischen Rahmen in die sufische Praxis ein. In seinem Werk Fawâʾih al-Dschamâl bietet er eine systematische Phänomenologie der Farben, Lichter und Formen, die auf der spirituellen Reise des Sâlik geschaut werden. Nach al-Kubrâ schaut der Sâlik die Farben und Formen mit seinem Dschasad-i mithâlî — nicht mit den körperlichen Augen, sondern mit der Basîra-i bâtina (inneren Schau). Jede Farbe ist ein Zeichen einer spirituellen Stufe; jede Vision ist ein Anzeiger dafür, wo der Sâlik steht.

Ibn ʿArabî und danach: Die Reifung der imaginalen Welt

Ibn ʿArabî (gest. 1240) verortet in seinem Futûhât al-Makkiyya und seinem Fusûs al-Hikam die Drei-Leiber-Lehre innerhalb seiner weiten Ontologie. In seinem System tritt das Sein in fünf großen Stufen in Erscheinung (hadarât-i chams); der Mensch hat als ein diese fünf Stufen verinnerlichender Mikrokosmos aus jeder Stufe eine Schicht.

William Chittick erläutert in seinem Werk The Sufi Path of Knowledge (1989) die Struktur der drei Leiber im System Ibn ʿArabîs so:

Für Ibn ʿArabî sind diese drei Leiber keine gesonderten Wesen, sondern die Manifestation eines einzigen Menschen auf verschiedenen Ebenen. Die spirituelle Reise des Sâlik besteht nicht darin, vom ersten Leib (unsurî) zum zweiten (mithâlî) und von dort zum dritten (rûhânî) Leib aufzusteigen; sie besteht darin, alle drei zugleich bewusst zu leben, die Funktion jedes einzelnen mit richtigem Timing zu gebrauchen.

Die anatolische und osmanische Tradition

Im anatolischen Tasawwuf wurde die Drei-Leiber-Lehre besonders von Ismâîl Hakkî Bursevî (gest. 1725) systematisiert. In seiner Koranexegese Rûh al-Bayân deutet Bursevî die Verse über das Barzach (al-Muʾminûn 23:100) und das Jenseits im Licht der Drei-Leiber-Lehre: Was mit dem Tod zerfällt, ist der elementare Leib; im Grabesleben setzt der Dschasad-i mithâlî des Sâlik das Leben fort; die Heiligen (Walî) hingegen, die zur Station des Baqâ billâh (Fortbestand mit dem Wahren) gelangen, erfahren auf der Ebene des Dschasad-i rûhânî eine der letzten Wahrheit nahe Daseinsstufe.

Niyâzî-i Misrî (gest. 1694), aus der Tradition der Chalwatiyya-Schaʿbâniyya, gießt die drei Leiber in dichterische Sprache. Der in seinem Dîwân vorkommende Vers „Mit drei Körpern wandere ich, ein Fremdling, durch diese Welt" ist die ins Volk-Tasawwuf eingegangene Gestalt der Drei-Leiber-Lehre.

Die drei Leiber — systematische Analyse

1. Dschasad-i unsurî (Physischer Leib)

Definition: Der aus den vier Elementen (anâsir-i arbaʿa: Erde, Wasser, Feuer, Luft) gewobene physische Leib. Die mit der Geburt zusammenkommenden Elemente zerfallen mit dem Tod und kehren zur Erde, zum Wasser, zur Luft zurück.

Koranische Grundlage: „Wir haben euch aus Erde, dann aus einem Tropfen, dann aus einem Blutklumpen, dann aus einem Fleischklümpchen erschaffen" (al-Hadsch 22:5). „Und wahrlich, Wir haben den Menschen aus Lehm, aus einem geläuterten Auszug erschaffen" (al-Muʾminûn 23:12).

Philosophischer Hintergrund: Die aus Aristoteles' Werk De Generatione et Corruptione stammende „Vier-Elemente"-Lehre wurde durch al-Kindî, al-Fârâbî und Ibn Sînâ in die islamische Philosophie überführt und in der sufischen Anthropologie übernommen. Jedes Element hat eine Mizâdsch-Eigenschaft (Temperament): Erde — trocken/kalt, Wasser — feucht/kalt, Feuer — trocken/heiß, Luft — feucht/heiß. Es heißt, der Charakter des Menschen gehe aus der Tarkîb (Zusammensetzung) dieser Elemente hervor.

Bedeutung aus Sicht des Tasawwuf: Der Dschasad-i unsurî ist auf der spirituellen Reise des Sâlik sowohl ein Werkzeug als auch ein Hindernis. Er ist Werkzeug, weil Andacht, Riyâza, Chalwa (Klausur) — all dies sich durch diesen Leib vollzieht. Er ist Hindernis, weil die Begierden (Schahwa), Ängste (Chawf) und Trägheiten (Kasal) dieses Leibes das spirituelle Voranschreiten des Sâlik verzögern.

Mevlânâ Dschalâladdîn-i Rûmî errichtet zu Beginn des Mathnawî mit der Klage der Rohrflöte über ihr „Losgerissensein aus dem Rohrbett" die Metapher des Herabsteigens des Geistes aus seiner ewigen Heimat in die leibliche Existenz. Der Leib ist für den Geist eine Fremde, eine Trennung; aber zugleich ist er der Ort, an dem sich die Vollkommenheit des Geistes verwirklicht. Ohne den Leib kann der Geist seine eigenen Grenzen und sein Potential nicht entdecken.

Praxis: Die Schulung des Dschasad-i unsurî geschieht durch Praktiken wie Riyâza (Enthaltsamkeit), Fasten, wenig Schlaf, wenig Reden. Die in al-Hârith al-Muhâsibîs Werk ar-Riʿâya ausgeführte „Leibesdisziplin" ist die Grundlage der gesamten späteren Tasawwuf-Pädagogik.

2. Dschasad-i mithâlî (Feinstofflicher / Herzensleib)

Definition: Eine feinstoffliche leibliche Ebene zwischen Materie und Verstand. Sie gehört zur ʿÂlam-i mithâl (imaginal-bildhaften Welt). Träume, Visionen, mystische Erfahrungen, das Grabesleben, das Barzach — all dies wird mit diesem Leib erlebt.

Philosophische Grundlage: Die in as-Suhrawardîs Werk Hikmat al-Ischrâq begründete Lehre von der ʿÂlam-i mithâl ermöglicht die mittlere Schicht der Drei-Leiber-Anthropologie. Die imaginale Welt ist nicht reine Materie (sie erscheint, als nähme sie Raum ein), aber auch nicht rein abstrakt (sie hat eine außergedankliche Wirklichkeit); sie ist ein barzachischer Zwischenraum, der die Eigenschaften beider synthetisiert.

Mit Corbins Worten ist dies die mundus imaginalis (imaginale Welt), eine Kategorie, in der die imaginatio (Einbildungskraft) — nicht wie im Westen als bloß subjektive Phantasie, sondern — als eine objektive Wirklichkeitsebene aufgefasst wird. Für Corbin ist diese Unterscheidung kritisch: Die imaginale Welt ist nicht imaginär (lateinisch: imaginarius, unwirklich); sie ist imaginal (lateinisch: imaginalis, wirklich, aber auf imaginaler Ebene). Diese Unterscheidung ist die Vorbedingung dafür, dass die sufische Visionslehre ernst genommen wird.

Ihr Ort in der sufischen Praxis: Die Entwicklung des Dschasad-i mithâlî steht im Zentrum des Systems der Latâʾif. Die fünf Haupt-Latâʾif (Qalb, Rûh, Sirr, Chafî, Achfâ) sind verschiedene Schichten des Herzensleibes; jede ist mit einer bestimmten Farbe, mit Namen Gottes (Asmâʾ), mit einer prophetischen Station und mit einer Welt verknüpft. Die spirituelle Reise des Sâlik vollzieht sich durch das der Reihe nach erfolgende „Öffnen" (Fath) dieser Latâʾif.

Die Farbphänomenologie Nadschmuddîn al-Kubrâs kommt genau hier zum Zug. Wenn der Sâlik die Augen schließt, im Zustand der Murâqaba (spirituellen Wachsamkeit), sieht er verschiedene Farben: Dunkelblau (Nafs-i Ammâra), Rot (Mulhima), Grün (Mutmainna), Gelb (Râdiya), reines Weiß (Sâfiya). Diese Farben sind keine bloß psychologischen Phänomene; sie sind die konkreten Bilder der feinstofflichen Veränderungen im Dschasad-i mithâlî des Sâlik.

Verbindung zum Barzach: Der Dschasad-i mithâlî spielt seine kritischste theologische Rolle in der Zeit nach dem Tod. Nach der islamischen Eschatologie löst sich der Geist mit dem Tod vom physischen Leib; doch der Mensch vergeht nicht. Während des Barzach (Grabesleben, der bis zur Auferstehung währende Zwischenraum) setzt der Geist mit dem Dschasad-i mithâlî das Leben fort. Die Befragung durch Munkar und Nakîr, die Pein oder Gnade des Grabes, die visionären Besuche an den Gräbern der Propheten und Heiligen — all dies vollzieht sich mit diesem Leib. Henry Corbin zeigt in seinem Werk Spiritual Body and Celestial Earth, dass die Lehre vom Dschasad-i mithâlî der Grundstein der islamisch-schiitischen Eschatologie ist und dass die imaginatio creatrix (schöpferische Einbildungskraft) all unseren Vorstellungen vom Jenseits die Grundlage liefert.

3. Dschasad-i rûhânî (Geistleib)

Definition: Der innerste, feinstofflichste Leib; er gehört zur ʿÂlam-i amr, ist unsterblich. In manchen Tasawwuf-Texten wird er mit dem „Geist" (Rûh) gleichgesetzt; in anderen ist er der „Leib" des Geistes — also nicht der Geist selbst, sondern dessen nächster Träger.

Koranische Grundlage: „Sie fragen dich nach dem Geist; sprich: Der Geist ist aus dem Befehl meines Herrn (min amri Rabbî); euch ist nur wenig Wissen gegeben" (al-Isrâʾ 17:85). Dieser Vers besagt, dass der Geist zur ʿÂlam-i amr (Welt des Befehls) gehört und sich in einer von der ʿÂlam-i chalq (Welt der Schöpfung) verschiedenen ontologischen Kategorie befindet.

Philosophische Struktur: Der Dschasad-i rûhânî wird in der klassischen islamischen Philosophie als „Latîf al-wudschûd" (feinstoffliches Sein) beschrieben. Er hat keine Bindung an die Materie, trägt aber die Eigenheit der Individualität (taschachhus). Er hat eine Persönlichkeit, nimmt aber keinen Raum ein. Dieses Paradox ist eine von den sufischen Denkern entwickelte eigentümliche ontologische Kategorie.

Im System Ibn ʿArabîs gehört der Dschasad-i rûhânî zur ʿÂlam-i arwâh (Welt der Geister). Die Geister befinden sich vor der physischen Geburt in dieser Welt, vor dem qâlû balâ (dem Gott gegebenen „Ja"; al-Aʿrâf 7:172), in der Gegenwart des Wahren. Die Geburt ist das Herabsteigen dieser Geister auf die leibliche Ebene; der Tod hingegen ist die Rückkehr. Die spirituelle Reise besteht darin, diese Rückkehr bewusst zu vollziehen — vor dem Tod zu sterben (mûtû qabla an tamûtû, Hadith).

In praktischer Hinsicht: Die Schulung des Dschasad-i rûhânî ist die tiefste Stufe des sufischen Weges. Die letzten drei Stationen des klassischen Latâʾif-Systems (Sirr, Chafî, Achfâ) entsprechen verschiedenen Schichten des geistigen Leibes. Auf dieser Stufe befasst sich der Sâlik nicht mehr mit Visionen oder Farben; er erlebt eine wesenhafte (zâtî) Klarheit des Bewusstseins. Die Unterschiede Ich-Du, Wir-Sie, Nacht-Tag schmelzen; es bleibt allein das reine Bewusstsein.

Annemarie Schimmel sagt in ihrem Werk Mystical Dimensions of Islam (1975), dass die Stufe des Dschasad-i rûhânî in der sufischen Sprache als „Gipfel der Heiligkeit (Walâya)" beschrieben wird. Die Heiligen schauen auf dieser Stufe mit dem Wahren, hören mit dem Wahren, handeln mit dem Wahren — es ist die leibliche Dimension der Station der Fanâ-i sifât (Auslöschung in den Eigenschaften).

Vergleichende Perspektive

1. Die Trikāya-Lehre des Vajrayāna-Buddhismus

Das trikāya-System (drei Leiber), die zentrale Lehre des tibetischen tantrischen Buddhismus (Vajrayāna), hat eine eindrückliche strukturelle Parallele zu den drei Leibern des Tasawwuf. Das trikāya-System besteht aus Folgendem:

Reginald A. Ray betont in seiner Arbeit Indestructible Truth (2000) einen wichtigen Punkt hinsichtlich des Vergleichs der trikāya-Lehre mit der Tasawwuf-Anthropologie: Beide Systeme lehren, dass die Übergänge zwischen den „drei Schichten" durch mystische Praxis vollzogen werden können. In Tibet ist diese Praxis dzogchen und mahāmudrā; im Tasawwuf Dhikr, Murâqaba, Chalwa. In beiden Traditionen lernt der Praktizierende, die drei Schichten seiner eigenen Existenz in verbundenem Bewusstsein zu erfahren.

Eine noch eindrücklichere Parallele besteht zwischen der Lehre vom Regenbogenleib (tibetisch: jalus) und dem Dschasad-i rûhânî. Beim Tod des befähigten Dzogchen-Meisters löst sich die Materie im physischen Leib (nirmāṇakāya) auf, indem sie sich in die Farben des Regenbogens verwandelt, und es bleiben allein der Saṃbhogakāya (feinstofflicher Leib) und der Dharmakāya (Wahrheitsleib) zurück ... Dies ist der Lehre des Tasawwuf außerordentlich ähnlich, dass sich „auf dem Gipfel der Heiligkeit" der Dschasad-i unsurî des Sâlik zurückzieht und der Dschasad-i mithâlî und der rûhânî vorherrschend werden.

Namkhai Norbus in seinem Werk The Cycle of Day and Night (1987) entwickelte Analyse stützt diese Parallele. Für Norbu ist der jalus (Regenbogenleib) die Verwandlung der materiellen Struktur des Leibes in reines Licht; auch im Tasawwuf beschreibt die Farbphänomenologie Nadschmuddîn al-Kubrâs die Hinwendung des Dschasad-i mithâlî des Sâlik zum reinen Licht (Nûr-i muhammedî).

2. Die Drei-Leiber-Lehre der Vedanta

In der Vedanta-Philosophie besteht das trinity-sarīra-System (drei Leiber) aus Folgendem:

Parallel zu dieser Trias lehrt die Vedanta auch die Lehre der fünf Koshas (Hüllen): annamaya (Nahrungshülle), prāṇamaya (Atemhülle), manomaya (Geisteshülle), vijñānamaya (Verstandeshülle), ānandamaya (Glückseligkeitshülle). Diese fünf Hüllen sind eine ausführlichere Untergliederung der drei Leiber.

Der wichtigste theologische Unterschied zwischen Vedanta und Tasawwuf ist die Deutung des kāraṇa-śarīra. Für die Advaita Vedanta ist dieser Leib letztlich ein Erzeugnis der māyā (Täuschung); die wahre Erlösung ist die Erkenntnis der Ātman = Brahman-Identität, indem auch die drei Leiber überschritten werden. Für den Tasawwuf ist der Dschasad-i rûhânî wirklich; der Sâlik verlässt diesen Leib nicht, im Gegenteil, er steigt zu seinem bewussten Gewahrsein empor.

Dârâ Schikôh (1615–1659) schrieb in seinem Werk Madschmaʿ al-Bahrayn den ersten klassischen Text, der diese beiden Systeme vergleicht und die strukturelle Nähe zwischen Dschasad-i mithâlî und sūkṣma-śarīra benennt.

3. Die Drei Schätze des chinesischen Daoismus (Jing-Qi-Shen)

In der neidan-Tradition (innere Alchemie) des Daoismus wird die innere Struktur des Menschen mit den Drei Schätzen (三宝, sanbao) beschrieben:

Die in der chinesischen inneren Alchemie geübte Praxis (Jing in Qi, Qi in Shen zu verwandeln) ist mit dem Prozess der Seelenschulung, der Herzensläuterung und der Geistesöffnung im Tasawwuf strukturell parallel. Sachiko Muratas Arbeit The Tao of Islam (1992) ist auf dem Vergleich dieser beiden Systeme aufgebaut; sie zeigt besonders, wie die chinesischen Hui-Muslime (wie Wang Daiyu, Liu Zhi) diese Parallele nutzten, als sie den islamischen Tasawwuf in chinesischer Sprache neu ausdrückten.

Liu Zhi (1660–1730) erläutert in seinem Werk Tianfang Xingli (Natur und Prinzipien des Islam) die sufische Drei-Leiber-Lehre dem chinesischen neokonfuzianisch-daoistischen Leser mit den Kategorien Jing-Qi-Shen. Dies ist ein außerordentlich wertvolles Beispiel für die interkulturelle begriffliche Übersetzung.

4. Das frühe Christentum und die Soma-Pneumatikon-Lehre des Paulus

Paulus sagt in 1. Korinther 15,44: „Gesät wird ein natürlicher Leib (sōma psychikon), auferweckt wird ein geistlicher Leib (sōma pneumatikon)." Diese Stelle ist die theologische Grundlage des Begriffs des geistlichen Leibes in der frühchristlichen Eschatologie. Für Paulus gibt es zwei leibliche Kategorien: sōma psychikon (lebendiger, weltlicher Leib) und sōma pneumatikon (geistiger, geistlicher Leib).

Henry Corbin verficht in seinem Werk Spiritual Body and Celestial Earth (1977), dass diese Lehre des Paulus strukturell der Synthese von Dschasad-i mithâlî + Dschasad-i rûhânî des Tasawwuf nahesteht. Christliche Theologen wie Origenes (185–254) und der heilige Augustinus (354–430) nutzten das sōma pneumatikon des Paulus als theoretischen Unterbau der Lehre vom Auferstehungsleib (resurrection body).

Diese Parallele reicht auch in die Eschatologie hinein: Sowohl der christliche Auferstehungsleib als auch das islamische Dschasad-i mithâlî + Dschasad-i rûhânî behandeln das Problem des Zerfalls des physischen Leibes (sōma psychikon / Dschasad-i unsurî) mit dem Tod, doch des Nicht-Vergehens der Individualität. Beide Systeme verfechten die persönliche Unsterblichkeit — durch die Einheit von Leib und Geist.

5. Die Sieben-Leiber-Systeme der Theosophie und Anthroposophie

In der modernen Zeit entwickelten die Bewegung der Theosophie des späten 19. Jahrhunderts (Blavatsky, Annie Besant, C. W. Leadbeater) und Rudolf Steiners Anthroposophie Sieben-Leiber-Systeme: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, Mentalleib, Kausalleib, Buddhi-Leib, Atma-Leib. Diese Systeme gliedern das klassische Drei-Leiber-System in ausführlicherer Weise in Unterkategorien.

Das Sieben-Leiber-System der Theosophie ist offenkundig eine Synthese der hinduistischen Trias kāraṇa-sthūla-sūkṣma und des tibetischen Kanal-/Lotos-Systems. Die unmittelbare Beeinflussung durch den islamischen Tasawwuf ist schwach; doch die strukturelle Ähnlichkeit ist eindrücklich. Der Grund dafür ist, dass die Drei-Leiber-Lehre (eine Anthropologie des Menschen mit drei oder mehr Schichten) sich in verschiedenen Kulturen unabhängig voneinander entwickelt hat — das heißt, dies ist ein Ausdruck der universalen archetypischen Struktur der Anthropologie.

Moderne Reflexionen und Anwendungen

Transpersonale Psychologie und ganzheitliche Heilung

Die Traditionen der modernen transpersonalen Psychologie (Stanislav Grof, Ken Wilber, Charles Tart) und der ganzheitlichen Heilung (Caroline Myss, Barbara Ann Brennan) haben die moderne Sprache der Drei-Leiber-Lehre entwickelt. Der in Wilbers integral model integrierte Behandlungsansatz der leiblichen, geistigen und spirituellen Ebenen ist eine säkulare Version der klassischen Drei-Leiber-Anthropologie.

Barbara Ann Brennan beschreibt in ihrem Werk Hands of Light (1987) den Begriff der Aura (Energieleib) in einer dem sufischen Dschasad-i mithâlî nahen Weise. Die moderne Energieheilung (Reiki, Healing Touch usw.) entdeckt oftmals unbewusst diese klassische Anthropologie wieder.

Sterbeforschung und NDE (Near-Death Experience)

Die mit Raymond Moodys Life After Life (1975) beginnende moderne NDE-Forschung zeigt, dass Menschen mit Todesnäheerfahrung häufig berichten, sich mit „einem feinstofflichen Leib" bewegt zu haben. Dies ist die praktische Bestätigung der traditionellen Lehre vom Dschasad-i mithâlî. Pim van Lommel führt in seinem Werk Consciousness Beyond Life (2010) die strukturelle Überschneidung der NDE-Phänomenologie mit den klassischen mystischen Anthropologien aus.

Wiederbelebung im zeitgenössischen Tasawwuf

Im zeitgenössischen türkischen Tasawwuf sind die Werke von Mahmûd Erol Kilic und Ekrem Demirli wegweisend bei der Übertragung der Drei-Leiber-Lehre in die moderne akademische Sprache. Kilics Tasavvuf Düsüncesi (2010) und Demirlis Ibn Arabî Metafizigi (2015) versuchen, die klassische Metaphysik in der Sprache der Phänomenologie neu zu lesen.

Die Drei-Leiber-Lehre ist im Ergebnis nicht bloß eine historische Lehre; sie ist eine der umfassendsten Antworten, die die klassischen Traditionen auf Fragen geben, deren Lösung der moderne Mensch noch immer sucht — Verkörperung, Tod, Bewusstsein. Tasawwuf, Vedanta, Vajrayāna, Daoismus — diese großen Traditionen sind unabhängig voneinander zu dem Schluss gelangt, dass der Mensch ein drei- (oder mehr-)schichtiges Wesen ist. Diese Annäherung lässt sich auch als Beleg für die universale Struktur der mystischen Phänomenologie deuten.

Die Drei-Leiber-Lehre und die pädagogische sufische Praxis

Die Drei-Leiber-Lehre ist nicht bloß eine abstrakte Theorie; sie wird in der sufischen Pädagogik angewandt. In den klassischen Orden (besonders Naqschbandiyya, Chalwatiyya, Kubrawiyya) durchläuft der Sâlik die Schulung jedes seiner drei Leiber gesondert.

Die Schulung des Dschasad-i unsurî: Mudschâhada

In der ersten Stufe schult der Sâlik durch die Mudschâhada (Kampf gegen die Seele) seinen physischen Leib. Riyâza (Enthaltsamkeit), Fasten, wenig Schlaf, wenig Reden, Chalwa (Zurückgezogenheit) — all dies zielt auf die Läuterung des Dschasad-i unsurî von Leidenschaften, Trägheit und Achtlosigkeit. Die im Abschnitt Rubʿ al-Muhlikât von Imam al-Ghazâlîs Ihyâʾ ausgeführten „Halâkât" (verderbenbringende Eigenschaften) — Hochmut, Udschb, Neid, Zorn, Geiz — sind allesamt sittliche Krankheiten, die sich auf der Ebene des Dschasad-i unsurî manifestieren. Die Heilung dieser Krankheiten ist die Verwandlung der leiblichen Disziplin in eine sittliche Disziplin.

Die Öffnung des Dschasad-i mithâlî: Murâqaba und Vision

In der zweiten Stufe arbeitet der Sâlik mit den Disziplinen der Murâqaba (spirituellen Wachsamkeit) und des Dhikr am Erwachen seines Dschasad-i mithâlî. Die von Nadschmuddîn al-Kubrâ entwickelte Farbphänomenologie ist der konkrete Anzeiger dieses Erwachens. Der Sâlik sieht im Dhikr-Zustand mit geschlossenen Augen zuerst Dunkelheit; dann Funken; dann farbige Lichter; dann feststehende Farben; schließlich das Nûr-i muhammedî (muhammedische Licht) — dies ist der endgültige Anzeiger der vollen Öffnung des Dschasad-i mithâlî. Dieser Prozess vollzieht sich in einer von Mensch zu Mensch verschiedenen Zeitspanne — bei manchen Sâliks dauert er Monate, bei anderen Jahre.

Die Öffnung des Dschasad-i mithâlî bewirkt im Leben des Sâlik eine qualitative Verwandlung. Die Träume werden lebendiger, bedeutungsvoller; die Intuition schärft sich; die Kapazität, die inneren Zustände anderer zu spüren (Firâsa), entwickelt sich. Die in den klassischen Tasawwuf-Texten geschilderten „Wunder" (Karâmât) der Heiligen — an einem anderen Ort zu erscheinen (Tayy-i makân), aus der Zukunft zu künden — hängen alle mit diesem Leib zusammen.

Die Erleuchtung des Dschasad-i rûhânî: Fanâ und Baqâ

In der dritten und letzten Stufe nähert sich der Sâlik dem reinen Bewusstsein des Dschasad-i rûhânî. Die Fanâ-Erfahrung (Auslöschung) vollzieht sich genau hier — der Sâlik beginnt, sich auf der Ebene des Dschasad-i rûhânî wahrzunehmen; er erfährt den Dschasad-i mithâlî und den Dschasad-i unsurî als „äußere Hüllen". Sodann kehrt er mit dem Baqâ (Fortbestand im Wahren) zurück — aber wenn er zurückkehrt, lebt er im Bewusstsein aller drei Leiber zugleich. Dies ist der Gipfel des sufischen Weges.

Eine Anekdote in Saʿdî-i Schîrâzîs Bûstân ist der symbolische Ausdruck dieser Stufe: Ein Sufi fragt einen zur Vollendung gelangten Heiligen (Walî): „Du isst, trinkst, schläfst doch immer noch; was unterscheidet dich von gewöhnlichen Menschen?" Der Heilige antwortet: „Sie essen, weil sie hungrig sind; ich esse, weil ich die leibliche Kraft brauche, um Gottes zu gedenken." Dieselbe Handlung — die Bedürfnisse des Leibes zu stillen — wird auf zwei verschiedenen Ebenen, mit zwei verschiedenen Absichten, mit zwei verschiedenen Bewusstseinen vollzogen.

Dschasad-i mithâlî und die moderne Bewusstseinsforschung

Die zeitgenössische Bewusstseinsforschung bietet eine außerordentlich interessante Neulektüre der klassischen Lehre vom Dschasad-i mithâlî. Die Forschungen zur out-of-body experience (OBE, Erfahrung des Verlassens des Körpers), zum lucid dreaming (luzides Träumen) und zu psychedelic experiences (psychedelischen Erfahrungen) sind oft voll von Berichten über ein „Sich-mit-einem-feinstofflichen-Leib-Bewegen auf anderen Ebenen".

So entdeckt etwa die von Robert Monroe in Journeys Out of the Body (1971) und in späteren Werken entwickelte OBE-Phänomenologie die klassische Lehre vom Dschasad-i mithâlî mit erstaunlicher Konsistenz wieder. Monroe sagt, indem er seinen „Austritt" aus dem physischen Leib beschreibt, dass der Leib gleichwohl eine Art Struktur besitze; dass er durch Gegenstände hindurchgehen könne, aber dennoch in der Form „Hand-Fuß-Rumpf" verbleibe. Dies ist die praktische Bestätigung der Lehre von der ʿÂlam-i mithâl.

Stephen LaBerges Arbeiten Lucid Dreaming (1985) belegten die Technik, während des Traums bewusstes Gewahrsein zu entwickeln. Im luziden Traum kontrolliert der Praktizierende seinen eigenen Traumleib mit Bewusstsein; dieser Traumleib ist dem Dschasad-i mithâlî des klassischen Tasawwuf strukturell genau parallel. Auch die tibetische Praxis des milam (Traumyoga) zielt auf dasselbe — den bewussten Gebrauch des Dschasad-i mithâlî während des Schlafs zu lernen.

Die psychedelische Forschung (besonders Stanislav Grofs Arbeiten, die mit LSD begannen und dann mit holotropem Atmen fortgesetzt wurden) zeigte, dass das Bewusstsein im psychedelischen Zustand häufig in die Erfahrung eines „feinstofflichen Leibes" übergeht. In der Arbeit DMT: The Spirit Molecule (Rick Strassman, 2001) wurde belegt, dass Menschen mit DMT-Erfahrung (Dimethyltryptamin) häufig berichten, „in einer anderen Dimension feinstofflichen Wesen begegnet zu sein". Die strukturelle Ähnlichkeit dieser Erfahrungen mit der klassischen Phänomenologie der ʿÂlam-i mithâl ist eindrücklich.

Diese modernen Forschungen zeigen, dass die Drei-Leiber-Lehre nicht bloß eine historische Theorie ist; sie weist auf eine Wirklichkeit der menschlichen Erfahrung hin.

Schluss: Die dreifache Grundstruktur der Anthropologie

Die Drei-Leiber-Lehre ist das systematischste Menschenmodell, das die sufische Anthropologie zu bieten vermag. Ihr Kern liegt in folgender dreifacher Einsicht:

  1. Der Mensch ist nicht einschichtig: Im Gegensatz zum materialistischen Reduktionismus (Mensch = Leib + Gehirn) sehen die klassischen Traditionen den Menschen als ein vielschichtiges Wesen. Die Beziehungen zwischen diesen Schichten bilden das Wesen des Menschen.

  2. Jede Schicht hat ihre eigene Disziplin: Leibliche Schulung, herzliche Schulung, geistige Schulung — diese ersetzen einander nicht; jede muss der Reihe nach, integriert, angewandt werden.

  3. Das Ziel ist die bewusste Vereinigung der drei Leiber: Der Gipfel des spirituellen Weges ist nicht, dass einer der drei Leiber die beiden anderen unterdrückt; sondern, wie im Modell des Insân-i kâmil (vollkommenen Menschen), das harmonische, bewusste Leben der drei Leiber.

Dieses dreifache Modell überschreitet auch die oft künstlichen Trennungen der modernen Welt zwischen leiblicher Gesundheit, seelischer Gesundheit und spiritueller Gesundheit. Die Ansätze der modernen ganzheitlichen Medizin, der integral psychology und der transpersonal psychology entdecken diese Synthese der klassischen Traditionen in verschiedenen Sprachen wieder. Die Drei-Leiber-Lehre ist im Ergebnis eine integrierende anthropologische Vision, deren der moderne Mensch noch immer bedarf.