Heilige Tiere, Pflanzen & Symbole

Kirat (das Köroglu-Pferdesymbol): Die spirituelle Dimension des epischen Pferdes

Kirat, das Pferd des Helden im Köroglu-Epos: der auf dem Berg geborene, aus dem Meer kommende wunderbare Pferdegefährte; in vergleichender Lesart ein Mythos-Archetyp, der mit Burâq (dem Reittier der Miʿrādsch), dem griechischen Pegasos und dem hinduistischen Indra-Pferd Uchchaihshravas verwandt ist.

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Die epische Erzählung und ihr historischer Kern

Das Köroglu-Epos ist eine der langlebigsten und geografisch am weitesten verbreiteten Erzählungen des gemeinsamen epischen Erbes der türkischen Welt (Anatolien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan). Dutzende Varianten sind überliefert; eine systematische Sammlung erhielt es besonders in Pertev Naili Boratavs Werk Köroglu Destani (1931, danach türkische Neuauflagen). Das Kern-Erzählgerüst des Epos ist folgendes:

Köroglu („Sohn des Blinden") — sein Vater Yusuf oder Koca Yusuf (der Name wechselt je nach Variante) — ist als Pferdetierarzt und -pfleger im Stall des Beys von Bolu (oder des Khans der Cengiler) tätig. Als der Bey ein edles Pferd verlangt, deutet Yusuf, nicht in Erwartung eines aus seinem Auge hervorgehenden Wunders, sondern mit echter Sachkenntnis, auf eine Stute, die mit einem Fohlen aus der Paarung eines Meereshengstes mit einer Erdstute trächtig ist. Als der Bey nachprüft, gefällt ihm das Fohlen, das diese Stute gebären wird, ganz und gar nicht (denn das Fohlen ist klein, schwächlich, hässlich); aus Zorn lässt er Yusuf mit dem Glüheisen blenden. Später stellt sich heraus, dass dieses schwächliche Fohlen in Wahrheit ein außergewöhnliches Pferd ist — ein heiliges Geschöpf, das besondere Pflege und Erziehung verlangt.

Der geblendete Yusuf übergibt das Fohlen seinem Sohn (unserem noch namenlosen Helden) und trägt ihm auf, es vierzig Tage und vierzig Nächte in einem dunklen Stall mit besonderer Fütterung und Erziehung aufzuziehen. Der Sohn folgt dem Vermächtnis des Vaters. Das Pferd, das nach vierzig Tagen hervortritt, gelangt zu seinem epischen Namen Kirat („graufarbenes Pferd" — ein grau-bläulicher, himmlischer Farbton). Kirat besitzt außergewöhnliche Eigenschaften: Es erhebt sich, als breite es Flügel aus, es schreitet über Wasser, es läuft mit Blitzesgeschwindigkeit, es versteht die Gedanken seines Herrn und gibt ihm bei Bedarf Rat. Mit dem so vervollkommneten Kirat erhält der Sohn den Namen Köroglu und wird von seiner Bergfeste auf Çamlibel aus zu einem Robin-Hood-artigen Volkshelden, der an der Seite der Unterdrückten kämpft.

Historischer Kern: Die moderne türkische Volksliteraturforschung (Pertev Naili Boratav, Fuat Köprülü, Otto Spies, Karl Reichl) zeigt, dass das Köroglu-Epos auf eine historische Köroglu-/Ruschen-Ali-Gestalt zurückgeht, einen Anführer der Celâlî-Aufstände des 16. Jahrhunderts. 1581 ist in osmanischen Quellen ein Celâlî-Anführer namens Ruschen Ali belegt; diese Person wurde später zur epischen Gestalt umgeformt. Der Kern der epischen Erzählung jedoch — besonders das Motiv des wunderbar geborenen Pferdes — reicht in weit ältere, paläolithisch-eurasische Schichten zurück. Der historische Celâlî-Köroglu erscheint gleichsam als ein älterer Mythos-Archetyp in neuem Gewand.

Die Verbreitungsgeografie des Epos ist bemerkenswert: Anatolien (die Achse Bolu-Çamlibel), Aserbaidschan (die Achse Çenlibel, eher höfisch-literarisch), Turkmenistan (die Görogly-Erzählung), Usbekistan (besonders im Ferghanatal, Ergasch Cumanbülbül-oglus Köroglu-Sammlung), der gemeinsame kasachisch-turkmenische Raum, das Tadschikisch-Iranische (Gurugli). Diese geografische Verbreitung ist der Beweis dafür, dass das Köroglu-Motiv nicht aus einer einzigen historischen Person, sondern aus einem kollektiven paläolithisch-eurasischen Mythos-Archetyp stammt.

Die symbolischen Dimensionen Kirats

Kirat ist nicht ein bloßes episches Tierdetail, sondern ein tief strukturierter kosmischer Symbolkomplex.

Das Farbsymbol — die Farbe „kir"

Der Name des Pferdes ist „Kirat", also graufarbenes Pferd. In der türkischen Farbsymbolik verweist die Farbe kir auf einen grau-bläulich-hellen Ton; sie trägt die Assoziationen himmlisch-licht, mit Chidr verbunden, wunderbar-rein (siehe den Abschnitt zur Farbkosmologie in der Notiz türkische Pferdekultur und Spiritualität). Die Farbe „kir" ist in der klassischen sufisch-anatolischen Symbolik die Pferdefarbe der Gestalt Chidr; Chidr wird in den Volkserzählungen als Reiter auf dem fahlen Pferd gezeichnet, und die Farben „boz" und „kir" sind nahe verwandt.

Dass Köroglus Pferd insbesondere graufarben ist, ist das symbolische Zeichen dafür, dass der Held eine Chidr-Sendung trägt. Der Held ist kein gewöhnlicher Krieger, sondern der irdische Stellvertreter der verborgenen, führenden Chidr-Energie. Diese geistige Lesart steht im Einklang damit, dass die anatolische alevitisch-bektaschitische Tradition Köroglu mancherorts in die Kategorie eines Chidr-Heiligen einordnet.

Seine wunderbare Abstammung — Meereshengst und Erdstute

Vater und Mutter Kirats sind von wunderbar-mythischem Charakter. Das Motiv des Meereshengstes ist die epische Spiegelung der paläolithisch-eurasischen Heiligkeit des Wassertieres. Das Meer/Wasser ist auch im türkischen Schöpfungsmythos der Anfangsort der Schöpfung; es ist Symbol des chaotischen Potenzials und des mütterlichen Schoßes. Der Meereshengst, das aus dem Wasser steigende und die Stute befruchtende wunderbare Wesen, ist strukturell mit den Pferden des Poseidon in der griechischen Mythologie verwandt.

Die Erdstute ist die Vertreterin der schwarzen Erde. So birgt Kirats Abstammung die Synthese der Gegensatzpaare Meer–Land, Himmel–Erde, Wunder–Praxis, Chaos–Ordnung. Dieses Motiv der coniunctio oppositorum (Einheit der Gegensätze) ist für eine jungianische Lesart ein Schatz: Kirat symbolisiert die integrierte Bewusstsein-Unbewusstsein-Achse des Helden.

Die vierzigtägige Erziehung im dunklen Stall

Dieses Motiv des Epos ist die epische Spiegelung des paläolithischen Archetyps der Initiationshöhle. Die Zahl 40 (vierzig) ist in der türkisch-islamisch-sufischen Tradition die Dauer der Chalwa-i Arbaʿīn (der vierzigtägigen Klausur); die Zeit, die Mose am Berg Sinai verbrachte, die Zeit, die Jesus in der Wüste verbrachte, die Zeit, die Muhammad in der Höhle Hira verbrachte... Sie alle sind Symbol der vierzigtägigen Wandlungsphase. Das „Garen" („Reifen") Kirats vierzig Tage und vierzig Nächte im dunklen Stall ist ein Prozess parallel zur inneren Erziehung des Helden; Pferd und Herr wandeln sich gemeinsam.

Mircea Eliade zeigt in seinem Werk Schamanismus und archaische Ekstasetechnik (1951), dass die schamanische Initiation durch die Dreiheit dunkle Höhle, vierzigtägige Isolation, besondere Nahrung gekennzeichnet ist. Kirats Erziehung ist die in eine episch-literarische Form gegossene Fassung dieses paläolithisch-schamanischen Initiationsmusters. Ja, dieses Motiv zeigt sogar eine unmittelbare Parallelstruktur zur Praxis der Klausur in der dunklen Jurte in den Lehrjahren sibirischer Schamanen.

Kirats Sprechen und die innere Führung

Kirat spricht an vielen Stellen des Epos zu seinem Herrn; es gibt ihm Rat, warnt vor Gefahr, weist den Weg. Dieses Motiv ist nicht dem Epos eigen; auch im Buch des Dede Korkut spricht Bamsi Beyreks Pferd Boz-Aygir zu seinem Herrn. Vergleichsweise sprechen auch Arjunas Pferde im hinduistischen Mahabharata, Achilles' Pferde in der Ilias (Xanthos und Balios) und der skandinavische Sleipnir zu ihren Herren.

In geistig-psychologischer Deutung: Das sprechende Pferd ist die innere Führerstimme des Helden. Im Rahmen von Joseph Campbells The Hero with a Thousand Faces (1949) ist dies die paradigmatische Erscheinung der Kategorie supernatural aid (übernatürliche Hilfe). Die Worte des Pferdes sind der symbolische Ausdruck der an der Bewusstseinsschwelle wandelnden inneren Eingebungen des Helden. In jungianischer Sprache: Das Pferd ist das lebendige Mittel des Dialogs des Helden mit seinem unbewussten Führer.

Çamlibel — der kosmische Achsen-Berg

Köroglus Feste Çamlibel (in der anatolischen Geografie in der Umgebung von Bolu, in der aserbaidschanischen Variante Çenlibel) ist die epische Repräsentation des kosmischen Berges, des klassischen axis-mundi-Symbols (der Weltachse). Eliade behandelt in Patterns in Comparative Religion (1958), dass das Motiv des Verweilens des Helden auf dem kosmischen Berg die materielle Erscheinung der Kategorie heiliges Zentrum in der paläolithischen Kosmologie ist.

Çamlibels Bergort, Kirats Fähigkeit, durch die Luft zu fliegen, Köroglus blitzschnelles Hinab- und Hinaufsteigen, um den Unterdrückten zu helfen — all dies sind die episch-handlungshaft-literarischen Erscheinungen der Himmel-Erde-Achse-Symbolik. Köroglu ist der Träger der heiligen Achse, die sich vom kosmischen Zentrum zur umliegenden Geografie öffnet; Kirat ist sein axiales Reittier.

Vergleichende Perspektive

Burâq — das Miʿrādsch-Reittier Muhammads

In der islamischen Tradition ist Burâq (arabisch Burāq) das Reittier Muhammads bei der Miʿrādsch — also der himmlischen Reise von der al-Aqsā-Moschee zur Sidrat al-Muntahā. Die Beschreibung Burâqs wird in den Hadith-Quellen (besonders in den Sahîh-Werken von Buchârî und Muslim sowie in Ibn Hischâms Sîra) ausführlich behandelt. In der klassischen Beschreibung ist Burâq ein pferdeartiges Wesen, geflügelt, mit Menschengesicht, größer als ein Esel und kleiner als ein Maultier. Sein Name kommt von der Wurzel barq (Blitz) — also das mit Blitzesgeschwindigkeit gehende Reittier.

Symbolische Funktion: Burâq ist das konkrete Mittel des Übergangs des Propheten von der materiellen in die geistige Welt. Dass es geflügelt, schnell, ein wunderbares Geschöpf ist — all dies ist die Erscheinung des Archetyps des Transzendenz-Reittiers im islamisch-heiligen Zentrum. Die islamisch-sufische Tradition liest die Miʿrādsch als das archetypische Modell der geistigen Transzendenz-Reise jedes Gläubigen; in diesem Fall ist Burâq das Reittier der inneren Transzendenz, nicht ein bloßes historisches Detail.

Vergleich mit Kirat:

Ibn Arabî behandelt Burâq in seinen Futūhāt al-Makkiyya auch symbolisch: Burâq ist das Symbol des durch die himma ʿāliya (erhabene geistige Konzentration) in Bewegung gesetzten geistigen Kanals. Diese sufisch-innere Lesart bietet ein Modell für die innerliche Deutung von Köroglus Kirat: Kirat ist das lebendige Reittier von Köroglus geistiger himma.

Pegasos — das geflügelte Pferd der griechischen Mythologie

Pegasos ist in der klassischen griechischen Mythologie das geflügelte Pferd, das aus dem Blut geboren wird, das aus dem abgeschlagenen Haupt der Medusa fließt. Er wird in Hesiods Theogonie (7. Jh. v. Chr.) und in Apollodors Bibliotheke ausführlich behandelt. Pegasos' wichtigster Reiter Bellerophon zieht mit ihm aus, das Ungeheuer Chimaira zu töten, und versucht, zum Olymp hinaufzusteigen (dieses Unterfangen gilt als Vermessenheit; Zeus stürzt Bellerophon zu Boden, doch Pegasos gelangt zum Olymp und wird zum Träger der Blitze des Zeus).

Symbolische Funktion: Pegasos ist das Symbol der Dichterinspiration und der schöpferischen Transzendenz. Dass er mit seinem Huf auf die Erde schlägt und so die Hippokrene (die Rossquelle, die Quelle der Musen auf dem Berg Helikon) hervorbringt, ist der griechische Ausdruck des Archetyps der Eröffnung der geistigen Schöpferkraft.

Vergleich mit Kirat:

Wie die klassische Komparatistik (Walter Burkert, Robert Graves) hervorhebt, ist das Pegasos-Motiv wahrscheinlich anatolischen (lykischen) Ursprungs; es gelangte über die ostägäische Handelsverbindung nach Griechenland. Dies stärkt den geografisch-historischen Grund der Pegasos-Kirat-Verwandtschaft.

Indras Uchchaihshravas — das weiße Pferd der Hindus

In der hinduistisch-vedischen Mythologie ist Uchchaihshravas (Sanskrit „der mit hohen Ohren" oder „das laute Wiehern") das Pferd des Gottes Indra. Es ist eines der vierzehn heiligen Geschöpfe, die beim Quirlen des Milchozeans (Samudra Manthana) hervortreten; rein weiß, geflügelt, unsterblich. Eine Geschichte des Pferdes wird im Mahabharata (Adi Parva, Kapitel 17–23) erzählt: Die Wette zwischen der Göttin Vinata und der Schlangenmutter Kadru über die Farbe des Pferdeschweifs ist eine Tür, die sich in die Tiefen der zweiten Schicht des hinduistischen Mythos öffnet.

Uchchaihshravas ist das hinduistische Beispiel des Archetyps des geflügelten Reittiers; für Indra fungiert es als Blitz-Krieger-Reittier.

Vergleich mit Kirat:

Im Rahmen der indoeuropäischen Komparatistik Georges Dumézils sind das Viergespann/Fünfgespann Uchchaihshravas-Pegasos-Sleipnir-Burâq-Kirat die in verschiedenen Kulturkodes vervielfachten Erscheinungen des paläolithisch-eurasischen Archetyps des geflügelten Transzendenz-Reittiers.

Düldül — das Reittier des Imam Ali

In der islamischen Tradition wird Düldül (arabisch Duldul) als ein Maultier (in manchen Quellen ein Pferd) behandelt, das der Prophet dem Imam Ali schenkte. In der anatolischen alevitisch-bektaschitischen Tradition ist Düldül strukturell Kirat ebenbürtig; es wird als geistiger Gefährte Alis, als Wunder-Reittier, als Pferd des Jenseits-Kriegers erhöht. In den Hymnen von Pir Sultan wird Düldül häufig erwähnt.

Die strukturelle Verwandtschaft Düldüls mit Kirat ist folgende: Beide sind der wunderbare Gefährte, der die geistige Sendung des Helden (Ali / Köroglu) begleitet. Die gemeinsame Behandlung dieser beiden Gestalten in der anatolischen alevitisch-bektaschitischen Tradition ist die mit dem schiitischen Islam synthetisierte Form der paläolithisch-eurasischen Pferdemythologie; und diese Synthese bereichert den geistigen Symbolschatz des alevitisch-bektaschitischen Weges.

Der skandinavische Sleipnir

Odins achtbeiniges Pferd Sleipnir ist die nordeuropäisch-paganische Version des geistigen Reittiers. Auf Sleipnir reist Odin zwischen den neun Welten. Seine acht Beine sind das Symbol der Fähigkeit des Pferdes, zugleich in vier Richtungen zu gehen; dies ist ein paradigmatisches Merkmal des schamanischen Transzendenz-Reittiers. Die strukturelle Verwandtschaft zwischen Sleipnir und Kirat ist der gemeinsame Nenner der nordeuropäischen und der türkisch-anatolischen Linie des paläolithisch-eurasischen Archetyps des Pferde-Transzendenz-Reittiers.

Reflexionen in der anatolischen Volkskultur

Kirat bei Pir Sultan Abdal und anderen Aschik-Dichtern

In den Hymnen Pir Sultan Abdals aus dem 16. Jahrhundert wird das Köroglu-Motiv häufig erwähnt. In einem der Deyisch Pir Sultans symbolisiert das Paar Köroglu-Kirat den Archetyp von Gerechtigkeit-Heldentum-Schutz. Auch anatolische Volksdichter wie Karacaoglan, Dadaloglu und Aschik Veysel erwähnen das Köroglu-Motiv von Zeit zu Zeit in ihren Werken. Dies ist ein lebendiger Beweis dafür, wie der paläolithische Mythos-Archetyp in der Linie der anatolischen Volksliteratur fortlebt.

Die Geografie von Çamlibel und das anatolische Volksgedächtnis

Die Geografie von Bolu-Çamlibel wird im anatolischen Volksgedächtnis mit Köroglu gleichgesetzt. In der lokalen Folklore sind Köroglus Höhle, die Quelle, an der Kirat trank, die Hufspuren seines Pferdes in den Felsen — all dies lebendige Denkmalstätten, an denen sich Epos-Mythos und Geografie verflechten. Dies ist das Zeichen dafür, dass das paläolithische Bewusstsein der heiligen Geografie auf epischer Ebene fortbesteht.

Bei den Yörük-Stämmen stehen die Köroglu-Geschichten im Zentrum des von Generation zu Generation weitergegebenen mündlich-literarischen Erbes. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lebten unter den Yörüken des Taurus Aschiks, die die Köroglu-Geschichten zur Saz-Begleitung sangen. Diese mündliche Tradition ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts nahezu verschwunden, in manchen Gegenden (besonders Konya-Eregli, Antakya-Hatay, Ostanatolien Erzurum-Kars) jedoch noch lebendig.

Köroglu und der Diskurs der sozialen Gerechtigkeit

Köroglu findet als Robin-Hood-artiger Gerechtigkeitsheld auch im modernen türkischen links-republikanischen Diskurs einen Platz. Die Köroglu-Tradition wird als symbolisch-historischer Bezugspunkt antifeudaler Kämpfe behandelt. Diese modernen Deutungen bergen die Gefahr, den paläolithisch-mythischen Gehalt zu verengen; doch ist die Kernbotschaft des Epos vom an der Seite des Unterdrückten kämpfenden Helden eine zu den modernen Lesarten offene Kontinuität.

Moderne Reflexionen

Kino, Fernsehen, Literatur

Im türkischen Kino nach der Republikgründung wurden Filme mit dem Köroglu-Stoff gedreht (Produktionen von Atif Yilmaz, Yilmaz Köksal, Cüneyt Arkin); keiner davon vermag die geistigen Tiefen des epischen Gehalts ganz zu erfassen, doch sind sie ein Teil des Prozesses der Übersetzung des paläolithischen Mythos-Archetyps in die Massenmedien.

In der zeitgenössischen türkischen Literatur wird das Köroglu-Motiv selten, aber tief behandelt: In Yaschar Kemals Serie Ince Memed ist die Parallele Memed-Köroglu deutlich; in der Dichtung Ahmed Arifs ist das Köroglu-Motiv das Symbol des anatolischen Widerstands; in einigen Gedichten Cemal Süreyas finden sich Anspielungen auf Kirat.

Zeitgenössische geistig-esoterische Lesarten

In den türkisch-esoterisch-geistigen Kreisen des 20. und 21. Jahrhunderts wird Köroglu als Symbol des inneren Kriegers neu gelesen. Hier werden allegorische Deutungen vorgenommen: Kirat = die nafs al-muṭmaʾinna (die zur Ruhe gekommene niedere Seele), Köroglu = das Zentrum von Herz und Seele, der Bey von Bolu = die nafs al-ammāra (die gebietende niedere Seele), Çamlibel = die erhabene Stufe des Herzens. Diese Deutungen finden sich nicht unmittelbar in den klassischen Quellen; sie sind ein Teil des Wiederentdeckungsprozesses des modernen türkischen Sufismus.

Eine ganzheitliche Lesart im Rahmen von Jung und Campbell

Im Rahmen von Carl Jung und Joseph Campbell ist das Paar Köroglu-Kirat das türkisch-anatolische Beispiel des Helden-Gefährten-Archetyps. Im Rahmen von Campbells The Hero with a Thousand Faces (1949):

Im Rahmen der jungianischen Lesart ist Kirat = das lebendige Bild des Selbst-Archetyps auf der Selbst-Achse des Helden. Seine Geburt aus Meereshengst und Erdstute ist die geistige Erscheinung der coniunctio oppositorum. Die vierzig Tage und vierzig Nächte währende Erziehung im Dunkeln ist die epische Darstellung des Individuationsprozesses. Das Sprechen des Pferdes ist das archetypische Modell des bewussten Dialogs mit dem unbewussten Führer.

Kritik

  1. Fallstricke der Historisierung: Das Köroglu-Epos allein auf den Celâlî-Köroglu/Ruschen Ali des 16. Jahrhunderts zu reduzieren, übersieht die Tiefe des paläolithischen Mythos-Archetyps. Ein historischer Kern ist vorhanden, aber die Mythenschicht ist weit älter und breiter. Dies ist ein Beispiel dafür, wie die Grenzen des modernen historistischen Positivismus am epischen Gehalt sichtbar werden.

  2. Anatolisch-türkische Verengung: Manche modernen Interpreten behandeln Köroglu als rein anatolisches Phänomen und übergehen die aserbaidschanischen, turkmenischen, usbekischen und tadschikischen Varianten. Dabei ist die geografische Verbreitung des Epos der Ausdruck des gemeinsamen türkisch-iranisch-turkmenischen eurasischen Erbes. Karl Reichls vergleichende Studien zum türkischen Epos (besonders Turkic Oral Epic Poetry, 1992) sind an diesem Punkt maßgeblich.

  3. Sozio-ideologische Instrumentalisierung: Die seit Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgende Reduktion Köroglus auf einen rein links-republikanischen Robin Hood verdeckt den geistig-mystischen Gehalt. Köroglu ist zwar ein Held der sozialen Gerechtigkeit, doch ist diese Seite eine begrenzte Erscheinung seines geistig-mystischen Gehalts.

  4. Modern-populäre Vereinfachung: Der Köroglu der Kino- und Fernsehproduktionen kann den mythisch-archetypischen Gehalt auf Kaffeehaus-Action reduzieren. Die tiefen Schichten des Epos (Chidr-Bindung, kosmische Achse, wunderbare Abstammung, initiatorische Erziehung usw.) werden in visuell-populären Produktionen meist übergangen.

Praktische Implikationen

Die Köroglu-Kirat-Erzählung bietet für die zeitgenössische geistige Lesart folgende Implikationen:

Köroglus Kirat ist eines der hellsten Glieder des türkisch-anatolischen Mythos-Archetyps; es ist die episch-folkloristische Erscheinung des eurasischen Archetyps des geflügelten Transzendenz-Reittiers, der sich von Burâqs Miʿrādsch über Indras Uchchaihshravas bis zu Pegasos und Sleipnir erstreckt. Sein Epos neu zu lesen heißt, das paläolithisch-eurasische geistige Erbe auf unserem eigenen inneren Reittier neu zu beleben.

Zusatzvergleich: das chinesisch-daoistische Tianma und die Pferde der griechischen Dioskuren

In der chinesischen Tradition ist Tianma (天馬, „Himmelspferd") die Bezeichnung für die aus den Westgebieten stammenden, blutschwitzenden edlen Pferde; in der daoistischen Kosmologie wird es als ein Mittel beschrieben, um die xian-Stufe (Unsterblichkeit) zu erreichen. In Liu Ans Huainanzi (2. Jh. v. Chr.) begegnet uns die Metapher des Pferdeflugs häufig. Dies ist eine Parallele, die China dem Viergespann Kirat-Burâq-Pegasos hinzufügt.

Die griechischen Dioskuren (Kastor und Polydeukes) sind Zwillingshelden und werden mit ihren Pferden dargestellt. Ihre Pferde (Phlogeus und Harpagos) sind nicht wie Pegasos geflügelt, aber von wunderbarer Abstammung und schnell. Die Verbindung des Dioskuren-Zwillings-Archetyps mit Pferden zeigt eine unmittelbare Parallele zu den hinduistischen Ashvins (den Zwillingsreitern); und dieses paläolithisch-indoeuropäische Motiv des Zwillingsreiter-Helden könnte strukturell mit der türkisch-anatolischen Version des Paares Köroglu-Ayvaz (Köroglus geistiger Sohn-Gefährte) verwandt sein.

Diese chinesisch-griechischen Hinzufügungen sind insofern bedeutsam, als sie zeigen, wie der Archetyp des geflügelten Transzendenz-Reittiers an den Ost- und Westenden Eurasiens widerhallt.

Erweiterter Vergleich: Die vielfältigen Pferdeerzählungen Eurasiens

Das Pferdemotiv im mongolischen Geser-Epos

Das mongolisch-tibetische Geser-Epos (die Geseriade) ist ein großes zentralasiatisches Epos, dessen Sammlung im 12.–13. Jahrhundert begann, dessen Kern-Erzählung aber weit älter ist. Das Pferd des Helden Geser, Kyang-go-Karkar (oder je nach Variante mit anderen Benennungen), ist der untrennbare geistige Gefährte des Helden. Auch dieses Pferd ist wie Kirat von wunderbarer Abstammung, gesprächig und übernimmt die innere Führung des Helden. Die strukturelle Verwandtschaft der mongolisch-tibetischen Version mit der türkisch-körogluschen Version ist ein lebendiger Beweis für die gemeinsamen Schichten der paläolithisch-eurasischen Epos-Mythologie.

Wie Walther Heissig in seinem Werk The Religions of Mongolia (1980) zeigt, ist die Parallele Geser-Köroglu kein bloßer Folklore-Zufall; im Gegenteil, sie sind zwei Produkte der gemeinsamen Epos-Erzeugungsmaschine der türkisch-mongolischen nomadisch-kriegerischen Gesellschaften. Dasselbe paläolithische Muster zieht in verschiedenen Sprachen und Geografien seinen eigenen Helden heran.

Der hinduistische Bhima und sein Pferd

Die Pferde, die den Kriegswagen Bhimas, eines der Pandava-Brüder des Mahabharata, ziehen, besitzen wunderbare Eigenschaften. Dieses Motiv ist in einem weiteren Kanon der hinduistischen Epenliteratur das strukturelle Äquivalent des Paares Kirat-Köroglu. Dass Krishna der Wagenlenker Arjunas ist — also dass der geistige Führer die Pferde lenkt — ist die kosmische Spiegelung der hinduistischen guru-disciple-Struktur (Lehrer-Schüler); und dieses Motiv lässt sich als hinduistische Parallele des Motivs lesen, dass Kirat Köroglu Rat gibt.

Rostam und Rachsch im persischen Schāhnāme

In Firdausîs Schāhnāme (um 1010) ist das Pferd des persischen Epenhelden Rostam, Rachsch (oder Rakhsh), die persische Parallele des Paares türkischer Köroglu-Kirat. Auch Rachsch wird sein Leben lang Gefährte des Helden; von wunderbarer Abstammung, gesprächig, beschützend. Dass Rostam auf Rachsch unüberwindliche Berge überwindet, ist strukturell ebenbürtig mit dem Motiv von Köroglus Aufstieg mit Kirat nach Çamlibel.

Die Parallelen in den epischen Pferdemotiven des persisch-türkisch-hinduistischen Dreiecks gehören zu den deutlichsten Beweisen dafür, dass die iranisch-turanisch-indoeuropäischen Kulturen mit den paläolithisch-eurasischen Wurzeln verbunden sind. Die indoeuropäische Hypothese paläolithischer Archäologen wie Marija Gimbutas und David Anthony liefert für diese epischen Parallelen einen materiell-archäologischen Unterbau.

Die geistig-sufische Lesart Kirats: Sufische Allegorie

Die Dichte der Pferdesymbolik in der klassischen türkisch-sufischen Literatur bereitet den Grund für die sufische Lesart der Köroglu-Kirat-Erzählung. Auf diesem Grund haben türkisch-sufische Autoren des 20. und 21. Jahrhunderts (Mahir Iz, Ausleger des Aziz Mahmud Hüdayi, moderne Volkssufismus-Autoren) folgende allegorische Deutungen entwickelt:

Kirat = die erzogene niedere Seele

Die siebenstufige Reise des klassischen Sufismus von der nafs al-ammāra (gebietende niedere Seele) → nafs al-lawwāma (sich selbst tadelnde niedere Seele) → nafs al-mulhima (inspirationsempfangende niedere Seele) → nafs al-muṭmaʾinna (zur Ruhe kommende niedere Seele) → nafs al-rāḍiya/marḍiyya (zufriedene/wohlgefällige niedere Seele) → nafs al-ṣāfiya (geläuterte niedere Seele) wird als allegorisches Äquivalent der vierzigtägigen Erziehung des Pferdes im Dunkeln gelesen. Der zahlenmäßige Unterschied zwischen den sieben Stufen und den vierzig Tagen zeigt die Beweglichkeit der sufischen Typologie; die Kernbotschaft ist dieselbe: Der unkontrollierte Instinkt wird durch Erziehung zum geistigen Gefährten.

Köroglu = das Herz / das ganzheitliche Bewusstsein

Der Held Köroglu ist das Symbol des herzzentrierten ganzheitlichen Bewusstseins. Er wirkt zusammen mit seinem Pferd (Kirat = die erzogene niedere Seele); er belebt die Synthese aus Verstand und Instinkt, Bewusstsein und Unbewusstem, Sichtbar und Unsichtbar. In dieser Lesart ist Köroglu nicht ein gewöhnlicher Epenheld, sondern die epische Erscheinung des Archetyps des al-insān al-kāmil (des vollkommenen Menschen).

Der Bey von Bolu = der Tyrann der niederen Seele

Köroglus Feind, der Bey von Bolu (oder der Khan der Cengiler), ist das Symbol des Tyrannen der niederen Seele im klassischen Sufismus — also des selbstzentrierten, andere unterdrückenden, despotischen Egos. Köroglus Kampf gegen den Bey von Bolu ist, innerlich gelesen, der geistige Kampf des Gläubigen gegen die eigene innere Tyrannei.

Çamlibel = die Herzensstufe

Çamlibel ist die Feste und Zuflucht des Helden; innerlich gelesen ist es die erhabene Stufe des Herzens, das geistige Zentrum. Köroglus Hinabsteigen von Çamlibel, sein Helfen für den Unterdrückten und sein erneutes Hinaufsteigen ist das Symbol dafür, wie der Gläubige sich vom Herzzentrum zur umliegenden Welt öffnet und zum inneren Zentrum zurückkehrt.

Diese sufische Lesart ist in den klassischen islamisch-sufischen Quellen nicht unmittelbar verzeichnet; doch die Pferdeallegorien in Mevlânâs Mathnawî, die Burâq-Deutungen in Ibn Arabîs Futūhāt al-Makkiyya, die im Volkssufismus von Yunus Emre verbreitete Pferdesymbolik — all dies liefert den Grund dieser Deutung. Die Deutung setzt den Dialog des klassischen Sufismus zwischen paläolithischem Mythos und islamischer Doktrin fort.

Schluss: Kirat und der moderne Mensch

Köroglus Kirat ist eines der hellsten Glieder des türkisch-anatolischen Mythos-Archetyps. Sein Epos neu zu lesen heißt, das paläolithisch-eurasische geistige Erbe auf unserem eigenen inneren Reittier neu zu beleben. Auf die grundlegenden Fragen des modernen Menschen wie die Abtrennung von Verstand und Instinkt, den Mangel an geistiger Führung und die Spaltung von Handlung und innerer Tiefe bietet die Köroglu-Kirat-Erzählung eine alte, aber lebendige Antwort: Höre auf deinen erzogenen Instinkt, vertraue deinem wunderbaren Gefährten, öffne dich vom kosmischen Zentrum zur Umgebung und kehre zurück, kämpfe an der Seite des Unterdrückten, aber vergiss nie, dass du für deinen Kirat da bist.

Diese Botschaft ist weder eine rein folkloristische Vergangenheit, noch eine rein politische Identität, noch eine rein mystische Flucht. Sie ist ein lebendiger Ruf der paläolithisch-eurasischen Kosmovision, der bis in unser zeitgenössisches Leben reicht. Die Kette des geflügelten Transzendenz-Reittiers, die sich von Burâq zu Kirat, von Pegasos zu Sleipnir, von Uchchaihshravas zu Rachsch erstreckt, ist der universell-archetypische Ausdruck des Verlangens der Menschheit nach Transzendenz mit einem lebendigen Gefährten. Köroglu ist einer der hellsten Boten des türkisch-anatolischen Abschnitts.

Detaillierte historisch-geografische Verbreitungsanalyse

Die eurasische Verbreitungskarte des Köroglu-Epos ist ein lebendiges historisches Dokument, das die paläolithischen Tiefen des türkisch-mongolisch-iranisch-turkmenischen Kulturnetzes offenlegt. Jede regionale Variante hat die Kern-Erzählung mit ihren eigenen lokal-kulturellen Färbungen bereichert, jedoch die grundlegenden symbolischen Inhalte bewahrt.

Anatolische Varianten

Die anatolische Köroglu-Epos-Erzählung zeigt in sich Vielfalt. Die Bolu-Çamlibel-Version ist die verbreitetste; diese Version schlägt eine Brücke zwischen dem historischen Grund der Celâlî-Aufstände des 16. Jahrhunderts und der paläolithischen Tiefe des Mythos-Archetyps. Pertev Naili Boratavs systematische Sammlung von 1931 legt vornehmlich diese Bolu-Çamlibel-Version zugrunde. Doch haben sich am Ostschwarzmeer, in Ostanatolien (Erzurum-Kars), in Zentralanatolien (Yozgat-Çorum-Sivas), im mediterranen Raum (Antakya-Hatay-Adana) und in Mittelanatolien (Konya-Karaman) jeweils eigene Köroglu-Erzählungen entwickelt. Diese geografische Vielfalt ist der Beweis dafür, dass das Epos als lebendig-organische mündlich-literarische Tradition in jedem Winkel Anatoliens neu geschaffen wurde.

In manchen lokalen Varianten wechselt Kirats Farbe: In den ostanatolischen Versionen erscheint ein yagiz-Pferd (dunkelbraun) oder ein al-Pferd (fuchsrot); dies ist ein Eingriff der lokalen Farbtypologie in die Epos-Erzählung. In den mediterranen Versionen wird Kirats Meereshengst-Abstammung besonders betont (die geografische Nähe des Meeres); in den zentralanatolischen Versionen tritt die wunderbare Höhlengeburt der Pferdeabstammung in den Vordergrund.

Die aserbaidschanische Variante

Das aserbaidschanische Köroglu-Epos trägt einen eher höfisch-literarischen Charakter. Köroglu wird hier als Aschik-Dichter-Held gezeichnet; eine Gestalt, die Saz spielt und Gedichte vorträgt, sowohl Krieger als auch Barde ist. In der Schule von Schirwan wurden seit dem 16.–17. Jahrhundert Köroglu zugeschriebene Gedichte im Stil von Koschma, Diwani und Bayati gesammelt. Dieser aserbaidschanische Köroglu ist die bereicherte Form der Aschik-Elegmen-Dimension des anatolischen Köroglu. Sein Kirat (in der Lokalsprache Qirat) ist wiederum der zentrale Gefährte.

Turkmenistan: die Görogly-Erzählung

Die Görogly-Erzählung in Turkmenistan ist ein weit längeres Epos von großer epischer Breite. Es enthält über hundert Gol (Episoden). In dieser Version wird Görogly-Köroglu eher als kriegerisch-wunderbarer Held gezeichnet; die sozial-gerechtigkeitsbezogene Betonung der anatolischen Version ist geringer. Das Görogly im Status des Nationalepos Turkmenistans ist eine der Grundsäulen der modernen turkmenischen Kultur.

Usbekisch-tadschikische Varianten

Die Köroglu-Gurugli-Erzählungen in Usbekistan und Tadschikistan nähren sich aus dem paläolithisch reichen epischen Boden des Ferghanatals. Die Sammlungen usbekischer Aschiks des 19.–20. Jahrhunderts wie Ergasch Cumanbülbül-oglu (1868–1937) haben dafür gesorgt, dass diese Varianten in schriftliche Aufzeichnungen gelangten. Die usbekische Version ist mit islamisch-mystischen Elementen wie dem Burâq-Motiv stärker bereichert; Köroglu nähert sich hier einer Art Chidr-Heiligen-Gestalt.

Kasachisch-tatarische Varianten

Die kasachischen und tatarischen Varianten haben die Steppeneigenschaften stärker bewahrt. Hier tritt anstelle von Kirats Meereshengst-Abstammung eine Steppenhengst- oder Berghengst-Abstammung in den Vordergrund (eine der Geografie angepasste Anpassung). In den tatarisch-nordeurasischen Versionen sind die schamanisch-tranceartigen Elemente deutlicher; es existieren Versionen, in denen Köroglu als eine Art Schamanen-Held gezeichnet wird.

Die Pferd-Trommel-Verbindung: der schamanische Kanal

Die in der Notiz das schamanische Reit-/Pferdesymbol ausführlich behandelte Pferd-Trommel-Verbindung gilt auch für die Kirat-Erzählung. In manchen Aschik-Vorträgen des Köroglu-Epos schlägt der erzählende Aschik auf seine Saz und ahmt den Pferdelauf nach; dieser Schlagrhythmus ist strukturell mit den paläolithisch-schamanischen Trommel-Schlagrhythmen verwandt.

Der turkmenische Baghschy (Epenerzähler) errichtet beim Vortrag des Görogly-Epos zur Begleitung von Dutar oder Kemençe einen rhythmischen Akzent; dies stützt die Fähigkeit des Aschik, beständig an der Schwelle des Trance-Bewusstseins zu wandeln. Nach der Beobachtung der klassischen Komparatistik ist die Epenerzählung selbst eine Art bewusstseinsöffnende Praxis; und das Pferde-Reittier-Motiv ist die epen-interne Spiegelung des Transzendenz-Reittiers des Erzählers.

Das Kirat-Motiv in der türkisch-anatolischen Sufi-Dichtung

In der Dichtung Yunus Emres (ca. 1240–1320) ist das Pferdemotiv dicht:

In diesen Versen ist der Pferdelauf das Symbol des raschen Vergehens des weltlichen Lebens, aber zugleich das Reittier der geistigen Reise. Yunus Emres Pferdebild trägt sowohl die Flüchtigkeit des sterblichen Lebens als auch das Geschwindigkeitsmittel der geistigen Transzendenz.

In den alevitisch-bektaschitischen Hymnen Pir Sultan Abdals aus dem 16. Jahrhundert finden sich unmittelbare Anspielungen auf das Paar Köroglu-Kirat. In manchen Hymnen Pir Sultans werden der Düldül des Imam Ali und der Kirat Köroglus in einer Art kosmisch-ebenbürtiger Gefährten-Kategorie erwähnt; beide Gestalten teilen dieselbe archetypische Wärme.

Bedeutende Vertreter der anatolischen Aschik-Tradition wie Karacaoglan (Yörük-Aschik des 17. Jahrhunderts), Dadaloglu (Yörük-Aschik des 19. Jahrhunderts) und Aschik Veysel (Volksdichter des 20. Jahrhunderts) behandeln das Pferdemotiv auf verschiedenen Ebenen; dieses Motiv ist eine historische Aufzeichnungskette dafür, wie die paläolithisch-eurasische Pferdekultur in der anatolischen volks-sufischen Literatur fortlebt.

Das ganzheitliche geistig-sufische Schema des Köroglu-Epos

Dieser Abschnitt bietet die ganzheitliche sufische Lesart des Epos in systematischer Form. In den vorangegangenen Abschnitten haben wir das Schema Kirat = niedere Seele, Köroglu = Herz, Bey von Bolu = Tyrann der niederen Seele, Çamlibel = Herzensstufe behandelt. Nun wollen wir dieses Schema erweitern und auch die übrigen epischen Elemente an ihren Platz rücken.

Yusuf (der geblendete Vater) = der materielle Verstand

Köroglus Vater Yusuf wird als Pferdetierarzt (Pferdefachmann) gezeichnet; also als ein Fachmann, der für die Genauigkeit seiner Beobachtung bekannt ist. Seine Blendung ist das Symbol dafür, dass der materielle Verstand in geistige Blindheit verfällt. Als der Bey von Bolu ihm die Augen aussticht, verliert der materielle Verstand seine geistige Führung; doch ist dieser Verlust zugleich der Grund für das Sichöffnen des geistig-inneren Blicks. Dass Yusuf seinem Sohn das Fohlen anvertraut und ihm die Anweisung zur Erziehung gibt, ist das Symbol der Hingabe des materiellen Verstandes an die geistig-innere Erfahrung.

Der vierzigtägige dunkle Stall = die Chalwa-i Arbaʿīn

Die klassisch-sufische Praxis Chalwa-i Arbaʿīn (die vierzigtägige Klausur) ist in den türkisch-sufischen Orden (besonders im Chalwatî-Orden) eine zentrale geistige Erziehungspraxis. Kirats vierzigtägige Erziehung im dunklen Stall ist die epische Allegorie der Chalwa-i-Arbaʿīn-Praxis. Diese Parallele ist in den klassischen Quellen nicht unmittelbar verzeichnet, doch betonen moderne türkisch-sufische Autoren (besonders Volkssufismus-Ausleger des 20./21. Jahrhunderts) diese Parallele.

Köroglus Helfen für den Unterdrückten = Dienst am Volk

Köroglus Hinabsteigen von Çamlibel und sein Helfen für den Unterdrückten ist die epische Erscheinung des Prinzips Dienst am Volk (ḫidma-i ḫalq) im klassischen Sufismus. Wenn Yunus Emre sagt „Wir sind im Begriff, aus der Welt zu gehen, den Bleibenden sei Gruß", drückt er dasselbe Empfinden für den Dienst am Volk aus; Köroglu lebt dies auf der Ebene heldenhaften Handelns.

Diese Lesart ist, jenseits der rein mystischen oder rein sozialistischen Lesarten des Epos, die anatolisch-türkische epische Erscheinung der Synthese aus innerer Transzendenz und äußerem Dienst des klassischen Sufismus.

Köroglus Sohn Ayvaz = der Seelenpartner / der geistige Partner des Herzens

In manchen Varianten tritt die Gestalt von Köroglus geistigem Sohn Ayvaz in den Vordergrund. Ayvaz ist der geistige Partner, der Seelengefährte des Helden. Dieses Motiv ist ebenbürtig mit der Murschid-Murîd-Beziehung (Führer-Schüler) des klassischen Sufismus; das Paar Köroglu-Ayvaz lässt sich als epische Spiegelung des Paares Mevlânâ-Schems lesen. Das Gespräch (sohbet) — die Kommunikationspraxis der geistigen Gefährtenschaft — konkretisiert sich in den epen-internen Dialogen des Paares Köroglu-Ayvaz.

Die feindlichen Beys = die Feinde der geistigen Zustände

Die verschiedenen despotischen Beys, gegen die Köroglu im Epos kämpft (der Bey von Bolu, Reyhan Arap, Demircioglu usw.), sind das Symbol der verschiedenen inneren Zustände, denen man auf der geistigen Reise begegnet: Hochmut, Gier, Zorn, Eifersucht, Lüge, falsche Autorität. Köroglus Besiegen jedes einzelnen Beys ist die epische Erscheinung des Überwindens jedes einzelnen geistigen Hindernisses durch den Gläubigen.

Vorschläge und Anwendungen für den zeitgenössischen Gebrauch

Zur Frage, wie sich die Köroglu-Kirat-Erzählung an die zeitgenössische geistige Praxis anpassen lässt, lassen sich einige praktische Vorschläge anbieten:

Denkübung: Wer ist dein Kirat?

Auf der geistigen Reise des modernen Menschen ist es eine wertvolle Kontemplationsübung, die persönliche Erscheinung des Kirat-Archetyps zu entdecken. Wer ist dein Kirat? — also wer oder was ist auf deiner geistigen Reise der wunderbare Gefährte? Dies kann ein wirklicher Mensch (ein Murschid, Freund, Partner), eine geistige Praxis (Gottesgedenken, Meditation, das rituelle Gebet, das Bittgebet), eine Kunst-Disziplin (Musik, Dichtung, Malerei), eine Naturerfahrung (Berg, Meer, Wald) oder eine innere Fähigkeit (Intuition, innere Stimme, Traum) sein. Der Kirat-Archetyp zeigt die Kategorie des geistig-wunderbaren Gefährten als gemeinsamen Nenner dieser verschiedenen Erscheinungen.

Die vierzigtägige Dunkel-Erziehungspraxis

Die klassisch-sufische Praxis der Chalwa-i Arbaʿīn ist im modernen Leben nur begrenzt anwendbar; doch ist ihre Modulation möglich: vierzig Tage lang jeden Tag eine bestimmte Stunde (etwa eine Stunde täglich) der Praxis von Einsamkeit, Stille, innerer Schau. Dies ist eine zu Kirats vierzigtägiger Erziehung parallele Anwendung; es ist die konkrete Praxis der Erziehung der individuellen Instinkte zur geistigen Führung.

Die Çamlibel-Bewusstseinspraxis

Dass der moderne Mensch sein eigenes inneres Çamlibel — also sein geistiges Zentrum — findet, ist die Grundpraxis der geistigen Reise. Dies kann ein physischer Ort sein (eine Ecke zu Hause, Naturstätten, ein Sufi-Konvent oder Meditationszentrum), eine geistige Praxis (das Morgengebet, das Abend-Gottesgedenken, die nächtliche Kontemplation), eine geistige Struktur (eine bestimmte meditative Haltung, ein inneres Bild). Das Çamlibel-Bewusstsein erinnert daran, dass es, während man sich zur Außenwelt öffnet, stets ein inneres Zentrum gibt, zu dem man zurückkehren kann.

Die Praxis des Helfens für den Unterdrückten

Köroglus Helfen für den Unterdrückten ist kein abstraktes Epos-Detail, sondern ein geistig-praktisches Prinzip, das sich an das tägliche Leben jedes Gläubigen anpassen lässt. Dienst am Volk — der Dienst an der Menschheit — ist die praktische Anwendung des geistigen Aufstiegs im klassischen Sufismus. Der Köroglu-Archetyp schlägt eine Bewusstseinsstruktur vor, die sich nicht rein in sich selbst verschließt, sondern sich vom geistigen Zentrum zur Umgebung öffnet und zurückkehrt.

Reflexionen in anderen Traditionen geflügelter Pferde

Liath Macha und Dub Sainglend in der irischen Mythologie

Im irischen Epos Táin Bó Cúailnge (schriftliche Aufzeichnung etwa 7.–8. Jh.) hat der Held Cú Chulainn zwei wunderbare Pferde, Liath Macha („der Graue der Macha") und Dub Sainglend („der Schwarze des Sainglenn"). Dieses Pferdepaar stellt eine doppelt strukturierte Parallele zu Köroglus Kirat her: Liath Macha grau (graufarben, wie Kirat), Dub Sainglend schwarz (wie das türkische yagiz-Pferd). Die keltisch-türkische Parallele ist der Beweis des gemeinsamen Erbes der paläolithisch-eurasischen Pferdefarb-Typologie, die sich vom Atlantik bis zum Pazifik erstreckt.

Sivka-Burka in der slawischen Mythologie

Das russische Volksmärchen Sivka-Burka („Fahlpferd, Braunpferd") ist die slawische Version des Köroglu-Kirat-Motivs. In diesem Märchen gewinnt ein wunderbares Pferd dem Helden eine Königstochter-Prinzessin; die Eigenschaften des Pferdes — geflügeltes Fliegen, schnelles Laufen, dem Helden Rat geben — zeigen eine genaue Parallele zu Kirat. Die linguistisch-archäologischen Forschungen zum paläolithischen slawisch-türkischen Kontakt liefern den historischen Grund, der diese Parallele stützt.

Csodaszarvas und Csodaló der Ungarn

In der ungarischen Mythologie sind die Motive Csodaszarvas (Wunderhirsch) und Csodaló (Wunderpferd) die ungarische Version des paläolithisch-eurasischen heiligen Tierpaares Pferd-Hirsch. Die ungarisch-türkische Verwandtschaftsgeografie stützt die strukturelle Verwandtschaft dieser Motive mit Köroglu-Kirat.

Diese Reflexionen an den Ost- und Westenden Eurasiens beweisen, dass das Köroglu-Kirat-Motiv kein rein türkisch-anatolisches lokales Phänomen ist, sondern eine bestimmende Erscheinung des paläolithisch-eurasischen Mythos-Archetyps.

Akademische Diskussionen und zeitgenössische Deutungen

Die historisch-kritische Entwicklung der Köroglu-Forschung

Die Köroglu-Epos-Forschung hat seit Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene akademisch-kritische Phasen durchlaufen. Die dem Köroglu-Epos gewidmeten Abschnitte in Fuat Köprülüs (1890–1966) klassischen Studien zur türkischen Literatur bieten einen mancherorts mechanischen Rahmen, in dem die Erzählung als Produkt der türkmenisch-stämmischen Folklore-Erzeugungsmaschine nach den anatolischen Seldschuken behandelt wird. Pertev Naili Boratavs (1907–1998) Werk Köroglu Destani von 1931 ist eine der ersten großen Anwendungen der kritischen Folklore-Methodologie in der Türkei; Boratav hat, indem er die anatolischen, aserbaidschanischen, turkmenischen und usbekischen Varianten nebeneinanderstellte, die kollektive Schöpferkraft und geografische Ausdifferenzierung des Epos systematisch belegt.

Ilhan Baschgöz (1921–2021) hat in der anthropologischen Analyse der mündlich-literarischen Aschik-Vortragspraxis den lebendigen Kontext des Köroglu-Vortrags bewahrt. Karl Reichl bietet einen der wichtigsten Beiträge aus Deutschland zur türkischen Epos-Forschung; in seinem Werk Turkic Oral Epic Poetry (1992) behandelt er die Dreiheit Köroglu-Görogly-Gurugli als paradigmatisches Beispiel der eurasischen Epos-Tradition.

Mythologisch-archetypische Deutungen

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben Akademiker, die Joseph Campbells Monomythos-These auf die türkischen Epen anwandten (besonders Schükrü Elçin, Saim Sakaoglu, Metin Ekici), Köroglu im Rahmen der hero's journey (Heldenreise) neu gelesen. Diese Lesart hebt die universell-archetypische Dimension des Epos hervor; doch birgt sie die Gefahr, die türkisch-anatolische Besonderheit zuweilen zu übersehen.

Jungianische Lesarten haben sich eher zu Beginn des 21. Jahrhunderts verbreitet. Die Lesart der Anima-Selbst-Dynamik des Paares Köroglu-Kirat als Individuationsprozess ist ein Beispiel der modernen Synthese aus türkischem Sufismus und Psychologie.

Kritische Anmerkungen: panturkistische Tendenzen

Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts haben manche panturkistischen Kreise versucht, Köroglu als rein türkisch-ethnisches Erbe zu behandeln. Dieser Ansatz ist aus zwei Gründen begrenzt: Erstens sind die turkmenischen, tadschikischen, kasachischen und usbekischen Varianten des Epos Teile desselben paläolithisch-eurasischen Pferd-Held-Archetyps und liegen vor den ethnischen Grenzen; zweitens überschreitet die universell-archetypische Dimension des Epos (die Parallelen zu Pegasos, Burâq, Uchchaihshravas) die ethnische Lesart bei weitem.

Daher muss die akademisch-wissenschaftliche Deutung Köroglu zweiseitig behandeln: zugleich als ein türkisch-anatolisch-besonderes kulturelles Erbe und als eine Erscheinung des paläolithisch-eurasischen Mythos-Archetyps.

Fazit-Schluss: Kirat in uns selbst finden

Das geistige Erbe des Köroglu-Epos erscheint dem modernen Leser auf drei verschiedenen Ebenen:

  1. Die historische Ebene: die Celâlî-Aufstände des 16. Jahrhunderts, die Geografie von Bolu-Çamlibel, die anatolisch-turkmenisch-iranisch-aserbaidschanische kulturelle Verwandtschaft.
  2. Die mythisch-archetypische Ebene: das paläolithisch-eurasische Motiv des geflügelten Pferde-Transzendenz-Reittiers, die Verwandtschaft Burâq-Pegasos-Uchchaihshravas-Sleipnir.
  3. Die geistig-innere Ebene: die sufisch-allegorische Lesart — Kirat = die erzogene niedere Seele, Köroglu = das Herz-Bewusstsein, Çamlibel = das geistige Zentrum.

Diese dreistufige Lesart bewahrt das Epos vor seinen eindimensionalen Instrumentalisierungen (rein historisch, rein folkloristisch, rein ideologisch) und stellt seinen vielfältigen Reichtum in der ihm gebührenden Ganzheit dar.

Auf die grundlegenden Fragen des modernen Menschen wie die Abtrennung von Verstand und Instinkt, den Mangel an geistiger Führung und die Spaltung von Handlung und innerer Tiefe bietet die Köroglu-Kirat-Erzählung eine alte, aber lebendige Antwort: Höre auf deinen erzogenen Instinkt, vertraue deinem wunderbaren Gefährten, öffne dich vom kosmischen Zentrum zur Umgebung und kehre zurück, kämpfe an der Seite des Unterdrückten, aber vergiss nie, dass du für deinen Kirat da bist. Spüre, während du von den Berggipfeln Çamlibels herabsteigst, wie dein innerer Kirat, als breite es Flügel aus, mit dir fliegt; höre, während du die Hänge hinaufsteigst, seinen Atem in deinem eigenen Atem.

Dies ist ein lebendiger Ruf der paläolithisch-eurasischen Kosmovision, der bis in unser zeitgenössisches Leben reicht. Die Kette des geflügelten Transzendenz-Reittiers, die sich von Burâq zu Kirat, von Pegasos zu Sleipnir, von Uchchaihshravas zu Rachsch erstreckt, ist der universell-archetypische Ausdruck des Verlangens der Menschheit nach Transzendenz mit einem lebendigen Gefährten; und Köroglu ist einer der hellsten Boten des türkisch-anatolischen Abschnitts.

Anhang: Der vorhandene historische Textkorpus des Köroglu-Epos

Der den zeitgenössischen Leser erreichende Haupttextkorpus des Köroglu-Epos besteht aus verschiedenen Sammlungsversionen:

Die vergleichenden Lesarten dieses Korpus zeigen, wie das Epos als lebendig-organische mündlich-literarische Tradition in einer weiten Geografie Eurasiens fortlebte; jede Version hat die Kern-Erzählung mit ihren eigenen lokalen Färbungen bereichert, jedoch den grundlegenden symbolischen Gehalt bewahrt und so die Kontinuität des paläolithischen Mythos-Archetyps gesichert.

Schlusswort

Köroglus Kirat ist auf der geistig-inneren Reise des modernen türkischen Menschen noch immer ein lebendiger Führer. Seine wunderbare Geburt, seine vierzigtägige Erziehung im Dunkeln, sein Flug, als breite es Flügel aus, sein Ratgeben für seinen Herrn, sein Verweilen im Bergzentrum Çamlibels — all dies bietet dem modernen Leser archetypische Karten, um seinen eigenen inneren Kirat zu entdecken. Diese Karte ist eine lebendige Wegkarte, die mit der paläolithischen Tiefe des alttürkisch-anatolischen Mythos-Archetyps verschmolzen ist; und unter ihrer Führung auf die geistige Reise aufzubrechen, heißt, die paläolithisch-eurasische Kosmovision im modernen Leben neu zu beleben.