William Chittick: Zeitgenössischer Deuter Ibn Arabîs und der Wahdat al-Wujûd
Amerikanischer Islamwissenschaftler (geb. 1943); ein wegweisender Deuter, der Ibn Arabîs Futûhât und Fusûs in sorgfältigen Übersetzungen in den Westen brachte und die Wahdat al-Wujûd (Einheit des Seins) mit den Begriffen Tajallî, Chayâl und Maʿrifa der zeitgenössischen Welt erschloss.
Definition und Umfang
William C. Chittick (geb. 1943, Milford, Connecticut) ist in der zweiten Hälfte des zwanzigsten und zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts der produktivste und einflussreichste Übersetzer-Deuter, der das islamische Sufi-Denken — besonders die Metaphysik Muhyiddin Ibn Arabîs — in die westliche akademische Welt und einem breiten englischsprachigen Leserkreis nahebrachte. Seine Hauptleistung besteht darin, die zuvor im Westen meist als „verschlossen", „unverständlich" oder fälschlich als „pantheistisch" abgestempelte Tradition der Wahdat al-Wujûd so darzustellen, dass sowohl ihre philosophische Stimmigkeit als auch ihre spirituelle Tiefe sichtbar werden, indem er Tausende von Passagen sorgfältig aus Ibn Arabîs eigenen arabischen Texten übersetzte und kontextualisierte. Anders als der phänomenologisch-philosophische Ansatz Henry Corbins bietet Chitticks Arbeit eine unmittelbar textgestützte, philologisch disziplinierte Lektüre; damit gilt sie als ein echter Wendepunkt in der zeitgenössischen Rezeption des akbarischen Erbes.
Chitticks Projekt lässt sich nicht in einem einzigen Satz zusammenfassen, denn er ist nicht nur ein Übersetzer, sondern zugleich ein Ideenhistoriker, ein Komparatist und ein Deuter, der die „spirituelle Psychologie" der islamischen intellektuellen Tradition neu aufbaut. In seinen Händen wird Ibn Arabî von einer verschlossenen mittelalterlichen Gestalt zu einem lebendigen Gesprächspartner, der über das Sein, das Wissen, die Einbildungskraft und die kosmische Stellung des Menschen noch immer spricht. In diesem Sinne kann Chitticks Werk als die Übersetzung der tiefsten metaphysischen Schicht des Sufismus in die Sprache des einundzwanzigsten Jahrhunderts gewürdigt werden.
Chitticks Originalität liegt darin, dass er sorgfältig den Unterschied wahrt zwischen dem Sprechen „über" einen Text und dem Sprechenlassen des Textes „selbst". Während viele moderne Deuter Ibn Arabî auf eine These reduzieren, hebt Chittick aus dessen gewaltigem Korpus mit maßvoller und geduldiger philologischer Mühe die eigenen Aussagen des Schaichs hervor. Diese Haltung ist sowohl eine akademische Tugend als auch eine spirituelle Anstandsregel: Das Wort wird seinem Urheber zurückgegeben.
Sein Leben und seine akademische Prägung
Nachdem William Chittick sein Grundstudium am College of Wooster in Ohio abgeschlossen hatte, traf er die Entscheidung, die die Richtung seines Lebens bestimmen sollte: Für sein Promotionsstudium ging er in den Iran, an die Universität Teheran. Dort promovierte er 1974 unter der Betreuung von Seyyid Hossein Nasr, einem der bedeutendsten Vertreter des zeitgenössischen islamischen Denkens, im Fach persische Literatur. Diese Jahre unter Nasrs Anleitung verschafften Chittick sowohl den unmittelbaren Zugang zu klassischen arabischen und persischen Texten als auch die Erfahrung, die traditionellen islamischen Wissenschaften in einem lebendigen Kontext zu erlernen. Dies war eine Befähigung, die durch bloße Bibliotheksarbeit nicht zu erwerben war: die mündliche Überlieferung hinter dem Text, das Verhältnis von Meister und Schüler und die spirituelle Atmosphäre.
Während seiner Zeit in Teheran lehrte Chittick an der Aryamehr-Technischen Universität (der heutigen Scharîf-Technischen Universität) vergleichende Religionswissenschaft. Diese Jahre waren zugleich ein überaus fruchtbares intellektuelles Umfeld, in dem er gemeinsam mit seiner japanischstämmigen Frau Sachiko Murata, ebenfalls Islamwissenschaftlerin, arbeitete. In dieser kulturell lebendigen Epoche des kaiserlichen Iran hatte sich im Umkreis von Teheran ein erlesener Kreis von Denkern zusammengefunden, der von Henry Corbin bis zu Toshihiko Izutsu reichte. Unmittelbar vor der Iranischen Revolution von 1979 verließ das Paar das Land und kehrte in die Vereinigten Staaten zurück.
Chittick setzte seine lange akademische Laufbahn am Stony-Brook-Campus der State University of New York, in der Abteilung für Asien- und Asiatisch-Amerikanische Studien, mit dem Titel „Distinguished Professor" (Hervorragender Professor) fort. 2014 wurde er für seine Beiträge zum islamischen Denken mit dem renommierten Guggenheim-Stipendium geehrt. Mit Dutzenden Büchern und Hunderten Aufsätzen ist Chittick im Bereich der zeitgenössischen Islamwissenschaft zu einer Institution geworden. Seine Produktivität fällt nicht nur durch ihre Menge auf, sondern auch durch den hohen philologischen Standard, den er in jeder Arbeit wahrt; hinter jeder von ihm übersetzten Passage liegt eine sorgfältige Durchsicht und ein Vergleich der einschlägigen arabischen Begriffe.
Eine weitere Schlüsselgestalt, die er im Teheraner Umkreis kennenlernte, war in Chitticks intellektueller Prägung Izutsu. Izutsus Arbeiten, die Ibn Arabî mit dem taoistischen Denken vergleichen und die Begriffe als „semantische Felder" analysieren, beeinflussten Chitticks Methode der begrifflichen Analyse und seine Neigung, die islamische Metaphysik in einem universalen philosophischen Kontext zu lesen, zutiefst. Dennoch wählte Chittick, weniger Izutsus theoretischer Abstraktion als vielmehr der konkreten Sprache des Textes treu zu bleiben.
Seine grundlegenden Werke
Chitticks Werke nehmen nach Umfang und Sorgfalt in der zeitgenössischen Islamwissenschaft eine besondere Stellung ein. Seine wichtigsten Schriften und Beiträge einzeln zu betrachten ist nötig, um die Reichweite seines Projekts zu erkennen.
The Sufi Path of Knowledge: Ibn al-ʿArabī's Metaphysics of Imagination (Der Sufi-Weg des Wissens, 1989). Dieses Buch ist die Übersetzung und systematische Analyse von Hunderten ausgewählter Passagen aus Ibn Arabîs gewaltigem Werk al-Futûhât al-Makkiyya. Das Werk änderte die Richtung der Ibn-Arabî-Forschung im Westen von Grund auf; denn zum ersten Mal wurden die eigenen Worte des Schaichs samt seinem begrifflichen Vokabular in einem zugänglichen, aber getreuen Englisch dargeboten. Chittick stellt hier das Thema „Wissen" ins Zentrum und hebt Ibn Arabîs Epistemologie hervor — also die Frage, wie der Haqq (das Wahre/Gott), der Kosmos und die Seele zu erkennen sind.
The Self-Disclosure of God: Principles of Ibn al-ʿArabī's Cosmology (Die Selbstoffenbarung Gottes, 1998). Dies ist der zweite große Band von Übersetzung und Untersuchung aus den Futûhât. Diesmal behandelt Chittick Ibn Arabîs Kosmologie um den Begriff der göttlichen Tajallî (Selbstoffenbarung, self-disclosure). Der Kosmos wird als ein Feld der Tajallî beschrieben, in dem die Namen des Haqq ununterbrochen zur Erscheinung kommen; in jedem Augenblick geschieht eine neue Schöpfung (chalq-i jadîd).
Imaginal Worlds: Ibn al-ʿArabī and the Problem of Religious Diversity (Imaginale Welten und das Problem der religiösen Vielfalt, 1994). In diesem Buch untersucht Chittick, welche Öffnung Ibn Arabîs Lehre von der Einbildungskraft (chayâl) für die Frage der Vielheit der Religionen bietet. Der Gedanke, dass jede Religion als Ort der Erscheinung eines göttlichen Namens eine legitime Ausrichtung trägt, ist für die zeitgenössischen Debatten über den interreligiösen Dialog besonders bedeutsam.
The Sufi Path of Love: The Spiritual Teachings of Rumi (Der Sufi-Weg der Liebe, 1983). Dieses Werk, eine thematische Anthologie der Lehren Mevlânâ Celâleddîn-i Rûmîs, zeigt, dass Chittick nicht nur mit Ibn Arabî, sondern auch mit der persischen Sufi-Dichtung eine tiefe Verbindung hat. Mevlânâs überschäumende Sprache der Liebe und Ibn Arabîs theoretische Genauigkeit treffen sich in Chitticks Händen als zwei Gesichter derselben Tradition.
Ibn ʿArabi: Heir to the Prophets (Ibn Arabî, der Erbe der Propheten, 2005). Dies ist ein zugänglicher Leitfaden auf Einführungsniveau in das Denken des Schaich al-Akbar. Der Titel verweist auf Ibn Arabîs Begriff der „Erbschaft" (wirâtha) — den Gedanken, dass der Heilige (Walî) das prophetische Wissen erbt — und steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Lehre der Haqîqa Muhammadiyya (muhammadische Wirklichkeit).
The Heart of Islamic Philosophy (Das Herz der islamischen Philosophie, 2001) hingegen ist eine Untersuchung und Übersetzung über Afdal ad-Dîn Kâschânî; sie macht deutlich, dass Chitticks Interesse nicht nur auf den Sufismus beschränkt ist, sondern sich auch auf das weitere Feld der islamischen Philosophie erstreckt.
The Vision of Islam (Die Vision des Islam, 1994), das er gemeinsam mit seiner Frau Sachiko Murata verfasste, ist ein weltweit als Lehrbuch verwendetes Werk, das den Islam anhand der vier Dimensionen des Gabriel-Hadith (Islâm, Îmân, Ihsân und das Wissen um die „Stunde") ganzheitlich darstellt. Muratas Werk The Tao of Islam (Das Tao des Islam, 1992) wiederum vergleicht die polare Struktur (männlich-weiblich, Jalâl-Jamâl) im islamischen Denken mit der chinesischen Kosmologie. The Sage Learning of Liu Zhi (2009), das in einer dreifachen Zusammenarbeit von Murata, Chittick und Tu Weiming entstand, behandelt die chinesisch-islamische Tradition, in der das islamische Denken in konfuzianischen Begriffen ausgedrückt wird, und zeigt, wie weit Chitticks vergleichender Horizont reicht.
Grundlinien seiner Ibn-Arabî-Deutung
Chitticks Lektüre Ibn Arabîs gründet auf einigen wesentlichen Prinzipien. Diese zu verstehen ist unerlässlich, um die Originalität seines Beitrags zu erfassen.
Wissen und Maʿrifa (maʿrifa)
Chittick betont nachdrücklich die zentrale Stellung des Wissens im Denken Ibn Arabîs. Ihm zufolge hängen in der akbarischen Tradition die Vollkommenheit und die Erlösung des Menschen weitgehend vom richtigen Wissen ab — also davon, den Haqq, den Kosmos und die Seele so zu erkennen, wie sie sind. Doch dieses Wissen ist keine bloß durch Vernunftschluss erworbene theoretische Kenntnis, sondern die Maʿrifa (mystische Gotteserkenntnis), zu der das Herz unmittelbar durch „Geschmack" (dhauq) gelangt. Die von Chittick häufig verwendete Wendung „das Leben des Herzens mit Gott" (the heart's life with God) fasst diese erfahrungsbezogene Art des Wissens zusammen. Während die Vernunft (ʿaql) ein begrenzendes und trennendes Vermögen ist, ist das Herz (qalb) ein Spiegel, der sich beständig „dreht" (taqallub) und die göttlichen Erscheinungen aufnehmen kann. Diese Betonung steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der epistemologischen Dimension des Prozesses von Fanâʾ und Baqâʾ im Sufismus: Die Auslöschung der Seele ist zugleich eine grundlegende Wandlung einer „Art des Wissens".
Chittick gibt an diesem Punkt die feinsinnige Unterscheidung, die Ibn Arabî zwischen „ʿilm" und „maʿrifa" trifft, sorgfältig wieder. ʿIlm ist ein über einen Gegenstand erworbenes, übertragbares und lehrbares Wissen; Maʿrifa hingegen ist eine verwandelnde Vertrautheit, die den Schleier zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten hebt. Es geht nicht darum, den Haqq zu „wissen", sondern Ihn zu „kennen" — ganz so, wie man jemanden nicht aus seiner Beschreibung, sondern aus der unmittelbaren Begegnung kennt. Deshalb erfordert das wahre Wissen in der akbarischen Tradition eine moralische und spirituelle Läuterung (tazkiya); denn der Spiegel des Herzens kann die göttlichen Wahrheiten nur dann makellos widerspiegeln, wenn er poliert ist. Dass Chittick diese Unterscheidung betont, macht sichtbar, dass der Sufismus keine bloß intellektuelle Beschäftigung, sondern eine Wandlung des Daseins ist.
Einbildungskraft (khayāl) und Zwischenwelt
In Ibn Arabîs Kosmologie ist die Einbildung (chayâl) keine bloß geistige Konstruktion, sondern eine ontologische Wirklichkeitsebene: eine vermittelnde Dimension von der Beschaffenheit eines „Barzach", die zwischen der materiellen Welt und der rein spirituell/intelligiblen Welt steht. Hier ereignen sich die Träume, die spirituellen Schauungen und die Zustände des Jenseits. Wenn Chittick diesen Begriff mit „imagination" ins Englische übersetzt, grenzt er ihn sorgfältig von den westlichen Konnotationen der „Phantasie" oder „Einbildung" ab und bewahrt seinen ontologischen Ernst. Dieser Punkt nähert Chittick Corbins Begriff des mundus imaginalis (ʿÂlam al-Mithâl); doch Chittick zieht es vor, gegen Corbins bisweilen zu schematische und illuminationistisch-schiitisch betonte Lektüre dem Wortlaut von Ibn Arabîs Text unmittelbar treu zu bleiben. Die Einbildung ist ihm zufolge der „Barzach zwischen zwei Meeren": Sie verbindet und trennt zugleich.
Tajallî und die Selbstoffenbarung Gottes
Einer von Chitticks bleibendsten begrifflichen Beiträgen ist, dass er Ibn Arabîs Lehre der Tajallî mit „self-disclosure" (Selbstoffenbarung) ins Englische übersetzt. Diese Übersetzung gibt erfolgreich den dynamischen Prozess wieder, in dem der Haqq den Kosmos unaufhörlich, in jedem Augenblick aufs Neue — gemäß den Anlagen der Aʿyân ath-Thâbita (der feststehenden Wesenheiten) — zur Erscheinung bringt. Der Kosmos ist das Sich-Zeigen der Namen Gottes in einer unendlichen Reihe von Spiegeln; jedes Seiende ist der Ort der Erscheinung eines bestimmten göttlichen Namens. Gemäß dem Prinzip „Die Tajallî wiederholt sich nicht" (lâ takrâra fî't-tajallî) ist kein Augenblick mit dem vorhergehenden identisch; das Sein ist ein sich beständig erneuernder göttlicher Atem.
Die Neurahmung der Wahdat al-Wujûd
Chittick hat eine wichtige historische Richtigstellung geleistet, die zeigt, dass der Begriff „Wahdat al-Wujûd" in Ibn Arabîs eigenem Vokabular kein zentraler Fachterminus ist, sondern dass dieser eher von späteren Deutern — besonders Sadreddin Konevî und seinen Nachfolgern — systematisiert und zu einem „Schuletikett" gemacht wurde. Damit hat er auch die im Westen verbreitete Gleichung „Ibn Arabî = Pantheismus" wirksam widerlegt. Der Haqq und der Kosmos sind weder völlig identisch (das wäre Pantheismus) noch völlig voneinander getrennt (das wäre reine Transzendenz); die Beziehung ist ein feines Gleichgewicht von Taschbîh (Ähnlichsetzung) und Tanzîh (Transzendenzwahrung), das mit der Formel „weder Er noch ein Anderes als Er" (lâ huwa wa lâ ghairuhû) ausgedrückt wird. Chittick wahrt dieses Gleichgewicht sorgfältig und hält den Leser von bequemen Verallgemeinerungen fern.
Seine Arbeiten über Sadreddin Konevî und die akbarische Schule
In Chitticks akademischem Erbe nehmen seine wegweisenden Forschungen über Ibn Arabîs Hauptnachfolger Sadreddin Konevî einen besonderen Platz ein. In einem Aufsatz von 1978 stellte Chittick fest, dass Konevî, „obwohl er von Fachleuten als Ibn Arabîs wichtigster Schüler und als der Hauptvermittler bei der Verbreitung seiner Schule anerkannt wird, im Westen so gut wie unbekannt und unerforscht" sei. In den folgenden Jahrzehnten verwandte Chittick große Mühe darauf, diese Lücke zu füllen: Er untersuchte Konevîs metaphysisches System, sein Verhältnis zu seinem Konyaer Zeitgenossen Mevlânâ und wie er Ibn Arabîs poetisch-intuitiven Stil in eine „logische und stimmige metaphysische Sprache" übersetzte.
Nach Chittick brachte Konevî Ibn Arabîs wie „verstreute Perlen" eingestreute Intuitionen in eine systematische Struktur, die der intellektuellen Sprache der Zeit — besonders dem Begriffsapparat der avicennischen Philosophie — angemessen war. Dies bewirkte, dass das akbarische Denken zu einer „Wissenschaft" wurde, die in den Medresen gelehrt und zu der ein Kommentar geschrieben werden konnte. Chittick wies außerdem auf die Werke von Konevîs Schüler Saʿîd ad-Dîn Farghânî und auf Konevîs philosophischen Briefwechsel mit dem berühmten Philosophen-Astronomen Nasîr ad-Dîn Tûsî hin. Diese Arbeiten bilden die Grundlage, um zu verstehen, wie sich die akbarische Tradition nach Ibn Arabî zu einer lebendigen „Denkschule" wandelte.
Es gibt eine interessante historische Symmetrie: So wie Konevî die Gnosis Ibn Arabîs in die Sprache seiner eigenen Zeit übertrug, so hat Chittick dieselbe Gnosis in das akademische Englisch des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts übertragen. In beiden Fällen geht es darum, ein „Schmecken" (dhauq) in ein „Darlegen" (bayân) zu verwandeln, ohne es zu verlieren.
Vergleichender Kontext: Die zeitgenössischen Deuter der akbarischen Tradition
Um Chitticks Stellung zu klären, ist es erhellend, die wichtigsten Deuter des zwanzigsten Jahrhunderts zu vergleichen, die die Tradition Ibn Arabîs und der Wahdat al-Wujûd in den Westen brachten. Die folgende Tabelle zeigt vier verschiedene traditionell-akademische Ansätze und ihre Schwerpunkte:
| Deuter | Herkunft / Methode | Schwerpunkt | Schlüsselwerk | Zugangsweise |
|---|---|---|---|---|
| William Chittick | amerikanisch / philologisch-textbezogen | Wissen, Einbildung, Tajallî; Texttreue | The Sufi Path of Knowledge (1989) | Unmittelbare Übersetzung und Begriffsanalyse |
| Henry Corbin | französisch / phänomenologisch | Mundus imaginalis, illuminationistisch-schiitische Gnosis | L'imagination créatrice (1958) | Philosophisch-hermeneutischer Neuaufbau |
| Toshihiko Izutsu | japanisch / semantisch-vergleichend | Begriffsstruktur; Brücke Sufismus-Taoismus | Sufism and Taoism (1983) | Sprachwissenschaftlich-vergleichende Analyse |
| Annemarie Schimmel | deutsch / phänomenologisch-literarisch | Die poetische und Frömmigkeitsdimension des Sufismus | Mystical Dimensions of Islam (1975) | Weites historisch-literarisches Panorama |
Diese vier Namen blicken meist durch verschiedene, einander ergänzende Fenster auf dieselbe Tradition. Corbin liest Ibn Arabî innerhalb einer „Metaphysik der Vision"; Izutsu entschlüsselt die Tiefenstruktur der Begriffe; Schimmel zeichnet die poetisch-fromme Dimension des Sufismus in ihrem ganzen Reichtum. Chitticks unterscheidender Beitrag aber besteht darin, die persönliche Deutung auf ein Minimum zurückzunehmen und Ibn Arabîs eigene Stimme hervortreten zu lassen, den Leser so unmittelbar mit der Quelle von Angesicht zu Angesicht zu bringen. Diese methodische Demut bildet, paradoxerweise, seine stärkste Identität als Deuter.
Maʿrifa und vergleichendes Einheitsverständnis
Chitticks Arbeiten sind nicht nur eine innerislamische Angelegenheit, sondern erfüllen auch die Funktion einer interreligiösen Brücke. Wenn er in Imaginal Worlds Ibn Arabîs Haltung gegenüber der religiösen Vielfalt untersucht, betont er die Ansicht des Schaichs, dass jede Religion die Erscheinung eines göttlichen Namens ist. Dieser Ansatz erlaubt es, mit vergleichenden Themen wie der Vergleichung des inneren Lichts und mit dem Verständnis der „Brahman-Ātman-Einheit" der Advaita Vedânta in der indischen Tradition strukturelle Parallelen zu ziehen. Zwischen der Formel der Wahdat al-Wujûd „alles ist Seine Erscheinung" und der Formel der Advaita „alles ist Brahman (das Absolute)" besteht eine formale Ähnlichkeit; doch Chittick achtet beim Ziehen solcher Parallelen darauf, die innere Logik und den theologischen Kontext jeder Tradition zu wahren, und vermeidet billige Gleichsetzungen.
In ähnlicher Weise lassen sich auch zwischen Ibn Arabîs Lektüre des Kosmos als Erscheinung der Namen des Haqq und einem dem jüdischen Aʿyân ath-Thâbita ähnlichen Verständnis ewiger Wahrheiten nachdenkliche strukturelle Entsprechungen finden. Dank Chitticks methodischer Sorgfalt gewinnen diese Vergleiche eine nicht reduktionistische, sondern erhellende Beschaffenheit.
Die lebendige Weitergabe der Sufi-Philosophie
Chitticks methodische Haltung lässt sich als „durch Übersetzen deuten" bezeichnen. Anstatt dem Text eine moderne Theorie aufzuzwingen, baut er geduldig die begriffliche Welt des Textes selbst wieder auf. Damit verschafft er sogar Ibn Arabîs technischsten Begriffen wie Haqîqa Muhammadiyya (muhammadische Wirklichkeit) und „Châtam al-Awliyâʾ" (Siegel der Heiligen) auf der Grundlage des Quelltextes Klarheit. In seinen Übersetzungen bleibt jeder Fachbegriff sowohl seinem islamischen Kontext treu als auch für den zeitgenössischen Leser verständlich.
Chitticks Arbeiten zeigen, dass der Sufismus nicht bloß eine Sache emotionaler Frömmigkeit oder literarischen Genusses ist; vielmehr enthält er eine überaus verfeinerte Metaphysik über das Sein, das Wissen und den Menschen. Deshalb wird Chittick im zeitgenössischen islamischen Denken zusammen mit Seyyid Hossein Nasr als eine Brückengestalt gewürdigt, die die „traditionalistische" Sensibilität mit akademischer Sorgfalt verbindet. Dank seiner Übersetzungen sind die Begriffe der Welt des Fusûs al-Hikam und der Futûhât — Latâʾif-i Chamsa, Aʿyân ath-Thâbita, Tajallî, Chayâl — heute in die gemeinsame Sprache der vergleichenden Spiritualitätsforschung eingegangen.
Chitticks Werk lehrt zugleich auch eine „Lektüre-Erziehung". Um einen so dichten und vielschichtigen Autor wie Ibn Arabî zu verstehen, muss man sich Zeit lassen, jeden Begriff an seinem eigenen Ort würdigen und auf die innere Stimmigkeit des Textes vertrauen. Diese Geduld ist sowohl eine akademische Methode als auch eine spirituelle Disziplin.
Übersetzungsphilosophie und Begriffswahl
Einer von Chitticks bleibendsten Beiträgen ist das englische Begriffsvokabular, das er aufgebaut hat. Eine Tradition in eine andere Sprache zu übertragen heißt nicht nur, die Wörter auszutauschen, sondern ein Gedankenuniversum neu aufzubauen. Chittick verfährt darin überaus bewusst und begründet die Entsprechung, die er für jeden Fachbegriff wählt. Zum Beispiel für Tajallî „self-disclosure"; für chayâl „imagination", aber stets mit dem Adjektiv „imaginal" gerahmt; für wujûd nicht „being", sondern meist die Doppelung „finding/wujūd" — denn das arabische Wort wujûd trägt sowohl die Bedeutung „existieren" als auch „finden/erfassen", und Ibn Arabî nutzt diese Doppeldeutigkeit bewusst.
Diese Sorgfalt ist auch ein Zeichen dafür, dass Chittick es vermeidet, den Text gewaltsam in eine „Philosophie"-Form zu pressen. Er nähert sich Ibn Arabîs Sprache als einer „koranischen" Sprache: Die Begriffe des Schaichs sind meist aus Versen und Hadithen abgeleitet; daher wäre es irreführend, sie nur mit Philosophiebegriffen griechischen Ursprungs wiederzugeben. Chittick schlägt deshalb vor, Ibn Arabî in erster Linie als einen Ausleger (mufassir) des Koran zu lesen. Dieser Ansatz verleiht seinen Übersetzungen sowohl eine religiöse als auch eine philosophische Tiefe.
Ein weiteres wichtiges Prinzip Chitticks ist die Feststellung „Ibn Arabî ist kein systematischer Philosoph". Der Schaich kann in verschiedenen Abschnitten der Futûhât dieselbe Frage aus verschiedenen Blickwinkeln, ja sogar in scheinbar widersprüchlicher Weise behandeln; denn sein Ziel ist nicht, eine einzige „Doktrin" zu errichten, sondern die unendlichen Erscheinungen des Haqq aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen. Chittick liest diesen „multiperspektivischen" Stil nicht als einen Mangel, sondern als eine notwendige Folge von Ibn Arabîs metaphysischer Haltung. Dies unterscheidet ihn auch von manchen Deutern, die versuchen, Ibn Arabî in eine künstliche Stimmigkeit einzusperren.
Hier muss man auch an den gewaltigen Umfang der al-Futûhât al-Makkiyya erinnern: Dieses Werk, das in seinen gedruckten Ausgaben Tausende Seiten umfasst und aus fünfhundertsechzig Kapiteln besteht, in seiner Gänze zu übersetzen, übersteigt ein einzelnes Leben. Chitticks Genie liegt darin, aus diesem Ozean thematisch ausgewählte, einander erhellende Passagen zusammenzuführen und, indem er jede sowohl auf der wörtlichen als auch auf der begrifflichen Ebene kommentiert, ein lesbares Ganzes zu schaffen. So kann der Leser, auch ohne das gesamte Werk zu lesen, seine grundlegende begriffliche Architektur erfassen. Diese selektive, aber repräsentative Methode hat später auch für andere Forscher ein Vorbild geschaffen. Chitticks zwei große Bände — The Sufi Path of Knowledge und The Self-Disclosure of God — gelten zusammen als die zuverlässigste englische Pforte zum metaphysischen Kern der Futûhât.
Rezeption, Wirkung und Kritik
Chitticks Arbeiten erregten vom Augenblick ihrer Veröffentlichung an sowohl in akademischen Kreisen als auch bei einem breiten, am Sufismus interessierten Leserkreis großes Echo. The Sufi Path of Knowledge wurde in der Ibn-Arabî-Forschung zu einem „Standardwerk"; zwischen den davor und danach geschriebenen Arbeiten entstand ein deutlicher Qualitätsunterschied. Viele junge Forscher drangen über Chitticks Übersetzungen zum ersten Mal in die akbarischen Texte ein.
Gleichwohl wurde auch einige konstruktive Kritik an Chitticks Ansatz geäußert. Manche Forscher vertreten die Ansicht, dass seine enge Bindung an den Text bisweilen den historisch-gesellschaftlichen Kontext (die politischen und sozialen Bedingungen der Zeit, in der Ibn Arabî lebte) in den Hintergrund rücke. Andere wiederum merken an, dass die „traditionalistische" (perennialistische) Sensibilität — die Linie von Nasr und Izutsu — die Neigung trägt, Ibn Arabî allzu sehr als einen „zeitenthobenen" Weisen darzustellen. Dennoch verdunkeln diese Kritiken nicht Chitticks grundlegende Leistung — nämlich die Texte getreu zugänglich zu machen —; im Gegenteil, sie sind ein Zeichen dafür, dass das Fach gereift ist und nun innere Debatten führen kann.
Chitticks Wirkung ist nicht auf Ibn Arabî beschränkt. Dank The Sufi Path of Love wurden auch die Lehren Mevlânâs dem englischsprachigen Leser in einem ernsthaften akademischen Rahmen dargeboten. Seine Arbeiten über Konevî und Farghânî wiederum belebten das Interesse an der „zweiten Generation" der akbarischen Schule; so setzte sich der Gedanke durch, dass die Tradition nicht nur über die Gründergestalt, sondern auch über das sie vermittelnde Glied verstanden werden muss.
Bedeutung für die vergleichende Spiritualität
Chitticks Werk ist auch für die Forschung zur vergleichenden Spiritualität eine unschätzbare Quelle. Die Lösung, die Ibn Arabî für das Problem der „Beziehung zwischen dem Haqq und dem Kosmos" gibt — Vielheit in der Einheit, Einheit in der Vielheit —, ist nun auch dem englisch denkenden Leser zugänglich. Dadurch lassen sich die strukturellen Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der Ontologie der Wahdat al-Wujûd und dem Verständnis der „einen Wahrheit" der indischen Advaita Vedânta, der dem buddhistischen Fanâʾ ähnlichen Erfahrung der „Selbstüberschreitung" oder dem Schema des jüdischen Mystizismus „der Herabkunft vom Ein Sof (das Unendliche) zur Manifestation" diszipliniert erörtern.
Die grundlegende Lehre, die Chittick hier vermittelt, ist, dass Vergleichen nicht heißt zu sagen „alles ist dasselbe". Im Gegenteil: Jede Tradition muss in ihrer eigenen Sprache, mit ihrer eigenen inneren Logik verstanden werden; erst danach dürfen die gemeinsamen strukturellen Muster auf verantwortungsvolle Weise beobachtet werden. Diese methodische Reife macht Chittick im Bereich des zeitgenössischen vergleichenden mystischen Denkens zu einem Bezugspunkt. Ohne seine Übersetzungen wäre Ibn Arabîs Stimme in diesem globalen Dialog weitgehend stumm geblieben.
Der vollkommene Mensch und die Metaphysik des Herzens
Einer der Begriffe, die in Chitticks Ibn-Arabî-Lektüre einen zentralen Platz einnehmen, ist auch die Lehre vom Insân al-Kâmil (vollkommener Mensch). Nach Ibn Arabî ist der Kosmos ein durch die Erscheinung der göttlichen Namen entstandener „großer Mensch" (insân-i kabîr); der Mensch hingegen ist wie eine „kleine Welt" (ʿâlam-i saghîr), die das Wesen des Kosmos in sich versammelt. Der vollkommene Mensch ist das Wesen, das alle göttlichen Namen ausgewogen widerspiegeln kann und so zwischen dem Haqq und dem Kosmos die Funktion eines „Barzach" (Brücke) erfüllt. Wenn Chittick diese Lehre erläutert, zeigt er, dass sie mit dem Begriff der Haqîqa Muhammadiyya ineinandergreift: Der Prototyp des vollkommenen Menschen ist als das erste Prinzip der Schöpfung die muhammadische Wirklichkeit.
Im Zentrum dieser Metaphysik steht das Herz (qalb). Chittick analysiert die Bedeutung, die Ibn Arabî dem Herzen zuschreibt, sorgfältig: Das Herz ist ein sich beständig „drehendes" (taqallub) Organ; es erstarrt nicht in einer einzigen Glaubensform, sondern besitzt eine Weite, die in jedem Augenblick eine neue Erscheinung des Haqq aufnehmen kann. Ibn Arabîs berühmter Vers „Mein Herz ist fähig geworden, jede Gestalt aufzunehmen" ist der Ausdruck dieser Weite. Nach Chittick ist dies weder ein beliebiger Relativismus noch ein starrer Dogmatismus; vielmehr ist es eine Haltung, in der das menschliche Herz angesichts der Unendlichkeit des Haqq so weit wie möglich offen gehalten werden muss. Diese Metaphysik des Herzens steht auch mit der Lehre der Latâʾif-i Chamsa (fünf Feinheiten) in Verbindung; denn in der Sufi-Psychologie ist das Herz das hauptsächliche Zentrum des spirituellen Erkennens.
Das Konyaer Milieu und die Kette der intellektuellen Weitergabe
Chitticks Arbeiten über die akbarische Schule legen auch offen, welch ein intellektueller Knotenpunkt das Anatolien des dreizehnten Jahrhunderts — besonders Konya — war. In derselben Stadt, in denselben Jahren systematisierte Sadreddin Konevî das metaphysische Erbe Ibn Arabîs, während Mevlânâ Celâleddîn-i Rûmî die überschäumende Sprache der Liebe in seinem Mesnevî zum Ausdruck brachte. Die beiden Meister waren einander tief verehrende Zeitgenossen; die Quellen überliefern, dass Konevî bei Mevlânâs Tod das Totengebet leitete. Doch wie Chittick hervorhebt, gibt es keinen sicheren Beleg dafür, dass zwischen beiden eine unmittelbare „Weitergabe der Lehre Ibn Arabîs" stattfand; diese beiden Adern flossen in einem gemeinsamen spirituellen Klima, aber in verschiedenen Stilen.
Der Grund, weshalb Chittick diesem Bild Bedeutung beimisst, ist, zu verstehen, wie sich die akbarische Tradition verbreitete. Während das Erbe Mevlânâs über einen Orden (das Mevlevitum) und seine spirituelle Kette weitergegeben wurde, ging das Erbe Ibn Arabîs eher über „Bücher und Kommentare", also als eine textliche Tradition, weiter. Die von Konevî in Konya gegründete Bibliotheks-Stiftung, die Ibn Arabîs Werke vervielfältigte und bewahrte, war das konkrete Zentrum dieser textlichen Weitergabe. Chitticks Übersetzungen bilden, Jahrhunderte später, das jüngste Glied dieser textlichen Kette: Die in Konya begonnene Mühe des Abschreibens (Istinsâch) trifft sich symbolisch mit der heute in Stony Brook fortgesetzten Mühe des Übersetzens. So gewinnt die theoretische Ader des Sufismus als eine ununterbrochene Tradition des „Verstehens und Weitergebens" eine Kontinuität, die sieben Jahrhunderte überspannt.
Würdigung und Erbe
William Chittick ist die zeitgenössische Brücke, die Ibn Arabî und seine Schule in den Westen brachte. Seine ein halbes Jahrhundert übersteigende Mühe machte eine einst als „unverständlich" geltende Tradition sowohl in akademischer als auch in spiritueller Hinsicht zugänglich. Chitticks größte Lehre ist vielleicht diese: Der Weg, eine Denktradition zu verstehen, führt nicht darüber, ihr von außen ein Etikett aufzukleben, sondern darüber, ihre eigene Stimme geduldig anzuhören und diese Stimme getreu weiterzugeben.
Heute ist nahezu jeder Forscher, der auf Englisch über Ibn Arabî schreibt, Chitticks Übersetzungen und seiner begrifflichen Landkarte verpflichtet. Damit hat Chittick im Kontext des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts eine Funktion erfüllt, die der Systematisierung des Ibn-Arabî-Erbes durch Konevî ähnelt: die Gnosis eines Meisters in eine Sprache zu fassen, die die folgenden Generationen verstehen können. Dabei, dass die universale Botschaft des Sufismus in der zeitgenössischen Welt Widerhall fand, hat seine stille, aber tiefe Mühe eine entscheidende Rolle gespielt.
Bei der Würdigung von Chitticks Erbe muss man auch festhalten, dass seine Arbeiten nicht nur eine „Weitergabe von Wissen", sondern zugleich eine „Haltung" als Erbe hinterließen. Diese Haltung ist der Glaube, dass ein Text aus seinen eigenen Bedingungen heraus verstanden werden muss; die Überzeugung, dass Geduld, Demut und Aufmerksamkeit eine Lektüre-Tugend sind; und schließlich die Ansicht, dass die Behandlung spiritueller Wahrheiten mit akademischer Sorgfalt sie nicht herabsetzt, sondern im Gegenteil ehrt. Damit bietet Chitticks Werk sowohl eine Grundlage für die Ibn-Arabî-Forschung als auch allgemein eine Methodenlehre für die Religions- und Spiritualitätsforschung.
Im Ergebnis ist William Chittick eine Brückengestalt, die die tiefste metaphysische Tradition des Islam — die Gnosis der Wahdat al-Wujûd — der Sprache unserer Zeit erschloss und sie sowohl zu einem in der akademischen Welt geachteten Untersuchungsgegenstand als auch zu einer lebendigen Quelle für den nach Wahrheit suchenden Leser machte. Durch seine Übersetzungen sind die Begriffe des Fusûs al-Hikam und der al-Futûhât al-Makkiyya — von der Tajallî bis zur Einbildung, von den Aʿyân ath-Thâbita bis zur Maʿrifa — heute weltweit lesbar geworden. Dies ist nicht nur eine akademische Leistung, sondern ein bleibender Beitrag zur Kontinuität einer Tradition.