Das Tekke-Verbot von 1925 und Kontinuitäten danach
Die Weisen, auf die die sufischen Orden, die mit der Schließung der Tekkes und Zâwiyas am 30. November 1925 ihre offiziellen institutionellen Strukturen verloren, über informell-familiäre Gesprächsnetzwerke die kulturelle Kontinuität in Anatolien bewahrten.
Definition und konzeptueller Rahmen
Mit dem am 30. November 1925 erlassenen Gesetz Nr. 677 wurden in der Türkei die Tekkes (Ordenskonvente), Zâwiyas (Ordensklausen) und Grabmäler geschlossen; der Gebrauch von Ordensbezeichnungen und Titeln wie Derwischtum und Scheichtum wurde verboten. Dies bedeutete das offizielle Ende der Tekke-Struktur, die auf anatolischem Boden jahrhundertelang das institutionelle Rückgrat der Tasawwuf-Tradition gebildet hatte. Doch da die Kultur des sufischen Wissens, der Praxis und der Zusammenkunft (Sohbet) weit tiefere Wurzeln hatte als die institutionelle Struktur, verschwanden die Orden nicht mit einem Schlag; sie setzten ihr Dasein über informelle Hausgesprächs-Netzwerke, Familien-Silsilas, die Kette der Hâfize und ein konfessionsübergreifendes kulturelles Erbe fort.
Diese Notiz behandelt die Sache aus einem rein kulturell-spirituellen Rahmen: Sie erörtert nicht, welche politische Begründung berechtigt war, sondern untersucht lediglich ein kulturell-historisches Phänomen unter dem Aspekt der Kontinuität der geistlichen Tradition. Es gibt strukturelle Ähnlichkeiten mit den Überlebensstrategien der Naqschbandîyya gegenüber dem viel härteren religiösen Druck, den das Sowjetregime in derselben Zeit in Zentralasien ausübte — und dies bildet aus vergleichender Sicht ein wertvolles Laboratorium.
Historischer Hintergrund: Die Ordensstruktur vor 1925
Die Tekke-Geographie im Osmanischen Reich
Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert waren auf osmanischem Boden Tausende von Tekkes in Betrieb. Allein in Istanbul ist die Existenz von mehr als 300 Tekkes verzeichnet. Die wichtigsten Orden waren:
- Der Mevlevî-Orden: der Weg Mevlânâ Celâleddîn-i Rûmîs; mit Zentrum in Konya, mit der Tradition der Semâ-Zeremonie und der Masnawî-Lesung.
- Der Naqschbandî-Orden: die Silsila Bahâuddîn Naqschbands; um das stille Dhikr (hafî zikir) zentriert, mit seiner gelehrt-sufischen Mischstruktur der verbreitetste Orden.
- Der Bektaschî-Orden: die Silsila Hadschi Bektasch Velîs; mit organischer Bindung an die alevitischen Dorfgemeinschaften, mit der Cem-Zeremonie und dem lauten (cehrî) Dhikr.
- Der Qâdirî-Orden: die Silsila ʿAbd al-Qâdir al-Dschîlânîs; in der Türkei besonders in Ostanatolien stark.
- Der Halvetî-Orden: um die Halwa (den einsamen Rückzug) zentriert; reich an Zweigen wie der Sünbülîyya, Dscherrâhîyya und Schaʿbânîyya.
- Weitere Zweige wie die Rifâʿîyya, Schâdhilîyya und Saʿdîyya.
Die Tekke war nicht nur ein Ort des Gottesdienstes; sie war Bildungszentrum, Einrichtung der sozialen Hilfe, Stätte von Musik, Literatur und Kunst, Karawanserei und Armenküche und das Herz der Solidarität des Stadtviertels. Diese multifunktionale Struktur bedeutete, dass mit der Schließung der Tekkes nicht nur ein Bereich, sondern ein ganzes soziokulturelles Ökosystem unterbrochen wurde.
Der Zusammenhang der Schließungsentscheidung
Das Gesetz von 1925 war ein Teil des laizistisch-modernisierenden Programms der neu gegründeten Türkischen Republik. Der Gesetzestext führte an, die Orden „beuteten das reine religiöse Empfinden des Volkes aus", und enthielt eine Sicherheitssorge, die besonders mit einigen ordensbasierten Oppositionsbewegungen in Ostanatolien (zum Beispiel dem zu Anfang 1925 ausgebrochenen Scheich-Said-Aufstand) verbunden war. Hülya Küçük weist in ihrem Werk Sufism in Turkey (2019) darauf hin, dass das Gesetz zugleich eine bewahrende und eine zerstörende Wirkung hatte: Während es den orthodox-akademischen Tasawwuf als schriftliche Quelle bewahrte, unterbrach es die lebendige Tekke-Praxis.
Von diesem Punkt an, aus unserer rein kulturell-historischen Sicht: Wie wurde die informelle Kontinuität der Orden möglich? Dies ist eine historisch-soziologische Frage, kein politisches Urteil.
Die Mechanismen der Kontinuität
1. Die familieninterne Silsila (das Hausgespräch)
Nach der Schließung gingen die Ordens-Silsilas in die Form des „Hausgesprächs" über. Das Scheich-Mürid-Verhältnis setzte sich, ohne offiziellen Titelgebrauch, in der Form von Familienfreundschaft, Verwandtschaft oder Nachbarschaft fort. Der Arbeit Brian Silversteins Islam and Modernity in Turkey (2011) zufolge wurde besonders die Hâlidîyya-Gümüschhânevî-Silsila, ein Zweig der Naqschbandîyya, in Istanbuler Vierteln wie Üsküdar, Fatih und Eyüp über kleine Kreis-Versammlungen fortgeführt. Diese Versammlungen fanden statt:
- an einem bestimmten Tag (meist am Donnerstagabend oder Freitagmorgen)
- im Haus eines angesehenen Mihmandâr (Gastgebers)
- in kleinen Gruppen von 5 bis 15 Personen
- mit der Lesung klassischer Texte wie des Masnawî, der Fusûs und der Maktûbât-i Rabbânî
- in Begleitung des stillen hafî zikir und der Murâqaba (der Herzensbeobachtung).
Diese Form schuf einerseits, weil sie „unsichtbar" war, kein offizielles Problem und konnte andererseits den Kern der sufischen Schulung — nämlich die Herzensbindung von Scheich und Mürid und die Übertragung des geistlichen Gesprächs — bewahren.
2. Grabmal-Besuch und Volks-Tasawwuf
Das Gesetz von 1925 hatte auch die Grabmäler geschlossen; doch mit einer 1950 erlassenen Verordnung wurden einige wichtige Grabmäler dem Besuch geöffnet (das Mevlânâ-Grabmal 1926 als Museum, für den Besuch ab 1953–1954). Der Grabmal-Besuch — die Grabmal-Besuchskultur — blieb, selbst wenn keine institutionelle Tekke vorhanden war, die stärkste Stütze des Volks-Tasawwuf. In folgenden Bedeutungen:
- Lokalheiligenkult: In jedem Winkel Anatoliens wurden die als Yatir bezeichneten Gräber der Gottesfreunde (ohne offizielle Ordensregistrierung) besucht.
- Hidirellez und Jahreszeitenfeste: Im sufisch-symbolischen Rahmen wurden die Hidirellez-Feiern fortgesetzt.
- Besuche der Ordens-Altmeister (Pîr): Hadschi Bektasch Velî (Nevschehir), Mevlânâ (Konya), Hadschi Bayrâm-i Velî (Ankara), Schâh-i Naqschband (für jene, die nicht nach Buchara reisen konnten, die in seinem Namen gelesenen Hatm-i Hâcegân-Versammlungen).
3. Buch und Publikation
Über gedruckte Bücher wurden Mevlânâs Masnawî, der Diwan Yunus Emres, Ibn Arabîs Fusûs, der Diwan Niyâzî-i Misrîs und die Werke Aziz Mahmûd Hüdâyîs weiter gelesen. Besonders ab den 1940er Jahren entstand eine in Konya zentrierte Kultur der Masnawî-Lesung — die Werke der Mevlevî-Scheichs der jüngsten Zeit wie Tahir Olgun (Tahirü'l-Mevlevî, 1877–1951) schlugen die kulturelle Brücke der Zeit nach der Schließung.
4. Musik und Kunst
Die Tekke-Musik (das Ilâhî, das Naʿt, das Ayîn-i Scherîf) lebte als Konzertform oder als Schallplatte/Rundfunk weiter. Die Scheb-i Arûs-Zeremonien in Konya (ab 1955 in einem „folkloristischen" Rahmen wieder aufgenommen) wurden zu einem lebendigen Kanal der Tradition der Mevlevî-Semâ. Musiker wie Münir Nureddin Selçuk, Hâfiz Sâdettin Kaynak und Bekir Sidki Sezgin trugen die Tekke-Melodien in das Konzertrepertoire.
5. Akademisch-kulturelle Rahmung
Auch wenn der Orden offiziell verboten war, dauerten auf akademischer Ebene die Tasawwuf-Studien fort. Die Werke Abdülbâki Gölpinarlis (1900–1982) über den Mevlevî-Orden, Bedri Noyan Dedebabas über das Bektaschitum und Mehmet Önders über Mevlânâ gewährleisteten, selbst wenn kein institutioneller Orden vorhanden war, die begrifflich-historische Kontinuität.
Ordensspezifische Kontinuitätsmuster
Der Mevlevî-Orden
Der Mevlevî-Orden stellte als offizieller Orden seine Tätigkeit ein, nachdem das Mevlânâ-Grabmal und der Konvent in Konya 1926 in das Mevlânâ-Museum umgewandelt worden waren. Doch Mitglieder der Abstammungslinie wie der letzte Postnischîn (Vorsteher) Veled Tschelebi Izbudak (1869–1953) und sodann Celâleddin Tschelebi (1926–1996) verkörperten die kulturelle Fortdauer. Ab 1953–1954 begann man, jedes Jahr am 17. Dezember bei den Scheb-i Arûs-Zeremonien (dem Jahrestag des Hinscheidens Mevlânâs) die Semâ vorzuführen — im Rahmen einer „folkloristischen kulturellen Veranstaltung". Die UNESCO nahm 2008 die Mevlevî-Semâ-Zeremonie in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf; dies ist ein Anzeichen dafür, dass die traditionelle Form trotz der institutionellen Schließung über eine kulturell-internationale Anerkennung fortdauerte.
Der Naqschbandî-Orden
Die widerstandsfähigste Kontinuität zeigte sich beim Naqschbandî-Orden, denn die Grundpraktiken des Ordens (das stille Dhikr, das Sohbet, die Râbita, die Murâqaba) waren ohnehin ortsunabhängig und innerhalb des Hauses zu vollziehen. Kulturell-gesprächsbezogene Kreise wie der Hâlidîyya-Gümüschhânevî-Zweig (die Silsila Ahmed Ziyâeddin Gümüschhânevîs, 1813–1893), die Iskenderpascha-Gemeinde (unter Führung Mehmed Zâhid Kotkus, 1897–1980) und der Erenköy-Kreis (die Silsila Haci Hasan Efendi–Ramazânoglu Mahmud Sâmi Efendi) wurden zu den Kanälen dieser Kontinuität. Brian Silverstein zufolge gehören diese Strukturen zu den wichtigsten Elementen der geistlichen Kulturkarte der Türkei des 20. Jahrhunderts.
Der Qâdirî- und der Halvetî-Orden
Traditionen des lauten Dhikr wie der Qâdirî-Orden und der Halvetî-Orden (lautes Dhikr) lebten eher in ländlichen Gebieten und in der Form der Familienversammlung. Der Ausläufer des Qâdirî-Ordens in Ostanatolien (zum Beispiel die Hazne-Norschin-Silsila) setzte seine kulturell-bildenden Tätigkeiten fort. Der Dscherrâhîyya-Zweig des Halvetî-Ordens wirkte besonders ab den 1970er Jahren unter Führung Muzaffer Özaks (1916–1985) sowohl in der Türkei als auch in den USA (im Cerrahî-Halvetî-Tekke in Spring Valley, New York).
Der Bektaschî-Orden
Der Bektaschî-Orden gehörte zu den Orden, die die schwierigste Zeit des Gesetzes von 1925 durchlebten, denn er hatte ohnehin schon 1826 mit der Schließung des Janitscharenkorps eine Zeit der Verfolgung durchgemacht. Doch über die alevitisch-bektaschitischen Dorfgemeinschaften währte die organische Kontinuität der Kultur der Cem-Zeremonie und des Semâh — besonders in den Regionen Zentralanatolien, Tunceli, Sivas, Tschorum, Tokat — ununterbrochen fort. Der albanische Zweig des Bektaschitums (mit Zentrum in Tirana) hingegen überlebte in einem anderen Zusammenhang.
Vergleichende Perspektive: Tasawwuf im sowjetischen Zentralasien
Die sufische Kontinuität in der Türkei nach 1925 trägt aus rein vergleichend-soziologischer Sicht auffallende Parallelen zur Kontinuität der Naqschbandîyya in Zentralasien unter dem Sowjetregime.
Der sowjetische Druck
Von den 1920er bis in die 1980er Jahre stießen die sufischen Orden auf dem Gebiet der Sowjetunion — besonders in Usbekistan, Tadschikistan, Dagestan und Tschetschenien — auf einen viel härteren Druck als in der Türkei: die Zerstörung von Tekkes und Moschee-Dhikrstätten, die Verbannung von Scheichs, in der Stalinzeit Massendeportationen und -hinrichtungen.
Überlebensstrategien
Trotzdem überlebten die Naqschbandîyya (besonders der Mudschâhidîyya-Hâlidîyya-Zweig) sowie die Yasawîyya- und Kubrawîyya-Zweige. Der Anthropologe Aleksandr Knysh beschreibt in seiner Arbeit Sufism in Central Asia (2017) diese Strategien:
- eine um das „stille Dhikr" (zikr-i hafî) zentrierte Praxis (die die sowjetische familieninterne Überwachung nicht hören konnte)
- die Familien-Silsila (die Übertragung von Vater zu Sohn zu Enkel anstelle eines institutionellen Scheichtums)
- der Volks-Tasawwuf über den Grabmal-Besuch (das Schâh-i Naqschband-Grabmal, die Umgebung von Buchara)
- die Strategie des „unsichtbaren Ordens" (keinerlei offizielle Aufzeichnung zu hinterlassen)
Die strukturelle Parallele
Die sowjetische Version der Kontinuität in der Türkei zeigt, dass in einem Laboratorium, in dem der Druck viel heftiger war, dieselben strukturellen Mechanismen wirkten: Wenn der Orden nicht so sehr als institutionell-physisch, sondern als Silsila- und Herzensübertragung definiert wird, kann er, selbst wenn die physische Struktur geschlossen wird, sein Leben fortsetzen. Dies ist gleichsam der soziologische Test des Begriffs der „geistlichen Übertragung über das Gespräch" (der seit Dschunaid al-Baghdâdî betont wird), der das Grundmerkmal des Tasawwuf ist.
Moderne Erscheinungen (nach 1950)
In der Türkei wurden ab den 1950er Jahren — besonders nach 1980 — die informellen Gesprächsnetzwerke sichtbarer. Mit Stand 2024 stehen im Zusammenhang des modernen Tasawwuf-Aufschwungs der Tasawwuf mit seinen Publikationen, akademischen Arbeiten und Ilâhî-Semâ-Konzerten in einem intensiven kulturellen Umlauf. Ebenso markiert im Rahmen des alevitisch-bektaschitischen Aufschwungs der Aufbau der Cemhäuser das Hervortreten einer neuen institutionellen Form.
Offiziell ist das Gesetz Nr. 677 noch in Kraft; doch im „kulturell-folkloristischen" Rahmen sind die Semâ-Zeremonien, die Dhikr-Versammlungen, die Grabmal-Besuche und die Kandil-Nächte ein Teil eines gewöhnlichen kulturellen Gewebes.
Soziologische Würdigung
Der in den Arbeiten Markus Dresslers Writing Religion (2013) und Brian Silversteins gemeinsam hervorgehobene Punkt lautet: Das Gesetz von 1925 hat auf paradoxe Weise die Struktur der sufischen Kultur gewandelt, sie aber nicht vernichtet. Anstelle der Tekke vollzog sich eine Neuverknüpfung über die lebendige Zimmer-Versammlung, anstelle des offiziellen Scheichs über den Meinungsführer, anstelle der institutionellen Silsila über das kulturelle Gedächtnis. Dies zeigt, wie tief das geistliche Gewebe Anatoliens Wurzeln geschlagen hat und welche Kapazität zu einer von Institutionen unabhängigen Übertragung von Wissen und Praxis es besitzt.
In den Worten Hülya Küçüks: „In der Türkei lebt der Tasawwuf nicht, weil er nicht geschlossen wurde, sondern weil er nicht geschlossen werden kann — denn er steht nicht in steinernen Mauern, sondern im Herzen des Gesprächs."
Implikationen
Die wichtigen Implikationen, die diese historische Kontinuität im geistlich-kulturellen Rahmen trägt:
Die familieninterne Übertragung: In vielen Familien Anatoliens hat die Lesekultur von Texten wie dem Masnawî, dem Diwan Yunus' und Niyâzî-i Misrîs auch ohne institutionellen Orden die Tasawwuf-Schulung fortgesetzt.
Die Praxis des Grabmal-Besuchs: Was immer die offiziellen Institutionen sein mögen, die Herzensbindung des Volkes an das Grabmal des Gottesfreundes ist eine Art Form des gelebten Tasawwuf.
Musik, Semâ und Ilâhî: Die ästhetisch-musikalischen Kanäle sind die gegenüber dem doktrinären Kanal verletzlichsten, aber zugleich beständigsten.
Vergleichende Einsicht: Die Kontinuität anderer geistlicher Traditionen trotz des Verlusts ihrer institutionellen Infrastruktur — der Tasawwuf unter sowjetischem Druck in derselben Zeit, in China der Buddhismus und Taoismus unter kommunistischem Druck — erteilt eine universale Lehre über die Widerstandskraft des geistlich-kulturellen Gedächtnisses.
Erweiterte ordensbasierte Kontinuitätsanalyse
Das feine Gewebe der Mevlevî-Tradition
Die Mevlevî-Tradition entwickelte nach 1925 eine eigentümliche Überlebensstrategie. Neben dem Hauptkonvent in Konya wurden auch die Mevlevihâne in Istanbul wie in Galata, Yenikapi, Kasimpascha, Beschiktasch und Üsküdar geschlossen. Doch die Mevlevî-Größen der jüngsten Zeit wie der Mevlânâ-Postnischîn Mevlânâs Veled Tschelebi Izbudak (1869–1953) setzten ihre kulturell-literarischen Tätigkeiten fort.
Besonders wichtig ist der musikalische Kanal: Die Mevlevî-Ayîn-i Scherîf (in klassischen Maqâmen komponierte mystische Musikformen), der untrennbare Bestandteil der Semâ-Zeremonien, lebten sowohl im Konservatoriumsrepertoire als auch in den Familienversammlungen weiter. Musiker wie Refik Fersan, Sadettin Heper und Münir Nureddin Selçuk zeichneten dieses Repertoire auf und übertrugen es.
Die behutsamen Kontinuitätsformen der Mevlevî-Traditionssprache:
- Die Tradition des Mesnevîhân-Wesens: wöchentliche Masnawî-Leseversammlungen im Haus eines bestimmten Lehrers (meist am Montag- oder Mittwochabend). Tahir Olgun (Tahirü'l-Mevlevî, 1877–1951), Schefik Can (1909–2005) und Abdülbâki Gölpinarli gehören zu den Fortführern dieser Tradition.
- Die generationeninterne Übertragung des Mevlevî-Geschlechts: die kulturell-repräsentative Rolle der abstammungsbehafteten Tschelebi-Familie.
- Die Tradition des Aschçi-Derwischs: die Fortsetzung des Mevlevî-Küchen-Adab innerhalb des Hauses (das Adab des Matbah-i Scherîf).
- Die Weitergabe der Saiteninstrumente von Generation zu Generation: die Übertragung der Mevlevî-Musikinstrumente wie Ney, Kudüm und Rebab in der Meister-Lehrling-Silsila.
Die Soziologie der naqschbandîschen Stadtgespräche
Der Naqschbandî-Orden wirkte in der modernen Zeit als ein sufischer Kanal für die städtische Mittelschicht. Der ausführlichen Feldforschung Brian Silversteins zufolge bildeten sich in verschiedenen Vierteln Istanbuls bestimmte Kreise:
- Mehmed Zâhid Kotku (1897–1980) und die Iskenderpascha-Gemeinde: im Viertel Fatih, ein sufisches Gespräch für eine akademisch gebildete Basis. Kotkus Werke wie Tasavvufî Ahlâk erreichten eine große Leserschaft.
- Mahmud Sâmi Ramazânoglu (1892–1984) und der Erenköy-Kreis: die obere Mittelschicht, eine kulturelle Istanbuler Basis. Ein breites Anhängerprofil von Dichtern bis zu Geschäftsleuten.
- Mehmed Zâhid Kotku, der Lehrer Necmettin Erbakans, mit einem unpolitischen, sufisch-bildenden Kreis.
- Esad Coschan (1938–2001): der Nachfolger Kotkus, eine Gestalt, die sowohl den akademischen (das Theologie-Lehramt) als auch den sufischen Gesprächskanal vereinte.
Die gemeinsamen Elemente dieser Gesprächskreise:
- Lesungen klassischer Tasawwuf-Texte (Masnawî, Maktûbât-i Rabbânî, Reschahât, Letâifü'l-Minen)
- am Freitagabend das Hatm-i Hâcegân (die naqschbandîsche Dhikr-Form)
- die Unterweisung in der Murâqaba (der Herzensbeobachtung)
- die behutsame und indirekte Fortführung des Scheich-Mürid-Verhältnisses (statt eines offiziellen Treuegelöbnisses die Form der „Teilnahme am Gespräch")
Die Öffnung des Halvetî-Cerrâhî-Zweigs zu den USA
Der Cerrâhî-Zweig des Halvetî-Ordens zog in der modernen Zeit eine eigentümliche Bahn. Muzaffer Özak (1916–1985) führte ab den 1970er Jahren in der Türkei die traditionellen Halvetî-Cerrâhî-Gespräche fort und unternahm zugleich regelmäßige Besuche in die USA. In Spring Valley nahe New York wurde der Halveti-Jerrahi Order of America gegründet (in den 1980er Jahren), der bis heute tätig ist. Dies wurde zu einem wichtigen Beispiel dafür, dass ein türkisch zentrierter Orden eine transatlantische Tasawwuf-Linie errichtete.
Özaks Nachfolger, Gestalten wie Schefik Scheyh Tosun Bayrak (1926–2018), Nur Lex Hixon (1941–1995) und Scherefuddin Suudi, setzten diese transatlantische Tradition fort. Die Cerrâhî in den USA wirken mit lauten Dhikr-Versammlungen, dem Devrân-Dhikr, und Lesungen klassischer Tasawwuf-Texte.
Dies ist ein frühes Beispiel der Globalisierung des türkisch zentrierten Tasawwuf; ähnliche Prozesse setzten sich später mit der Naqschbandî-Hakkânî-Silsila Scheich Nâzim al-Haqqânîs fort.
Das ununterbrochene Gewebe des bektaschitisch-alevitischen Dorfes
Da die Bektaschî-Tekkes schon 1826 geschlossen worden waren, bedeutete das Gesetz von 1925 für das Bektaschitum eine doppelte Schließung. Doch die alevitischen Dorfgemeinschaften wirkten ohnehin über eine vom Bektaschî-Tekke-System unabhängige Dede-Talip-Silsila. Daher dauerten in den Dörfern die Cem-Rituale, die Semâh-Praktiken und die Kultur der Aschik-Deyisch völlig ununterbrochen fort. Wichtige Ocaks (Heiligenhäuser):
- Hubyar-Ocak (Region Tokat-Almus)
- Tschubuk-Hubyar-Ocak (Ankara-Tschubuk)
- Üryân-Hizir-Ocak (Erzincan-Tunceli)
- Pîr-Sultan-Abdal-Ocak (Sivas-Yildizeli, Dorf Banaz)
- Seyyid-Battal-Gazi-Ocak (Eskischehir-Seyitgazi)
- Garib-Musa-Ocak (Malatya-Yeschilyurt)
Jeder Ocak bewahrte seine eigene Abstammungslinie, sein eigenes spezifisches Cem-Zeremoniell und sein eigenes Deyisch-Repertoire. Diese plurale Struktur wurde in der Zeit des modernen alevitischen Aufschwungs zu einer Quelle des Reichtums gegenüber der Standardisierungstendenz.
Ort und Symbolik: Die Rückbeschwörung der geschlossenen Bauten
Die ontologische Bedeutung des Tekke-Ortes
In der sufischen Literatur wird die Tekke nicht als ein gewöhnliches Gebäude, sondern als Widerspiegelung des Herzens vorgestellt. Die architektonische Ordnung des Mevlevî-Konvents (Semâhâne, Grabmal, Matbah, Übungszelle) spiegelt die kosmologische Karte der geistlichen Reise wider. In dieser Hinsicht unterbrach das Gesetz von 1925 nicht nur die physischen Gebäude, sondern den öffentlichen Raum der geistlichen Symbolik.
Doch als ein interessantes strukturelles Ergebnis: Die aus dem öffentlichen Raum zurückgezogene symbolische Ordnung wurde in den Innenraum getragen. Das Haus, das Schlafzimmer, das Wohnzimmer der in der sufischen Schulung stehenden Person begann man als eine innere Tekke zu denken. Dies wurde durch die Anpassung von Praktiken wie der Murâqaba, des Dhikr und des Sohbet an die häusliche Umgebung möglich.
Das Prinzip des klassischen sufischen Begriffs „halvet der encümen" (die Einsamkeit inmitten der Menge) — das heißt, äußerlich inmitten der Gemeinschaft zu sein und innerlich in die Murâqaba versunken zu sein — fand in dieser Zeit ein eigentümliches Anwendungsfeld.
Grabmal–Friedhof–Haus: Eine dreifache Achse
Da kein institutioneller Orden vorhanden war, bildeten drei Orts-Typen das Rückgrat der sufischen Kontinuität:
- Das Grabmal: das Zentrum des Gottesfreund-Besuchs (Mevlânâ, Hadschi Bektasch, Hadschi Bayrâm, Schâh-i Velâyet, Aziz Mahmûd Hüdâyî, Yunus Emre, Eyüp Sultan).
- Der Friedhof: für gemeinschaftliches Dhikr, für Mevlid- und Yâsîn-Leseversammlungen.
- Das Haus: für das Sohbet, das Dhikr und die Murâqaba.
Diese dreifache Verteilung organisierte das physisch zerstörte Tekke-Zentrum als ein zwischen anderen Orten verteiltes geistliches Netz neu.
Vergleichende Perspektive, erweitert
Die kommunistische Zeit in China und der Chan-Buddhismus
In der Volksrepublik China nach 1949 stießen der Buddhismus und der Taoismus auf einen viel härteren Druck, besonders während der Kulturrevolution (1966–1976). Trotzdem überlebte die Linie des Chan-(Zen)-Buddhismus:
- durch nach Hongkong, Taiwan und Singapur geflohene Mönche
- als verborgene Familienpraxis im chinesischen Kernland
- durch die in der Öffnungszeit nach 1980 wiedererrichteten Tempel.
Dies ist ein weiteres Beispiel des Phänomens der tiefen Widerstandskraft des kulturellen Gedächtnisses wie beim türkischen Tasawwuf.
Iran 1925–1979: Die Pahlawî-Zeit
Im Iran verfolgte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Reza Schah Pahlawî (1925–1941) der Türkei ähnliche laizistisch-modernisierende Politiken; doch eine unmittelbare Schließung der Orden fand nicht statt. Trotzdem verringerten die schiitisch-sufischen Traditionen — besonders der Niʿmatullâhî-Orden — ihre öffentliche Sichtbarkeit und lebten in den akademisch-literarischen Kanälen weiter. Die Arbeiten westlicher Denker wie Henry Corbin über den iranischen Tasawwuf (zum Beispiel En Islam Iranien, 4 Bände) bewahrten dieses kulturelle Gedächtnis im internationalen akademischen Rahmen.
Indien nach der Unabhängigkeit: Die Fortsetzung der Bhakti-Bewegungen
Die Bhakti-Bewegungen überlebten die politisch-religiösen Krisen Indiens (die Teilung von 1947, die folgenden Zeiten); besonders indisch-islamische Synthese-Traditionen des Tasawwuf wie der Çischtî-Orden. Zentren wie das Nizâmuddîn-Auliyâ-Grabmal (Delhi) und Adschmer Sharîf (das Grabmal des Hazret Châdscha Muînuddîn Çischtî) wirkten ununterbrochen als öffentlich-religiös-kulturelle Orte. Dies zeigt eine strukturelle Ähnlichkeit mit der Grabmal-Besuchskultur in der Türkei.
Die Neurahmung der sufischen Begriffe nach 1925
Als der institutionelle Orden verschwand, wurden die klassischen sufischen Begriffe in einem persönlich-individuellen Leserahmen neu gedeutet:
- Fenâ (Auslöschung, Vergehen): Statt eine unter Scheich-Führung sich vollziehende geistliche Station zu sein, wurde sie als eine innere Erfahrung gerahmt, die über individuelle Lesung und Meditation erreicht werden kann.
- Bekâ (Fortbestand): für die nach der Fenâ erreichte Station der Einheit mit dem Wahren.
- Vahdet-i Vücûd: die systematische Lehre Ibn Arabîs; sie wurde in den tekke-fernen akademischen Kreisen erörtert.
- Sohbet: vom Scheich-Mürid-Gespräch zum buchbasierten Gespräch; später eine Entwicklung zur Form der akademischen Konferenz, der Online-Stunde, des Podcasts.
- Dhikr: eine Verschiebung vom Gruppen-Versammlungs-Dhikr zum individuellen Dhikr- und Tesbîh-Brauch.
Diese Neurahmung bedeutet nach einigen Kritikern eine Entfernung der mystischen Tradition aus ihrem praktisch-institutionell-übertragenden Zusammenhang; nach anderen eine dem Zustand des modernen Individuums angemessene Anpassung.
Praktische Ergebnisse heute
Die heutigen geistlich-praktischen Ergebnisse des langen Prozesses nach 1925:
Die traditionelle Mürschid-Mürid-Silsila-Übertragung hat sich abgeschwächt: Den Begriff des „mit einer Idschâza versehenen Scheichs" im klassischen Sinne haben die Begriffe Buch-Führer, akademischer Lehrer und Meinungsführer abgelöst.
Die individuelle Lesekultur hat sich gestärkt: Texte wie das Masnawî, die Fusûs und der Diwan Yunus' erreichten als persönliches Lesematerial eine breite Leserschaft.
Die akademischen Tasawwuf-Studien wurden zur neuen Ader der Tradition: Die Arbeiten von Akademikern wie Hülya Küçük, Ekrem Demirli und Mahmut Erol Kiliç erfüllten zugleich eine akademische und eine kulturelle Brückenfunktion.
Der ästhetisch-musikalisch-Semâ-Kanal wurde zur breitesten Berührungsfläche des Volkes mit dem Tasawwuf: die Scheb-i Arûs-Zeremonien in Konya, die Konzerte sufischer Musik, die TV-Sendungen im Ramadan.
Die Diaspora-Dimension: Der türkischstämmige Tasawwuf breitete sich im globalen Maßstab als Gesprächskreise in den USA (Cerrâhî), in England (Hakkânî) und in verschiedenen europäischen Ländern aus.
Die junge Generation und die digitale Übertragung: ab den 2010er Jahren die Verbreitung sufischen Wissens über YouTube, Podcast und soziale Medien.
All diese Elemente zeigen die paradoxe Wirkung der institutionellen Schließung: Aus dem institutionellen Tekke-Modell herausgenommen, breitete sich der Tasawwuf in einer weiteren, aber weniger strukturierten kulturellen Form aus.
Detail: Das Leben wichtiger Persönlichkeiten nach 1925
Veled Tschelebi Izbudak (1869–1953)
Der letzte Postnischîn in Konya (1909–1925). Nach dem Gesetz von 1925 blieb er in Konya, arbeitete in den ersten Jahren als Direktor des Mevlânâ-Museums und gewährleistete mit seinen Masnawî-Übersetzungen (der Veled-Izbudak-Übersetzung, 6 Bände), dass der klassische Text in der Türkei die neue Generation erreichte. Sein Leben veranschaulicht hervorragend die Rolle des individuellen Vertreters der kulturellen Kontinuität gegenüber dem institutionellen Bruch.
Tahirü'l-Mevlevî (Tahir Olgun, 1877–1951)
Ein Mevlevî-Dichter und Masnawî-Kommentator. Nach der Schließung gewährleistete er über die Publikation seiner Werke die kulturelle Kontinuität der Mevlevî. Seine Werke wie Scherh-i Mesnevi (6 Bände, nach seinem Tod von Schefik Can vollendet) und Edebiyât Lugati wurden zur Brücke der sufisch-literarischen Terminologie.
Abdülbâki Gölpinarli (1900–1982)
Ein Akademiker und Übersetzer mevlevitischer Herkunft. Nach 1925 untersuchte er im akademischen Kanal den Mevlevî-Orden: Seine Arbeiten wie Mevlânâ Celâleddin (1951), Mevlevî Âdâb ve Erkâni (1963) und Mevlâna'dan Sonra Mevlevîlik (1953) bildeten, als kein institutioneller Orden vorhanden war, die reichste türkisch-akademische Sammlung des begrifflich-historischen Tasawwuf. Zugleich gewährleisteten seine Arbeiten über klassische Diwan-Dichter (Fuzûlî, Scheyh Galib, Yunus Emre) und über die Bektaschî-Tradition auch die akademische Repräsentation der alevitisch-bektaschitischen Kultur.
Schefik Can (1909–2005)
Der Nachfolger Tahirü'l-Mevlevîs; er schuf sowohl eine Masnawî-Übersetzung und einen Kommentar als auch Werke, die die sittlich-praktische Dimension der Mevlevî-Tradition dem modernen Leser erschlossen. Seine Bücher wie Mesnevi Tercümesi (6 Bände), Tasavvuf Sohbetleri und Islâm Tasavvufu erreichten eine breite Leserschaft.
Necip Fazil Kisakürek (1904–1983)
Kein institutioneller Ordensvertreter, aber durch seine Anbindung (Intisâb) an Scheich Abdülhakîm Arvâsî (einen Zweig der Naqschbandîyya) ein Dichter und Schriftsteller, der die weiteste Bekanntmachung der Tasawwuf-Kulturwelt mit der modernen türkischen Stadtkultur gewährleistete. Werke wie der Diwan Tschile, O ve Ben (die Arvâsî-Biographie) und Tasavvuf Bahçeleri.
Mehmed Zâhid Kotku (1897–1980)
Als Imam der Iskenderpascha-Moschee stand Kotku in einem offiziellen religiösen Amt, war aber zugleich ein Meinungsführer in der Naqschbandî-Hâlidîyya-Silsila; er verwendete die Form der Predigt und des Gesprächs innerhalb der Moschee: im sichtbaren Rahmen des Moschee-Imamats die Übertragung der sufischen Schulung in den Gesprächen kleiner Gruppen nach der Predigt. Tasavvufî Ahlâk (5 Bände) ist das aus diesen Gesprächen zusammengestellte wichtige Werk.
Sâmiha Ayverdi (1905–1993)
Eine im Kreis Kenan Rifâîs (1867–1950, eines Rifâî-Scheichs) herangebildete Schriftstellerin und Denkerin. Während der Konvent Kenan Rifâîs in Altiyol in Istanbul 1925 geschlossen wurde, hatte er sich in der Form des Hausgesprächs fortgesetzt. Ayverdi trug mit ihren Werken wie Bogaziçi'nde Tarih (1966), Mâbedde Bir Gece (1939) und Ibrahim Efendi Konagi (1964) die sufisch-kulturelle Sensibilität in die moderne türkische Literatur.
Mahmud Sâmi Ramazânoglu (1892–1984)
Die zentrale Gestalt des Erenköy-Kreises. Als ein stiller, bescheidener Meinungsführer in der Naqschbandî-Silsila hatte er eine große Anhängerschaft. Viele in seinem Kreis Herangebildete wurden zu den akademischen, verlegerischen und geschäftlichen Meinungsführern der folgenden Generation.
Jeder dieser Namen ist ein konkretes Beispiel dafür, wie die sufische Silsila auch in Abwesenheit eines institutionellen Ordens über verschiedene Kanäle weiterlebte. Jeder diente innerhalb seines eigenen Berufs (Schriftsteller, Akademiker, Imam, Übersetzer, Erbe eines Postnischîn) auf verborgene oder offene Weise der Übertragung der sufischen Schulung.
Der Kanal des Volks-Tasawwuf: Das lebendige mystische Gedächtnis in Anatolien
Da kein institutioneller Orden vorhanden war, vollzog sich die breitenwirksamste Kontinuität in den Kanälen des Volks-Tasawwuf oder des populären Tasawwuf. Die Bestandteile dieses Kanals:
a) Mevlid-, Yâsîn- und Hatim-Versammlungen
Die Lesungen der Vesîletü'n-Necât (des Mevlid-i Scherîf) Süleyman Tschelebis (1351–1422) wurden weiterhin bei Todesjahrestagen, Kandil-Nächten und Ramadan-Abenden in Hausversammlungen vollzogen. Diese Versammlungen bewahrten die traditionelle Form so:
- meist von der Hausherrin (einer Frau) organisiert
- gemeinsame Teilnahme nachbarschaftlicher Frauengruppen
- Mevlid-Lesung + sufisches Gespräch + Teilen von Halva und Süßem
- das Singen von Ilâhî aus dem Diwan Yunus Emres und von Niyâzî-i Misrî.
Dieser frauenzentrierte Kanal des häuslichen Tasawwuf ist ein Feld, das die akademische Literatur lange übersah, das aber in jüngster Zeit Forscherinnen wie Hülya Küçük untersuchen.
b) Geistliche Erziehung durch die Vermittlung von Hadsch und Umra
Ab den 1950er Jahren gewannen die Personen, die von der Türkei aus die Hadsch nach Mekka und Medina vollzogen, bei ihrer Rückkehr sowohl eine geistliche Autorität als auch wurden sie zum Anlass von Muqâbele-, Yâsîn- und Hatim-Versammlungen. Dies wurde, da kein institutionelles Scheichtum vorhanden war, zum alternativen Kanal der Anhäufung individuellen geistlichen Kapitals.
c) Die Kandil-Nächte
Für die Mevlid-, Regaib-, Mîrâc-, Berat- und Kadir-Nächte besondere Programme in den Moscheen, Familienversammlungen in den Häusern, Gebetslesungen in den Frauenversammlungen. Die symbolisch-kalendarische Kontinuität der sufischen Feinheit wurde über diesen Kanal gewährleistet.
d) Tasawwuf-Bücher außerhalb der Orden
Das Vorhandensein klassischer Texte wie der Hikem-i Atâiyye, der Maktûbât-i Rabbânî und der Nefehâtü'l-Üns in den Hausbibliotheken; die gemeinsamen Lesesitzungen der Familienmitglieder. Besonders die Kultur des frühen Lesens am Freitagmorgen.
e) Die Dorf-Stadt-Verbindung: Lehrer und Muqâbele-Nächte
Die vom Dorf in die Stadt gekommene junge Generation hielt ihre Verbindung zu den Hâfiz-Lehrern im Dorf aufrecht. Die Rückkehr ins Dorf in den Ferienmonaten oder im Ramadan gewährleistete den Umlauf der sufischen Kultur zwischen Stadt und Dorf.
Wenn diese fünf Kanäle zusammen betrachtet werden, wurde der Bruch nach 1925 nicht von einem einzigen Punkt aus, sondern über ein plural-verstreutes Gedächtnisnetz überwunden.
Debatten und Kritik
Bei der Würdigung dieses langen Prozesses gibt es unter den Akademikern einige Debatten:
Der Ansatz Mahmut Erol Kiliçs
In seinem Werk Tasavvuf: Düschünce ve Tarih (2008) hebt Kiliç die paradoxe Wirkung des institutionellen Bruchs hervor: einerseits ein ernster Verlust der geistlichen Übertragung, andererseits ein breiter buchbasierter Zugang. In seinen Worten ist der Tasawwuf in der modernen Türkei „vertieft, aber verengt" — breite Massen wissen vom Tasawwuf, doch wenige leben eine tiefe geistliche Praxis.
Der Ansatz Hülya Küçüks
In Sufism in Turkey (2019) betont Küçük die Kontinuität positiver: Auch wenn ein institutioneller Verlust eintrat, hat das kulturell-familiär-akademische Kanal-Trio den Tasawwuf am Leben erhalten. Ihre Perspektive: Der Tasawwuf lebt in der modernen Türkei in pluraler Form; einen regelhaft-hagiographischen „authentischen Tasawwuf" zu erwarten, wäre sinnlos.
Der Ansatz Brian Silversteins
In Islam and Modernity in Turkey (2011) untersucht Silverstein den Zustand der Naqschbandîyya genau und gelangt zu folgendem Ergebnis: Der Orden setzte sein Dasein innerhalb eines „verborgenen öffentlichen Raums" (einer halböffentlichen Sphäre) fort. Dies ist eine Zwischenstellung, die weder gänzlich Untergrund noch gänzlich offiziell ist, und ein charakteristisches Merkmal der modernen türkischen Stadtgesellschaft.
Der Ansatz Markus Dresslers
In Writing Religion (2013) behandelt Dressler die Sache besonders für die alevitisch-bektaschitische Tradition, aber indirekt für den gesamten Tasawwuf, im Rahmen der „modernen Identitätsbildung": Der Tasawwuf nach 1925 ist aus einer alten Tradition gekommen, aber in modernen Sinnrahmen neu geschrieben worden. Dies ist weder reine Kontinuität noch reiner Bruch, sondern das Phänomen des sich wandelnden Weiterlebens.
Diese vier Perspektiven ergänzen einander: Jede bietet eine andere Perspektive (akademisch-philosophisch, historisch-soziologisch, ethnographisch-feldnah, kritisch-theoretisch).
Der weite geistlich-kulturelle Rahmen
Die tausendjährige Geschichte der Tasawwuf-Tradition in Anatolien (mit großen Persönlichkeiten wie Ahmed Yasawî, Mevlânâ, Yunus Emre, Hadschi Bektasch, Aziz Mahmûd Hüdâyî und Aziz Nesefî) hat eine so tiefe kulturelle Spur hinterlassen, dass eine Gesetzesänderung in der Mitte des 20. Jahrhunderts dieses Erbe nicht auslöschen konnte. Die Übersetzung des Masnawî ins Türkische, sein Vorhandensein in den Hausbibliotheken, dass es Gegenstand akademischer Dissertationen ist; dass der Diwan Yunus Emres Eingang in die Schulbücher fand; dass die Semâ-Zeremonien in die internationale Kulturerbeliste aufgenommen wurden — all dies sind Beweise dafür, dass die geistliche Tradition weit tiefere Wurzeln hat als die institutionellen Strukturen.
Diese Wahrheit hervorzuheben, bedeutet weder, das Gesetz von 1925 zu kritisieren, noch es zu loben. Es ist lediglich eine kulturell-historische Beobachtung: Die geistlich-traditionellen Bedürfnisse der menschlichen Seele liegen in einer von den institutionellen Ordnungen unabhängigen Tiefe und finden ihren Ausdruck über die ihnen geeignet erscheinenden Kanäle. Dass die anatolische Geographie in diesen Kanälen reich und vielfältig ist, macht sie zu einem besonderen Laboratorium des globalen geistlich-kulturellen Gedächtnisses.
Regionale Kontinuitätsmodelle
Die regional-geographische Struktur der sufischen Kontinuität nach 1925 ist ein wichtiges Thema. Jede Region entwickelte ihre eigene Überlebensstrategie:
Istanbul: Eine Stadt der vielfachen Schichten
In Istanbul lebten zugleich akademisch-intellektuelle, klassisch-stadtviertelhafte und modern-verstädterte sufische Kreise nebeneinander. Historische Viertel wie Üsküdar, Fatih, Eyüp und Beylerbeyi sind die Gebiete, in denen sich die Meinungsführer der Naqschbandîyya, der Halvetîyya und der Mevlevîyya niederließen. Moderne Viertel wie Beyoglu, Schischli und Bakirköy hingegen beherbergten die Kreise, in denen eher akademisch-begriffliche Tasawwuf-Lesungen vorgenommen wurden.
Anatolien: Dorf-Tasawwuf und Volksgedächtnis
Zentralanatolien (Konya, Kayseri, Nighde, Aksaray, Kirschehir, Yozgat, Tschorum) ist die klassische sunnitisch-sufische Geographie. Gesprächskreise der Mevlevîyya, der Naqschbandîyya und der Qâdirîyya blieben hier stark. Die Dorf-Mevlid-Versammlungen, die Kandil-Nächte und die Freitags-Yâsîn-Lesungen waren die Träger der sufischen Kultur.
Ostanatolien: Die Qâdirî-Naqschbandî-Linie
Ostanatolien (Erzurum, Erzincan, Bingöl, Bitlis, Hakkari, Van, Schirnak, Mardin) ist eine der Hochburgen des Hâlidîyya-Zweigs der Naqschbandîyya und der Qâdirîyya. Zentral-Dörfer wie Norschin (Bitlis), Hazne (an der syrischen Grenze) und Arvas (Van) sind die Orte, an denen Meinungsführer herangebildet wurden.
Schwarzmeerregion: Die Kultur des Familiengesprächs
Die Schwarzmeerregion (Trabzon, Rize, Giresun, Tokat, Samsun) ist die Region, in der die klassische naqschbandîsche Gesprächskultur in der Form der Hausversammlung intensiv lebte. Mehmed Zâhid Kotku war zwar bursaischer Herkunft, hatte aber auch in der Schwarzmeerregion eine breite Anhängerschaft.
Ägäis und Mittelmeerregion: Eine bektaschitisch-mevlevitische Mischung
Die Ägäisregion (Izmir, Manisa, Aydin, Denizli) und die Mittelmeerregion (Antalya, Mersin, Hatay) weisen historisch ein gemischtes Gewebe sowohl bektaschitischer als auch mevlevitischer als auch lokaler volks-sufischer Elemente auf. Die Tahtaci-Aleviten (besonders an der Küste von Mersin und Antalya) sind eine andere kulturell-geistliche Schicht.
Thrakien: Der Grenz-Tasawwuf
Die Region Thrakien (Edirne, Tekirdagh, Kirklareli) ist das historische Bett der klassischen mevlevitischen, halvetischen und bektaschitischen Tekkes an der balkanisch-anatolischen Grenze. Nach 1925 leerte sich in dieser Region ein wichtiger Teil der Tekke-Geographie, doch über durch Migration aus dem Balkan gekommene sufische Familien bewahrten einige Silsilas ihr Zurückfließen über Istanbul nach Thrakien.
Diese regionale Pluralität zeigt, dass die sufische Kontinuität nach 1925 nicht mit einem einzigen Modell, sondern mit pluralen regionalen Modellen gewährleistet wurde.
Die Natur der geistlichen Übertragung: Ein Problem und eine Auffassung
Die klassische Tasawwuf-Doktrin hält das Scheich-Mürid-Verhältnis von Angesicht zu Angesicht für die Übertragung des geistlichen Wissens für zwingend. Alle klassischen Quellen, von Dschunaid al-Baghdâdî bis Ibn Arabî, von Imam Rabbânî bis Mevlânâ Hâlid, sagen, dass der „Blick der Barmherzigkeit" (der barmherzige Blick des geistlichen Führers auf den Mürid) das Herz der sufischen Schulung ist. Das Lesen von Büchern ist wertvoll, doch ohne die Herzensübertragung genügt es nicht.
Demnach hat der institutionelle Bruch nach 1925 die Kanäle der Herzensübertragung tief beeinträchtigt:
- Für die Personen, die innerhalb der vorhandenen Gesprächskreise standen, setzte sich diese Übertragung fort.
- Für die außerhalb des Gesprächskreises gebliebenen, nur aus Büchern lernenden Leser kann eine unvollständige Tasawwuf-Erfahrung in Betracht kommen.
Doch es gibt auch eine alternative Auffassung: Die Werke der sufischen Großen tragen, wenn sie aufmerksam und willig gelesen werden, ihre geistliche Wirkung weiter. Dieser Auffassung zufolge gilt das Lesen des Masnawî als eine Art zeitübergreifendes Gespräch mit Mevlânâ; das Lesen der Fusûs bedeutet, eine geistliche Bindung mit Ibn Arabî zu knüpfen.
Die Spannung zwischen diesen beiden Auffassungen ist eine der wichtigsten begrifflichen Fragen des modernen türkischen Tasawwuf und hat keine einzige richtige Antwort — sie bleibt auf der praktisch-lebensweltlichen Ebene eine Angelegenheit, die jedes Individuum auf seiner eigenen geistlichen Reise lösen muss.
Die Bedeutung der klassischen Tasawwuf-Begriffe im individuellen Zusammenhang nach 1925
Da keine institutionelle Ordensstruktur vorhanden war, wurde es zu einer wichtigen Frage, was die klassischen sufischen Begriffe für den individuellen Leser bedeuten:
Tevbe und Murâqaba
Im klassischen Tasawwuf waren die Tevbe (die Umkehr von vergangenen Fehlern) und die Murâqaba (die Herzensbeobachtung) tägliche, an Zeiten gebundene Praktiken unter Scheich-Führung. Können diese Praktiken für den individuellen Leser im autonomen Leser-Modell angewandt werden? Die Antwort: teilweise ja — mit Absicht, Aufrichtigkeit und beständigem Lesen. Doch dieselbe Tiefe wie in der klassischen Form ist freilich schwer.
Sabir und Tevekkül
Diese beiden grundlegenden sufischen Begriffe wurden zu den im individuellen Zusammenhang am leichtesten anwendbaren und die moderne türkische Leserschaft am weitesten erreichenden Begriffen. Mevlânâs Erinnerung „Die Geduld ist bitter, aber ihre Frucht ist süß" fand auch im Rahmen der modernen Stressbewältigung breite Aufnahme.
Edep und Hilm
Die Lehren des klassischen sufischen Edep (der geistlichen Anmut) und des Hilm (der Sanftmut und Geduld) wurden als eine geistliche Wegweisung für die sozial-kommunikativen Probleme der modernen Gesellschaft neu bewertet.
Muhabba (göttliche Liebe)
Die über Mevlânâ und Yunus Emre ihren Ausdruck findende Lehre der göttlichen Liebe (Muhabba-i ilâhî) fand auch in der modernen türkischen Populärkultur einen breiten Widerhall. Dies ist der am wenigsten von der klassischen geistlichen Übertragung abgetrennte Kanal, denn Texte wie das Masnawî und der Diwan Yunus' erreichen jeden Leser unmittelbar.
Fenâ und Bekâ
Die fortgeschrittenen sufischen Begriffe der Fenâ (der Auslöschung, des Vergehens) und der Bekâ (des Fortbestands, der Einheit mit dem Wahren) bilden für den individuellen Leser ein schwierigeres Feld. Doch in den akademischen Tasawwuf-Studien und in vergleichenden Arbeiten (Mahmut Erol Kiliçs Vergleiche mit der Vedânta, Schuons perenniale Arbeiten) wird der begriffliche Inhalt dieser Begriffe behandelt.
Das Leben dieser Begriffe im modernen individuellen Zusammenhang ist die konkrete Erscheinung des Gleichgewichts des Tasawwuf zwischen „institutioneller Tiefe und individueller Breite".
Der weite gesellschaftliche geistlich-kulturelle Rahmen
Bei der Würdigung der sufischen Kontinuität nach 1925 ist es wichtig, sie in einen weiten gesellschaftlichen geistlich-kulturellen Rahmen einzuordnen. Anatolien ist sowohl wegen seiner geographischen Lage als auch wegen seiner historischen Tiefe ein geistlich-kultureller Kreuzungspunkt:
- das byzantinisch-christliche geistliche Erbe (die Hesychasmus-Linie)
- das seldschukisch-osmanische islamisch-sufische Erbe
- der bektaschitisch-alevitische populäre Mystizismus
- die antik-anatolischen Mysterienkulte (einige strukturelle Ähnlichkeiten zwischen der Mevlevî-Semâ und den dionysischen Ritualen sind von manchen Forschern erörtert worden)
- der griechisch-hellenistische philosophische Mystizismus (Plotin, der Neuplatonismus)
- die schamanisch-tengristische türkische Tradition
- die zoroastrisch-gnostische ostmediterrane Welt
Dieses plural-geschichtete Erbe konnte mit dem Gesetz von 1925 nicht mit einem Schlag ausgelöscht werden; nur seine institutionelle Form änderte sich, seine tiefen Schichten lebten weiter. Daher ist der moderne türkische Tasawwuf nicht nur ein Abschnitt der islamisch-sufischen Geschichte, sondern die zeitgenössische Widerspiegelung einer tausendjährigen anatolischen geistlichen Archäologie.
Das Weiterleben der klassischen Tasawwuf-Praktiken nach 1925: Eine detaillierte Übersicht
Auch wenn keine institutionelle Ordensstruktur vorhanden war, lässt sich in einer detaillierten Übersicht zeigen, wie die klassischen Tasawwuf-Praktiken weiterlebten:
Die Dhikr-Praxis
Die Praxis des Dhikr (des Gedenkens Gottes):
- Das Tesbîh-Beten: tägliche Dhikr von 33, 99 oder 1000 Wiederholungen. Dies ist eine innerhalb des Hauses bequem auszuführende individuelle Praxis.
- Das Studium der Esmâü'l-Hüsnâ: das Erlernen der 99 Namen Gottes, das Nachsinnen über jeden Namen.
- Das Hatm-i Hâcegân: die der Naqschbandî-Silsila eigene Form des stillen Dhikr; es lebte in der Form der Familienversammlung weiter.
- Das Devrân (Cerrâhî-Halvetî): das laute gemeinschaftliche Dhikr; es wurde an besonderen Orten (Stiftungsräumen, Privathäusern) fortgeführt.
Die Murâqaba-Praxis
Die Murâqaba (die Herzensbeobachtung):
- Die klassische Form: unter Scheich-Führung Formen wie die Halvet-i Kubûriyya oder die Râbita-i Mevt (das Nachsinnen über den Tod).
- Die individuelle Form: zu bestimmten täglichen Zeiten (besonders zur Zeit vor der Morgendämmerung) das stille Sitzen, die Herzensbeobachtung.
- Die akademische Form: In den Tasawwuf-Philosophie-Seminaren wird das Thema „Murâqaba-Praxis" begrifflich erörtert.
Semâ
Die Semâ (der mystische Mevlevî-Tanz):
- Die kulturell-folkloristische Form: bei der Scheb-i Arûs in Konya und anderen Jahreszeremonien.
- Die bildende Form: moderne Werkstätten, die Semâ-Unterricht bieten, die von Mevlevî-Lehrern gegebene Ausbildung.
- Die internationale Form: über die Mevlevî-Orden in den USA und Europa.
Mesnevîhân
Die Tradition der Masnawî-Lesung:
- Das klassische Mesnevîhân-Wesen: wöchentliche Lesung im Haus eines bestimmten Lehrers.
- Die akademischen Masnawî-Stunden: am Universitätslehrstuhl.
- Die Online-Masnawî-Lesungen: über YouTube und soziale Medien.
Hatm-i Hâcegân und gemeinschaftliche Gebete
Das der Naqschbandî-Silsila eigene Hatm-i Hâcegân (gemeinschaftliche Fâtiha und Salavât) dauert auch in der modernen Zeit fort — besonders am Freitagabend oder in den Kandil-Nächten, in kleinen Familienversammlungen.
Der gemeinsame Charakter dieser Praxis-Übersicht: der Übergang von den institutionellen Orten zu den Formen des häuslichen, des akademischen, des Stiftungs- und des Online-Ortes; aber die Bewahrung des Kerns.
Verbindungen
Zusammen mit modern-turkiye-tasavvuf-canlanma gelesen, treten die zwei Gesichter der türkischen Tasawwuf-Geschichte des 20. Jahrhunderts hervor: der Bruch (1925) und der Aufschwung (nach 1950). Zusammen mit modern-alevi-bektasi-canlanma hingegen wird die eigentümliche Bahn der alevitisch-bektaschitischen Tradition sichtbar.